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KAPITEL ZWEI: DAS HAUS

ผู้เขียน: Sophyyy
last update วันที่เผยแพร่: 2026-10-30 00:55:51

Aurora wartete, bis die Wachen abgelöst wurden, um zu fliehen. Der Badezimmerschacht war gerade breit genug für eine kleine Frau, die bereit war, ihr Nachthemd zu zerreißen, und das war sie. Um fünf Uhr vierzig am Morgen ließ sie sich auf ein Küchendach fallen, rutschte ein Fallrohr hinunter und rannte barfuß über einen nassen Hof auf die Eisentore zu.

„Willst du irgendwohin?”

Sie schlitterte. Eine Frau in einem cremefarbenen Seidenmorgenmantel stand unter einer Lampe und hielt einen Espresso. Dunkles Haar, scharfe Wangenknochen, ein Lächeln, das weit vor ihren Augen endete.

„Lass mich raus.” Auroras Atem ging reißend ein und aus.

„Oh, das kann ich nicht.” Die Frau nippte. „Ich würde meine Stellung verlieren. Valentina Greco. Ich kümmere mich um die Konten und, seit letzter Nacht, um dich.”

„Dann kümmere dich hierum.” Aurora versuchte, sich an ihr vorbeizudrängen.

Valentina erwischte ihren Ärmel, leicht, fast freundlich. „Er hat seit drei Nächten nicht geschlafen, weißt du. Er hat vor deiner Wohnung geparkt.”

Aurora erstarrte. „Woher willst du das wissen?”

„Ich zähle seine Stunden.” Valentinas Lächeln wurde schärfer. „Jemand muss es ja tun.”

Aurora riss sich los und rannte. Sie schaffte vierzig Fuß, bevor das Tor sich nicht öffnete und zwei Wachen aus dem Dunkel traten. Ein silberhaariger Mann joggte aus dem Haus, sein Morgenmantel flatterte.

„Mein liebes Mädchen! Du holst dir den Tod!” Er ergriff ihre Hände. Sie waren eiskalt. „Enzo Rinaldi. Cassians Onkel. Willkommen in der Familie.”

„Euer Neffe hat mich entführt.”

„Mm.” Sein Lächeln wurde ein winziges Stück breiter. „Was für ein hässliches Wort. In unserer Familie sagen wir eingeladen.”

„Verlassen die Eingeladenen gewöhnlich in einem Van?”

Enzo lachte, einen Takt zu laut, und warf einen Blick über ihre Schulter zum Haus. „Oh, sie gefällt mir.”

„Enzo.” Die Stimme hinter ihnen war leise.

Alle hielten inne. Cassian stand in Hemdsärmeln auf den Stufen, der Kragen offen, das Haar feucht, als hätte er sich gerade Blut daraus gewaschen. Er erhob seine Stimme nicht. Das musste er nicht. Enzo trat sofort zurück, so wie ein Mann von einer Klippenkante zurücktritt. Cassian kam langsam die Stufen herab. Sein Blick wanderte über ihr zerrissenes Nachthemd, ihre aufgeschürften Knie, ihre blutenden Füße. Etwas spannte sich um seinen Mund.

„Du hast dich geschnitten.”

„Mir geht’s gut.”

„Du blutest auf meine Steine.”

„Dann schick mir die Rechnung.”

Ein Muskel zuckte in seinem Kiefer. Einen Moment lang dachte sie, er würde sie hochheben. Stattdessen zog er sein Jackett aus, hielt es ihr hin und wartete mit ausgestrecktem Arm, bis sie es an sich riss.

„Geh oder lass dich tragen.” Seine Augen ließen sie nicht los. „Wähle.”

„Ich gehe.”

„Dann geh.”

Er bestrafte sie nicht. Das war das Schlimmste.

Er setzte sie ans Ende eines Esstischs, an dem dreißig Personen Platz fanden, schob ihr einen Teller Eier hin und aß schweigend, während das Personal so tat, als existiere es nicht.

„Du wirst mich nicht anschreien?” Auroras Gabel blieb in ihrer Faust wie eine Waffe.

„Würde es helfen?”

„Es würde mir ein normales Gefühl geben.”

„Iss. Dein Kaffee, zwei Zucker, keine Sahne.” Er nickte zur Tasse. „Gegen den Uhrzeigersinn gerührt, wie mir gesagt wurde.”

