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Vom Feuer beansprucht

last update publish date: 2026-07-28 17:34:23

Amina POV

Logans Körper wandelte sich so schnell, dass ich es kaum wahrnahm. Einen Moment stand er noch neben mir, im nächsten war er ein gewaltiger schwarzer Wolf, der mit einer Kraft knurrte, die den Boden unter meinen Füßen erzittern ließ. Seine Krieger tauchten aus der Dunkelheit um uns herum auf und bildeten eine Wand aus Zähnen und Wut.

Ich stolperte rückwärts, doch ein starker Arm fing mich auf, bevor ich fallen konnte.

„Bleib hinter mir“, sagte Logan, seine Stimme nun halb Knurren, halb Befehl, während er sich gerade lange genug zurückverwandelte, um zu sprechen. „Du bist jetzt meine Verantwortung, zu beschützen, ob es dir gefällt oder nicht.“

Ich hatte keine Zeit zu widersprechen.

Der Wald versank im Chaos. Wölfe prallten in der Dunkelheit aufeinander, Knurren und Schreie zerrissen die Nachtluft. Ich presste meinen Rücken gegen einen Baum, mein Herz raste, während Blut und Fell vor mir verschwammen. Das war der Preis meines Trotzes, und ich wusste nicht, ob ich ihn überleben würde.

Ein Krieger aus meinem alten Rudel durchbrach das Chaos und stürzte sich direkt auf mich, die Zähne blitzten im Mondlicht. Ich schrie und warf mich zur Seite, doch Schmerz brannte durch meine Schulter, als seine Krallen meine Haut trafen.

Bevor er erneut zuschlagen konnte, erschien Logan wie ein Schatten des Todes und riss ihn mitten in der Luft zu Boden. Das Geräusch brechender Knochen hallte durch die Bäume, gefolgt von Stille. Mein ehemaliges Rudelmitglied erhob sich nicht wieder.

Logan wandte sich zu mir, die Brust hebend und senkend, Blut tropfte von seinen Krallen, seine Augen brannten mit etwas Wildem, Besitzergreifendem.

„Hat er dir wehgetan?“, verlangte er zu wissen und kniete sich neben mich.

„Mir geht es gut“, log ich und umklammerte meine blutende Schulter.

Er ergriff mein Handgelenk, sanft, aber fest, und untersuchte die Wunde mit überraschender Sorgfalt für einen Mann, der gerade eben jemanden vor meinen Augen getötet hatte. „Dir geht es nicht gut“, sagte er. „Du blutest, weil du dich geweigert hast, hinter mir zu bleiben.“

„Ich habe dich nicht gebeten, mich zu retten“, flüsterte ich, meine Stimme zitternd.

Seine Augen fixierten meine, dunkel und intensiv. „Nein“, sagte er leise. „Aber ich bin nicht der Mann, der zusieht, wie etwas Wertvolles zerstört wird.“

Bevor ich antworten konnte, hallte Dravens Stimme über das Schlachtfeld. „Alpha! Ihr Vater ist hier!“

Ich drehte mich um, und mein Blut gefror.

Mein Vater stand am Rand der Lichtung, flankiert von weiteren Kriegern, seine Augen brannten vor Wut und etwas Dunklerem, Genugtuung, als hätte er genau auf diesen Moment gewartet.

„Logan“, sagte mein Vater, seine Stimme glatt trotz des Chaos um ihn herum. „Ihr habt heute Nacht einen schweren Fehler begangen.“

Logan erhob sich langsam und stellte sich zwischen mich und meinen Vater wie eine Wand aus Muskeln und Bedrohung. „Sagt, weshalb Ihr gekommen seid.“

Mein Vater lächelte, kalt und berechnend. „Diese Omega, die Ihr so eifrig beschützt, ist nicht die, für die Ihr sie haltet.“

Mir wurde übel vor Angst.

„Sie trägt ein Geheimnis in sich“, fuhr mein Vater fort, sein Blick huschte mit grausamer Genugtuung zu mir, „eines, das euer gesamtes Rudel zerstören könnte, sollte die Wahrheit je ans Licht kommen.“

Logan erstarrte völlig neben mir.

„Was… was für ein Geheimnis?“, fragte er, seine Stimme gefährlich ruhig.

Das Lächeln meines Vaters wurde breiter.

„Fragt sie selbst“, sagte er, „falls sie sich überhaupt an die Wahrheit dessen erinnert, was sie ist.“

Mein Herz setzte aus.

Jeder Blick auf der Lichtung richtete sich auf mich.

Ich spürte das Gewicht ihrer Blicke wie glühende Kohlen auf meiner Haut. Die Worte meines Vaters hingen in der Luft, giftig und unvollendet, und ich wusste, es gab kein Entkommen vor dem, was jetzt kommen würde.

„Wovon redet er, Amina?“, fragte Logan, seine Stimme leise, beherrscht, doch scharf genug, um durch Knochen zu schneiden.

Ich öffnete den Mund, doch nichts kam heraus. Die Wahrheit hatte so lange in mir gelebt, begraben unter Jahren des Schweigens, dass sie auszusprechen sich anfühlte, als würde ich eine Wunde aufreißen, die niemals ganz verheilt war.

