Mag-log inIch hätte nie erwartet, dass der neue Ehemann meiner Mutter meine Welt auf den Kopf stellt. Mit neunzehn bin ich bereits von dem Mann betrogen worden, den ich liebte. Das Letzte, was ich brauche, ist Hermes Vitali, ein gefährlich charmanter Mafia-Milliardär, der scheinbar fest entschlossen ist, mir unter die Haut zu gehen. Er ist vierundvierzig, mächtig und immer unter Kontrolle. Ich bin die eine Person, mit der er nie gerechnet hat, und doch zieht uns jede Begegnung näher an eine Linie, die keiner von uns überschreiten sollte. Aber meine Mutter hat ihre eigenen Geheimnisse, und Hermes’ Ehe war nie das, was sie zu sein schien. Wenn der Verrat meine Familie zerreißt, werde ich entscheiden müssen, ob der Mann, der mein Herz erobert hat, mein Vertrauen verdient. Ich habe nie gewählt, mich in ihn zu verlieben. Aber ich bin vielleicht die Einzige, die ihn in die Knie zwingen kann.
view moreDer Laut traf mich zuerst und riss mitten durch mich hindurch.
Dieses vertraute, tiefe Stöhnen, das Kyle machte, wenn er kurz davor war – das, was er früher gegen meinen Hals flüsterte, als wäre ich das einzige Mädchen auf der Welt. Jetzt quoll es aus ihm heraus, während er irgendein anderes Mädchen auf dem Bett sehr hart und schnell fickte und ihre Beine sich eng um seine Hüften schlangen, als gehörte sie dorthin. Ich konnte nicht atmen. Meine Hand blieb wie eingefroren am Türknauf, das Seidenkleid, das ich für ihn ausgesucht hatte, fühlte sich plötzlich billig und dumm an meiner Haut an. Das Stöhnen des Mädchens schnitt durch alles hindurch, hoch und bedürftig, und Kyle bemerkte mich zuerst gar nicht – nicht, bevor sie keuchte und unter ihm erstarrte. „Kyle…. shit…“ Er riss den Kopf herum, die Augen weit aufgerissen. „Liana, Baby, warte… das ist nicht… fuck, lass mich erklären…“ Ich schrie nicht. Ich weinte auch nicht. Ich schloss einfach leise die Tür, als würde ich das letzte Gute, von dem ich dachte, dass ich es hatte, endgültig wegschließen. Meine nackten Füße trugen mich den Flur hinunter, der Marmor kalt und unerbittlich unter meinen Sohlen. Alles in meiner Brust fühlte sich aufgerissen an. Neunzehn Jahre alt und immer noch weggeworfen, als wäre ich nichts. Kyle war in den letzten Monaten mein sicherer Ort gewesen. Er war der einzige Mensch, der dieses ganze Chaos – der Umzug in eine riesige, fremde Villa, nachdem Mom geheiratet hatte – ein bisschen erträglicher machte. Jetzt war selbst das weg. Durch meine Tränen flimmerten und verschwammen die Lichter vom Empfang auf dem Dach. Ich lief weiter, ohne darauf zu achten, wohin. Der Ostflügel war ruhiger, dunkler und privater. Mein Herz schlug so heftig, dass ich kaum noch etwas anderes hören konnte. Der Schmerz lastete schwer auf mir, breitete sich durch Brust und Magen aus. Zusammen mit dem Champagner und der Scham ließ er mich wie eine Fremde in meiner eigenen Haut fühlen. Ich wollte einfach nur für eine verdammte Minute verschwinden oder mich verstecken. Meine Finger fanden einen Türgriff. Dann drückte ich ihn auf, ohne nachzudenken. Zuerst traf mich der Dampf – warm, sauber und männlich. Dann sah ich ihn. Hermes Vitali. Frisch aus der Dusche, das Handtuch gefährlich tief an den Hüften, Wasser, das immer noch über seinen breiten Rücken und die Schultern glitt. Er drehte sich langsam um, und unsere Blicke verkeilten sich ineinander. Oh Gott. Er war jetzt der Ehemann meiner Mutter. Vierundvierzig. Die Art von Mann, die einen ganzen Raum allein durch seine Anwesenheit kleiner wirken ließ. Doch in diesem Moment, mit nassem dunklem Haar und sich hebender und senkender Brust, wirkte er roh, echt und gefährlich. Ich hätte mich entschuldigen, zurückweichen oder wie der Teufel weglaufen sollen. Aber meine Füße bewegten sich nicht. Meine Augen sanken, bevor ich sie aufhalten konnte, folgten dem Wasser, das über seine Brust tropfte, die harten Linien seines Bauchs hinunter und unter dem Handtuch verschwand. Hitze schoss meinen Hals hinauf, über die Wangen und geradewegs zwischen meine Beine. Meine Nippel spannten sich gegen die dünne Seide – offensichtlich und peinlich. „Kyle hatte mein Herz auf eine Weise gebrochen, die ich nicht für möglich gehalten hatte, doch unter dem Schmerz fühlte sich etwas in mir immer noch lebendig an.