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Das Mal der ersten Luna

작가: Abby E
last update 게시일: 2026-10-16 04:46:58

Danach schlief ich nicht mehr.

Ich saß auf der Bettkante, die Knie an die Brust gezogen, und starrte auf die silberne Mondsichel, die auf meiner Schulter glühte. Als die Sonne aufging, war sie zu einem sanften Schimmer verblasst, aber sie verschwand nicht. Wenn ich sie berührte, kribbelte meine Haut, als hätte ich ein Stromkabel gestreift.

„Ember", flüsterte ich. „Was ist das?"

Meine Wölfin war seit der Zurückweisung still gewesen, klein und verletzt irgendwo im Hinterkopf zusammengerollt. Jetzt regte sie sich, langsam und vorsichtig, wie ein Tier, das die Luft prüft.

*Ich weiß es nicht,* sagte sie. Ihre Stimme war schwach, aber sie war da. *Aber es fühlt sich an wie Heimat.*

Ein Schauer lief mir über den Rücken. Ich zog mein Tuch enger und sagte mir, dass ich übertrieb. Vielleicht hatte die Zurückweisung etwas Seltsames mit meinem Körper gemacht. Vielleicht war es ein Ausschlag. Vielleicht verlor ich den Verstand.

Ein Ausschlag leuchtete nicht.

An der Tür klopfte es, und ich fuhr zusammen.

„Marisol?" Eine Kinderstimme, hell und ungeduldig. „Ich bin's, Toby! Mein Papa sagt, es ist unhöflich, so früh zu klopfen, aber ich hab trotzdem geklopft!"

Ich musste lachen, presste die Hand auf die Brust, um mein rasendes Herz zu beruhigen, und öffnete. Toby stand auf der Veranda, die Haare zu Berge, einen Korb Eier im Arm. Hinter ihm lehnte ein kräftiger Mann auf einer Krücke, mit freundlichen braunen Augen und einem verlegenen Gesicht.

„Tut mir leid wegen des Jungen", sagte der Mann. „Ich hatte ihm gesagt, er soll bis Mittag warten."

„Schon gut." Ich lächelte, und es überraschte mich, wie leicht es ging. „Du bist derjenige mit dem schlimmen Knie."

„Bram, Harlans Cousin. Alpha Gideon meinte, du könntest vielleicht..." Er räusperte sich. „Ich will nicht aufdringlich sein."

„Komm herein", sagte ich. „Bitte."

Eine Stunde lang vergaß ich das Mal. Brams Knie war geschwollen und steif, eine dieser alten Verletzungen, die mit jeder kalten Jahreszeit schlimmer werden. Ich mischte Arnika und Weidenrinde zu einem Umschlag, legte die Hände auf sein Gelenk und spürte, wie die vertraute Wärme in meinen Handflächen aufstieg. Es war dieselbe stille Gabe, die ich tausendfach an tausend Wölfen eingesetzt hatte, von denen keiner je Danke gesagt hatte.

Aber diesmal war etwas anders. Die Wärme war stärker. Sie strömte in einer goldenen Flut meine Arme hinab, und als ich die Augen schloss, spürte ich jeden Muskel und jede Sehne in seinem Knie so deutlich, als wären es meine eigenen.

Bram keuchte. „Das ist... das ist heiß."

„Ist es zu viel?"

„Nein. Es ist..." Seine Augen wurden groß. Er beugte das Knie, langsam, dann noch einmal, dann stand er ohne Krücke da. „Große Göttin. Es tut nicht mehr weh."

Toby jubelte. „Ich hab's doch gesagt, sie ist eine Wunderheilerin!"

Ich zog die Hände zurück und starrte sie an. Sie leuchteten schwach, silbernes Licht verflog aus meinen Fingerspitzen wie Rauch.

„Habt ihr das gesehen?", flüsterte ich.

Bram sah mich an. Er war blass geworden.

„Marisol", sagte er vorsichtig, „ich glaube, du solltest mit dem Alpha sprechen."

