LOGINKapitel Sieben„Okay. Erzähl mir alles, und lass nicht den Teil mit Camille aus.“Die Haustür knallte so heftig gegen die Wand, dass die Scheiben im Flur klirrten. Eine Frau stand mit einem Koffer in der Hand und halb aus der Spange hängenden Haaren im Türrahmen und starrte mich direkt an. Ich saß schon seit vierzig Minuten auf der Bank im Flur und wartete auf Ezras Heimkehr. Mein Handy war so fest in meiner Faust gequetscht, dass die harte Kante eine tiefe rote Linie in meine Handfläche schnitt.„Entschuldigung“, sagte ich. „Wer sind Sie?“„Ivy.“ Sie ließ den Koffer fallen und knallte die Tür hinter sich zu. „Die Schwester. Die, über die niemand spricht, wahrscheinlich. Wer sind Sie, und warum sehen Sie aus, als hätte jemand gerade Ihren Hund überfahren?“„Ich bin Naomi. Ich arbeite für Ezra.“„Naomi.“ Sie sprach langsam, als würde sie ein Schloss prüfen. „Das Mädchen, das Ezra zum Abendessen mitgebracht hat. Mama hat mir eine SMS über dich geschickt. Sie meinte, Opa würde die Sache
„Oh, Sie müssen sich ja so für ihn freuen!“Die Frau in Silber umfasste meine Hände fest und drückte sie wie eine alte Freundin. Ich hatte ihr Gesicht noch nie zuvor gesehen. Zwanzig Minuten lang hatte ich hinter dem Check-in-Tisch gestanden und Namensschilder in die Hände der Investoren gedrückt, während mir die Kiefermuskeln von einem gezwungenen Lächeln brannten.„Entschuldigung, worüber freuen Sie sich denn?“„Über die Verlobung natürlich!“ Ihre harten Ringe drückten sich fest in meine Haut. „Ezra und Camille. Alle reden schon seit dem Abendessen mit dem Vorstand darüber.“Ich lachte. Ein schrilles Lachen, so laut, dass sich ein Mann am Champagnerturm umdrehte. „Ezra ist nicht verlobt.“„Ach, Liebes.“ Ihr Lächeln blieb völlig erstarrt. „Doch, ist er.“„Nein. Ich arbeite für ihn. Ich wüsste es.“ „Vielleicht hält er es wegen der Klage geheim.“ Ihre schwere Hand klopfte mir zweimal auf den Handrücken, wie eine Mutter, die ihr Kind beruhigt. „Camille Whitfield. Ein liebes Mädchen. Ih
Kapitel fünfNachdem die Tür ins Schloss gefallen war, hörte ich nichts mehr von Helena weder in jener Nacht noch am nächsten Morgen. Ihr unvollendeter Satz hallte auf der Heimfahrt im Taxi nach, so eindringlich, dass ich beinahe zweimal die Abzweigung verpasst hätte.Als ich am nächsten Tag das Büro betrat, lag bereits eine aggressive Spannung in der Luft.An jedem Schreibtisch im dritten Stock klingelten ununterbrochen die Telefone. Beim Drucker hatte sich eine kleine, panische Menschenmenge versammelt; jemand las laut Schlagzeilen vor. Noch bevor ich meinen Arbeitsplatz erreichte, fiel zweimal das Wort „Klage“.„Was ist los?“ Ich griff schnell zu und hielt Priya am Arm fest, als sie an mir vorbeieilte drei Aktenordner fest an ihre Brust gedrückt.„Dane.“ Sie stieß den Namen regelrecht aus. „Er hat heute Morgen Klage gegen die Firma eingereicht. Betrugsvorwürfe und zwar direkt an die Presse, noch bevor die Rechtsabteilung überhaupt etwas davon mitbekam.“„Betrug? Das ist doch Wah
Kapitel vierAls ich das Esszimmer der Calloways betrat, fühlte ich mich, als würde man gerade Maß für meinen Sarg nehmen. Dunkles Holz, hohe Decken, ein Kronleuchter, der mehr gekostet hatte als mein gesamtes Studium. Jeder Stuhl wirkte, als gehöre er einer bedeutenden Persönlichkeit und keiner davon schien für mich bestimmt zu sein.Ezra ließ seine Hand die ganze Zeit an meinem unteren Rücken, als könnte er spüren, dass ich am liebsten umdrehen und davonlaufen wollte.„Du hättest nicht kommen müssen“, sagte er leise, während wir die Schwelle überschritten.„Du hast mir die Akte schon dreimal erklärt. Ich habe vor diesem Abendessen mehr Angst als vor Dane.“„Kluge Frau.“ Er lächelte fast. „Die Akte bleibt unter uns. Niemand sonst muss erfahren, dass du sie gesehen hast.“„Das sagst du immer wieder als würde es mich beruhigen.“„Es soll dir ein Gefühl von Sicherheit geben.“„Das funktioniert nicht.“ Ich blickte zu dem Haus hinauf, das sich vor uns auftürmte Stein, Glas und der Reich
Kapitel drei„Dane wird nicht einfach nur dasitzen und zusehen, Ezra. Das weißt du doch.“Ich erstarrte mitten im Flur, meine Hand umklammerte den Riemen meiner Tasche. Die Stimme kam von hinter Ezras halb geöffneter Bürotür es war nicht seine. Sie klang älter. Rauer.Ich hätte nicht stehen bleiben sollen. Aber ich tat es trotzdem.„Ich kümmere mich darum“, sagte Ezra mit leiser, angespannter Stimme; ganz anders als der Tonfall, den er gestern Abend mir gegenüber benutzt hatte.„Wie kümmerst du dich darum? Indem du seit drei Tagen meine Anrufe ignorierst?“„Indem ich sicherstelle, dass keine Spuren zu uns zurückführen.“Ein Stuhl scharrte über den Boden. Ich drückte mich in den Schatten der Wand, außerhalb des Sichtfelds der Tür; mein Herz hämmerte gegen meine Rippen.„Dieser Name ist seit Jahren nicht mehr gefallen“, sagte die zweite Stimme. „Warum jetzt? Warum sie?“Ich rührte mich nicht. Ich konnte nicht sagen, ob sich die Frage auf mich oder jemand anderen bezog und diese Ungewi
Kapitel zweiSeine Stirn blieb an meine gedrückt; wir beide atmeten schwer, als wären wir gerade gerannt. Seine Hände waren noch immer in meinem Haar verfangen und fühlten sich jetzt warm auf meinem Nacken an.Dann summte mein Handy auf der Ablage hinter uns.Ich blieb regungslos. Er bewegte sich ebenfalls nicht.Die Ablage vibrierte erneut. Drei kurze, scharfe Impulse hintereinander.„Du solltest rangehen“, sagte er, während seine Lippen fast meine berührten.„Will ich aber nicht.“„Naomi.“Ich wich zurück und schnappte mir das Handy von der Marmorplatte. Priya. Unter ihrem Namen erschien ein Bild auf dem Display. Mir wich das Blut aus dem Gesicht.Er war es. Ezra. Sein Arm lag um eine Frau in einem roten Kleid, deren Hand flach auf seiner Brust ruhte beide lachten in einer Bar auf einer Dachterrasse. Der Zeitstempel verriet: vor einer Stunde.„Was ist los?“ Er runzelte die Stirn und beobachtete meinen Gesichtsausdruck.„Was ist es?“ Ich drehte das Display zu ihm.Sein ganzer Körper







