เข้าสู่ระบบDie Luft im Innenhof war erfüllt vom Geruch nach Ozon und den schrillen, verzweifelten Schreien von Lady Helena.„Idioten! Unfähige Narren!“, hallte ihre Stimme durch den Rauch, während sie einen schwer gepanzerten Soldaten zurückstieß. „Zwei Ziele! Ein zerbrechliches Mädchen und ein neugeborenes Kind! Wie könnt ihr sie in einem Palast verlieren, den ihr angeblich bewachen sollt? Erklärt mir das! Erklärt mir, warum wir den Leichnam von Lady Ying gefunden haben, aber keine Spur von dem Kind! Erklärt es mir!“Die Soldaten unter Jonas' Kommando bewegten sich unruhig, während ihre schweren Stiefel über den Kies knirschten. Die Verwirrung in den Reihen begann sich langsam in Gereiztheit zu verwandeln. Sie waren kampferprobte Männer, keine Jagdhunde, die sich von einer Adligen wegen ihrer Wut auspeitschen lassen mussten.Einige Schritte entfernt stand Isolde wie erstarrt. Ihre Hände pressten sich fest gegen ihre Brust, als wollte sie das hektische, unregelmäßige Pochen ihres Herzens zum Sch
Der Geruch von heißem Kupfer, geschmolzenem Talg und Schweiß hing schwer in der stickigen Luft der Kammer. Draußen zerbrach die Welt in Blut und Schreie, doch innerhalb dieser steinernen Mauern war das Universum auf die gewaltsame, rhythmische Qual geschrumpft, die Luciennes Körper durchriss.Sie umklammerte das geschnitzte hölzerne Kopfteil hinter sich, während ihre Knöchel kreidebleich wurden. Eine weitere Wehe überrollte sie – eine unerbittliche Kraft, die ihr die Luft aus den Lungen zu reißen schien. Sie warf den Kopf zurück, während ein raues, kehliges Geräusch aus ihrer Kehle drang und sie sich gegen die feuchten Laken stemmte.„Atmet, meine Herrin. Tief einatmen. Verschwendet Eure Kraft nicht“, befahl Sue.Sue, die leitende Hebamme, war eine Frau mit strengen Gesichtszügen und einer kühlen, sachlichen Art. Ihre Ärmel waren bis über die Ellbogen hochgekrempelt, und ihre Arme waren von der Arbeit feucht. Sie sprach keine beruhigenden Worte und bot keine sanften Berührungen an. Ih
Der Tempel lag in Trümmern.Noch immer stieg Rauch aus den eingestürzten Mauern auf und schlängelte sich wie geisterhafte Finger in den grauen Himmel. Überall im Innenhof lagen Leichen. Ihre Gewänder waren mit Blut getränkt, ihre Gesichter vor Schock erstarrt. Das Feuer hatte alles verschlungen, die Gärten, die Meditationshallen und das Heiligtum, in dem einst Gebete widerhallt hatten.Isolde stand am Rand der Zerstörung. Ihre Hände waren vor ihrem Körper ineinander verschränkt, während ihr Herz heftig gegen ihre Rippen schlug. Sie hatte nicht herkommen wollen. Sie hatte ihre Mutter angefleht umzukehren. Doch Helena hatte sich geweigert. Sie hatte Isolde hierher gezerrt, durch die Berge, durch den Wald und durch die Nacht.Und nun waren sie hier.Und der Tempel war tot.Helena ging zwischen den Soldaten umher. Ihr Gesicht war ruhig, ihre Stimme sachlich. Sie sprach mit einem der Kommandanten, einem vernarbten Mann mit kalten Augen.„Ihr habt gute Arbeit geleistet“, sagte sie. „Der Tem
Die Tore des Palastes schwangen auf, als Azrael und seine Männer hindurchritten.Der Innenhof war voller Diener, Wachen und Adliger, die alle jubelten. Banner flatterten im Wind, und Kinder warfen Blütenblätter in die Luft. Es war die Art von Empfang, bei der man für einen kurzen Moment vergessen konnte, wie viel Blut vergossen worden war, um hierherzukommen.Azrael hob zur Begrüßung die Hand, doch seine Augen suchten bereits die Menge nach ihr ab.Er fand sie oben auf den Stufen.Lucienne.Sie trug ein tiefblaues Kleid, in der Farbe des Abendhimmels. Ihr Haar fiel offen über ihre Schultern, und ihre Hände waren vor ihrem Körper gefaltet. Doch es war ihr Bauch, der seine Aufmerksamkeit auf sich zog.Er war größer. Viel größer.Er stieg vom Pferd und ging auf sie zu, während seine Stiefel auf dem Stein widerhallten. Die Menge machte ihm Platz. Er blieb vor ihr stehen und blickte auf ihren Bauch hinab.„Du wirst größer“, sagte er.Sie lächelte. Es war ein einstudiertes Lächeln, glatt un
