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KAPITEL SECHS: DAS FOTO

last update Veröffentlichungsdatum: 03.11.2026 20:40:12

Ihre Hochzeitsnacht begann mit einer Waffe auf dem Schreibtisch und einem Skizzenbuch daneben.

Aurora saß in Cassians Arbeitszimmer in dem zerrissenen elfenbeinfarbenen Kleid und zeichnete den Empfang aus dem Gedächtnis, weil es der einzige Weg war, ihre Finger am Zittern zu hindern. Auf der anderen Seite des Raumes stand Cassian am Fenster, eine Hand auf den Verband an seiner Schulter gedrückt.

„Gesichter", sagte er, ohne sich umzudrehen. „Jedes, an das du dich erinnerst."

„Ich bin keine Poliz
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  • DIE ARRANGIERTE BRAUT DES TEUFELS   KAPITEL ACHT: GEGEN DIE WAND

    Cassian betrat den Velvet Room wie ein Mann, der bereits entschieden hatte, wer sterben würde.Der Jazz verstummte. Der Türsteher wich zurück. Gabriel trat hinter ihm ein, und in jeder Lampe gingen die Lichter aus, außer in der über der Eckloge, wo ein Mann in grauer Kappe sehr still saß und überhaupt nichts sagte.„Mrs. Rinaldi." Cassian sah Aurora nicht an. „Tritt vom Tisch weg."„Cassian …"„Jetzt."Sie gehorchte. Etwas an der Stille in seiner Stimme ließ Ungehorsam wie ein Wagnis wirken, das sie sich nicht leisten konnte.Der Mann in der Kappe bot ein angenehmes Lächeln. „Cassian. Wir wurden einander noch nicht vorgestellt. Ich bin hier Gast. Sie können nicht …"„Du bist ein Mieter." Cassian setzte sich ihm gegenüber und rollte seinen Siegelring einmal um den Finger. „Seit dreiundzwanzig Uhr fünfundvierzig gehört mir dieses Gebäude. Der Mietvertrag, die Lizenz, der Alkohol und jeder darin."Das Lächeln wankte. „Das ist nicht möglich."„Dein Vermieter war vernünftig." Eine Pause. „

  • DIE ARRANGIERTE BRAUT DES TEUFELS   KAPITEL SIEBEN: UNTER SEINEM DACH

    Zwei Tage nach ihrer Hochzeit kletterte Aurora Bellini in einem gestohlenen Mantel aus ihrem Schlafzimmerfenster.Cassian hatte das Anwesen in eine Festung verwandelt. Wachen auf jedem Dach. Kameras an jeder Ecke. Ein Mann vor ihrer Tür, ein weiterer vor Nicos, und ein Schloss an den Toren, das nur auf ihn reagierte. Als sie gefordert hatte, nach ihrer Mutter zu suchen, hatte er sie angesehen, wie ein Mann ein Kind ansieht, das nach einem Herd greift.„Nein."„Sie ist meine Mutter!"„Und sie ist ein Köder." Er hatte seine Stimme nicht erhoben. „Du gehst durch dieses Tor, und du gehst in das hinein, was sie geholt hat."Also hatte sie aufgehört zu fragen.Bevor sie ging, schlich sie in Nicos Zimmer. Er lag zusammengerollt auf der Seite, einen Arm über ein Kissen geworfen, noch immer in seinen Hochzeitssocken. Sie stand lange über ihm, die Kehle eng, und drückte einen Kuss auf sein Haar.„Vor dem Frühstück bin ich zurück", flüsterte sie. „Versprochen."Er murmelte etwas und drehte sich

  • DIE ARRANGIERTE BRAUT DES TEUFELS   KAPITEL SECHS: DAS FOTO

    Ihre Hochzeitsnacht begann mit einer Waffe auf dem Schreibtisch und einem Skizzenbuch daneben.Aurora saß in Cassians Arbeitszimmer in dem zerrissenen elfenbeinfarbenen Kleid und zeichnete den Empfang aus dem Gedächtnis, weil es der einzige Weg war, ihre Finger am Zittern zu hindern. Auf der anderen Seite des Raumes stand Cassian am Fenster, eine Hand auf den Verband an seiner Schulter gedrückt.„Gesichter", sagte er, ohne sich umzudrehen. „Jedes, an das du dich erinnerst."„Ich bin keine Polizeizeichnerin."„Nein. Du bist besser." Er sah zurück, und sein Blick verweilte auf ihrem Bleistift. „Du bemerkst, was Menschen verbergen."Hitze kroch ihren Nacken hinauf. Sie beugte sich über die Seite, damit er es nicht sah. Gäste. Die Bar. Das Orchester. Der Eingang, an dem der erste Schütze aufgetaucht war.Dann hielt ihr Bleistift inne.„Da fehlt ein Mann."Cassian war in drei Schritten neben ihr. „Wo?"„Beim Osteingang. Graue Kappe, Hände in den Taschen." Sie drehte die Seite zu ihm. „Er h

