เข้าสู่ระบบOphelias Sichtweise
Wir starren uns an. Uns beiden ist die jeweilige Gefühlslage ins Gesicht geschrieben.
Dante Vaughn wirkt genervt – als hätte ich ihn dadurch belästigt, dass ich beinahe gestorben wäre. Sein Blick tastet mich scharf und prüfend ab, als würde er bereits eine Schadensbilanz aufstellen. Ich hingegen bin so wütend, dass ich am liebsten den Asphalt unter meinen Füßen in Brand setzen würde.
Ich mache den ersten Schritt.
Ich marschiere direkt auf ihn zu; meine Absätze bohren sich in den Boden. Seine Sicherheitsleute spannen sich an, doch er hebt die Hand und stoppt sie, ohne hinzusehen.
„Bring das in Ordnung“, fahre ich ihn an und bleibe nur Zentimeter vor seinem Gesicht stehen. „Bereinige dieses Chaos.“
Seine Kiefermuskeln spannen sich an, doch er sagt nichts.
„Deine Lüge“, fahre ich fort – meine Stimme ist leise, bebt aber vor Wut –, „verfolgt mich seit zwei Jahren. Heute Nacht hätte sie mich fast umgebracht.“
Ich lache kurz auf – scharf und humorlos. „Weißt du, wie lächerlich das klingt? In eine Lagerhalle verschleppt zu werden, nur wegen etwas, das du in einem Raum gesagt hast, an den ich mich nicht einmal erinnere? Ich? Deine Frau? In keinem Universum!“
Er schweigt, und ich schnaube verächtlich. Der allmächtige Vaughn hält es also offenbar nicht einmal für nötig, mit mir zu reden.
„Warum bist du überhaupt hier?“, frage ich fordernd. „Wir kennen uns doch gar nicht.“
Der Mann neben ihm räuspert sich.
„Ich bin Sebastian“, sagt er mit ruhiger Stimme. „Mr. Vaughns Assistent.“
Ich sehe ihn nicht an.
„Wir haben ein Video erhalten“, fährt Sebastian fort. „Eine Lösegeldforderung. Sie verlangten eine Zahlung für Dante Vaughns Frau.“
Damit erregt er endlich meine Aufmerksamkeit; ich funkle den Mann wütend an. Er weicht hinter Dante zurück.
Dantes Blick huscht zu mir hinüber. Kalt und abwägend.
„Er wollte sehen“, fügt Sebastian leise hinzu, „wer behauptet, seine Frau zu sein. Und dem Schwindel ein Ende setzen.“
Etwas Hässliches zieht sich in meiner Brust zusammen.
„Das ist alles Bullshit“, sage ich trocken. „Und du wirst das aufklären.“
Ich warte nicht auf eine Antwort. Ich drehe mich um und gehe, noch bevor Dante Vaughn auch nur ein einziges Wort sagen kann.
~ ~
Zuhause riecht es nach Wärme und Kontrolle. Lydia ist schon auf den Beinen, als ich hereinkomme. Eden hält sich in der Nähe der Treppe auf – blass, aber mit entschlossenem Blick. Adrian lehnt an der Theke, und in seinen Augen tanzt Belustigung.
Eden ergreift als Erste das Wort: „Ich bin dem Peilsender an deinem Armband gefolgt. Ich habe Vesper geschickt.“
Ich gehe durch den Raum und schließe sie in die Arme. „Das hast du gut gemacht.“
Lydia schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch. „Man sollte sie alle umbringen.“
Adrian lacht. „Immer noch ein Hitzkopf“, sagt er und schüttelt den Kopf. „Lass wenigstens die Anwälte erst mal ihren Spaß haben.“
Das Abendessen verläuft bruchstückhaft. Stimmen, beruhigende Worte. Lydia starrt finster vor sich hin, als würde sie ein Massaker planen.
Später, allein in meinem Zimmer, lasse ich die Ereignisse des Tages endlich an mich heran; ich lege mich aufs Bett und starre an die Decke.
Dante Vaughns Ehefrau.
Ich schnaube leise. Die Absurdität der Situation entlockt mir ein Lachen, das jedoch genauso schnell wieder verblasst, wie es gekommen ist.
Der Schlaf übermannt mich, ehe ich mich dagegen wehren kann.
Und mit ihm die Vergangenheit.
~ ~
Vor fünf Jahren.
Ich komme müde nach Hause – in Gedanken schon unter der Dusche –, als ich Stimmen höre. Collins und ich hatten kaum Besuch. Das Wohnzimmer ist voller lächelnder Gesichter und erwartungsvollem Gemurmel.
Dann höre ich seine Stimme.
Collins.