Mein Vater lachte, kalt und grausam. „Sie hat nicht einmal den Mut, es selbst zu sagen.“

„Dann sagt es für sie“, erwiderte Logan und wandte seinen brennenden Blick zu meinem Vater.

Das Lächeln meines Vaters wurde breiter, er genoss diesen Moment sichtlich. „Eure kostbare Omega ist kein gewöhnlicher Wolf, Alpha Logan. Sie ist die letzte überlebende Erbin der Moonfire-Blutlinie.“

Ein Keuchen ging durch beide Rudel.

Ich schloss die Augen, fühlte mich bloßgestellt, als wäre mir vor Fremden die Haut abgezogen worden.

„Diese Blutlinie wurde vor zwanzig Jahren ausgelöscht“, flüsterte jemand aus der Menge.

„Fast ausgelöscht“, korrigierte mein Vater, seine Augen glänzten vor Genugtuung. „Ihre Mutter hat sie vor dem Massaker versteckt. Ich entdeckte die Wahrheit, als sie sechzehn wurde. Seitdem habe ich sie schwach gehalten, gebrochen, damit die Macht, die in ihr schlummert, niemals erwacht.“

Meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen. Jede Prügelstrafe, jede Nacht des Hungers, jede grausame Bestrafung ergab plötzlich auf die entsetzlichste Weise einen Sinn. Mein Vater hatte mich nicht einfach nur gehasst. Er hatte mich gefürchtet.

Logan wandte sich langsam zu mir, sein Gesichtsausdruck unlesbar, doch seine Augen brannten mit etwas Neuem, Berechnung, Verlangen und Unglauben zugleich.

„Ist das wahr?“, fragte er leise.

Ich schluckte schwer, meine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Ich weiß nicht, was ich bin. Ich weiß nur, was er mich glauben ließ, dass ich sei, wertlos und schwach.“

„Wertlos“, wiederholte Logan, sein Kiefer spannte sich an. „Ihr nennt die letzte Erbin von Moonfire wertlos?“

Die Selbstsicherheit meines Vaters flackerte zum ersten Mal. „Sie ist untrainiert, instabil. Erwacht ihre Macht ohne Kontrolle, könnte sie alles um sich herum zerstören, einschließlich Eures gesamten Rudels.“

Logan trat näher zu mir, seine Präsenz wie eine Wand aus Hitze gegen die kalte Nachtluft. „Dann werde ich sie selbst ausbilden.“

„Das kann nicht Euer Ernst sein“, fuhr mein Vater ihn an. „Sie gehört zu meinem Rudel. Ihre Macht gehört meinem Rudel.“

„Sie gehört niemandem“, sagte Logan, seine Stimme sank zu etwas Gefährlichem und Endgültigem. „Nicht Euch, nicht Eurer Blutlinien-Politik, und ganz besonders nicht welchem Plan auch immer Ihr geschmiedet habt, um sie wie eine Waffe zu benutzen.“

Die Augen meines Vaters verdunkelten sich vor Wut. „Ihr habt keine Ahnung, was Ihr da beschützt, Logan. Dieses Mädchen ist nicht einfach nur eine Omega. Sie ist ein Krieg, der nur darauf wartet, auszubrechen.“

„Gut“, sagte Logan, ein langsames, tödliches Lächeln formte sich auf seinen Lippen. „Ich habe auf einen Krieg gewartet.“

Spannung knisterte durch die Lichtung wie Blitze vor einem Sturm. Die Krieger meines Vaters rutschten unruhig hin und her, spürten die Verschiebung der Macht, die Verschiebung der Angst.

Der Blick meines Vaters wanderte ein letztes Mal zu mir, kälter, als ich ihn je gesehen hatte. „Du glaubst, er will dich, Amina? Er will das, was in dir schläft. In dem Moment, in dem deine Macht erwacht, wirst du nichts weiter sein als eine Waffe in seinen Händen, genau wie du es in meinen gewesen wärst.“

Die Worte trafen härter als jeder Schlag, den er mir je versetzt hatte.

Ich sah zu Logan, suchte in seinem Gesicht nach Widerspruch, nach irgendetwas, das bewies, dass mein Vater sich irrte. Doch alles, was ich fand, war Schweigen, und etwas Unlesbares hinter seinen dunklen Augen.

„Logan“, sagte ich leise, meine Stimme zitternd. „Sag ihm, dass er sich irrt.“

Logan antwortete nicht sofort. Die Stille zog sich hin, schwer und erdrückend, und in diesem Moment kroch Zweifel wie Gift in mein Herz.

„Ich werde dich nicht anlügen“, sagte Logan schließlich. „Deine Macht ist mir wichtig. Aber du bist es auch.“

Bevor ich antworten konnte, erschütterte ein plötzliches Beben den Boden unter uns. Die Luft wurde dicht, geladen mit einer Energie, die ich noch nie zuvor gespürt hatte. Meine Haut begann von innen zu brennen, wie Feuer, das durch meine Adern kroch.

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