Verbotene Nähe zum Stiefbruder

Verbotene Nähe zum Stiefbruder

By:  Pria AmbreUpdated just now
Language: Deutsch
goodnovel18goodnovel
Not enough ratings
30Chapters
17views
Read
Add to library

Share:  

Report
Overview
Catalog
SCAN CODE TO READ ON APP

„Du bist mein Stiefbruder“, flüsterte Viola, den Rücken gegen die verschlossene Mahagonitür gepresst. „Stiefbruder.“ Das Wort kam Sebastian wie ein Fluch über die Lippen. Sein Schatten verschluckte den Raum und drängte sie gegen das Holz. Er hob ihr Kinn an und lenkte ihren Blick auf sich. Ihre violetten Augen begegneten seinem unerbittlichen bernsteinfarbenen Blick. „Ein Stück Papier macht uns nicht zu einer Familie, Schatz“, murmelte er leise. „Es bedeutet nur, dass du mir gehörst.“ – Sebastian Cain Hierro hält nichts von Romantik. Es gibt keine sanften Versprechen, keine zärtlichen Entschuldigungen und erst recht keine Liebesspielchen. in Mann, der in der Gewalt des Kartells großgeworden ist, versteht nur eine Sprache: absolute, brutale Kontrolle. Viola erlebt ein erschreckendes Erwachen, als sie in seinen dunklen Bann gerät. Sie ist ein Mädchen, das sich immer nur danach gesehnt hat, geliebt und umsorgt zu werden, und findet sich plötzlich in einer verbotenen Welt mit einem Stiefbruder wieder, der erwartet, dass sie sich seinen Regeln fügt. Jede Berührung hinter verschlossenen Türen ist eine Sünde. Jedes Flüstern ist ein Befehl. Um sich in seiner Welt zurechtzufinden, muss sie sich an seine eigenen Regeln halten. Sie kann auf seinen Schutz zählen und seinen eindringlichen Blick auf sich spüren, muss sich zugleich aber mit seinem ausgeprägten Kontrollbedürfnis auseinandersetzen. Er hat ihr mit gefährlicher Deutlichkeit klargemacht, dass sie sein Herz niemals, wirklich niemals gewinnen kann. Für ein Mädchen wie Viola ist echte Nähe untrennbar mit tiefen Gefühlen verbunden. Und wenn sie unweigerlich all ihre verzweifelte, unausgesprochene Liebe einem Mann schenkt, der scheinbar unfähig ist, sie zu erwidern ... Was soll sie dann mit ihrem gebrochenen Herzen tun?

View More

Chapter 1

Kapitel 1

Der Bluterguss an Violas Handgelenk war über Nacht schwarzviolett geworden, und nur die Ärmel ihres übergroßen Pullovers hielten ihn verborgen.

Sie zog die Ärmel über ihre Fingerknöchel und ging mit gesenktem Kopf durch den Flur des Hierro-Anwesens, während ihr das Haar ins Gesicht fiel. Sei still. Bleib unsichtbar. Vielleicht würde der Abend ohne weitere Zwischenfälle vorübergehen.

„Steh gerade, Viola.“ Octavias Stimme durchschnitt den Flur, kalt und glatt wie der Marmorboden. „Und um Gottes willen, bring deine Haare in Ordnung. Du siehst aus, als wärst du gerade aus der Gosse gekrochen.“

Viola zuckte zusammen und strich sich eine dunkle Haarsträhne hinters Ohr. „Entschuldigung, Mutter.“

Vanessa ging an ihr vorbei. Sie duftete nach teurem Parfüm und wirkte in ihrem engen, mitternachtsblauen Kleid mühelos elegant. Dann blieb sie stehen und drehte sich um. Zwischen ihren Fingern baumelte etwas Rotes.

Ein billiges, neonrotes Minikleid.

„Mutter“, sagte Vanessa ganz gelassen. „Schau mal, was ich in Violas Kleiderschrank gefunden habe.“

Violas Brust zog sich zusammen. Sie starrte auf den roten Stoff und bekam für einen Moment keine Luft. Sie hatte dieses Kleid noch nie in ihrem Leben gesehen.