“ Hermes bedeckte sich nicht. Er starrte mich nur an, der Kiefer angespannt, eine Hand zur Faust geballt an seiner Seite, als kämpfte er dagegen an, näherzutreten. Seine Augen glitten langsam über mich – mein gerötetes Gesicht, meine zitternden Lippen, die Art, wie das Kleid an meinem Körper klebte. Etwas Dunkles flackerte in seinem Blick. „Du solltest nicht hier sein, Liana“, sagte er, die Stimme tief und rau. Sie legte sich um meinen Namen wie ein Geheimnis. „Ich… ich dachte, das ist das Gästezimmer“, flüsterte ich. Meine Stimme kam wackelig und klein heraus. Ich konnte immer noch Kyles Geräusche in meinem Kopf hören. Ich konnte immer noch spüren, wie leicht er mich ersetzt hatte. Und jetzt dieser Mann – dieser verbotene Mann –, der mich ansah, als sähe er jedes zerbrochene, bedürftige Stück von mir. Mein Herz schlug so heftig, dass ich es in der Kehle spürte, an den Handgelenken und überall dazwischen, wo eine schmerzende Wärme aufstieg, ob ich es wollte oder nicht. Hermes machte einen Schritt auf mich zu, dann noch einen. Er berührte mich nicht. Er war nur nah genug, dass ich seine Haut riechen konnte – warm und sauber. Nah genug, um zu sehen, wie seine Brust sich mit einem langsamen Atemzug ausdehnte, als versuchte er, die Kontrolle zu behalten. „Dir wurde heute Abend wehgetan“, murmelte er. Es war keine Frage. Es war einfach die Tatsache. Tränen glitten über meine Wange. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass ich weinte. „Ich sollte gehen“, flüsterte ich. Doch meine Füße bewegten sich auch nicht. Und er sagte mir nicht, dass ich gehen sollte. Seine Augen sanken zu meinem Mund, dann tiefer, verweilten an meinen Brüsten und an der Art, wie ich zu schnell atmete. Als sie wieder hochkamen, wirkte die Kontrolle in ihnen rissig – als hielte er kaum noch stand. „Geh zurück in dein Zimmer, Prinzessin.“ Das Wort Prinzessin fühlte sich weich, besitzergreifend und gleichzeitig falsch an. Meine Oberschenkel pressten sich von selbst zusammen, um den wachsenden Puls zu lindern. Das war wahnsinnig. Er war mit meiner Mutter verheiratet, älter und völlig tabu. Aber meinem Körper war das egal. Er wollte. Er schmerzte. Und er fragte sich, wie sich diese großen Hände anfühlen würden. Der Moment dehnte sich, schwer und still, als wüsste keiner von uns, wie man ihn durchbrechen sollte. Es waren nur wir beide da und atmeten dieselbe angespannte Luft. Seine Hand zuckte an der Seite – so leicht, dass ich es fast übersehen hätte –, als würde er sich davon abhalten, nach mir zu greifen. Dann schwebte Moms Lachen den Flur herunter – leicht und deutlich unecht, so wie immer. Es riss mich aus dem Moment. Ich stolperte rückwärts, das Herz hämmerte so heftig, dass ich dachte, es würde durch meine Rippen brechen. Ich drehte mich um und rannte, die Füße klatschten auf den kühlen Marmor, den ganzen Weg zurück in mein eigenes Zimmer. Als ich die Tür hinter mir schloss, glitt ich auf den Boden, die Knie an die Brust gezogen, und versuchte, zu Atem zu kommen. Meine Haut stand in Flammen, während Scham heiß in meinem Magen brannte. Doch darunter lag etwas anderes – etwas Hungriges, Neues und Erschreckendes. Mein Handy vibrierte ununterbrochen auf dem Bett. Es war Kyle. Ich ignorierte es. Aber ich konnte nicht ignorieren, wie mein Kopf immer wieder Hermes’ Blick auf mir abspielte, wie mein Name in seinem Mund klang und wie mein Körper ihm ohne Erlaubnis geantwortet hatte. Das war schlimm. Wirklich, wirklich schlimm. Und ein Teil von mir – der einsame, verletzte Teil, der jahrelang gehungert hatte – wollte dem überhaupt nicht weglaufen.HERMES'S POV Als ich am