*

Gideon war auf dem Trainingsplatz, die Ärmel hochgekrempelt, und kämpfte gegen zwei seiner Krieger. Einen Moment lang bemerkte ich, wie schön er sich bewegte, schnell und kontrolliert wie Wasser über Stein. Dann sah er mein Gesicht, sagte seinen Männern etwas Kurzes und durchquerte den Platz in vier langen Schritten.

„Was ist passiert?"

„Ich muss dir etwas zeigen." Meine Stimme zitterte. „Und du darfst nicht denken, dass ich verrückt bin."

Er führte mich in den Schatten der großen Zeder am Rand des Platzes. Ich zog den Kragen meines Kleides beiseite. Eine lange Weile sagte Gideon gar nichts.

„Es ist gestern Nacht erschienen", sagte ich. „Und heute Morgen haben meine Hände beim Heilen geleuchtet. Und ich habe ein Heulen gehört, das von keinem Wolf stammt, den ich kenne. Und..." Ich hielt inne. Ich plapperte. „Bitte sag etwas."

„Marisol." Seine Stimme war tief. „Weißt du, was dieses Zeichen ist?"

„Nein."

„Ich schon." Er schluckte. „Ich habe es nur in den alten Schriftrollen im Arbeitszimmer meines Vaters gesehen. Es war das Siegel der ersten Luna, der Wölfin, die das Königreich gegründet hat, bevor es in Rudel zerteilt wurde. Vor den Thronen. Vor den Blutlinien."

Mein Mund wurde trocken. „Das ist eine Geschichte. Eine Legende."

„Vielleicht." Er sah mich mit einem Ausdruck an, den ich nicht deuten konnte. „Aber Legenden tauchen normalerweise nicht auf den Schultern von Menschen auf."

Ich lachte, ein hohes, nervöses Geräusch. „Ich bin eine kurvige Heilerin aus einer niedrigen Familie, die am Blutmond zurückgewiesen wurde. Ich bin nicht das Geringste der ersten Luna."

„Bist du nicht?" Gideons Stimme war sanft. „Du hast gesagt, deine Mutter sei früh gestorben. Was weißt du über sie?"

Ich öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Die Wahrheit war: fast nichts. Sie war still gewesen, freundlich und hatte immer über die Schulter geschaut. Sie hatte mir einen silbernen Anhänger hinterlassen und einen einzigen Rat, geflüstert in der Nacht vor ihrem Tod.

*Lass dir von niemandem sagen, was du bist, Mari. Nicht einmal von mir.*

Meine Hand wanderte zum Kragen, wo der kleine Anhänger auf meiner Haut lag. Er war warm.

„Ich weiß es nicht", flüsterte ich. „Wirklich nicht."

„Dann finden wir es heraus", sagte Gideon. „Gemeinsam."

Bevor ich antworten konnte, donnerten Hufschläge die Straße herunter.

*

Der Reiter kam schnell und hart, ein junger Späher aus Kiefernfels mit Staub im Gesicht und Angst in den Augen. Er rutschte vom Pferd, bevor es stand.

„Alpha. Reiter an der Grenze. Silberzahn-Farben."

Gideons Gesicht wurde flach und hart. „Wie viele?"

„Einer. Aber..." Der Späher warf mir einen Blick zu und wandte ihn wieder ab. „Es ist der Prinz, Herr."

Mein Magen sackte mir bis in die Füße.

„Er ist allein und unbewaffnet", fuhr der Späher fort. „Er sagt, er will nur mit ihr sprechen. Aber Herr..." Er schluckte. „Er sieht nicht gut aus."

Gideon wandte sich mir zu. „Du musst ihn nicht sehen."

„Ich weiß."

„Du schuldest ihm nichts."

„Das weiß ich auch." Ich holte Luft. „Aber wenn ich mich ihm nicht stelle, kommt er immer wieder. Und ich bin es leid, vor Dingen wegzulaufen, die mir Angst machen."

Gideon musterte mich lange, dann nickte er einmal. „Ich bin an deiner Seite."

„Bitte."

