LOGINDamiens Sicht:Die Erkenntnis, dass ich mich die ganze Zeit geirrt hatte, legte sich schwer auf meine Brust, als ich mich von Rowan entfernte.Ich hatte schon immer gewusst, dass an all dem etwas faul war. Und in dem Moment, als ich mich allein mit Rowan in diesem kleinen Raum wiedergefunden hatte, war mir die Antwort auf die Frage, die mich beschäftigte, sofort klar geworden.Der alte Älteste hatte mich nicht einmal mit seinen Worten überzeugen müssen. Seine Gefühle und Gesichtsausdrücke hatten das bereits getan. Ich hatte schon Verwirrung, Angst und Entsetzen in den Augen Hunderter Männer gesehen, und bei ihm waren diese Gefühle echt gewesen.Ich konnte mich noch genau daran erinnern, wie sich seine Augen vor Schock geweitet hatten, als sein Blick auf die Karten gefallen war. In diesem Moment war für mich endgültig klar gewesen, dass Rowan unmöglich der Verräter sein konnte.So reagierte kein Wolf, der gerade überführt worden war. Nein, das war die Reaktion eines Wolfs, der gerade e
Rowans Sicht:Zum ersten Mal in seinen über acht Jahrzehnten hatte Rowan Angst.Und zwar wegen etwas, von dem er niemals geglaubt hätte, dass es jemals passieren könnte: ein Verräter innerhalb des Rudels.All die seltsamen Ereignisse der vergangenen Wochen ergaben nun einen Sinn. Rowan wusste, dass das Rudel ihn verdächtigte. Der Gedanke, dass sie ihn für einen Verräter halten könnten, war ihm ein- oder zweimal durch den Kopf gegangen, doch er hatte ihn nie wirklich ernst genommen.Das Viscount-Rudel war nicht einfach nur ein Rudel. Es war eine Familie, stärker als alles andere auf der Welt.Der Gedanke, dass ausgerechnet die Familie, der er sein ganzes Leben lang vertraut hatte, nun unterwandert und von innen heraus zerstört worden war, war wahrhaft beängstigend.Während Rowan ziellos durch das Rudelgebiet schlenderte, vergingen die Minuten, und er verlor sich immer mehr in seinen Gedanken. Das Gespräch mit Damien spielte sich unaufhörlich in seinem Kopf ab.„Es gibt tatsächlich eine
Damiens Sicht:In den ersten Sekunden nach meiner Frage schien die Spannung zwischen uns beinahe greifbar. Die Worte hallten länger zwischen uns nach, als ich erwartet hatte.„Bist du der Verräter?“Zum ersten Mal, seit ich Ältesten Rowan kannte, wirkte er vollkommen fassungslos. Seine Augen weiteten sich, und seine Lippen öffneten sich vor purem Schock.Sekunden später wich ihm jegliche Farbe aus dem Gesicht. Mehr Emotionen huschten über seine Züge, als ich jemals zuvor bei ihm gesehen hatte.Sein Gesichtsausdruck wechselte zwischen Unglauben, Verwirrung und Entsetzen, bevor er sich schließlich in etwas anderem verlor: Resignation.Offenbar bemüht, Selbstsicherheit auszustrahlen, sah er mir eine volle Sekunde in die Augen, bevor er den Kopf schüttelte.„Nein.“ Seine Stimme klang ruhig und gefasst. „Ich bin nicht der Verräter.“Stille legte sich über den Raum, während ich nicht nur über seine Worte, sondern auch über seine Reaktionen nachdachte.Bevor ich etwas sagen konnte, atmete Ro
Damiens Sicht:Die schweren Türen fielen hinter Blade ins Schloss und verschafften mir endlich den Freiraum, den ich mit meiner Gefährtin brauchte.Nyssa stand auf und beugte sich über den Tisch. Gemeinsam begannen wir, die Karten genauer zu untersuchen.Die nächsten Minuten verbrachten wir in völliger Stille. Je länger ich die Karten und Listen studierte, desto größer wurde meine Besorgnis. Jede einzelne Linie auf der Patrouillenkarte war mit äußerster Präzision eingezeichnet.Hier standen Informationen, die nur ein Ältester kennen konnte. Es gab sogar Dinge in diesen Dokumenten, von denen nicht einmal ich etwas gewusst hatte.Außerdem enthielten sie eine kurze Liste mit verwundbaren Stellen in unserem Gebiet, durch die eine Armee eindringen könnte.Wer auch immer diese Dokumente angefertigt hatte, hatte nicht einfach Vermutungen angestellt. Diese Person kannte mein Rudel ganz genau.Mit gerunzelter Stirn beugte Nyssa sich vor und blätterte zu einem weiteren Blatt. Es war das einzige
Blades Sicht:Blade hatte während der gesamten Versammlung jeden einzelnen Ältesten beobachtet. Seine Hände hielt er hinter dem Rücken verschränkt, doch sein Blick war auf jede verdächtige Bewegung und jeden ungewöhnlichen Seitenblick der Ratsmitglieder gerichtet.Sobald ein Ältester seine Haltung veränderte, richtete Blade seine Aufmerksamkeit sofort auf ihn.Seit Damien ihm mitgeteilt hatte, dass sich Verräter im Rudel befanden, betrachtete er niemanden mehr als Freund.Jetzt waren sie alle Verdächtige. Sogar sein eigener Vater.Deshalb hatte er seine Sinne sofort geschärft, als Nyssa den Ältesten von dem Verräter erzählte. Während der gesamte Raum vor Schock erstarrte, blieb Blade aufmerksam.In dem Moment, als er begriff, was Nyssa vorhatte, begann sein Blick über den Ratstisch zu wandern. Er prägte sich die unterschiedlichen Reaktionen der Ältesten genau ein.Einige wirkten eindeutig verwirrt, andere waren schockiert. Doch eine kleine Gruppe tauschte Blicke aus, die man nur als v
Nyssas Sicht:Im gesamten Saal brach das Chaos aus.„Das ist unmöglich!“, platzte ein Ältester heraus. Sein Gesicht war von Schock gezeichnet.„Ein Verräter? Wie soll das gehen?“„Wer ist es?“„Seit wann?“Die nächste Minute war von unzähligen missmutigen Stimmen, geflüsterten Fragen und entsetzten Ausrufen erfüllt. Während all das geschah, beobachteten Damien und ich die Gesichtsausdrücke aller Anwesenden. Doch wieder konnten wir nichts erkennen.Rowans Gesichtsausdruck blieb unergründlich, und auch keiner der anderen Ältesten zeigte eine andere Gefühlsregung als äußerste Bestürzung.Damien ließ das Geflüster noch ein paar Sekunden andauern, bevor er die Hand hob.„Es wurden noch keine endgültigen Schlussfolgerungen gezogen“, begann er. „Doch unsere ersten Ermittlungen haben ergeben, dass definitiv etwas Verdächtiges vor sich geht.“ Er machte eine kurze Pause und sah jedem einzelnen Ältesten im Saal direkt in die Augen. „Von diesem Augenblick an darf kein Wort darüber nach draußen dr






