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EPISODE 3

Author: Sasha B.
last update publish date: 2026-07-10 12:23:12

**EPISODE 3 – DAS WEISSE KLEID**

„Wolfie… wach auf, es ist drei Uhr morgens…“, flüsterte ich sanft und stupste den Körper meines schlafenden Hundes. Er sprang sofort auf, drehte sich und schüttelte die Müdigkeit mit einer einzigen fließenden Bewegung ab.

„Lass uns nochmal versuchen, etwas Trockenfleisch zu stehlen…“, murmelte ich leise.

Ich stieg aus dem Bett, hob leise das Werkzeug auf, das ich für den Diebstahl brauchen würde – einen langen Stock mit einem kleinen Haken am Ende. Ich öffnete die Stalltür, streckte kurz meine Glieder und hielt dann inne, um die dunklen, nebligen Umgebungen in mich aufzunehmen. Am Horizont begann es bereits heller zu werden, die ersten Vorboten der Dämmerung schlichen sich in den Himmel.

Ich wusste, dass der Wächter beim Trockenfleischlagerhaus um diese Uhrzeit noch tief schlafen würde. Wolfie und ich traten hinaus und machten uns auf den Weg zu unserem Ziel. Ich rieb mir die Arme gegen die beißende Kälte, die Frische der frühen Morgenluft drang tief in meine Haut ein.

Als wir uns dem Lagerhaus näherten, verlangsamte ich meine Schritte zu einem vorsichtigen Kriechen und achtete darauf, kein Geräusch zu machen, während meine Füße über das taubedeckte Gras strichen. Sobald wir das kleine Fenster mit den Metallgittern erreicht hatten, duckte ich mich tief und spähte hindurch, unterstützt vom flackernden Licht einer Öllampe im Inneren.

Dann sah ich den Wächter flach auf dem Rücken auf einer Bambuspritsche liegen, den Mund leicht geöffnet, gleichmäßig schnarchend in der Stille des frühen Morgens.

Mein Blick wanderte nach oben und blieb an den Reihen von geräucherten Würsten hängen, die von den Deckenbalken baumelten. Das waren meine Ziele. Die Schinken waren zu riskant. Zu auffällig und streng inventarisiert. Würste waren sicherer. Sie konnten eine Weile fehlen, ohne Verdacht zu erregen.

Ich umklammerte den Stock fest mit beiden Händen und führte ihn langsam durch den schmalen Spalt zwischen den Fenstergittern. Vorsichtig manövrierte ich den Haken auf eine der längeren Würste zu, die am Rand hing.

Beim ersten Versuch verfehlte ich sie. Mein Herz setzte einen Schlag aus. Aber ich geriet nicht in Panik.

Ich beruhigte meinen Atem, konzentrierte mich neu und versuchte es erneut. Diesmal bekam ich die Wurst sanft mit dem Haken zu fassen. Stück für Stück zog ich sie näher, hielt bei jeder Bewegung den Atem an, bis ich sie schließlich mit der Hand greifen konnte.

Ein zufriedenes Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus.

Ich zog mich langsam vom Fenster zurück, ohne auch nur ein einziges Geräusch zu wagen. Wolfie wedelte bereits heftig mit dem Schwanz, seine Aufregung war kaum zu bändigen.

„Hier ist dein Anteil… Den Rest heben wir uns für heute Abend auf, damit du später etwas zu fressen hast“, sagte ich zu ihm und gab ihm drei kleine Stücke. Er schlang sie sofort hinunter, ohne zu kauen.

Ich nahm selbst ein Stück und kaute langsam darauf herum. Sie war ja nicht roh. Diese Würste waren wochenlang geräuchert und in Gewürzen und Kräutern mariniert worden, die ihnen einen tiefen, herzhaften Geschmack verliehen, der auf der Zunge blieb. Es war köstlich.

Aber eigentlich tat ich das nur selten. Wenn ich zu oft etwas nahm, könnte jemandem auffallen. Und wenn das passierte, würde es gar kein Essen mehr geben. Deshalb gingen Wolfie und ich die meisten Tage mit leerem Magen ins Bett.

