Chiara Ich bleibe wie erstarrt stehen, das Blut gefriert mir in den Adern und kocht dann erneut. Die Welt schrumpft auf diese Eichentür, auf diesen gestohlenen Laut. Er ist da. Mit ihr. Während ich in Venedig herumstand, während ich meinen Stolz hinunterschluckte und vor der Galerie die perfekte Ehefrau spielte, war er hier. In seinem geheimen Versteck. Sich an seiner kleinen Gefangenen labend. Sich das nehmend, was er als das Seine betrachtet, mit einer Gier, die man durch eine gepanzerte Tür hören kann. Die Szene drängt sich mir auf, grausam, klar, unerträglich. Er, nackt, mächtig, dominant. Sie, dieses Mädchen, dieser Schatten, die sich ihm mit Schreien hingibt. Während ich, seine rechtmäßige Ehefrau, die Erbin der Agnello, eine Ausgestoßene in meinem eigenen Palast bin. Die Demütigung ist so vollkommen, so heftig, dass sie ans Lächerliche grenzt. Ich sollte lachen. Ich sollte schreien. Ich tue beides, aber innerlich, in der Stille, und es verwandelt sich in ein unkontrollier
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