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KAPITEL 24 – RAFAELS WAHRHEIT

مؤلف: Hannah Noble
last update تاريخ النشر: 2026-07-01 21:50:52

Rafael Voss was smaller than Mara had imagined.

This wasn't a physical observation—he was about the same height as Damian, similar shoulder width, similar dark eyes. It was more about the way he occupied space. Damian filled every room he entered not with volume, but with a kind of gravitational presence that Mara had noticed from the start. Rafael did the opposite. He seemed to stay on the periphery, even in his own apartment, as if he still wasn't sure he had the right to be the center of att
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  • Brennendes blut    KAPITEL 63 – JULI, RAFAEL IM HAUS IM WALD

    Rafael kam an einem Freitagabend.Nicht mit viel Gepäck — eine Reisetasche, ein Rucksack, die Gitarre, die er immer mitbrachte, auch wenn er nicht kommen wollte um Gitarre zu spielen, weil die Gitarre zu ihm gehörte wie ein Mantel zu jemandem, der in die Kälte geht. Er stieg aus dem Zug in Ravenmoor, und Mara wartete auf dem Bahnsteig, ohne Damian, der in München war, ein Termin, der sich nicht hatte verschieben lassen, aber zurückkehren würde am Samstag.Rafael sah sie, nickte, und das war die Begrüßung, die keine Worte brauchte.Sie fuhren direkt zum Haus im Wald, weil Rafael das so gewollt hatte — er wollte heute Abend noch ankommen, hatte er geschrieben, vor zwei Wochen, als sie das Datum festgelegt hatten, ich möchte das Zimmer heute noch sehen, nicht morgen.Das Haus empfing sie im Juliabendlicht, das warm und schräg durch die Baumkronen fiel und das die Fassade in ein Gold tauchte, das ihr draußen nur zu dieser Stunde gehörte. Der kleine Apfelbaum im Garten stand, größer als im

  • Brennendes blut    KAPITEL 62 – JUNI, DAS DRITTE

    Der Juni war der Monat, in dem das Projekt fertig wurde.Nicht am ersten Juni, nicht mit einer Entscheidung, die man treffen konnte — das Fertigwerden von etwas, das man wirklich meinte, ließ sich nicht planen. Es geschah wie das Blühen des Apfelbaums oder das Reifen der Früchte, nach der Zeit, die es brauchte, in dem Moment, in dem es bereit war, und nicht vorher, egal wie sehr man wartete oder drängte oder wollte.Mara hatte das gelernt, über die Jahre.Das Erste Projekt — Orte, die warten — war fertig geworden an einem Novemberabend, als sie die Fotos durchgesehen hatte und verstanden hatte, dass das, was sie ansah, vollständig war. Das zweite — Was wächst — war fertig geworden in dem Moment, in dem Henrik gesagt hatte, er käme wieder, wenn die Äpfel reif waren, weil das der Satz war, den das Projekt gebraucht hatte, auch wenn er nicht im Projekt stand.Das dritte wurde fertig an einem Donnerstag im Juni.Mara war im Garten des Solis-Hauses, früh, vor dem Frühstück, die Kamera dabe

  • Brennendes blut    KAPITEL 61 – MAI, DAS ZWEITE

    Der Apfelbaum blühte am vierzehnten April.Nicht am vierzehnten genau — Bäume hielten sich nicht an Daten, das war einer der Gründe, warum Mara sie mochte. Aber am Morgen des vierzehnten trat sie in den Garten, wie jeden Morgen, und sah, dass in der Nacht etwas passiert war, das sich nicht angekündigt hatte, oder das sich angekündigt hatte, so lange, dass sie die Ankündigung vergessen hatte: die Knospen waren aufgegangen, die Blütenknospen, nicht alle, aber viele, und der Baum stand in dem Aprilmorgen und blühte, weiß und rosa, die Blüten, die zart waren und die nicht blieben, die kamen und fielen, und das Kommen war jetzt.Sie fotografierte, lange, von verschiedenen Winkeln, im verschiedenen Licht des Morgens, weil das Licht sich veränderte und das Bild sich mit ihm veränderte.Das war der Aprilmonat, der blühende, und dann kam der Mai.Und der Mai war anders als der April — voller, lauter, mit mehr Grün, mit dem vollen Laub, das nun da war, satt und dunkel und überzeugend. Die Blüte