Da es erst gegen vier Uhr morgens war, hatte ich noch etwas Zeit, um ein wenig mehr zu schlafen. Ich zog die dicke Decke wieder über mich und versank in ihrer Wärme. Als ich zu Wolfie hinüberlugte, sah ich, dass er gerade fertig gegessen hatte. Er drehte sich mehrmals auf seinem Lager, wie er es immer tat, wenn er die perfekte Stelle suchte. Sobald er sie gefunden hatte, legte er sich hin und rollte sich zusammen.

Ich schloss die Augen und war fest entschlossen, die zwei Stunden Ruhe, die mir noch blieben, bestmöglich zu nutzen. Bald würde der Tag beginnen – und mit ihm ein Schwall erschöpfender Arbeiten.

„Hey, Sklavin. Wach auf. Es ist schon sechs Uhr morgens.“

Durch den Nebel meines Schlafs hörte ich die vertraute Stimme einer der Bediensteten. Ich zog die Decke von meinem Körper und blickte zu der Person auf, die hereingekommen war. Am Rand meines Lagers stand die Dienerin mit mehreren langen Brotstücken in den Armen.

„Hier. Iss das. Das ist dein Frühstück für heute“, sagte sie ausdruckslos.

Ohne ein weiteres Wort warf sie mir drei Brotstücke hin. Eins traf mich ins Gesicht, bevor alle drei auf meinem Schoß landeten. Sie sagte nichts mehr. Sie drehte sich um und verließ den Stall.

„Wolfie…“, murmelte ich mit schläfriger Stimme, gähnte und drehte mich zu meinem Hund um. Er war bereits wach, saß still auf seinem Lager und beobachtete mich.

„Wieder schimmeliges Brot zum Frühstück. Aber… wir sind ja noch satt, oder? Das heben wir uns für später auf. Wir stopfen es mit Wurst“, flüsterte ich mit einem kleinen Lachen. Wolfie antwortete mit einem Bellen, als würde er zustimmen.

Ich legte das Brot in die Umhängetasche, die am Pfosten hing. Ich hatte mich daran gewöhnt, Brot mit Schimmel zu essen. Selbst leicht verdorbene Lebensmittel störten mich nicht mehr. Ich nahm an, es gab nur einen Grund dafür: Ich hatte meinen Magen im Laufe der Zeit abgehärtet. Er rebellierte nicht einmal mehr.

Ich stand auf und ging zu den Pferdeställen, um ihnen Heu zu geben. Nachdem ich sie gefüttert hatte, begann ich, ihre Boxen zu reinigen. Wie erwartet lagen wieder Haufen Kot herum. Einen nach dem anderen schaufelte ich ihn in einen Eimer, der später in die Kompostgrube geleert werden sollte.

Während ich konzentriert bei der Arbeit war, riss mich das Knarren der Stalltür aus meiner Konzentration. Ich blickte hin und runzelte leicht die Stirn, als ich zwei Wächter hereinkommen sah. Sie blieben genau in der Tür stehen und richteten ihre Blicke direkt auf mich.

„Platz da“, befahl eine herrische Stimme.

Die beiden Wächter vor dem Stall traten zur Seite, und da sah ich sie.

Madame Gisele, die in Sicht trat.

Sie trug ein fließendes Kleid in einem tiefen, majestätischen Lila. Meine Lieblingsfarbe, obwohl ich nicht wusste, ob ich noch das Recht auf Lieblingsfarben hatte. Ich erstarrte für einen Moment, beeindruckt davon, wie elegant sie aussah.

Doch diese Bewunderung verflog schnell, als ich bemerkte, wie sie direkt am Eingang stehen blieb, ein weißes Taschentuch hervorzog und sich die Nase zuhielt – offensichtlich angewidert vom Gestank des Stalls.

„Bringt diese Sklavin in die Villa.“

Ihre Stimme war fest, voller Autorität und duldete keinen Widerspruch.

Ohne zu zögern traten die beiden Wächter auf mich zu. Ich ließ den Eimer mit Pferdemist fallen, den ich gehalten hatte, als sie meine Arme grob packten und mich aus dem Stall zerrten.

Madame Gisele drehte sich um und ging voraus, ohne mir einen weiteren Blick zu gönnen.

Während ich gezwungen wurde, ihr zu folgen, begann Wolfie wütend zu bellen.

Ich drehte den Kopf gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie er seine Zähne in den Saum der Hose eines der Wächter schlug – dem auf meiner linken Seite.

