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Kapitel 112 – Michelle & Paul

last update Date de publication: 2026-09-12 15:20:11

Dr. Reinholts Praxis sah genauso aus wie bei unserem letzten Besuch, Monate zuvor – dieselben sanften Grüntöne, dasselbe gedämpfte Licht, dieselbe Anordnung der beiden Sessel, die einander gegenüberstanden statt nebeneinander, eine bewusste Entscheidung, wie sie uns einmal erklärt hatte, um echte Begegnung statt bloßer Nebeneinanderher-Existenz zu fördern. Ich hatte vergessen, wie beruhigend dieser Raum selbst war, mit seinem leisen Plätschern ei

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  • Was ich mir wert bin    Kapitel 121 – Michelle & Paul

    Es war Sophie, die die Frage zuerst aussprach, ein paar Tage nach unserem gewöhnlichen Dienstagabend, beim Brunch mit ihr und Cleo. Wir saßen in einem kleinen Café, mit Sonnenlicht, das durch die Fenster fiel, und dem Duft von frischem Kaffee, der sich mit unseren Gesprächen vermischte."Wo werdet ihr eigentlich wohnen?", fragte sie, zwischen zwei Bissen ihres Omeletts, mit einer Beiläufigkeit, die die Bedeutung der Frage nicht verbarg.Cleo sah interessiert zwischen uns hin und her, mit einem stillen Lächeln, das zeigte, wie sehr sie sich inzwischen in unserer kleinen Freundesrunde zu Hause fühlte, obwohl sie erst seit wenigen Monaten dazugehörte.Ich hielt inne. Es war eine Frage, über die ich, seltsamerweise, noch gar nicht nachgedacht hatte, verloren in der emotionalen Intensität der letzten Tage. Ich rief Paul noch am selben Abend an, mit der Frage noch in meinem Kopf, während ich in meiner Küch

  • Was ich mir wert bin    Kapitel 120 – Michelle & Paul

    PaulWir hatten das verbrannte Gemüse weggeworfen, uns stattdessen für ein einfaches Omelett entschieden, das wir gemeinsam zubereiteten, mit einer neuen, unausgesprochenen Leichtigkeit zwischen uns, die die Küche in ein anderes Licht zu tauchen schien. Michelles Notizbuch lag noch auf dem Tisch, geschlossen jetzt, aber präsent, wie ein stiller Zeuge dessen, was gerade zwischen uns geschehen war.Ich schlug die Eier auf, während Michelle den Käse rieb, mit einer wortlosen Koordination, die sich über die Monate zwischen uns entwickelt hatte, aber die sich heute Abend anders anfühlte, aufgeladen mit der Bedeutung dessen, was wir gerade miteinander geteilt hatten. Jede kleine Berührung unserer Hände, während wir uns in der engen Küche aneinander vorbeibewegten, schien jetzt eine zusätzliche Schicht Bedeutung zu tragen, als hätte der einfache Akt gemeinsamen Kochens plötzlich eine neue,

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    Es war ein gewöhnlicher Dienstagabend, genau wie so viele andere, die wir in den letzten Monaten miteinander verbracht hatten. Paul kam gegen sieben, wie üblich, mit einer Tüte Zutaten für ein einfaches Abendessen, das wir gemeinsam kochen wollten. Draußen hatte es den ganzen Tag genieselt, ein sanfter, unaufdringlicher Herbstregen, der die Straßen glänzen ließ und eine gemütliche, in sich gekehrte Stimmung in meiner Wohnung erzeugte. Ich hatte, kurz bevor Paul kam, eine Kerze auf dem Küchentisch angezündet, mehr aus Gewohnheit als aus besonderem Anlass, und ihr warmes, flackerndes Licht vermischte sich jetzt mit dem gedämpften Licht der Deckenlampe zu einer Atmosphäre, die zufällig, aber perfekt zu dem passte, was noch bevorstand. Ich hatte in diesem Moment noch keine Ahnung, wie bedeutsam dieser gewöhnliche Dienstagabend werden würde, wie sehr sich das Leben manchmal genau in den unauffälligste

  • Was ich mir wert bin    Kapitel 118 – Paul

    Es begann mit einer beiläufigen Bemerkung von Jonas, während wir nach der Arbeit ein Bier tranken, in unserer üblichen Bar, die inzwischen zu einem festen Bestandteil unserer Freundschaft geworden war. Der Ort hatte sich über die Monate hinweg zu einer Art neutralem Boden entwickelt, an dem wir beide unsere Gedanken frei aussprechen konnten, ohne die Formalität, die unsere ursprüngliche Klient-Anwalt-Beziehung einst geprägt hatte. Es war eine dieser Freundschaften, die sich unerwartet aus einer beruflichen Notwendigkeit entwickelt hatten, aber inzwischen zu etwas geworden waren, das ich mir aus meinem Leben nicht mehr wegdenken konnte."Wie lange seid ihr jetzt eigentlich schon verheiratet?", fragte er, mit einer Beiläufigkeit, die nicht ahnte, welche Gedankenkette sie in mir auslösen würde."Fast zwei Jahre." Ich nahm einen Schluck von meinem Bier, während ich die Zahl selbst überdachte. Zwei Jahre, die sich anfühlten wie ein ganzes Leben, angesichts allem, was wir du

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    Sophies Frage ließ mich in den folgenden Tagen nicht los, kehrte immer wieder in unerwarteten Momenten zurück – während ich Kaffee kochte, während eines Kundengesprächs, in den stillen Minuten vor dem Einschlafen. Wird Paul dich je um deine Hand bitten? Richtig, meine ich, nicht die Zweckehe-Version, mit der alles angefangen hat.Ich hatte versucht, die Frage abzutun, sie als bloße Neugier einer Freundin zu behandeln, die selbst gerade frisch verliebt war und daher überall romantische Möglichkeiten sah. Aber sie hatte sich in mir festgesetzt, wie ein kleiner Stein im Schuh, der bei jedem Schritt an sich erinnerte. Selbst während der geschäftigsten Momente meines Arbeitstages, wenn ich eigentlich vollständig auf Kundengespräche oder Katharinas Berichte konzentriert sein sollte, schlich sich die Frage unbemerkt zurück in meine Gedanken, mit einer Hartnäckigkeit, die mich zunehmend frustrierte

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    Ich hatte Heinrich angerufen, wie ich es mir vorgenommen hatte, mit einer Nervosität, die mich überraschte, angesichts der Tatsache, dass wir in den letzten Monaten bereits mehrfach miteinander gesprochen hatten, wegen der Vogt-Krise. Aber dieses Gespräch war anders – es ging nicht um eine gemeinsame externe Bedrohung, sondern um uns selbst, um die Frage, die Annemarie gestellt hatte. Ich hatte den Hörer mehrmals in die Hand genommen und wieder weggelegt, bevor ich mich schließlich durchrang, die Nummer tatsächlich zu wählen, mit einem Herzschlag, der sich beschleunigte, während ich die vertrauten Ziffern eintippte, die ich seit Jahren auswendig kannte."Ich möchte, dass wir uns treffen", hatte ich gesagt, mit einer Direktheit, die ich mir selbst abgerungen hatte. "Du, ich, Annemarie. Bevor wir irgendetwas Öffentliches machen."Heinrich hatte zugestimmt, mit einer Kürze, die typisch für ihn war, aber ic

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