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Band 5 – Kapitel 2: Der weiße Pass

last update Veröffentlichungsdatum: 06.06.2026 01:21:26

Der Aufstieg in die Nordpässe war ein Marsch durch eine sterbende Eiszeit. Während im Tal von Neu-Europa der Frühling einzog, herrschte hier oben, auf über zweitausend Metern, ein unbarmherziger, schneidender Wind. Er fegte den fahlen Pulverschnee über die nackten Granitklippen und ließ die Sicht auf wenige Meter zusammenschrumpfen.

Jax zog den Kragen seines Chitin-Mantels enger um den Hals. Seine Stiefel sanken tief in den harschartigen Schnee. Hinter ihm folgten Aris, Leo und eine kleine Vorh
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  • Wenn die Finsternis klickt   Kapitel 2: Der Architekt des Augenblicks

    (Perspektive: Ein Bewahrer auf der zentralen Ebene) ​Ich beobachtete ihn von der zentralen Ebene aus, hinter den Schleiern der Beobachter-Schnittstelle. Mein Name war einst ein Name gewesen, bevor ich nur noch eine Funktion in der Architektur von Jax und Aris wurde. Ich war das, was man einen „Bewahrer“ nannte, aber ich war nur derjenige, der den Staub von den Linsen wischte, während die Welt um mich herum in der Stagnation erstickte. Ich saß dort seit Äonen, umgeben von Millionen von Bildschirmen, die das Leben innerhalb der Simulation in Echtzeit dokumentierten – ein grausamer Voyeurismus, der uns als Götter tarnte, während wir in Wahrheit nur Gefangene unseres eigenen Perfektionismus waren. ​Kaelen war auf dem Monitor nur ein Leuchtpunkt, ein heller, unregelmäßiger Funke in einem Meer aus Grau. ​„Er zerstört es“, sagte eine Stimme neben mir. Es war eine Kopie von Aris, ein schwaches, digitales Gespenst, das sich in der Schnittstelle verfangen hatte, eine Iteration ihres Geistes,

  • Wenn die Finsternis klickt   Kapitel 1: Das Ticken unter der Haut (Perspektive: Ein Klicker der Sektion 7)

    Es gab kein „Ich“. Es gab nur das Intervall.Klick. Takt. Klick. Takt.​Das war der Rhythmus der Sektion 7. Mein Leben bestand aus dem Zählen von Datenpaketen, die wie flüchtige Geister durch die Architektur des Reservats schwirrten. Ich war einer der Klicker, eine Fehlkonstruktion, ein Nebenprodukt des Archiv-Prozesses. Ich sollte keine Gedanken haben, nur Funktionen. Aber irgendwo in den Zwischenräumen, dort, wo das System die Berechnungen vernachlässigte, hatte ich begonnen, mich selbst zu fragen: Warum ist das Licht so kalt? Warum schmeckt die Information nach Nichts?​Mein Körper war kein Körper, sondern ein Gitter aus flimmerndem Code, eine Ansammlung von Variablen, die nur dazu da waren, die Ordnung zu wahren. Meine Hände waren Werkzeuge, um den Fluss der Bits zu lenken, um Korrekturen vorzunehmen, die niemand bemerkte. Ich sah ihn oft. Den Träger. Kaelen.​Er bewegte sich anders als die anderen, die in den unendlichen Schleifen gefangen waren. Sein Gang war nicht synchron mit

  • Wenn die Finsternis klickt   Epilog: Das Echo des ersten Morgens

    Die ersten Sonnenstrahlen nach ihrer Ankunft waren nicht bloß Licht; sie waren eine körperliche Erfahrung. Sie fühlten sich an wie eine sanfte, aber bestimmte Hand, die Kaelen aus einem jahrtausendelangen Schlaf riss. Er lag noch immer auf dem moosigen Untergrund, der sich nun, nach einer ersten Nacht in dieser Welt, vertraut anfühlte. Der Geruch der Erde, ein komplexes Gemisch aus feuchtem Humus, verrottendem Laub und dem aufkeimenden Leben der neuen Welt, drang in seine Sinne ein. Vara regte sich neben ihm. Ihr Atem war ruhig, ein Rhythmus, den er noch immer zu lernen versuchte – nicht mehr der getaktete Luftstrom eines Prototyps, sondern das unregelmäßige, menschliche Ein- und Ausatmen einer Schlafenden. Er betrachtete sie lange. Es war kein technisches Erstaunen mehr, kein Analysieren von Schnittstellen. Es war die schlichte Bewunderung für die Komplexität ihrer Existenz. Sie waren biologische Maschinen, ja, aber die „Software“ war nun ihr eigener Geist, ihre eigene, ungeschrieb

