LOGIN„Du bist mein Stiefbruder“, flüsterte Viola, den Rücken gegen die verschlossene Mahagonitür gepresst. „Stiefbruder.“ Das Wort kam Sebastian wie ein Fluch über die Lippen. Sein Schatten verschluckte den Raum und drängte sie gegen das Holz. Er hob ihr Kinn an und lenkte ihren Blick auf sich. Ihre violetten Augen begegneten seinem unerbittlichen bernsteinfarbenen Blick. „Ein Stück Papier macht uns nicht zu einer Familie, Schatz“, murmelte er leise. „Es bedeutet nur, dass du mir gehörst.“ – Sebastian Cain Hierro hält nichts von Romantik. Es gibt keine sanften Versprechen, keine zärtlichen Entschuldigungen und erst recht keine Liebesspielchen. in Mann, der in der Gewalt des Kartells großgeworden ist, versteht nur eine Sprache: absolute, brutale Kontrolle. Viola erlebt ein erschreckendes Erwachen, als sie in seinen dunklen Bann gerät. Sie ist ein Mädchen, das sich immer nur danach gesehnt hat, geliebt und umsorgt zu werden, und findet sich plötzlich in einer verbotenen Welt mit einem Stiefbruder wieder, der erwartet, dass sie sich seinen Regeln fügt. Jede Berührung hinter verschlossenen Türen ist eine Sünde. Jedes Flüstern ist ein Befehl. Um sich in seiner Welt zurechtzufinden, muss sie sich an seine eigenen Regeln halten. Sie kann auf seinen Schutz zählen und seinen eindringlichen Blick auf sich spüren, muss sich zugleich aber mit seinem ausgeprägten Kontrollbedürfnis auseinandersetzen. Er hat ihr mit gefährlicher Deutlichkeit klargemacht, dass sie sein Herz niemals, wirklich niemals gewinnen kann. Für ein Mädchen wie Viola ist echte Nähe untrennbar mit tiefen Gefühlen verbunden. Und wenn sie unweigerlich all ihre verzweifelte, unausgesprochene Liebe einem Mann schenkt, der scheinbar unfähig ist, sie zu erwidern ... Was soll sie dann mit ihrem gebrochenen Herzen tun?
View MoreDer nächste Tag verging wie ein seltsam stiller, verschwommener Traum.Nach dem Frühstück verließ Sebastian das Anwesen und kehrte nicht zurück. Viola hatte erwartet, den ganzen Tag verängstigt in seiner privaten Suite verbringen zu müssen. Da er nicht da war, hatte sie nichts zu tun. Die Stille in seinen gewaltigen Räumen trieb sie schließlich wieder nach unten in die Küche, deren vertrautes geschäftiges Treiben sie beruhigte.Den Nachmittag verbrachte sie damit, Rosita beim Brotbacken zu helfen. Der warme Duft von Hefe und Mehl war das Einzige im ganzen Haus, das ihre Nerven tatsächlich beruhigte.„Viola.“Eine junge Hausangestellte tippte ihr auf die Schulter. „Vanessa hat nach dir rufen lassen. Sie ist in ihrem Zimmer.“Viola wischte sich das Mehl von den Händen. Sofort bildete sich ein Knoten in ihrem Magen. Vanessa ließ sie nie zu sich rufen, wenn sie nichts Unangenehmes von ihr wollte.Sie ging hinauf zum Zimmer ihrer Schwester, hob die Hand und klopfte leise, bevor sie die schw
Sebastian musterte sie. Ihm entgingen weder ihre zitternden Hände noch das billige Kleid, das lose an ihrem schmalen Körper hing.„Du siehst aus, als würdest du gleich ohnmächtig werden“, sagte er. „Setz dich.“Viola schüttelte rasch den Kopf. „Nein, mir geht es gut. Bitte, iss dein Frühstück. Es tut mir noch einmal leid.“ Sie verbeugte sich leicht und nervös und wollte sich bereits zurückziehen, um den Raum zu verlassen.Sebastian schloss die Augen und atmete langsam und tief ein. Er wiederholte sich für niemanden. Die Menschen hörten beim ersten Mal zu. Dennoch öffnete er seine bernsteinfarbenen Augen wieder. Als er ihre anhaltende Angst bemerkte, zwang er sich, seinen Ärger hinunterzuschlucken.„Setz dich“, befahl er mit noch tieferer Stimme.Ihr blieb keine Wahl. Ihre Beine zitterten viel zu stark, als dass sie hätte widersprechen können. Langsam ließ sie sich auf die Kante des Sessels ihm gegenüber sinken und saß angespannt auf dem Polster.Sebastian nahm seinen Kaffee. Während er
Das heiße Duschwasser konnte die eisige Kälte des dunklen Lagerraums nicht vertreiben.Viola blieb unter dem Wasserstrahl stehen, bis ihre Haut rosig wurde. Aber das hohle, erstickende Gefühl saß ihr noch immer tief in den Knochen. Mit zitternden Händen trocknete sie sich ab, zog ein verblichenes graues Kleid an und band ihre noch feuchten Haare zurück. Im gesprungenen Spiegel sah sie wie ein Geist aus.Sie ging hinunter in die Küche. Die Hausangestellten waren bereits bei der Arbeit, und leises Gemurmel erfüllte den Raum. Kaum betrat Viola die Küche, verstummten die Gespräche und es wurde totenstill. Niemand sah ihr in die Augen. Rosita kam einfach zu ihr herüber und reichte ihr ein schweres silbernes Tablett mit einer Kanne schwarzen Kaffees, Tassen und einem Frühstücksteller.Viola nahm es wortlos entgegen.Der Weg hinauf zu Sebastians Suite war beklemmend. Ihre Beine fühlten sich schwer an, und ihre Muskeln schmerzten noch immer vom Liegen auf dem harten Steinboden. Vor den gewalti
Es war so dunkel, dass sie nicht einmal ihre eigenen Hände sehen konnte.Seit ihrer Kindheit sperrte ihre Mutter sie zur Strafe immer wieder in dunkle Räume. Eine Ohrfeige konnte Viola verkraften. Auch die verbalen Misshandlungen hielt sie aus. Aber die erstickende, lichtlose Enge brach sie jedes Mal.Heiße Tränen liefen ihr rasch über die Wimpern. Sie schlang die Arme um ihre Beine und vergrub das Gesicht zwischen den Knien.Warum?Der Gedanke wiederholte sich in ihrem Kopf, immer erschöpfter und verzweifelter.Warum liebt sie mich nicht? Was habe ich falsch gemacht? Was kann ich dafür?Sie weinte, bis ihr Hals wund war.Irgendwann verebbte ihr Schluchzen allmählich.Woher weiß ihre Mutter davon?Viola hatte es niemandem erzählt. Kein Wachmann hatte sie auf dieser Treppe gesehen. Nur ein einziger Mensch hatte sie dabei erwischt: Sebastian.Ein bitteres, gebrochenes Lachen entwich ihren Lippen.Was habe ich mir nur dabei gedacht? Nur weil er mich gerettet hat, als ich ihn angefleht hab











