ANMELDENLidias PerspektiveEr war bereits am See, als ich ankam, saß auf dem flachen Felsen nahe dem Wasser, seine Jacke lag trotz der abendlichen Kühle neben ihm. Er wirkte nicht überrascht, mich zu sehen. Eher so, als hätte er die ganze Zeit damit gerechnet.„Du bist gekommen.“ Seine Lippen verzogen sich zu einem schwachen Lächeln.„Mach keinen größeren Aufstand daraus, als es ist.“ Ich setzte mich und ließ bewusst Abstand zwischen uns.„Das würde mir im Traum nicht einfallen.“ Er lehnte sich zurück; sein Blick verweilte auf mir.Eine Weile sagte keiner von uns etwas. Das Wasser plätscherte leise gegen die Steine, und der Mond hing tief und voll über der Baumgrenze und tauchte alles in Silber.„Warum kommst du immer wieder hierher?“, fragte ich schließlich. „Du könntest überall hingehen. Der See gehört dir nicht einmal.“„Vielleicht mag ich die Gesellschaft.“ Er warf mir einen Seitenblick zu. „Oder vielleicht bin ich es leid, von Leuten umgeben zu sein, die mir nur sagen, was sie denken, da
Lidias PerspektiveSeit unserer Begegnung am See konnte ich mich nicht mehr konzentrieren. Mein Kopf driftete immer wieder zu seiner Hand um mein Handgelenk und zu der Art, wie mein Wolf still geworden war, als ich an seiner Brust lag.„Lidia, das ist die dritte Bestellung, die du heute Morgen falsch gemacht hast.“ Seraphines Stimme holte mich zurück zur Theke, wo ein sehr verwirrter Kunde einen Caramel Latte in der Hand hielt, den er eindeutig nicht bestellt hatte.„Entschuldigung… Entschuldigung“, murmelte ich, korrigierte es schnell und schickte ihn mit einem entschuldigenden Lächeln fort.Sobald um uns herum ein wenig Ruhe einkehrte, stellte Seraphine mich an der Espressomaschine zur Rede, die Arme verschränkt und die Augen so zusammengekniffen, dass klar war: Sie würde nicht eher gehen, bis sie Antworten bekam.„Okay. Raus damit. Was ist passiert?“Ich zögerte. „Nichts ist passiert.“„Lidia Odessa Silverfang, ich kenne dich, seit wir Welpen waren. Du bist nicht einfach so abwesen
Lidias Perspektive„Ich sehe, du magst es, häufig unerlaubt einzudringen“, sagte ich und verschränkte die Arme vor der Brust.„Wie meinst du das, meine Dame?“ Er zog eine Augenbraue hoch, sichtlich amüsiert.„Zuerst stürmst du mit deinen ungehobelten Männern in mein Café und belästigst meine Gäste und vor allem meine Oberkellnerin. Deine kleine Show hat beinahe den ganzen Tagesumsatz ruiniert. Und jetzt schmuggelt dein Welpe sich auf mein Territorium.“ Ich verengte die Augen. „Hast du sie geschickt, um mich auszuspionieren?“Er blinzelte, wirklich überrascht. „Ich verstehe dich nicht“, murmelte er.„Das habe ich auch nicht erwartet. Das Einzige, was ihr Menschen zu können scheint, ist Ärger zu machen.“„Junge Dame, gibt es ein Problem, das du ansprechen möchtest?“ Seine Augen trafen die meinen, ruhig und unbewegt.„Oh, da gibt es definitiv ein Problem, Herr Eindringling.“„Es besteht keine Notwendigkeit für Beleidigungen, Mademoiselle.“ Seine Stimme wurde tief und befehlend, ein Anflu
Lidias PerspektiveIch wachte auf, als Sonnenlicht durch die Vorhänge drang, und versuchte, meine Gedanken zu ordnen. Noch bevor ich überhaupt prüfte, ob ich noch lebte, griff meine Hand schon unter das Kissen, um nachzusehen, ob der Vape noch da war.Zuerst konnte ich ihn nicht finden, und Panik packte mich. Ich dachte, alles sei nur ein Traum gewesen. Hatte ich mir diesen heißen, geheimnisvollen Fremden nur eingebildet?Ich suchte weiter und fand ihn schließlich, eingeklemmt am äußersten Rand des Bettrahmens.„Ugh“, seufzte ich und zwang mich, aufrecht zu sitzen.Heute würde ein geschäftiger Tag werden, das spürte ich. Ich musste das Café öffnen und trotzdem vor Mittag zurück sein für die Rudelversammlung und das Training.Ich eilte ins Badezimmer, um mich fertig zu machen, und konnte nicht anders, als die Ereignisse von gestern immer wieder in meinem Kopf ablaufen zu lassen.Als ich ankam, bediente Seraphine bereits Gäste, was meine Stimmung sofort hob. Ich griff nach meiner Schürz
Lidias PerspektiveDer frische Duft von Zimt und heißen Bagels erfüllte die Luft. Die Menschen aus den verschiedensten Teilen der Welt in meinem Café sitzen zu sehen, zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht. Immer noch fühlte es sich an wie ein erhörtes Gebet, dass mein Traum Wirklichkeit geworden war.Hinter all dieser Gastfreundschaft verbirgt sich ein Geheimnis, das nicht jeder kennt. Ich bin Lidia Odessa Silverfang, eine Werwölfin, deren oberste Priorität die Sicherheit und das Wohlergehen ihres Volkes ist.Ich stamme aus einem der größten und mächtigsten Rudel in der Geschichte der Werwölfe – dem Moon Pack. Als Beta trage ich eine Menge Verantwortung, und für mich geht es nicht nur um die Sicherheit meines Rudels, sondern auch um mein Café.Mein ganzes Leben lang habe ich nach einer einzigen Regel gelebt: Niemals mit der Mafia einlassen. Ich habe mich immer gefragt, warum alle sie so sehr hassten, aber trotz meiner Neugier habe ich es nie gewagt, meinen Vater, Alpha Eryx Silverfang,