Azrael stand bei den Pferden, während die letzten Vorratstaschen festgebunden wurden. Die Morgenluft war noch kühl. Seine Männer bewegten sich mit ruhiger Entschlossenheit. Die Infiltrationsteams waren bereits vor Tagen in Jonas’ Gebiet eingedrungen. Die Nachricht war zurückgekommen, dass sie ihre Positionen eingenommen hatten, die richtige Kleidung trugen, die richtigen Worte benutzten und auf das Signal warteten.Garret richtete den Riemen an seinem eigenen Pferd und trat dann einen Schritt zurück.„Ich werde nicht mit euch reiten“, sagte er.Azrael sah ihn an. „Warum?“„Es gibt hier noch etwas, das ich erledigen muss. Es wird nicht lange dauern. Ich werde euch einholen.“Azrael musterte einen Moment lang sein Gesicht und nickte dann kurz.„Nimm dir nicht zu viele Tage. Der Weg nach Hause wartet nicht.“Garret sah ihnen nach, als sie davonritten. Staub stieg unter den Hufen auf und legte sich langsam wieder. Als der letzte Reiter hinter der Kurve verschwunden war, wandte er sich dem
Die Pfeile kamen ohne Vorwarnung.Lady Yings Füße rutschten auf dem nassen Gras weg, das mit etwas anderem als Tau benetzt war, und ihre Knie schlugen so hart auf der Erde auf, dass ein Schock durch ihre Knochen fuhr. Der Aufprall erschütterte das Baby in ihren Armen, und der Schrei des kleinen Timothy durchschnitt das Chaos wie eine Nadel, die durch Seide sticht.„Steht auf! Steht auf!“Die Hände einer Nonne, schwielige, ruhige Hände, die jahrelang Gebetstücher gefaltet und Räucherstäbchen angezündet hatten, packten sie unter den Armen. Der Schleier der Frau hatte sich gelöst, und graue Haarsträhnen peitschten über ihr Gesicht.„Lady Ying, Ihr müsst aufstehen!“Doch ihre Beine wollten ihr nicht gehorchen. Sie waren zu Wasser geworden, zu nichts. Sie konnte nur auf die Szene vor sich starren. Der Tempelhof, der einst ein Ort des Friedens gewesen war, hatte sich in ein Schlachthaus verwandelt.Ihre Mönche, ihre sanften, lächelnden Mönche, die Timothy beigebracht hatten, seine winzigen
AZRAELDer Fluch war wieder da.Lauter als sonst.Vier Jahre davon. Vier Jahre, in denen ich gegen meinen eigenen Wolf, gegen meinen eigenen Verstand kämpfte, jede gottverdammte Sekunde.Ich saß auf meinem schwarzen Hengst, die Wüstensonne brannte auf das weiße Leinen meiner Gewänder—geschichtet, f
LUCIENNEFreiheit fühlte sich anders an, als ich erwartet hatte.Nach allem, was passiert war, wusste ich nicht einmal mehr, wohin ich eigentlich lief.Wir rannten stundenlang—meine Lungen brannten, die Füße bluteten durch meine dünnen Pantoffeln, Äste rissen an meinen schmutzigen Kleidern. Marcus
LUCIENNEIch hatte noch drei Tage zu leben.Ich verbrachte sie damit, mich daran zu erinnern, wie man stirbt.Der Kerker war genau so, wie ich es erwartet hatte: kalter Stein, Ratten und Dunkelheit, die dick genug war, um daran zu ersticken. Ich machte mich in der Ecke am weitesten vom Eimer, der n
LUCIENNEIch sah, wie mein Mate jemanden tötete.In der Nacht unserer Hochzeit.Der metallische Geruch von Blut traf mich zuerst—dick, faulig, kroch in meine Nase wie etwas Lebendiges. Dann sah ich ihn. Jonas. Er stand über dem Körper, während scharlachrotes Blut von seinen Händen tropfte, und das