Ihre Hand hielt auf halbem Weg zur Tasse inne. „Du bist verrückt.”

„Ich bin aufmerksam.”

„Was ist das für ein Zettel?” Die Worte brachen aus ihr heraus. „Der unter meiner Tür. Wer hat ihn geschrieben?”

Sein Messer verharrte über seinem Teller. Für einen Herzschlag rutschte die sorgfältige Maske, und sie erhaschte einen Blick auf etwas, das hinter seinen Augen aufblitzte, schnell und hart. Dann war es fort.

„Welcher Zettel?”

„Du weißt genau, was ich meine.”

„Tue ich das?” Er wischte sich den Mund mit einer Serviette ab. „Du bist sicher müde. Wenn man müde ist, bildet man sich Dinge ein.”

Ihre Finger schlossen sich um das gefaltete Papier in ihrer Tasche. Sie erkannte eine Lüge, wenn sie eine sah, und er log. Schlecht, absichtlich, wie ein Mann, der wollte, dass sie es wusste.

Warum?

„Fertig?” Er stand auf. „Komm mit.”

Der Keller roch nach kaltem Stein und Kupfer.

Auroras Puls hämmerte bereits, als Cassian die Eisentür öffnete. Gabriel Santoro stand drinnen Wache, seine dunklen Augen huschten zu Aurora und wieder weg. Eine einzelne Glühbirne schwang über einem Stuhl, und auf dem Stuhl saß ein Mann mit geschwollenem Gesicht und hinter dem Rücken gefesselten Handgelenken. Sie erkannte seine Stimme, bevor sie sein Gesicht erkannte. Schrei nicht, Süße.

Blut glänzte an seinem Kinn. Aurora presste sich die Hand vor den Mund.

„Du hast gefragt, was ich mit ihm tun würde.” Cassian stand hinter ihr, so nah, dass sie seinen Atem in ihrem Haar spürte. „Ich dachte, du solltest es sehen.”

„Ich habe nicht darum gebeten, es zu sehen.”

„Nein. Du hast gefragt, was ich tun würde. Ich antworte dir.” Er ging um sie herum, nahm das Kinn des Mannes in die Hand und neigte sein Gesicht ins Licht. „Sag es noch einmal.”

Der Mann spuckte Blut. „Fahr zur Hölle.”

„Sag, was du heute Morgen gesagt hast.”

„Fick dich.”

Cassian sah Gabriel an. Gabriel legte wortlos eine Zange auf den Tisch.

„Hör auf!” Auroras Stimme brach. „Bitte, tu es nicht.”

Cassian drehte langsam den Kopf. Sie sah zu, wie das Monster hinter seinen Augen ihre Worte abwog, als hätte sie ihm etwas Zerbrechliches und Fremdes gereicht.

„Warum sollte ich nicht?”

„Weil …” Ihr Atem stockte. „Weil ich hier bin. Weil ich zusehe.”

Er musterte sie eine lange, gefährliche Sekunde lang. Dann ließ er die Hand vom Gesicht des Mannes sinken. „Glück für dich”, sagte er zu dem Gefangenen, „sie ist weich.”

Der Mann begann zu lachen. Ein nasses, hässliches Geräusch. Seine blutunterlaufenen Augen fanden Aurora und hielten sie fest.

„Sie sieht genauso aus wie sie.”

Auroras Haut wurde kalt. „Wie wer?”

„Nicht”, sagte Cassian.

„Ihre Mutter.” Der Mann grinste durch zerbrochene Zähne. „Weiß das Mädchen es? Weiß sie, was Giulia vor fünfundzwanzig Jahren getan hat, in der Nacht, als Antonio …”

Die Glühbirne über ihnen zerplatzte.

Dunkelheit schlug herab. Irgendwo über ihnen zersplitterte Glas, eine Frau schrie, und ein einzelner Schuss hallte durch den Keller wie eine eingetretene Tür.

„Cassian!” Gabriels Stimme, scharf und nah. „Sie sind im Haus!”

„Aurora.” Cassians Hand fand im Dunkeln ihren Arm, hart und warm. „Beweg dich nicht.”

Doch eine andere Hand hatte sich bereits um ihr anderes Handgelenk geschlossen, kalt und schmal, und die Stimme einer Frau flüsterte an ihrem Ohr.

„Schrei nicht. Und was er dir auch erzählt: Vertrau nicht dem Mann, der dich eingesperrt hat.”

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