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Als das Rudel sich spaltete

Author: Ayola
last update publish date: 2026-08-27 16:54:13

Die erste Welle traf Jacob wie eine lebendige Mauer.

Ich taumelte vom Rand des Grats zurück, während der schwarze Wolf, der meine Mate war, ihnen mit roher Kraft entgegentrat. Zähne und Krallen und Knurren erfüllten die Nacht. Körper prallten so heftig aufeinander, dass der Boden unter meinen Füßen bebte. Jacob bewegte sich mit tödlicher Geschwindigkeit, größer und stärker als die anderen, aber es waren zu viele.

Blut spritzte über die Blätter. Ein grauer Wolf ging hart zu Boden und erhob sich nicht wieder. Ein anderer stürzte sich auf Jacobs Flanke und wurde mit einem widerlichen Knacken von Knochen beiseitegeschleudert. Ich presste die Hand fester auf die Wunde in meiner Seite und zwang mich, aufrecht zu bleiben. Jeder Atemzug tat weh. Das Band zwischen uns brannte wie Feuer und fütterte mich mit Fragmenten seiner Wut und seinem absoluten Bedürfnis, mich am Leben zu halten.

Ein Wolf brach aus dem Hauptkampf aus und stürmte direkt auf mich zu.

Ich hatte keine Waffe. Nur das kleine Messer, das Anita vor der Prüfung in dem Stiefel versteckt hatte, den sie mir gegeben hatte. Ich zog es mit zitternden Fingern heraus und machte mich bereit. Der Wolf sprang. Ich duckte mich tief und stieß die Klinge nach oben, als er vorbeiflog. Das Messer sank in weiches Fleisch unter dem Kiefer. Das Tier krachte an mir vorbei, rollte, jaulte und wurde dann still.

Meine Hände waren schlüpfrig von Blut, das nicht nur meins war.

Jacobs Wolf drehte sich bei dem Geräusch um und stieß ein Brüllen aus, das mehrere Angreifer zögern ließ. In dieser kurzen Pause brachen drei weitere Gestalten hinter uns aus den Bäumen. Ich spannte mich an, bereit für einen weiteren Angriff, aber diese Wölfe griffen Jacob nicht an. Sie warfen sich auf seiner Seite in den Kampf.

Loyale. Das Band trug einen Blitz der Wiedererkennung von Jacob. Ein Teil des Rudels hatte sich entschieden.

Der Kampf wurde lauter und chaotischer. Knurren vermischte sich mit den nassen Geräuschen von Verletzungen. Ich blieb so nah bei Jacob, wie ich konnte, ohne ihm im Weg zu sein. Meine Sicht verschwamm immer wieder. Der Blutverlust zog mich hinunter. Ich kämpfte dagegen mit allem, was mir noch blieb.

Scotts Wolf erschien am Rand des Chaos und hielt sich wie ein Feigling zurück, während andere starben. Seine Augen hefteten sich auf mich. Selbst in Tiergestalt spürte ich den Hass. Er begann zu kreisen und suchte nach einer Öffnung.

Jacob sah ihn ebenfalls. Der große schwarze Wolf verlagerte seine Position und hielt seinen Körper stets zwischen Scott und mir. Ein weiterer Angreifer prallte von der Seite in Jacob, und die beiden rollten in Richtung des Abgrunds. Mein Herz setzte aus.

„Jacob!“

Er kam rechtzeitig wieder auf die Beine und schleuderte den anderen Wolf hart genug, dass dieser über den Rand des Grats purzelte. Ein langer Schrei verhallte in der Dunkelheit darunter.

Philips Stimme schnitt durch den Lärm, immer noch menschlich, immer noch kalt.

„Beendet den Menschen, und der Alpha fällt mit ihr. Lasst sie diesen Grat nicht verlassen.“

Weitere Wölfe strömten aus den Bäumen. Die Loyalen wurden zurückgedrängt. Jacob war eine Kraft reiner Zerstörung, aber selbst er konnte nicht ewig gegen so viele bestehen. Ich sah frische Schnitte, die sich in seinem dunklen Fell öffneten. Eine Schulter sah falsch aus, als hätte etwas tief eingerissen.