Wir gingen gemeinsam zur Grenze. Das ganze Dorf folgte in einigem Abstand, flüsternd und gaffend. Als wir am Fluss ankamen, hatte sich auf unserer Seite eine Menge versammelt, und am anderen Ufer, ganz allein, stand Dante.

Er sah furchtbar aus.

Sein dunkles Haar war verfilzt, seine Kleidung zerknittert, tiefe Schatten lagen unter seinen Augen. Er hatte in zwei Tagen abgenommen, dieser scharfe, hohle Verlust von jemandem, der nicht isst und nicht schläft. Seine Haut war grau. Seine Hände zitterten.

Als er mich sah, entfuhr ihm ein Laut, den ich noch nie aus der Kehle eines Mannes gehört hatte. Ein rauer, gebrochener Atemzug, der fast wie Erleichterung klang.

„Mari."

Ich stand am Wasser, die Arme verschränkt, das Herz schmerzhaft pochend. „Was willst du, Dante?"

„Ich kann nicht..." Seine Stimme brach. „Ich kann mich nicht verwandeln. Ich kann nicht essen. Mein Wolf spricht nicht mit mir. Er schreit nur." Er presste die Faust gegen die Brust. „Den ganzen Tag, die ganze Nacht. Die Heiler sagen, es ist die Zurückweisung. Sie sagen, sie bringt uns um."

Für einen furchtbaren Herzschlag lang wurde etwas in mir weich. Ember wimmerte mitfühlend und zog sich durch die zerrissene Bindung zu ihm hin.

Dann erinnerte ich mich an das Gelächter.

„Das hast du dir selbst angetan", sagte ich leise.

„Ich weiß." Er sank im Schlamm am Flussufer auf die Knie, als hätte ihn die Kraft endgültig verlassen. „Ich weiß, dass ich es war. Ich war ein Feigling. Ich hatte solche Angst vor dem, was mein Vater sagt, davor, was sie alle denken, dass ich..." Er fuhr sich mit der zitternden Hand übers Gesicht. „Es tut mir leid. Es tut mir so leid. Bitte. Nimm es zurück."

Die Menge hinter mir verstummte.

„Zurücknehmen?", wiederholte ich.

„Die Zurückweisung. Nimm mich wieder an. Bitte." Er sah auf, und seine grauen Augen waren nass. „Ich tue alles."

Ich starrte den Kronprinzen von Silberzahn an, der im Schlamm kniete und bettelte. Vor einer Woche hätte ich alles dafür gegeben, das zu sehen. Jetzt fühlte ich nur Müdigkeit.

„Nein", sagte ich.

Sein Gesicht fiel in sich zusammen. „Mari..."

„Du hast keine Bindung zurückgewiesen, Dante. Du hast mich zurückgewiesen. Und ich nehme keinen Mann an, der mich nur zurückwill, weil es ihm wehtut, mich nicht zu haben."

Ich wandte mich ab. Gideons Hand ruhte warm und fest auf meinem Rücken.

In diesem Moment bebte der Boden.

Ein kalter Wind fegte durch die Bäume und ließ die Äste klappern. Der Fluss erstarrte. Jeder Wolf in der Menge verharrte, die Köpfe fuhren zum Wald herum, die Nüstern bebten.

Zwischen den Zedern hindurch schritt langsam und lautlos eine alte Frau in graue Gewänder gehüllt. Ihr weißes Haar reichte ihr bis zur Taille. Ihre Augen waren trüb und blind, aber ihr Gesicht war geradewegs auf mich gerichtet.

Luna Corvina, die blinde Mondseherin des Silberzahn-Rudels.

Sie blieb am Wasser stehen und hob eine zitternde Hand.

„Der Mond hat gesprochen", sagte sie, und ihre Stimme trug über den Fluss wie eine Glocke. „Die erste Luna ist zurückgekehrt. Und wer auf dem Thron sitzt, muss sich beugen."

Dann lächelte sie, und es war das Furchterregendste, was ich je gesehen hatte.

„Hallo, Kind", flüsterte sie. „Ich habe zweiundzwanzig Jahre auf dich gewartet.”

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