  • DIE ARRANGIERTE BRAUT DES TEUFELS   KAPITEL FÜNF: DIE HOCHZEIT

    Was im Saum des Hochzeitskleides versteckt war, war eine Kinderzeichnung.Aurora fand sie um 11:42 Uhr, allein im Brautzimmer, ihre Finger fuhren über eine Wölbung in der Seide. Sie riss die Nähte mit den Zähnen auf. Ein Quadrat vergilbten Papiers, in Achtel gefaltet, glitt in ihre Handfläche, und sie strich es auf ihrem Knie glatt. Buntstift. Ein schiefes Haus mit einer schwarzen Tür. Ein großer Mann, der etwas Kleines, Rundes hielt. Ein kleines Mädchen mit gelbem Haar und drei Wörtern, in zittrigen Buchstaben einer Sechsjährigen hingekritzelt.Papas geheimer Ort.Die Hälfte der Seite war abgerissen.„Dreißig Minuten”, sagte eine kühle Stimme von der Tür.Aurora stopfte die Zeichnung in ihr Mieder, gerade als Valentina Greco hereinrauschte, elegant in Schwarz, einen Schleier über dem Arm. Valentinas Blick fiel auf die zerrissenen Fäden am Boden. Ihr Lächeln veränderte sich nicht.„Der Albtraum jeder Schneiderin.” Sie hob den Schleier. „Halt still.”Ihre Finger streiften Auroras Nacke

  • DIE ARRANGIERTE BRAUT DES TEUFELS   KAPITEL VIER: DIE MUTTER

    Giulia Bellini betrat den Raum in der marineblauen Strickjacke, die sie zur Kirche trug, und Aurora wollte schreien. Stattdessen stand sie starr am Fenster, die Arme vor der Brust verschränkt, und sah zu, wie die Augen ihrer Mutter vom Verband an ihrer Hand zum Bluterguss auf ihrer Wange und zum schweren Schloss an der Tür huschten.„Tesoro.” Giulias Stimme zerbrach an dem Wort.„Nicht.”„Bist du verletzt?”„Wage es nicht, mich das zu fragen.” Auroras Lachen klang brüchig. „Du hast mich mit Tinte verkauft, Mama. Hast du den guten Stift benutzt?”Giulia zuckte zusammen, als hätte man sie geschlagen. Sie durchquerte den Raum mit ausgestreckten Händen, aber Aurora wich zurück, und die Finger ihrer Mutter sanken herab.„Wie viel?”, sagte Aurora.„Aurora …”„Wie viel hat er für mich bezahlt?”„Es ist nicht, was du denkst.”„Dann sag mir, was es ist.” Sie trat zitternd näher. „Denn von da, wo ich stehe, hat meine eigene Mutter mich in einen verschlossenen Raum gesperrt, mit einem Mann, der

  • DIE ARRANGIERTE BRAUT DES TEUFELS   KAPITEL DREI: DIE DUNKELHEIT

    Die Finger der Frau verschwanden von Auroras Handgelenk in dem Augenblick, als Cassian zog. Er riss sie so heftig an seine Brust, dass ihr die Luft aus den Lungen wich. Eine Pistole krachte nahe ihrem Ohr, dann eine weitere, und irgendwo in der Schwärze schrie ein Mann auf und fiel.„Wer hat dich berührt?” Seine Stimme klang tief und mörderisch an ihrem Haar.„Ich weiß nicht …”„Wer?”„Ich konnte nichts sehen!”„Denk nach.” Seine Stimme wurde drängend. „Ihre Größe. Ihre Stimme.”„Kalte Hände. Eine Frau, und leise sprechend.”„Leise.” Seine Augen verengten sich zu Schlitzen, und ein Muskel spannte sich in seiner Wange, als hätte das Wort einen Geschmack.„Gabriel!”, brüllte er. „Sperr den Ostflügel ab. Niemand verlässt das Haus.”Er zerrte sie eine Steintreppe hinauf, einen Arm um ihre Rippen gebändigt, sein Herzschlag hämmerte gegen ihr Schulterblatt. Oben wirbelte ein maskierter Mann mit einem Messer aus dem Dunkel. Cassian erschoss ihn zweimal. Dann stieg er über die Leiche, ohne de

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