Das Band flackerte vor Schmerz auf, der nicht meiner war. Ich keuchte und wäre beinahe auf die Knie gesunken.

Scott wählte diesen Moment für den Angriff.

Er kam schnell und tief auf mich zu, während Jacob mit zwei anderen verwickelt war. Ich versuchte, das Messer hochzubringen, aber mein Arm war zu langsam. Scotts Gewicht krachte in mich, und wir gingen beide zu Boden. Mein Kopf schlug hart auf. Das Messer flog mir aus der Hand. Seine Kiefer schnappten Zentimeter vor meiner Kehle.

Ich stieß mein Knie mit aller verbliebenen Kraft nach oben. Der Aufprall verschaffte mir eine halbe Sekunde. Ich rollte mich und krallte nach dem Messer. Meine Finger schlossen sich um den Griff, gerade als Scott erneut zusprang.

Eine dunkle Gestalt prallte in ihn, bevor die Zähne mich erreichen konnten. Nicht Jacob. Ein silbergrauer Wolf mit wilden Augen. Anita. Sie hatte sich verwandelt und sich ohne Zögern in den Kampf gestürzt. Sie und Scott krachten in einem Knäuel aus Knurren von mir weg.

Ich rappelte mich zurück, das Messer in der Hand, die Seite schrie vor Schmerz. Jacob beendete den Wolf vor ihm und wirbelte zu mir herum. Blut lief frei aus mehreren Wunden. Seine goldenen Augen fanden meine für eine intensive Sekunde. Das Band trug einen einzigen klaren Befehl.

Bleib am Leben.

Er drehte sich um, um der nächsten Welle entgegenzutreten.

Der Grat war zu einem Schlachtfeld geworden. Körper beider Seiten lagen reglos zwischen den Wurzeln. Die loyalen Wölfe wurden weniger. Philips Kräfte drängten härter. Ich sah Andrew am Rand des Kampfes, immer noch in menschlicher Gestalt, das Gesicht von Konflikt verzerrt. Er hatte sich keiner Seite vollständig angeschlossen. Seine Augen trafen die meinen durch das Chaos hindurch, und etwas Kompliziertes ging durch sie hindurch.

Eine frische Gruppe von Wölfen brach links aus den Bäumen. Zu viele. Jacobs Haltung veränderte sich. Ich spürte die Entscheidung in ihm durch das Band. Er würde versuchen, einen Weg freizukämpfen und unsere Flucht zu erzwingen, selbst wenn es ihn alles kostete.

Ich drückte mich hoch und bewegte mich näher an seine Seite. Wenn wir auf diesem Grat sterben sollten, dann gemeinsam.

Die neuen Wölfe griffen an.

Jacob stellte sich ihnen mit einem Brüllen entgegen, das die Nacht erschütterte. Ich hob das Messer und bereitete mich darauf vor, mit der Zeit zu kämpfen, die mir noch blieb.

Dann schnitt ein anderes Geräusch durch den Kampf.

Ein langes, klares Heulen erhob sich aus dem tieferen Wald. Es gehörte keinem Wolf von Shadow Ridge. Es trug eine fremde Macht und eine klare Herausforderung. Jeder Wolf auf dem Grat erstarrte für den Bruchteil einer Sekunde.

Philips Kopf schnellte zu dem Laut herum. Selbst in der Dunkelheit sah ich den ersten echten Riss in seiner kalten Gewissheit.

Rivalenrudel.

Sie waren gekommen wegen der Schwäche, die Philip selbst geschaffen hatte.

Jacobs Wolf wich zu mir zurück, ohne die Augen von der neuen Bedrohung zu nehmen. Das Band pulsierte mit frischer Dringlichkeit.

Der Wald um uns füllte sich mit neuen Gestalten und neuen Augen. Der Kampf auf dem Grat war nicht mehr nur Shadow Ridge gegen sich selbst.

Er war zu etwas viel Größerem und viel Schlimmerem geworden.

Ich umklammerte das Messer und presste mich an Jacobs Seite, während die ersten rivalisierenden Wölfe in das Mondlicht traten.

Der eigentliche Krieg war gerade angekommen.

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