ログインPOV LilyEinige Augenblicke früher»Bitte, ihr müsst nicht so viel Aufhebens um mich machen. Das ist nicht richtig.«Ariane Stevenson runzelt die Stirn vor dem Spiegel. Ihre Großnichte Emma versucht, sie dazu zu bringen, stillzusitzen, während sie ihr den letzten Hauch Schimmerpuder auf die Wangen pinselt. Selbst ihr Make‑up war schlicht, als sie den Raum betrat – fast so, als wollte sie verschwinden.Als ich Amy kennenlernte, war sie Ariane. Und Ariane war eine schöne, stolze Wölfin, die vor niemandem den Kopf senkte. Sie war eine Alpha, eine Macht für sich allein; stark genug, ein eigenes Rudel zu führen, wenn sie wollte.Doch gerade jetzt lässt sie sich von ihren negativen Gedanken einnehmen und versinkt in tiefe Verzweiflung. Ich kenne dieses Gefühl nur zu gut – fast hätte es mich nach Evans Verrat aufgefressen. Fast hätte ich geglaubt, ich verdiene es, schlecht behandelt zu werden; so sehr, dass ich jeden anderen an mich heranlassen wollte.Ich frage mich, ob das ein Familienerbe
POV ManuelBeta. Wie kann ich schon Beta sein, wo ich meinen Wolf doch seit weniger als vierundzwanzig Stunden habe? Und nun will der Alphakönig, dass ich wähle: Entweder hierzubleiben und über ihn und seine Familie zu wachen als sein offizieller Beta – oder mit meiner Zwillingsschwester nach Silbermond zurückzukehren. Sie wird dort mit ihrem Gefährten und baldigem Ehemann Elliot die Luna des Westens sein.Das Problem ist: Keine dieser beiden Möglichkeiten klingt gerade berauschend. Und doch klingen beide unglaublich. So sehr Lucian Blackthorne und ich uns bekämpft haben – er hat auch über die Grenzen der Arten hinweg gereicht, um allen Hexen das Gefühl zu geben, willkommen zu sein. Er hat sich sogar als Vertrauter meiner Hexe anbieten lassen und seine Kraft an Emma und mich gebunden, sodass wir seine natürliche Verbindung zum Rudel nutzen konnten, um Lily zu finden. Das war mutig. Wäre ich eine mächtigere Hexe gewesen – oder von einer benutzt worden – hätten wir ihn wahrhaftig zu uns
POV LucianParris Abernathy steht auf der anderen Seite der Tür, sein fröhliches Grinsen breit, und neben ihm steht Manuel – jener Hexe, der vor Monaten versucht hat, Lily mir zu entreißen. Auch wenn wir längst darüber hinaus sind – so weit, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass Lily diesem schlauen Hexenjungen auch nur einen zweiten Blick schenken würde –, spüre ich trotzdem einen Hauch von Abneigung, wenn ich ihn ansehe.»Ähm, Alpha.« Der kleinere Mann schluckt seine eigene Verärgerung hinunter und lächelt so strahlend er kann, während er die Hand seines Gefährten drückt. »Großmutter sagt, es ist Zeit. Sie brauchen Sie und die beiden anderen Bräutigame am Altar.«»Das klingt nach meinem Stichwort.« Dorian erhebt sich und klopft Krümel von seinem Schoß. Als einziger noch lebender Elternteil Lilys wird der alte Gamma meine wunderschöne Königin zum Altar führen, unter den Bogen der Mondgöttin im Tempel auf dem Dachgeschoss. »Wartet Elowen mit den Mädchen auf uns?«»Sie sagte, sie wü
POV ElowenVor fünfzig Jahren, jenseits von Sand und Bergen, in der großen Küstengemeinschaft von Silbermond, traf eine junge Hexe mitten in der Nacht auf zwei Wölfe. Ihre Mission: einen Friedensvertrag auszuhandeln. Der Vertrag selbst sollte weitere fünfzehn Jahre hin‑ und hergehen, bis beide Seiten endlich zusammenkamen und eine neue Welt schufen: eine Welt, in der sie voneinander getrennt lebten und den Frieden durch diese Trennung bewahrten. Und je weiter unsere Völker voneinander entfernten, desto fester verankerten wir uns in unseren irrigen Überzeugungen. Wir vergaßen unsere gemeinsamen Geschichten und unsere Kultur und verloren das Gefühl dafür, dass alles miteinander verbunden ist.Wölfe und Hexen waren niemals dazu bestimmt, getrennt voneinander zu leben. Beide Völker sind Geschöpfe aus Magie und Mondlicht, die im Einklang mit den Wäldern leben, deren Geist durch unsere Adern fließt. Wir verehren dieselbe Muttergöttin – sie schenkt uns nicht nur das Leben, sondern führt uns
POV Lucian Der schwache Duft nach Moschus und vermischten Gerüchen, der in Elliots Zimmer hängt, ist viel stärker als zuvor – und ich weiß es sofort, als ich seinen Hals sehe. Auch er hat einen ereignisreichen Morgen hinter sich. Und als ich über seine Schulter blicke und die anderen sehe, wird mir klar: Wir sind nicht die Einzigen. »Alpha.« Elliot verbeugt sich leicht und lächelt breit, als er die Tür weiter öffnet und mich hereinbittet. »Entschuldige die Verspätung«, sage ich und schenke ihm ein Lächeln, das hoffentlich nicht zu ernst wirkt. Lily sagt, ich sei manchmal viel zu steif. Um genau zu sein: Ihre genauen Worte waren, dass mein »Ruhegesicht« »schrecklich einschüchternd« sei. Der Gedanke an meine zukünftige Frau lässt mein Herz schlagen. Es fällt mir so schwer, auch nur einen Augenblick von ihr und den Kleinen getrennt zu sein. Mein Instinkt will ständig in ihrer Nähe sein, sie und die Kinder nie aus den Augen lassen. Es ist ein überwältigendes Gefühl – als wäre ich s
POV LilyDas sanfte Summen des leuchtenden Netzes, das die Stadt beschützt, beruhigt meine angespannten Nerven, während ich dem Mond dabei zuschaue, wie er höher am Himmel steigt. In nur wenigen kurzen Stunden, wenn er seinen höchsten Stand erreicht und die Göttin über uns wacht, werde ich mein Leben für immer mit Lucian verbinden – nicht nur als seine Gefährtin, sondern auch als seine Frau.»Du bist doch nicht etwa deswegen nervös?«, fragt mein schöner Gefährte, als er hinter mir ins Bett kommt und mich in seine Arme schließt, während seine Brust meinen Rücken wärmt. »Du bist bereits meine Gefährtin, meine Luna und meine wunderschöne Königin.« Er knabbert sanft an meinem Liebesmal, und jede Faser meines Körpers zittert vor Wohlbehagen. »Das ist nur eine weitere Zeremonie, nur ein weiterer Moment. In meinem Herzen bist du schon meine Frau.« Er küsst mich direkt hinter das Ohr, als er sich an mich lehnt. »Jetzt wirst du es auch vor aller Welt sein.«Ich fürchte mich, es zuzugeben, aber