  • Brennendes blut    KAPITEL 60 – APRIL, HILDEGARD KOMMT WIEDER

    Der April brachte den Frühling, endlich, ohne weiteres Zögern.Es war, als hätte der Frühling dieses Jahr beschlossen, keine halben Sachen zu machen — kein zögerliches Hin-und-Her, kein Tag warm und drei Tage kalt, sondern ein Entschluss, der sich in der Luft zeigte, am Morgen des dritten April, als Mara die Küchentür öffnete und die Wärme hereinkam wie jemand, der schon lange hätte da sein sollen und das wusste.Der Apfelbaum hatte über Nacht begonnen.Das war das Wort: begonnen. Nicht geblüht, noch nicht, das kam noch. Aber die Knospen, die Mara im März fotografiert hatte, die anschwellenden Spitzen, die Versprechen der Versprechen — die hatten sich geöffnet, die Außenhülle aufgegangen, das erste Grün, das erste Zartgrün der jungen Blätter, die noch gefaltet waren, noch nicht ganz da, noch auf dem Weg.Mara stand in dem Türrahmen, ohne Schuhe, die Kacheln der Küche kalt unter den Füßen, und sah.Dann holte sie die Kamera.Das erste Foto des Aprils war das Beste des Morgens — der Bau

  • Brennendes blut    KAPITEL 60 – APRIL, HILDEGARD KOMMT WIEDER

    Der April brachte den Frühling, endlich, ohne weiteres Zögern.Es war, als hätte der Frühling dieses Jahr beschlossen, keine halben Sachen zu machen — kein zögerliches Hin-und-Her, kein Tag warm und drei Tage kalt, sondern ein Entschluss, der sich in der Luft zeigte, am Morgen des dritten April, als Mara die Küchentür öffnete und die Wärme hereinkam wie jemand, der schon lange hätte da sein sollen und das wusste.Der Apfelbaum hatte über Nacht begonnen.Das war das Wort: begonnen. Nicht geblüht, noch nicht, das kam noch. Aber die Knospen, die Mara im März fotografiert hatte, die anschwellenden Spitzen, die Versprechen der Versprechen — die hatten sich geöffnet, die Außenhülle aufgegangen, das erste Grün, das erste Zartgrün der jungen Blätter, die noch gefaltet waren, noch nicht ganz da, noch auf dem Weg.Mara stand in dem Türrahmen, ohne Schuhe, die Kacheln der Küche kalt unter den Füßen, und sah.Dann holte sie die Kamera.Das erste Foto des Aprils war das Beste des Morgens — der Bau

  • Brennendes blut    KAPITEL 59 – MÄRZ, DAS ZWEITE

    Der März begann mit Tauwetter, wie der März immer begann, aber dieses Mal hatte das Tauwetter eine andere Qualität als in den Jahren davor.Mara bemerkte es an einem Morgen Anfang des Monats, als sie durch die Küche des Solis-Hauses ging und das Küchenfenster aufmachte, zum ersten Mal seit November, weil die Luft draußen eine Einladung enthielt, die sie annehmen wollte. Die Luft, die hereinkam, roch nach Erde, nach dem Aufwachen von Dingen, die geschlafen hatten, nach dem spezifischen März-Geruch, der kein Frühling war, aber kein Winter mehr, das Dazwischen, das niemanden zufriedenstellte und das trotzdem schön war, weil es überging, weil es auf dem Weg zu etwas war.Sie stand am Fenster und sah in den Garten.Der Apfelbaum, kahl, die Äste noch ohne Blatt, aber — da war etwas. An den Spitzen der Äste, an den äußersten Punkten, wo das Holz am dünnsten war, das erste Anschwellen, noch kein Knospen, noch nicht das, noch die Sekunde davor, die Sekunde der Entscheidung, in der der Baum sic

  • Brennendes blut    KAPITEL 6 – LENAS RECHERCHE

    Am nächsten Morgen regnete es wieder. Ravenmoor schien nicht zu wissen, wie man aufhörte zu trauern.Lena saß bereits am Küchentisch, als Mara herunterkam. Der Laptop stand offen, daneben ein leeres Kaffeebecher und drei Seiten handgeschriebene Notizen, die in der chaotischen Handschrift verfasst w

  • Brennendes blut    KAPITEL 5 – WAS UNTER DER OBERFLÄCHE BRENNT

    Am neunten Tag zog Lena Brauer mit einem Koffer voller Unterlagen, einem Laptop, der aussah, als hätte er an drei Feldzügen teilgenommen, und zwei Schachteln Schokolade ins Solis-Haus ein.„Ich bin deine Hausgästin", erklärte sie beim Eintreten, ohne gefragt worden zu sein, und umarmte Mara mit der

  • Brennendes blut    KAPITEL 4 – SCHATTEN IN DER STADT

    Ravenmoor schlief nicht gut im Oktober. Das war Maras erste Erkenntnis nach einer Woche, in der sie versucht hatte, die Stadt neu zu lernen wie eine Sprache, die man einmal gesprochen und dann vergessen hatte. Die Wörter kamen zurück, aber die Grammatik stimmte nicht mehr.Am Donnerstag frühmorgens

  • Brennendes blut    KAPITEL 3 – ASCHE UND ERINNERUNG

    Zwei Tage nach dem Notartermin kam der Strom zurück ins Solis-Haus, und mit ihm eine Stille, die lauter war als das Dunkel. Mara begann damit, Räume zu inventarisieren. Das war sachlich, praktisch, und ließ keinen Raum für Gefühle, was genau die Intention war.Sie arbeitete von oben nach unten. Das

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