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DIE ARRANGIERTE BRAUT DES TEUFELS
DIE ARRANGIERTE BRAUT DES TEUFELS
Author: Sophyyy

KAPITEL EINS: DER RAUB

Author: Sophyyy
last update publish date: 2026-10-30 00:53:47

Der Van kam aus dem Nichts. Er streifte den Bordstein vor Aurora Bellini und schlitterte seitwärts, die Reifen kreischten, und der Morgen schrumpfte auf eine rollende schwarze Tür und drei maskierte Männer zusammen. Sie rannte. Ihre Tasche schlug auf dem Pflaster auf. Ihr Absatz brach ab. Eine Hand verfing sich in ihrem Haar und riss sie so heftig zurück, dass ihr Blick weiß aufblitzte.

„Hab sie!”

„Schrei nicht, Süße.” Heißer Atem an ihrem Ohr. „Es ist nur Business.”

Sie schrie trotzdem.

Schüsse hallten die Straße entlang. Der Mann, der sie festhielt, zuckte und erschlaffte. Noch ein Schuss. Noch einer. Glas regnete wie Eis über den Gehweg. Eine Autotür schlug zu. Jemand rief ihren Namen, und sie wusste, dass sie sich zu der Stimme umdrehen sollte, aber ihre Knie gaben bereits nach, das Pflaster kippte, und das Letzte, was sie spürte, waren Arme, die sie auffingen, bevor sie auf dem Boden aufschlug.

Dann nichts.

Das Erste, was Aurora bemerkte, war die Stille.

Das Zweite war die Decke. Geschnitzter Stuck, cremefarben und golden, viel zu hoch, um zu irgendeinem Raum zu gehören, den sie kannte. Sie setzte sich zu schnell auf. Ihr Kopf drehte sich. Seidenlaken glitten von ihren Schultern, und sie trug ein Nachthemd, das sie nie zuvor gesehen hatte, ein Verband war um ihre Handfläche geklebt.

„Du hast dir die Hand am Gehweg aufgeschürft.”

Die Stimme kam aus der Ecke. Ein Mann saß in einem Ledersessel, halb vom Schatten verschluckt, einen Knöchel auf dem Knie. Ein schwerer Silberring drehte sich langsam um seinen Finger. Als er sich vorbeugte, fing das Lampenlicht ein Tattoo aus Zahlen ein, das sich an der Seite seines Halses hinaufwand.

„Wer hat mir die Kleider gewechselt?” Ihre Stimme klang dünn.

Er musterte sie lange, so, wie ein Mann eine verschlossene Tür mustert. „Du solltest dir um andere Dinge Sorgen machen.”

„Wo bin ich?”

„Wach.” Sein Blick glitt zum Fenster. „Das ist es, was zählt.”

„Ich habe dir eine Frage gestellt.”

„Du hast mehrere gestellt.” Sein Mundwinkel bewegte sich. Es war kein Lächeln. „Ich habe noch nicht entschieden, welche eine Antwort verdienen.”

Sie warf die Decke zurück, ihre nackten Füße berührten den kalten Boden. „Mein Bruder. Wo ist Nico?”

Das löste eine Reaktion aus. Sein Daumen hielt auf dem Ring inne. „Er schläft.”

„Wo?”

„Dort, wo ich ihn sehen kann.”

„Was soll das heißen?”

Er erhob sich. Er war größer, als sie erwartet hatte, und der Raum schien um ihn zu schrumpfen. „Es heißt, dass heute Nacht zwei meiner Männer vor seinem Fenster stehen. Wenn du sie weghaben möchtest, musst du mich nett darum bitten.”

„Du drohst einem Kind.”

Er antwortete nicht, sondern ging zum Nachttisch, nahm eine Mappe und hielt sie ihr hin, ohne sie anzusehen. „Lies.”

Sie nahm sie nicht. „Wer bist du?”

„Lies, Aurora.”

Ihr Name in seinem Mund ließ ihre Haut prickeln. Sie riss ihm die Mappe aus der Hand und schlug sie auf. Ein Vertrag. Ihr Name in schwarzer Schrift. Darunter zwei Unterschriften, die sie besser kannte als ihre eigene. Die Unterzeichnenden übertragen Cassian Rinaldi die volle Vormundschaft und das Recht zur Eheschließung über ihre Tochter …

„Das würden sie nicht”, flüsterte sie.

Er sagte nichts.

„Mein Vater würde nicht …” Ihre Stimme brach. „Und meine Mutter …”

„Blätter um.”

Sie tat es. Unter dem zittrigen Namen ihres Vaters stand Giulias schwungvolle Handschrift, datiert auf sechs Uhr an diesem Morgen. Eine Zeugenzeile. Und daneben, in kleinerer Schrift, ein einziges Wort, das sie durch die Tränen nicht lesen konnte.