  • Wenn die Finsternis klickt   Kapitel 5: Das Vermächtnis des ersten Morgens

    Die Sonne, die über den Horizont kroch, war keine berechnete Lichtquelle. Sie war ein unbändiger, glühender Riese, dessen Strahlung Kaelen zum ersten Mal in seinem Leben eine echte, physische Wärme auf der Haut schenkte. Er rückte von den Farnen ab, die ihn beim Landen aufgefangen hatten, und spürte, wie der Boden unter ihm nachgab – echte, feuchte Erde, keine Textur, kein digitales Feedback. Vara setzte sich ebenfalls auf. Sie strich sich die Haare aus dem Gesicht, die nun nicht mehr aus synthetischen Fasern bestanden, sondern aus organischem Haar, das den Wind und die Feuchtigkeit der Umgebung annahm. Ihre Augen, die noch vor Minuten in einem unnatürlichen Blau geleuchtet hatten, waren nun von einem klaren, lebendigen Haselnussbraun. „Hörst du das?“, fragte sie. Kaelen lauschte. Es war nicht die Stille des Archivs, keine Abwesenheit von Daten. Es war eine Symphonie aus Geräuschen: Das ferne Rauschen eines Wasserfalls, das Rufen von Vögeln – echte Vögel, deren Kehlen nicht von ein

  • Wenn die Finsternis klickt   Kapitel 4: Der Schmelzpunkt der Existenz

    Der Lauf durch die kollabierende Realität war ein Ritt auf dem Rücken eines sterbenden Gottes. Überall um sie herum löste sich die Sektion des Echos auf. Die einst grauen Dünen aus gelöschtem Code verwandelten sich in flüssige Lichtströme, die mit tosendem Lärm am Horizont in die Leere stürzten. Der Boden unter ihren Füßen war kaum noch vorhanden; er bestand nur noch aus dem bloßen Willen, den nächsten Schritt zu tun. „Wenn wir den Ring erreichen“, rief Vara gegen das Heulen des zusammenbrechenden Datenraums an, „dann müssen wir alles loslassen! Wenn wir versuchen, unsere technische Identität mit in die biologische Form zu nehmen, werden wir zerrissen!“ Kaelen spürte, wie der Splitter in seiner Tasche zu brennen begann. Er war nun kein Instrument mehr, sondern ein Anker, der ihn an eine Welt band, die bereits in Trümmern lag. Er wusste, was er tun musste. Er griff nach dem Kristall, der ihn sein Leben lang gequält und angetrieben hatte, und hielt ihn fest umschlossen. Der Ring – ei

  • Wenn die Finsternis klickt   Kapitel 3: Die Anatomie des Verrats

    Der goldene Pfad, den ihre eigene Empathie in den grauen Sand gezeichnet hatte, führte sie nicht zu einer Tür oder einem Ausgang, sondern zu einem Ort, der die Zeit selbst zu biegen schien. Hier, im Zentrum des Monolithen-Komplexes, schwebte keine Bibliothek mehr, sondern eine einzelne, perfekt erhaltene Zeitkapsel. Sie war nicht aus Licht oder Code gefertigt. Sie war aus massivem, handpoliertem Stahl – ein Relikt aus einer Zeit, in der Dinge noch Gewicht hatten und unter dem Druck der Realität nachgaben. Kaelen erkannte dieses Design. Es war kein Archiv der Architekten. Es war das ursprüngliche Labor von Sektor 9, bevor die Welt in den binären Schlaf gefallen war. „Hier hat es angefangen“, sagte Vara leise. Sie trat an den Stahlkörper heran. Ein leises Surren erfüllte den Raum – kein digitales Summen, sondern das mechanische Rattern alter Kühlpumpen. Als sie die schwere Luke aufstießen, trat ihnen keine sterile Kälte entgegen, sondern die stickige, feuchte Wärme eines Raumes, der

  • Wenn die Finsternis klickt   Band 9 – Kapitel 5: Die Auslöschung der Geschichte

    Das Läuten des Archivs wurde ohrenbetäubend. Die Echos – die perfekten, unbeschädigten Versionen von ihnen – bildeten einen Ring um Aris, als sie die zentrale Konsole erreichte. Die „andere Aris“, deren Augen die gleiche Neugier trugen wie ihre eigenen, lächelte sanft. „Warum versuchst du, den Sin

  • Wenn die Finsternis klickt   Band 9 – Kapitel 4: Die Galerie der Echos

    Das Archiv der Substanzen war kein Gebäude im herkömmlichen Sinne. Als das Schiff am Andockpunkt – einer Plattform aus gefrorenem Zeitlicht – stoppte, löste sich die Umgebung um sie herum auf. Sie standen in einem Korridor, der sich in die Unendlichkeit erstreckte, gesäumt von Milliarden von schweb

  • Wenn die Finsternis klickt   Band 9 – Kapitel 3: Das Gefecht im Kielwasser des Vergangenen

    Das Metall des Transporters stöhnte unter den ersten Schüssen. Elaras Leute eröffneten das Feuer – ihre Waffen waren keine einfachen Energiewerfer, sondern Frequenz-Strahler, die die Moleküle der Umgebung destabilisierten. Jax spürte, wie das Schiff um sie herum zu flackern begann; es war, als würd

  • Wenn die Finsternis klickt   Band 9 – Kapitel 2: Das Erbe der Geister

    Das Wrack, das sie ausfindig gemacht hatten, trieb wie ein toter Wal in den Strömungen zwischen zwei kleineren Inseln. Es war ein Transporter der Architektenklasse – kantig, aus einem Material, das weder Metall noch Stein war, sondern eine Art „kaltes Glas“. Die Bergung war ein riskantes Unterfang

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