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KAPITEL 4

Author: Laine Martin
last update publish date: 2026-08-28 22:09:01

CARTER

„Training heute Abend?”

„Ich schreib den anderen Jungs die Uhrzeit.”

„Bist du sicher, dass du diesen Kurs brauchst, Carter? Ziemlich kurzfristig, findest du nicht? Außerdem musst du deinen Dad nicht mehr beeindrucken, als du es eh schon tust.”

„Nein, Asher. Das hat nichts mit meinem Dad zu tun.” Ich schob die Hände in die Taschen. „Ich nehm den Kurs für die Zusatzpunkte. Ich muss meine Noten hochkriegen. Ich hab’s satt, gefälschte Noten zu sehen, wenn ich weiß, dass ich in den meisten dieser Kurse kaum auftauche. Ich glaub auch gern, dass mein Dad, dem praktisch die halbe Schule gehört, was damit zu tun hat.”

„Du kriegst gefälschte Noten, weil du der Star-Hockeyspieler bist. Du trainierst viel zu verdammt viel für dein eigenes Wohl und hast kaum Zeit zum Lernen. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.”

„Ja.” Ich schnaubte. „Ändert nichts daran, dass ich im Unterricht trotzdem scheiße bin.” Ich betrat als Erster das Klassenzimmer, Asher hinter mir her.

„Ich find immer noch, du solltest die Sache mit deinem Dad glätten. Er verdient noch eine Chance.”

Ich blieb stehen und wirbelte herum, funkelte ihn an.

„Er hat diese Chance an dem Tag verloren, als er meine Mutter in den Tod gefahren hat.” Meine Stimme klang etwas zu kalt. „Lass es.”

„Ally, schnapp dir mein Notizbuch! Schnell! Carter!”

„Carter!”

„Oh mein Gott, Carter!”

„Ich brauch ein Autogramm!”

„Carter!”

„Verdammte Scheiße!”, fluchte ich vor mich hin, fuhr mir durch die dunklen Haare, während ich einen ordentlichen Abstand zurückwich.

Ich warf Asher einen Blick zu.

Der Bastard kicherte schon, glitt lässig in einen Sitz und ließ mich im Stich.

Innerhalb von Sekunden wurde ich von einer Horde manischer Fans überrannt. Ich kicherte unbeholfen, mein Blick wanderte über ihre aufgeregten Gesichter, während sie sich um mich scharten.

„Alle mal herhören!”

Eine tiefe Stimme durchschnitt das Chaos. „Lasst Carter in Ruhe und setzt euch hin. Das hier ist ein Klassenzimmer. Habt etwas Selbstachtung.”

„Wir haben keine Selbstachtung, wenn’s um Carter geht”, murmelte ein Mädchen, zwinkerte mir zu, bevor sie endlich mit den anderen wegging.

Und dann …

sah ich sie.

Ich schnaubte.

War das Schicksal auf meiner Seite oder was?

Ich schlenderte auf sie zu, füllte absichtlich ihr Blickfeld mit meinem Körper. Es gab keine Möglichkeit, wie sie weiter so tun konnte, als würde ich nicht existieren.

„Du.”

Sie hob den Kopf aus dem Biologiebuch, in dem sie vergraben gewesen war, und sah mich mit diesen verlockenden blauen Augen an.

Wunderschöne Augen.

Wunderschöne Nase.

Ein unfassbar schönes Gesicht …

Alles an ihr war atemberaubend, doch sie sah mich nur mit völliger Gleichgültigkeit an.

„Du versperrst mir die Sicht.”

„Verfolgst du mich etwa?”

Ich verengte die Augen auf sie und versuchte herauszufinden, wie wahrscheinlich es war, dass wir im selben Kurs landeten.

Sie stieß ein kurzes Lachen aus, schüttelte den Kopf.

„Du kommst zu spät zum Unterricht, umlagert von verehrenden Fans, die verzweifelt deine Aufmerksamkeit und deine Unterschrift wollen, und trotzdem bist du so selbstverliebt, dass dir nicht mal auffällt, dass ich schon hier war.” Sie schnippte mit dem Handgelenk und warf einen Blick auf ihre Uhr. „Ich bin jeden Tag fünfzehn Minuten zu früh hier. Selbst wenn ich absolut nichts mit meiner sehr begrenzten Freizeit anzufangen wüsste, würde ich mir lieber Nadeln in die Augen stechen, als dir wie ein verlorenes Hündchen hinterherzulaufen.” Sie seufzte, hielt meinem Blick stand. „Zum zweiten Mal … du versperrst mir die Sicht.”