Doch meine Augen weiteten sich vor Entsetzen, als der Wächter ihn hart trat.

Wolfie jaulte vor Schmerz auf und wurde quer durch den Stall geschleudert.

Ich wehrte mich sofort gegen ihren Griff, verzweifelt bemüht, mich loszureißen. Mein Herz hämmerte in meiner Brust, während ich schrie: „Hört auf! Tut ihm nicht weh!“

„Widerstand leisten, du Sklavin!“, brüllte der Wächter wütend.

Der Schrei ließ Madame Gisele innehalten und sich zu uns umdrehen.

Ihre Augen verengten sich, als sie näher trat und mein Gesicht musterte, versuchte, durch den verfilzten Vorhang meiner Ponyfransen zu blicken, hinter dem ich mich versteckte. Ihr Blick war scharf und schneidend.

„Benehmen“, sagte sie kalt. „Es sei denn, du willst verletzt werden. Hast du mich verstanden?“

Die Wächter zerrten mich weiter, und alles, was ich tun konnte, war, zurück zu Wolfie zu schauen, der versuchte aufzustehen und dessen Körper zitterte. Ich wandte den Blick nicht von ihm ab, bis ich schließlich durch die Türen der Villa gebracht wurde.

Sie führten mich in einen kleinen Raum, in dem zwei ältere Bedienstete warteten.

„Badet und kleidet diese Dienerin ein“, befahl Madame Gisele streng. Die beiden älteren Dienerinnen neigten sofort gehorsam die Köpfe.

„Aber zuerst“, fügte sie hinzu, „fesselt ihr die Hände. Die hat einen wilden Zug.“

Ohne Verzögerung packte einer der Wächter meine Handgelenke und zwang sie vor meinem Körper zusammen. Er nahm ein kurzes, raues Seil und band sie fest zusammen, die groben Fasern scheuerten über meine Haut. Ich verzog leicht das Gesicht, der Druck und die Textur brannten sich in mein Fleisch.

Ich hatte keine Ahnung, was hier vor sich ging. So etwas war mir noch nie passiert – abrupt aus dem Stall gerissen und in die Villa gebracht zu werden.

Nach dem, was ich mitbekommen hatte, sollte ich gebadet werden?

Aus welchem Grund?

Doch trotz der Verwirrung beschäftigte mich etwas anderes viel mehr: mein Hund.

Ich konnte nicht aufhören, an Wolfie zu denken.

Als ich ihn das letzte Mal gesehen hatte, kämpfte er gerade darum, aufzustehen, nachdem dieser dreckige Wächter ihn nur getreten hatte, weil er mich verteidigen wollte.

„Fertig, Mylady“, verkündete der Wächter und trat zurück, nachdem er den Knoten gesichert hatte.

„Ihr wisst, was zu tun ist“, sagte Madame Gisele zu den Dienerinnen. „Wenn ihr sie gebadet habt, sorgt dafür, dass sie das Kleid anzieht, das ich dagelassen habe. Dann bringt sie zurück ins Wohnzimmer.“

„Ja, Mylady“, antworteten die beiden Dienerinnen im Chor.

Madame Gisele drehte sich um und ging davon, die Wächter folgten ihr. Eine der Dienerinnen nahm sanft meinen Arm und führte mich zur Badekammer. Ich leistete keinen Widerstand. Es hatte keinen Sinn.

Als wir im Badezimmer ankamen, war ich überrascht, wie sauber und warm es war – ganz anders als die Orte, in die ich sonst durfte. Sie begannen, mir die Kleider auszuziehen, schälten die fleckigen, zerrissenen Schichten ab, die ich jeden Tag getragen hatte. Sie legten sie auf einen Tisch neben einer dampfenden Wanne mit Wasser.

Sie wiesen mich an, mich zu setzen, und ich gehorchte schweigend.

Duftende Öle wurden ins Wasser gegossen und verbreiteten einen sanften, süßen Duft, der sich seltsam anfühlte, wenn man ihn einatmete. Eine Dienerin kümmerte sich um meine Haare und drückte das Wasser hindurch, während die andere meine Arme mit solcher Kraft schrubbte, dass meine Haut rot wurde. Ihre Hände bewegten sich hart, als wollte sie Jahre von Schmutz und Dreck an einem einzigen Tag auslöschen.

