LOGINDaran
Ich lief auf und ab, als könnte ich so die unruhige Energie aus meinem Körper klopfen.
Jeder Schritt hallte im Flur wider, jeder Atemzug fühlte sich wie ein zu lauter Schlag in der Stille an.
Ich durfte nicht zeigen, dass ich innerlich zerbrach.
Und dann war er da.
Kian.
Nicht als Mensch, sondern als Stimme.
Nicht als Wort, sondern als Druck in meinem Kopf.
„Sie bleibt.“
Ich stoppte abrupt.
„Wir nehmen sie auf und sehen, was passiert. Finde die Hexe.“
Der Satz war nicht diskutierbar.
Er war wie ein Befehl, der nicht aus meinem Mund kam.
Ich drehte mich nicht um.
Ich musste stark wirken – für mein Rudel, für meine Pflicht, für mich selbst.
„Was denkst du, was ich tue?“ knurrte ich.
Kian antwortete nicht mit Worten.
Er antwortete mit einer Präsenz, die mich gleichzeitig nervös und wütend machte.
„Suche nach Sternenstaub.“
Ich hielt inne.
Sein Instinkt war selten falsch.
Und ich wusste, wen ich fragen konnte.
Omega Jules.
Mein kleiner Bruder. Drei Jahre jünger.
Ein Frauenheld, ja – aber auch der einzige in meinem Rudel, der Informationen bekam, ohne sie zu suchen.
Ich stürmte aus dem Raum.
Und da sah ich sie.
Sie stand kurz im Flur, nur einen Moment.
Wie ein Schatten, der sich nicht entscheiden konnte, ob er wirklich existiert.
Kian starrte sie an, als würde er sie nicht nur sehen, sondern festhalten wollen.
Es war ein Blick, der mich innerlich zerriss.
„Was soll das, Kian?“ fauchte ich, ohne ihn anzusehen.
„Du machst das alles nicht leichter!“
Ich spürte, wie Kian kurz verlegen wurde – und das war neu.
Das kannte ich nicht von ihm.
Ich stürmte weiter zu meinem Bruder.
„Jules“, sagte ich, „was weißt du über Sternenstaub?“
Er grinste, als hätte ich ihm gerade ein Geschenk gegeben.
„Ist sie… heiß?“
Kian hätte explodieren können.
Ich wurde wütend – nicht nur wegen Jules, sondern weil ich langsam verstand, was Kian wirklich fühlte.
Er wollte sie.
Und sie… sah es.
Das war das Merkwürdigste.
Seline tritt auf
Während ich noch darüber nachdachte, kam Seline in den Flur.
Sie sah aus wie immer: perfekt gestylt, makellos.
Aber in ihren Augen lag eine Schärfe, die man nur bekam, wenn man in der Vergangenheit verletzt wurde.
„Brüder, beruhigt euch! Was ist los?“
Kian schmollte wie ein trotziges Kind.
Ich konnte sehen, wie er sich zusammenzog, weil er wusste, dass ich ihn gerade ignorierte.
„Ich wollte Jules nur fragen, ob er etwas von Sternenstaub weiß“, sagte ich.
Seline zuckte kurz zusammen.
Sie schaute zur Tür, dann wieder zu mir.
„Nicht hier.“
Es passierte selten, dass sie so ernst wurde.
Ich nickte.
„In meinem Büro. Jules, wenn du etwas weißt, komm mit.“
Er schüttelte nur den Kopf.
Im Büro
Wir setzten uns.
Ich machte den Wasserkocher an und stellte ihr einen Tee hin – nicht, weil ich nett sein wollte, sondern weil ich wusste, dass sie nervös war.
Sie trank, langsam.
Dann sagte sie es.
„Salem… er war bei Sternenstaub.“
Ich spürte, wie meine Kehle trocken wurde.
„Der Typ, den du gedatet hast? Das war doch nur kurz… oder?“
Sie nickte.
„Ja… aber er kam von dort. Sie haben Regeln. Sie halten alles geheim. Und sie kontrollieren… alles.“
Sie sah zu Boden.
Diese Information war wie ein Funken in einem trockenen Wald.
Sternenstaub war real.
Und jetzt stand jemand vor mir, der damit verbunden war – oder von ihnen erschaffen wurde.
Kian drängte in meinem Kopf, als wäre er kurz davor, auszubrechen.
„Wie kann sie von dort kommen? Sie riecht nach Mensch. Was haben sie mit ihr gemacht?“
Ich sah sie an.
Sie wirkte wie ein zerbrechliches Ding, das in einer Welt voller Raubtiere gelandet war.