Ich starrte sie an, sprachlos und verdattert.

Da war nichts an mir, das im Entferntesten darauf hindeutete, dass sie angezogen war. Absolut nichts. Aber das war nebensächlich angesichts der Tatsache, dass noch nie ein Mädchen so mit mir gesprochen hatte, wie sie es gerade getan hatte.

Kein einziges Mal.

Der verrückteste Teil?

Anstatt wegzugehen, wollte ich bleiben. Ich fühlte mich immer wieder zu ihr hingezogen, wollte so verzweifelt, dass dieser lächerliche Plan funktionierte.

„Alle setzen sich wieder hin.” Mr. Turners Stimme war klar. Laut und deutlich, und trotzdem konnte ich mich seltsamerweise keinen Millimeter bewegen. Ich stand einfach nur da und starrte sie an.

„OMG, Carter! Ich bin dein größter Fan! Dein Autogramm ist auf praktisch jeder Seite meines Notizbuchs gekritzelt.”

„Setzt euch hin”, wiederholte Mr. Turner. „Mr. Hayes, das gilt auch für Sie.”

„Ally … Allison!” Eine schrille Stimme riss mich aus welcher Trance auch immer, in die ich gefallen war, und ich wandte mich dem Mädchen zu, das neben ihr saß.

Hatte sie gerade Ally gesagt?

War das ihr Name?

„Allison”, flüsterte ich vor mich hin.

„Hayes.”

„Entschuldigung, Mr. Turner.” Ich riss meinen Blick von ihr los und ging zu meinem Platz, warf gelegentlich einen Blick zurück, um einen Blick auf ihr Gesicht zu erhaschen, aber sie schaute nie zurück.

Verdammt.

Ich ließ mich neben Asher in den Stuhl fallen und kritzelte ihren Namen in die Ecke meines Notizblocks.

Allison.

„Für euer nächstes Projekt werdet ihr in Paaren arbeiten. Euer Sitznachbar wird automatisch euer Partner.”

Ich hob die Hand.

„Heute tauchen wir tiefer in die Humananatomie ein—”

Mr. Turner bemerkte endlich meine gehobene Hand und hielt mitten im Satz inne.

„Was gibt’s, Hayes?”

„Also, ich hab ein Problem mit der Einteilung.”

Asher wandte ruckartig den Kopf zu mir, runzelte die Stirn. „Haben wir?”

Mr. Turner schnippte mit dem Finger und bedeutete mir, nach vorne zu kommen. Das tat ich, während die Klasse mucksmäuschenstill wurde.

„Ich würde eigentlich gern mit Allison arbeiten. Asher und ich sind gerade erst in diesen Kurs eingestiegen. Ich glaub nicht, dass es eine gute Idee wäre, uns beide zusammenzupacken.”

Mr. Turner nickte nachdenklich.

„Da haben Sie einen Punkt. Ich tausch die Paare.”

Ein Grinsen zuckte um meine Lippen. „Danke, Mr. Turner.” Ich kehrte zu meinem Platz zurück, während er sein Lehrbuch durchblätterte.

„Wechsel der Paare”, verkündete er der Klasse. „Carter wird mit Allison zusammenarbeiten, und Sienna, du arbeitest mit …” Sein Blick wanderte zu Asher. „… Walker, richtig?”

„Ja, Sir. Asher Walker.”

„Gut. Du arbeitest mit Sienna zusammen.”

Allisons Kopf ruckte zu mir herum, finster dreinblickend.

Ich lächelte. Sie wollte etwas sagen.

„Mr. Turner, ich würde gern meinen ursprünglichen Partner für dieses Gruppenprojekt behalten.”

„Das ist leider nicht möglich, Allison. Du und Sienna seid seit Semesterbeginn in diesem Kurs. Die Jungs sind gerade erst dazugekommen. Es wäre unfair, sie zusammenzupacken, wenn sie beide versuchen aufzuholen.”

Ally drehte sich langsam wieder um, funkelte mich an. Ihre Augen brannten rot vor Gereiztheit.

Mein Grinsen vertiefte sich nur.

Pass auf, Ally. Ich werde deine Welt gleich auf den Kopf stellen. dachte ich bei mir, lehnte mich in meinem Stuhl zurück und zog die Lippen zu einem schmalen Strich, während ich mit gleicher Absicht zurückblickte.

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