„Freiwillig”, sagte Cassian leise.

Aurora schleuderte ihm die Mappe an die Brust.

Er zuckte nicht. Papiere flatterten um seine Schuhe.

„Du hast sie bezahlt.” Ihr ganzer Körper bebte. „Du hast mich gekauft.”

„Ich habe ihre Schulden bezahlt.” Er bückte sich, sammelte die Seiten auf und stieß sie an seiner Handfläche zusammen. „Was sie mit dem Geld gemacht haben, war ihre Sache.”

„Ich gehe.”

Sie rannte zur Tür. Die Klinke ließ sich nicht drehen. Sie hämmerte gegen das Holz, bis sich ihr Verband löste, dann fuhr sie zu ihm herum.

„Mach auf!” Sie wandte sich ihm zu. „Du kannst mich nicht hier festhalten!”

Er ging langsam auf sie zu, einen gemächlichen Schritt nach dem anderen, bis ihr Rücken gegen die Tür stieß und sein Schatten sie bedeckte. Er berührte sie nicht. Er sah nur auf sie herab, und für einen Herzschlag huschte etwas Rohes, Hungriges über sein Gesicht, bevor er es vergrub.

„Das tue ich bereits.”

Ihr stockte der Atem. „Warum? Warum ich?”

Er hob die Hand. Sie machte sich auf einen Schlag gefasst. Stattdessen strichen seine Fingerknöchel eine Haarsträhne von ihrer Wange, so leicht, dass sie es sich hätte einbilden können, und die Hitze davon kroch ihr den ganzen Hals hinab.

„Fass mich nicht an!”

„Dann hör auf zu zittern.” Seine Stimme wurde tiefer. „Es weckt in mir den Wunsch, es zu tun.”

Sie schlug seine Hand weg. Er ließ es zu, aber seine Augen verdunkelten sich, und sie begriff, dass sie gerade einen Fehler gemacht hatte, den sie nicht verstand.

Zwei scharfe Klopfzeichen ertönten.

„Boss.” Die Stimme eines Wachmanns. „Der, den wir gefasst haben, ist wach.”

Cassians Ausdruck veränderte sich. Die Hitze verschwand. An ihre Stelle trat etwas Kaltes, völlig Ruhiges, das Gesicht eines Mannes, dem nie jemand etwas abgeschlagen hatte.

„Halt ihn am Leben. In fünf Minuten bin ich da.”

„Was wirst du mit ihm tun?”, flüsterte Aurora.

Er hielt an der Tür inne, den Rücken ihr zugewandt, drehte sich langsam um, grinste höhnisch und verließ den Raum. Das Schloss klickte von außen. Sie rutschte zu Boden und zitterte, bis das Zittern zu etwas wurde, das sie nutzen konnte. Dann durchsuchte sie das Zimmer. Auf der Kommode stand ein silberner Rahmen, mit dem Bild nach unten. Sie hob ihn auf. Ein Foto, vom Alter verblasst. Ein sechsjähriges kleines Mädchen saß auf den Schultern eines großen, lachenden Mannes, die kleinen Fäuste in sein dunkles Haar gekrallt.

Auroras eigenes Gesicht.

Sie hatte dieses Bild nie gesehen. Sie hatte diesen Mann nie getroffen. Sie drehte es um. In verblasster blauer Tinte: Antonio und Aurora. Vor sechzehn Jahren. Vor der Tür drang die gedämpfte Stimme eines Wachmanns den Flur entlang. „… der Boss sagt, wenn sie nach seinem Vater fragt, sagen wir ihr nichts.”

Aurora starrte auf das Foto. Auf die sanften Hände des Fremden, die ihre Knöchel hielten. Auf seine Augen, ein vertrautes, verblüffendes Grau. Jeder in New York wusste, dass der alte Rinaldi vor fünf Jahren erschossen worden war.

Und doch war er da und lächelte sie an, als wäre sie das Kostbarste auf der Welt. Antonio Rinaldi hatte ihren Namen gekannt, seit sie sechs war.

Etwas raschelte zu ihren Füßen. Ein gefaltetes Blatt Papier war unter der Tür hindurchgeglitten.

Ihr Herz hämmerte. Sie schnappte es sich, und ihre Finger zitterten so sehr, dass sie es beinahe zerrissen hätte. Fünf Wörter starrten ihr entgegen, in dünner schwarzer Tinte, in einer Handschrift, die sie nie gesehen hatte:

ER HAT DICH GENOMMEN, BEVOR SIE ES KONNTEN.

Schritte entfernten sich den Flur entlang, leise und hastig, ganz anders als die schweren Stiefel der Wachen.

Wer auch immer es geschrieben hatte, war noch im Haus.

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