„Ich möchte den Rest meines Lebens mit dir verbringen.“
Mein Herz setzt einen Schlag aus. Ich trete vor und sehe ihn auf einem Knie.
Aber nicht vor mir.
Vor meiner Schwester.
Liora schnappt nach Luft und schlägt die Hände vor den Mund. Er steckt ihr den Ring an den Finger; sein Blick ist voller Zärtlichkeit – eine Sanftheit, die ich bei ihm noch nie erlebt habe, wenn er mich ansah.
Wir wollten nächste Woche heiraten.
Ich rufe seinen Namen und sinke auf die Knie, noch bevor mir überhaupt bewusst wird, was ich tue.
„Bitte“, flehe ich. „Sag mir einfach, was ich falsch gemacht habe.“
Er sieht mich an, als wäre ich eine lästige Last.
„Du bist langweilig“, sagt er. „Und hässlich. Du würdest meinen Ruf ruinieren.“
Liora lacht.
„Gott, bist du dumm“, sagt sie. „Hast du das wirklich nicht kommen sehen?“ Gelächter brandet durch den Raum, und in meinem Inneren zerbricht etwas.
Ich stürme aus dem Haus. Hinaus in die Nacht – und an den falschen Ort.
Im Stripclub ist es laut und stickig; dicht gedrängte Körper, Hitze, Schweiß und Neonlicht. Ich versuche, den Ausgang zu finden, als sich eine Tür öffnet und ich hineinstolpere.
Ein VIP-Raum.
Die Musik verstummt, Köpfe drehen sich zu mir um. Ein bulliger Sicherheitsmann kommt auf mich zu, die Hand schon ausgestreckt.
Dann legt sich ein Arm um meine Taille und zieht mich mit Wucht auf jemandes Schoß. Eine Männerstimme murmelt an meinem Ohr – ruhig und gefährlich.
„Und warum bist du hier, Ehefrau?“
Genau in diesem Moment zerbrach mein Leben in zwei Teile.
Ophelias SichtIhre Hand fuchtelte wild herum, und plötzlich flimmerte ein altes Foto von mir an die Projektionswand.Mein Herz raste.Das war ich, vor Jahren, unbeholfen, dick und unkenntlich. Das Foto war im Schlaf entstanden, kaum angezogen. Ich sah aus wie ein Wrack.Das Geflüster im Raum wurde grausam.„Sie war fünf Jahre lang verschwunden und kommt so zurück? Lächerlich. Das ist keine Verwandlung, das ist der Beweis.“„Das alte Foto erklärt alles. Dante hätte sie damals nicht mal mit dem Hintern angeschaut.“„Sie hat ihr Gesicht und ihr Leben aufpolieren lassen. Verklär das nicht.“„Wenn sie über ihre Vergangenheit gelogen hat, worüber hat sie dann noch gelogen?“„Sie sollte dankbar sein, dass sie überhaupt jemand geheiratet hat.“„Sie ist der Beweis, dass Männer keine Frauen lieben, sondern nur ein neues Aussehen.“Ich bekam keine Luft. Ich hörte so vieles gleichzeitig. Instinktiv schnellte meine Hand hoch, um sie zu schlagen oder ihr das Handy wegzunehmen, doch Dantes starke F
Ophelias Sicht„Sieh dir das an!“, lallte ich. „Schon wieder ein freudiges Wiedersehen.“Das Gemurmel wurde lauter, ein leises, erwartungsvolles Summen, und Dante zuckte nicht einmal mit der Wimper. Im Gegenteil, seine Haltung wirkte angespannter, wie die eines Mannes, der plötzlich in eine Rolle schlüpft, deren Tragweite er begriff. Er sah mich nur einmal kurz und undurchschaubar an, dann wandte er sich dem Raum zu, als wäre der Abend genau so vorherbestimmt.Collins kam als Erster auf mich zu.Er lächelte, als teilten wir etwas Zärtliches. Intimes.„Lia“, sagte er und benutzte den Namen, den ich mit meiner Vergangenheit begraben hatte. „Ich habe dich vermisst.“Mein Rücken rührte sich nicht. Seine Stimme redete trotzdem weiter, monoton und selbstsicher, als hätte er nie gelernt, aufzuhören.Er lachte leise, als wäre alles nur ein harmloser Scherz.„Du erinnerst dich doch, wie du damals warst, oder?“ „Immer so still“, sagte er und blickte sich um, als wolle er alle Anwesenden zu sein