Ich hielt den ganzen Zeit über den Mund, den Blick gesenkt. Ich sprach nicht. Ich beschwerte mich nicht.

Aber meine Gedanken verließen Wolfie nie.

Nachdem es sich wie Stunden anfühlte, spülten sie mich unter einer warmen Dusche ab und begannen dann, mein dickes, langes, verfilztes Haar zu bürsten. Die Dienerin kämpfte, weil der Kamm immer wieder in den Knoten hängen blieb – Jahre der Vernachlässigung verschwanden nicht so leicht. Jeder Ruck zog scharf an meiner Kopfhaut, aber ich reagierte kaum. Ich war Schmerzen gewohnt. Es hatte keinen Sinn, sich zu wehren. Die Bürste sammelte Handvoll ausgefallener Strähnen, doch ich zuckte nicht zusammen.

Es fühlte sich fast wie Folter an dort in der Wanne, aber sie waren gründlich.

Das konnte ich zugeben. Jede Spur des Stallgestanks, des tierischen Dungs, der täglich an mir klebte, wurde abgewaschen.

Dieser Geruch war der Grund, warum die anderen Mägde mich immer aufzogen und flüsterten, ich würde nach Mist stinken. Ich arbeitete schließlich mit Tieren. Egal wie sehr ich versuchte, sauber zu bleiben, der Geruch folgte mir immer.

Aber heute… schrubbten sie mich sauber, als wäre ich jemand Wichtiges.

Und das machte mir noch mehr Angst.

Sie trockneten meinen nassen Körper sanft mit einem Handtuch ab, tupften das Wasser vorsichtig weg. Dann entfernte eine der Dienerinnen das Seil von meinen Handgelenken und befreite mich endlich, damit sie mich ankleiden konnten.

Sie halfen mir in ein langärmeliges weißes Kleid, dessen Saum knapp über meine Knie reichte.

Ich drehte mich langsam zum Spiegel um, während die beiden Dienerinnen das Korsett auf meinem Rücken schnürten.

Ich starrte mein Spiegelbild an.

Meine Ponyfransen bedeckten immer noch den Großteil meines Gesichts. Mein Haar, jetzt richtig gebürstet, reichte bis zur Taille. Mir war nicht bewusst gewesen, dass es so lang geworden war.

Mein Körper sah schmerzhaft dünn aus.

Ich hatte so wenig Fleisch übrig, nur Haut und Knochen.

Trotzdem… war dies das erste Mal, dass ich je ein so schönes Kleid getragen hatte. Es gab sogar ein zartes Band um meine Taille, das dem ansonsten schlichten Kleid eine weiche Note verlieh.

Der Stoff sah so sauber aus, reinweiß, und fühlte sich weich auf meiner Haut an.

Die Mundwinkel hoben sich leicht.

Nur ein wenig. Ich hatte immer davon geträumt, etwas wie dieses zu tragen – etwas Elegantes, das nicht nach Vieh oder Dreck roch.

Aber das Lächeln verschwand genauso schnell, wie es gekommen war.

Denn je länger ich mich im Spiegel betrachtete, desto klarer wurde mir…

Ja, das Kleid war schön… aber es stand mir nicht.

Ich sah aus wie ein Geist.

Wie eine weiße Dame aus einer Schauergeschichte.

Oder schlimmer: wie eine frisch aus dem Grab gestiegene Leiche.

Ein totes Mädchen, angezogen und bereit für die Beerdigung.

„Kommt mit uns. Wir gehen zurück ins Wohnzimmer“, sagte eine der Dienerinnen, nachdem sie das Korsett fertig geschnürt hatte.

Sie gingen voraus, und ich folgte ihnen schweigend. Wir betraten wieder dasselbe Wohnzimmer, in das ich zuvor gebracht worden war.

Und etwas in mir drängte mich endlich zum Sprechen.

„Was werden sie mit mir machen?“, fragte ich mit leiser, unsicherer Stimme.

Die beiden Dienerinnen blieben kurz vor dem Verlassen des Zimmers stehen.

Eine von ihnen drehte sich zu mir um, ihre kalten Augen bohrten sich emotionslos in meine.

„Warte hier“, antwortete sie knapp. „Madame Gisele kommt zurück mit dem Käufer, der dich kaufen wird."

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