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Kapitel Neun: Ein gefährlicher Trost

Author: Memzay
last update Last Updated: 2025-12-18 02:18:42

Elena schlief schlecht in dieser Nacht. Der Atem ihres Vaters hallte durch die dünnen Wände ihrer Wohnung. Unregelmäßig und zerbrechlich saß sie lange nach Mitternacht neben seinem Bett, hielt seine Hand und lauschte dem leisen Verklingen des Regens. Adrian Blackwood hätte ihr nicht in den Sinn kommen sollen, doch er war es. Wie er ohne zu zögern angehalten hatte, wie seine Stimme weicher geworden war, als er von echter Hilfe sprach. Wütend auf sich selbst presste sie die Lippen zusammen.

Männer wie er boten keine bedingungslose Freundlichkeit an. Diese Lektion hatte sie früh am nächsten Morgen gelernt. Adrian kam zu spät, allein das brachte das ganze Haus in Unruhe.

Elena richtete gerade das Frühstück an, als seine Schritte in die Küche hallten. Seine Krawatte fehlte, sein Gesichtsausdruck war düsterer als sonst, Erschöpfung stand ihm ins Gesicht geschrieben. „Schlechte Nacht?“, fragte sie, bevor sie nachdachte. Er verstummte. Niemand fragte ihn jemals so etwas. „Ja“, sagte er schließlich.

 Sie schob ihm eine Tasse Kaffee zu. „Trink das, bevor du etwas sagst, was du bereust“, war als Scherz gemeint. Adrian musste sich ein Lächeln verkneifen.

Später am selben Tag zerriss ein Anruf die brüchige Ruhe. Elenas Telefon klingelte, während sie in der Speisekammer war. Leise nahm sie ab und erstarrte dann. „Was meinst du mit ‚Er ist zusammengebrochen‘?

Ihr Gesicht wurde kreidebleich. Adrian, der vorbeiging, verstand sofort den Tonfall. Er stellte keine Fragen. Er nahm ihren Arm und stützte sie, als ihre Knie nachzugeben drohten. „Ich muss los“, flüsterte sie. „Mein Vater, ich fahre dich.“ „Nein, Elena“, sagte er bestimmt und fixierte sie mit seinen Augen. Die Fahrt verlief schnell und still. Dringend.

Im Krankenhaus wurde sie von grellem Neonlicht umhüllt. Sie lief im Wartezimmer auf und ab, die Hände zitterten, die Angst schnürte ihr die Kehle zu. Als Adrian mit zwei Bechern Wasser zurückkam, bemerkte sie kaum, dass sie ihn stabilisierten“, sagte eine Krankenschwester schließlich. „Sie haben richtig gehandelt, ihn hierherzubringen.“ Elena sank in einen Stuhl, Tränen strömten ihr über die Wangen.

Ohne nachzudenken, setzte sich Adrian neben sie.

Sie lehnte sich erst nur leicht an ihn, dann brach sie in leises Schluchzen aus. Sein Arm legte sich um ihre Schultern, erst steif, dann fest. Er sagte ihr nicht, sie solle stark sein, er blieb einfach da.

Minuten wurden zu einer Stunde. Schließlich löste sich Elena verlegen von ihm. „Es tut mir leid“, sagte sie, „das war unprofessionell.Elena saß am Bett ihres Vaters und beobachtete, wie sich sein Brustkorb gleichmäßig hob und senkte. Leise piepten die Geräte und maßen Lebenszeichen in Zahlen, die sie vorgab nicht zu verstehen. Erleichterung und Erschöpfung kämpften in ihr. Adrian stand am Fenster, die Hände in den Hosentaschen, und fühlte sich unwohl an einem Ort, an dem Geld keine Macht hatte.

Adrian sah sie an, etwas Verletzliches lag in seinen Augen. Nein, das war menschlich. Ihre Blicke verweilten Der Moment dehnte sich gefährlich, zerbrechlich.

Zum ersten Mal fühlte sich Elena in den Armen eines anderen geborgen.

Und zum ersten Mal begriff Adrian, dass der Abschied von ihr vielleicht das Schwerste sein würde, was er je tun musste.

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