„Was sagt er?“ fragte sie leise.
Ich antwortete ehrlich.
„Nur, dass viele Fragen offen sind.“
Und dann klopfte es.
Beta Liam steckte den Kopf durch die Tür, mit einem Gesichtsausdruck, als hätte er etwas gesehen, das ihn selbst erschrocken hatte.
„Wir haben sie.“
Seline sprang auf, als hätte man sie in kaltes Wasser gestoßen.
„Wen?!“
„Die Hexe.“
Seline wurde blass.
Sie verschwand sofort.
Seit ihrer Kindheit hatte sie gelernt, Hexen zu meiden.
Eine Hexe hatte sie damals betrogen – und sie hatte nie wieder eine in ihrer Nähe geduldet.
„Wo ist sie?“, fragte ich, sofort im Alarmmodus.
„Spricht sie?“
Beta Liam zögerte nicht.
„Wir haben sie in eine kleine Hütte am Waldrand gebracht“, sagte er.
„Dort, wo wir selten trainieren. Wo die Kinder manchmal spielen.“
Ich stand auf.
„Dann gehen wir.“
Und so gingen wir los.
SeraDas Zimmer war dunkel, nur eine kleine Lampe warf Licht hinein, und doch fühlt es sich nicht gemütlich an.Ich sitze auf dem Sessel am Fenster, die Hände ineinander verschränkt, und atme langsam ein. Der Geruch hier ist überall. Wald. Wärme. Etwas Wildes, Erdiges, das mir vertrauter vorkommt, als es sollte. Als würde mein Körper sich erinnern, auch wenn mein Kopf es nicht kann.Daran.Sein Name liegt unausgesprochen auf meinen Lippen.Ich lasse den Blick durch den Raum wandern. Dunkles Holz, klare Linien, nichts Überflüssiges. Alles wirkt kontrolliert, stark, so wie er. Und doch gibt es kleine Dinge, die etwas anderes verraten: ein altes Buch mit abgegriffenen Seiten, ein zerkratztes Bild an der Wand, das einen Wald bei Nacht zeigt. Kein Prunk. Kein Alpha-Gehabe. Nur Wahrheit.Mein Herz zieht sich zusammen.Ich bringe nur Ärger, denke ich wieder. Dieser Gedanke kommt leise, a
DaranDer Wind hatte sich gedreht, trug mir fremde Witterung entgegen – scharf, aggressiv, nicht von hier. Mein Körper spannte sich sofort an. Kian regte sich tief in mir, unruhig, wachsam.'Sie sind da.'Ich trat aus dem Herrenhaus, kaum dass die Tür hinter mir ins Schloss gefallen war. Der Innenhof lag im Zwielicht, das Licht warf Schatten auf das Haus. Einer nach dem anderen tauchten sie aus der Dunkelheit auf – mein Rudel. Lautlos. Bereit.Beta Liam stellte sich an meine rechte Seite, die Schultern breit, der Blick hart. Omega Jules war links von mir, zu locker für die Situation, aber seine Augen verrieten, dass er alles registrierte. Jede Kleinigkeit.Dann spürte ich das andere Rudel.Ihre Präsenz drängte gegen mein Revier wie kalter Rauch. Sie machten keinen Versuch, sich zu verbergen. Das allein war Provokation genug.„Zeigt euch“, sagte ich laut.De
SeraSelina nickte ihm zu.„Ich habe es auch gehört“, sagte sie ruhig, doch ihre Augen waren wachsam. „Wer war das?“„Ich habe eine Vermutung“, antwortete Daran knapp.Er wandte sich bereits zur Tür, doch hielt noch einmal inne. Seine Hand lag auf der Klinke, dann drehte er sich um und sah mich an. Nicht flüchtig. Nicht beiläufig.Intensiv. Durchdringend. Als wollte er sich diesen Moment einprägen.„Selina“, sagte er dann mit fester Stimme, „bleib bei Sera. Schließ die Tür hinter mir. Und falls jemand hereinkommt… beschütze sie mit allem, was du hast. Ich weiß, du hast es nicht gerne zu kämpfen, aber du bist ein starker Wolf.“Sie nickte ohne zu zögern.Dann war er weg.Die Tür fiel ins Schloss, und mit ihr etwas in mir. Eine Anspannung, die ich kaum benennen konnte.„Selina&hellip
