FAZER LOGINAls ich beim Rudel ankam, war die erste Person, die ich sah, mein Vater. Mein Herz setzte einen Moment lang aus. Man konnte die Angst förmlich in meinem Gesicht lesen.Ich ging langsam auf ihn zu und bemühte mich, mein Gesicht neutral zu halten.„Guten Abend, Papa“, sagte ich lächelnd.Er stand still und antwortete mir nicht. Er blinzelte nicht einmal, er starrte mich nur an. Meine Gedanken waren schon meilenweit fort; ich fragte mich, was Blaire ihm vor meiner Ankunft erzählt hatte.„Odessa“, rief er, als ich an ihm vorbeiging.„Ja, Papa.“„Wo warst du?“ fragte er mit ruhigem Blick.Mein Herz setzte erneut aus; ich hätte mich fast in die Hose gemacht.„Am See, Vater.“ Ich brachte die Worte kaum heraus.„Mit wem?“Er hakte nach.Ich wusste, dass sich mein Leben in diesem Moment ändern würde, trotzdem wollte ich mich nicht verraten. Ich wusste, dass ich eine Mission zu erfüllen hatte.„Mit niemandem, Papa“, sagte ich mit geradem Gesicht.„Du bist in letzter Zeit so distanziert gewesen,
Mit Angst im Gesicht sah ich Blaire an und fragte mich, was sie am See machte. Sie war die Letzte, die ich hier erwartet hatte.„Wer ist das?“, fragte Damiano mit kaum mehr als einem Flüstern.Ich stand wie erstarrt da und wusste, in was für eine Situation ich mich gebracht hatte.Jeder im Rudel wusste, wie lose und neugierig Blaire war, und meine Angelegenheiten waren das Letzte, was ich zum Stadtgespräch werden lassen wollte.„Lidia, was machst du hier?“, fragte sie, die Wut deutlich in ihrem Gesicht. Eines ihrer größten Ängste war gerade Wirklichkeit geworden.„Blaire, ich bin hierhergekommen, um den Kopf freizubekommen und auch…“„Und du warst in den Armen des Feindes“, schnitt sie mir scharf das Wort ab, bevor ich den Satz beenden konnte.Ich sah sie völlig verwirrt an, aber gleichzeitig begannen bestimmte Dinge Sinn zu ergeben.„Der Feind?“Meine Blicke wanderten zu Damiano, der schweigend dastand, und dann zurück zu Blaire.„Was meinst du mit dem Feind, Blaire?“, fragte ich in
Lidias PerspektiveEr war bereits am See, als ich ankam, saß auf dem flachen Felsen nahe dem Wasser, seine Jacke lag trotz der abendlichen Kühle neben ihm. Er wirkte nicht überrascht, mich zu sehen. Eher so, als hätte er die ganze Zeit damit gerechnet.„Du bist gekommen.“ Seine Lippen verzogen sich zu einem schwachen Lächeln.„Mach keinen größeren Aufstand daraus, als es ist.“ Ich setzte mich und ließ bewusst Abstand zwischen uns.„Das würde mir im Traum nicht einfallen.“ Er lehnte sich zurück; sein Blick verweilte auf mir.Eine Weile sagte keiner von uns etwas. Das Wasser plätscherte leise gegen die Steine, und der Mond hing tief und voll über der Baumgrenze und tauchte alles in Silber.„Warum kommst du immer wieder hierher?“, fragte ich schließlich. „Du könntest überall hingehen. Der See gehört dir nicht einmal.“„Vielleicht mag ich die Gesellschaft.“ Er warf mir einen Seitenblick zu. „Oder vielleicht bin ich es leid, von Leuten umgeben zu sein, die mir nur sagen, was sie denken, da
Lidias PerspektiveSeit unserer Begegnung am See konnte ich mich nicht mehr konzentrieren. Mein Kopf driftete immer wieder zu seiner Hand um mein Handgelenk und zu der Art, wie mein Wolf still geworden war, als ich an seiner Brust lag.„Lidia, das ist die dritte Bestellung, die du heute Morgen falsch gemacht hast.“ Seraphines Stimme holte mich zurück zur Theke, wo ein sehr verwirrter Kunde einen Caramel Latte in der Hand hielt, den er eindeutig nicht bestellt hatte.„Entschuldigung… Entschuldigung“, murmelte ich, korrigierte es schnell und schickte ihn mit einem entschuldigenden Lächeln fort.Sobald um uns herum ein wenig Ruhe einkehrte, stellte Seraphine mich an der Espressomaschine zur Rede, die Arme verschränkt und die Augen so zusammengekniffen, dass klar war: Sie würde nicht eher gehen, bis sie Antworten bekam.„Okay. Raus damit. Was ist passiert?“Ich zögerte. „Nichts ist passiert.“„Lidia Odessa Silverfang, ich kenne dich, seit wir Welpen waren. Du bist nicht einfach so abwesen
Lidias Perspektive„Ich sehe, du magst es, häufig unerlaubt einzudringen“, sagte ich und verschränkte die Arme vor der Brust.„Wie meinst du das, meine Dame?“ Er zog eine Augenbraue hoch, sichtlich amüsiert.„Zuerst stürmst du mit deinen ungehobelten Männern in mein Café und belästigst meine Gäste und vor allem meine Oberkellnerin. Deine kleine Show hat beinahe den ganzen Tagesumsatz ruiniert. Und jetzt schmuggelt dein Welpe sich auf mein Territorium.“ Ich verengte die Augen. „Hast du sie geschickt, um mich auszuspionieren?“Er blinzelte, wirklich überrascht. „Ich verstehe dich nicht“, murmelte er.„Das habe ich auch nicht erwartet. Das Einzige, was ihr Menschen zu können scheint, ist Ärger zu machen.“„Junge Dame, gibt es ein Problem, das du ansprechen möchtest?“ Seine Augen trafen die meinen, ruhig und unbewegt.„Oh, da gibt es definitiv ein Problem, Herr Eindringling.“„Es besteht keine Notwendigkeit für Beleidigungen, Mademoiselle.“ Seine Stimme wurde tief und befehlend, ein Anflu
Lidias PerspektiveIch wachte auf, als Sonnenlicht durch die Vorhänge drang, und versuchte, meine Gedanken zu ordnen. Noch bevor ich überhaupt prüfte, ob ich noch lebte, griff meine Hand schon unter das Kissen, um nachzusehen, ob der Vape noch da war.Zuerst konnte ich ihn nicht finden, und Panik packte mich. Ich dachte, alles sei nur ein Traum gewesen. Hatte ich mir diesen heißen, geheimnisvollen Fremden nur eingebildet?Ich suchte weiter und fand ihn schließlich, eingeklemmt am äußersten Rand des Bettrahmens.„Ugh“, seufzte ich und zwang mich, aufrecht zu sitzen.Heute würde ein geschäftiger Tag werden, das spürte ich. Ich musste das Café öffnen und trotzdem vor Mittag zurück sein für die Rudelversammlung und das Training.Ich eilte ins Badezimmer, um mich fertig zu machen, und konnte nicht anders, als die Ereignisse von gestern immer wieder in meinem Kopf ablaufen zu lassen.Als ich ankam, bediente Seraphine bereits Gäste, was meine Stimmung sofort hob. Ich griff nach meiner Schürz