Aus Ophelias SichtLucien grinste, und ich folgte ihm zu Dantes Büro. Die Tür öffnete sich, und im selben Moment begann die Vorstellung.Dante blickte von seinem Schreibtisch auf; sein Gesichtsausdruck wandelte sich augenblicklich. Sein Arm legte sich mit beunruhigender Leichtigkeit um meine Taille.„Ich habe dich vermisst“, sagte ich beiläufig und wollte ihn umarmen; er erwiderte die Umarmung. Aus irgendeinem Grund fühlte er sich warm an.Lucien lachte. „Ich hätte nie gedacht, dass ich den Tag erleben würde, an dem sich Dante Vaughn verliebt.“Dante verzog keine Miene. „Ich auch nicht.“Luciens Blick wurde schärfer. „Wie habt ihr euch also kennengelernt?“Ich zögerte. Nur einen winzigen Augenblick lang.Dante überbrückte die Stille souverän. „Spiel uns nichts vor, Lucien.“Ich sah ihn überrascht an.„Wie dem auch sei, wir sind jetzt verliebt“, fügte er hinzu; seine Augen wirkten warm, seine Stimme so aufrichtig, dass sie gefährlich klang.Lucien beobachtete uns noch einen Moment läng
Eine Welt der aufgesetzten Lächeln und der strengen Etikette. Täglich gingen Einladungen ein. Galas. Auktionen. Geburtstage, für deren Besuch ich früher nie wichtig genug gewesen war.Mir bedeutete das alles nichts.Calista hingegen schon.„Wenn du zu lange von der Bildfläche verschwindest, fangen sie an, sich ihre eigenen Geschichten auszudenken“, warnte sie und stand wie eine Richterin über meinen Schreibtisch gebeugt. „Such dir eine aus.“Das tat ich dann auch.Als ich später am Tag die Einladungen durchging, blieb ich bei einer Karte hängen. Das Papier war von einfacherer Qualität. Die Namen darauf am wenigsten beeindruckend. Ich lächelte in mich hinein und sagte ohne Zögern zu.Eine Stunde später fuhr ich zu Dantes Büro.Der Empfangsbereich war eine Mischung aus Glas, Marmor und einschüchternder Atmosphäre. Als ich eintrat, lehnte ein Mann lässig am Empfangstresen – perfektes blondes Haar, einstudiertes Lächeln, zu gut gekleidet für jemanden, der behauptete, nur auf Besuch zu sei
Ophelias SichtweiseAm nächsten Morgen hing ich noch immer dem Besuch nach, als Calista – förmlich am ganzen Leib zitternd – fast in mich hineinrannte.„Ophelia! Was ist los? Warum hast du mir nichts gesagt?“, verlangte sie zu wissen und hielt ihr Tablet hoch, als wäre es eine Waffe.Verwirrt blinzelte ich; ich versuchte noch immer, die aufgewühlte Energie um mich herum und den Nachgeschmack des Brandys in meinem Mund zu verarbeiten. „Was genau soll ich dir sagen?“Sie drückte mir das Gerät entgegen. „Das hier!“Mein Gehirn setzte einen Moment aus.Zunächst rührte ich mich nicht, sondern starrte nur auf das Tablet, das Calista mir in die Hände gedrückt hatte. Die Worte verschwammen vor meinen Augen – grell, fettgedruckt und geradezu schreiend:„CEO heiratet langjährige geheime Ehefrau nach Entführungsskandal.“„Video-Leak bestätigt Ehe des CEOs.“Ich blinzelte. Blinzelte noch einmal. Mein Magen zog sich zusammen, als das erste Video abgespielt wurde. Da war ich … nun ja, eine verschwo
Ophelias Sichtweise„Und warum bist du hier, meine Frau?“Ich wollte mich gegen ihn aufbäumen, ihm den Ellbogen in die Rippen rammen und schreien, bis sich jeder Kopf im Raum zu uns drehte, doch seine Lippen streiften mein Ohr und seine Stimme nahm einen scharfen, grausamen Unterton an.„Spiel mit“, murmelte er – ruhig wie eine in Seide gehüllte Drohung –, „es sei denn, du willst lieber, dass ich die Männer draußen bitte, sich mit dir zu vergnügen.“Mein Körper versteifte sich.In der nächsten Stunde nahm ich meine Umgebung kaum noch wahr. Ich saß da wie ein bloßes Schmuckstück, die Finger zitternd um ein Glas Brandy geschlossen, und nahm vorsichtige Schlucke, damit niemand bemerkte, wie nah ich einer Ohnmacht war. Überall verfolgten mich Blicke. Neugierig und taxierend.Ich beobachtete den Mann, der mich gerade zu seiner Frau erklärt hatte, und zu meinem Entsetzen kroch Hitze an meinem Hals empor. Er war zum Verrücktwerden gutaussehend. Kultiviert. Unnahbar. Ich schalt mich selbst