DaranIch nahm ihren Geruch wahr, noch lange bevor ich Sera sah.Er war da, klar und warm, vermischt mit etwas Neuem. Etwas, das mir den Atem nahm. Meine Gespräche mit den Mitgliedern des Rudels waren ohnehin beendet, also trat ich zur Tür.Und da stand sie.Mein Herz setzte einen Schlag aus.Für einen Moment war alles still. Kein Rudel. Keine Pflichten. Nur sie.„Kannst du kurz reinkommen?“ fragte ich, leiser als beabsichtigt.Sie sah zu Selina, dankte ihr mit einem kleinen Nicken und kam dann auf mich zu.Als sie an mir vorbeiging, durchzuckte mich dieses Gefühl wieder. Dieses Ziehen. Dieses Erkennen. Es war stärker als zuvor.Sie setzte sich.Zum ersten Mal, ohne dass ich sie darum bitten musste.Ich schloss die Tür und begann zu sprechen. Erzählte ihr alles, was ich erfahren hatte. Über den Zauber. Die Hexe. Dass nichts davon Zufall war.'Ist es
SeraWo gehöre ich hin?Die Frage tauchte in meinem Kopf auf, noch bevor ich meine Augen ganz öffnete. Ich bin wieder eingeschlafen. Die frage lag schwer in mir, wie etwas, das schon viel zu lange unbeantwortet war. Mein Körper fühlte sich erschöpft an, aber nicht schwach. Eher so, als hätte ich etwas überstanden, das größer war als ich.Ich erinnerte mich an den Wolf.Alpha Daran. In seiner Gestalt aus Fell, Kraft und purer Präsenz.Und das Seltsame war: Ich hatte keine Angst gehabt. Keine Spur davon.Warum?Ein Teil von mir flüsterte eine Antwort, leise, kaum greifbar: Weil du gleich bist.Doch ich spürte es nicht. Ich fühlte keinen Wolf in mir, keine Kraft unter der Haut. Nur diese Unruhe. Dieses Ziehen in der Brust. Dieses Gefühl, nicht vollständig zu sein.„Du bist wach.“Die Stimme war sanft, warm. Ich drehte den Kopf und
DaranIn dem Moment, in dem sie die Augen öffnete, spürte ich es.Nicht mit meinen Sinnen. Nicht als Alpha. Nicht einmal als Wolf.Sondern dort, wo Kian und ich eins waren.Es war, als hätte jemand ein Band gestrafft, das vorher lose gewesen war. Warm. Pulsierend. Lebendig.Eine Verbindung.Meine Finger lagen um ihre Hand, und als sie sich leicht bewegte, als wäre sie noch halb im Traum gefangen, zog sich etwas in meiner Brust schmerzhaft zusammen. Ich hätte nicht gedacht, dass Nähe sich so anfühlen konnte. So gefährlich. So richtig.Sie rückte näher an mich heran, kaum merklich. Instinktiv.Und ich ließ es zu.Nein. Mehr noch.Ich genoss es.Ihr Atem war ruhig, ihr Geruch klarer als zuvor. Nicht mehr nur Mensch. Nicht mehr verborgen. Etwas Altes regte sich in ihr, und mein Wolf erkannte es, noch bevor mein Verstand es zulassen wollte.Gefä
DaranIch wich nicht von ihrer Seite.Sera lag reglos auf dem Bett, ihre Haut zu blass, ihr Atem zu flach. Ab und zu zuckte ihr Körper, als würde sie gegen etwas Unsichtbares ankämpfen. Ihre Stirn legte sich in Falten, ihre Lippen bewegten sich lautlos.Aber es
SeraIch erwachte langsam.Nicht mit einem Ruck, nicht mit einem klaren Gedanken – sondern wie jemand, der sich mühsam aus tiefem, kaltem Wasser an die Oberfläche kämpft. Geräusche waren zuerst nur ein fernes Rauschen. Stimmen, gedämpft. Wärme unt
SeraIch verließ das Zimmer, ohne wirklich zu wissen, wohin ich ging. Das Haus war so groß, dass jeder Schritt sich anfühlte, als würde ich in einem fremden Labyrinth wandeln. Meine Beine bewegten sich wie von selbst, aber mein Kopf war schwer und leer. Die Tränen stiegen in mir hoch, doch ich schü
DaranIch ging mit Beta Liam über den Platz vor dem Herrenhaus und eilte zur Hütte am Waldrand. Sie war bewusst nicht zu nah am Rudel untergebracht – nicht, weil ich sie fürchtete, sondern weil ich nicht wusste, was sie auslösen konnte.Dort saß sie.Auf einem Stuhl.Und sie schaukelte vor sich hin