folgenden Morgen im Anwesen ankam, war die Sonne bereits aufgegangen. Ich nahm die Männer am Eingang kaum wahr, bevor ich hineinging. Das Anwesen war ungewöhnlich still. Die Überreste der Geburtstagsfeier waren noch in den Dekorationen sichtbar, den Blumen, die durch die Halle arrangiert waren, und den Geschenken, die noch nicht weggeräumt worden waren. Es war beinahe beleidigend, wie gewöhnlich alles aussah. Als wäre nichts passiert. Als hätte Liana die vorherige Nacht nicht damit verbracht zu glauben, dass sie sterben würde. Ich stieg die Treppe hinauf und machte mich auf den Weg zu ihrem Schlafzimmer. Die Tür war leicht geöffnet. Ich stieß sie sanft auf und trat ein. Liana schlief. Sie lag zusammengekauert unter der Decke, ihr Gesicht dem Kissen zugewandt. Ihr Haar war darüber verstreut, und auf ihren Wangen waren schwache Spuren von Tränen. Einen Moment lang stand ich einfach da. Ich hatte Männern gegenübergestanden, die mein Leben bedroht ha
HERMES'S POV „Sag mir noch einmal, warum ein Mann, dem genug Gold gehört, um die Hälfte des Landes zu kaufen, beschlossen hat, es wie ein paranoider Verrückter unter der Erde zu vergraben.“ Ich warf einen Blick auf die Frau, die neben mir ging. „Weil die andere Hälfte des Landes voller Leute wie dir ist.“ Alexia keuchte dramatisch und legte eine Hand auf ihre Brust. „Wow. Und ich dachte schon, wir hätten eine wunderschöne Freundschaft entwickelt.“ „Haben wir.“ „Wirklich?“ „Leider.“ Sie schnaubte und schüttelte den Kopf, während wir uns dem verborgenen Eingang zur unterirdischen Kammer näherten. „Weißt du, Hermes, die meisten Leute sagen danke, wenn ihnen jemand bei etwas hilft.“ „Habe ich um deine Hilfe gebeten?“ „Nein, aber du hättest weitere dreißig Minuten da unten verbracht und jeden einzelnen Goldbarren untersucht, wenn ich dich nicht daran erinnert hätte, dass du ein Leben außerhalb deiner kostbaren Sammlung hast.“ Ich blieb stehen und drehte mich zu ihr um. „Bist
LIANA'S POV Ich konnte nicht aufhören zu zittern. Jedes Mal, wenn ich Kyle ansah, erinnerte ich mich an das Gefühl des Fallens, an den schrecklichen Moment, als meine Finger vom Geländer rutschten, und an die Gewissheit, dass ich gleich sterben würde. Er hatte mich beinahe getötet. Der Gedanke ließ etwas in mir zerbrechen. Ich stürzte auf ihn zu und stieß ihn hart gegen die Brust. „Du hast mich beinahe getötet, du Abschaum!“ „Liana, beruhige dich—“ „Sag mir nicht, ich soll mich beruhigen!“ Ich schlug mit beiden Händen gegen seine Brust, Tränen strömten über mein Gesicht. „Du hast mich gestoßen! Du hast mich tatsächlich von diesem Balkon gestoßen! Was zum Teufel stimmt nicht mit dir?“ Er packte meine Handgelenke und versuchte, mich davon abzuhalten, ihn erneut zu schlagen. „Hör mir zu!“ „Lass mich los!“ Ich riss meine Hände frei und stieß ihn erneut. „Ich habe dich angefleht, mich zu retten! Ich habe geweint, Kyle! Ich habe dir gesagt, dass ich nicht sterben will, und du
LIANA'S POV „Kyle, bitte!“ Meine Stimme brach, während ich mich am Balkongeländer festhielt. Meine Arme zitterten, meine Finger schmerzten, und jedes Mal, wenn ich versuchte, meinen Griff anzupassen, rutschte mein Körper ein Stück weiter hinunter. Ich sah durch meine Tränen zu ihm hoch. „Bitte, hilf mir! Ich will nicht fallen!“ Kyle stand über mir und starrte hinunter mit einem Ausdruck, den ich nicht verstehen konnte. Der Wind strich über mein Gesicht, und mein Herz hämmerte so heftig, dass ich kaum Luft bekam. Ich würde sterben. Der Gedanke traf mich so plötzlich, dass ich noch heftiger zu weinen begann. Ich war nicht bereit zu sterben. Nicht so. Nicht an meinem einundzwanzigsten Geburtstag, an dem ich den ganzen Abend von Menschen umgeben gewesen war, die mich liebten, an dem ich noch so viele Dinge tun wollte. Ich hatte nicht einmal die Chance bekommen, das Leben zu leben, das ich mir vorgestellt hatte. „Kyle!“ schrie ich erneut. „Bitte, ich flehe dich an! Halt meine Han