Octavias Gesicht verfinsterte sich, als sie es betrachtete. „Was ist das?“

„Rot, Viola?“ Vanessa legte den Kopf schief und spielte Besorgnis vor. „Wo genau hattest du vor, das zu tragen?“

Viola schüttelte den Kopf und wich einen kleinen Schritt zurück. „Mutter, das gehört mir nicht. Ich habe nicht ...“

Klatsch.

Der Schlag riss ihren Kopf zur Seite.

Einen Moment lang hörte sie nur das Klingeln in ihren Ohren. Ihre Wange brannte, und ihre Augen tränten. Ein bitterer Geschmack lag auf ihrer Zunge. Sie fasste sich nicht ins Gesicht und weinte nicht. Weinen machte alles nur schlimmer.

Ihre Mutter trat näher, die Lippen vor Abscheu verzogen. „Ich gehe in die Kirche. Jeden Tag bete ich zu Gott, dass er diesen Dreck von unserer Familie fernhält. Und das bringst du in mein Haus.“

Viola starrte auf die Dielen und atmete flach, während ihr die Scham heiß den Nacken hinaufkroch. Hinter Octavias Schulter lächelte Vanessa kaum merklich und selbstzufrieden, als hätte sie gerade etwas gewonnen.

„Geh und mach dich zurecht“, befahl Octavia. „Dein Stiefbruder kommt heute an. Nach all den Jahren.“ Sie musterte Viola von oben bis unten. „Wenn Rafael nicht wäre, ließe ich dich nicht einmal daran teilnehmen. Ich weiß nicht, warum er darauf besteht, dass du dabei bist und uns blamierst.“

Vanessa ließ das Kleid auf einen Stuhl gleiten und stieß leise, belustigt die Luft aus.

„Blamier mich heute Abend nicht“, warnte ihre Mutter. „Sprich nicht, solange dich niemand anspricht.“

„Ja, Mutter.“

Oben presste Viola einen kalten, feuchten Waschlappen an ihre Wange und betrachtete ihre Augen im Spiegel. Der rote Fleck verblasste bereits. Bis zum Morgen würde er blass genug sein, um sich unter einer Schicht billiger Foundation verbergen zu lassen. Spuren im Gesicht galten in diesem Haus als unschicklich. An anderen Stellen waren sie völlig in Ordnung.

Sie zog die Ärmel wieder über den Bluterguss und strich den Stoff glatt.

Eines Tages, versprach sie sich, würde sie dieses Haus verlassen und nie wieder zurückkehren. Sie wusste noch nicht, wie sie das schaffen sollte. Aber dieser eine kleine Gedanke war das Einzige, was sie überhaupt dazu brachte, die Treppe hinunterzugehen.

Das Abendessen war beklemmend. Rafael Hierro saß am Kopfende des Tisches. Er war älter, als Viola ihn in Erinnerung hatte, und bewegte sich langsamer, behielt aber nach wie vor alles im Blick. Niemand sprach viel. Nur das Klirren des Bestecks und das Ticken der Uhr an der Wand waren zu hören. Viola blickte auf ihren Teller, hielt die Hände im Schoß und zog die Ärmel fest über ihre Handgelenke.

Dann öffneten sich die Türen, und die Luft schien aus dem Raum zu weichen.

Alle am Tisch wandten sich dem Eingang zu.

Der Mann, der dort stand, betrat einen Raum nicht einfach. Er verschlang ihn. Mit seinen 1,90 Metern, den breiten Schultern und seiner massigen Statur wirkte er in dem dunklen Anzug einschüchternd.

Viola hatte ihn noch nie in ihrem Leben gesehen, aber der Raum verriet ihr, wer er war. Ihre Mutter richtete sich auf, Rafaels Blick wurde schärfer, und neben ihr öffnete Vanessa die Lippen und atmete leise ein.

„Sebastian“, hauchte sie, kaum hörbar.

Sebastian Cain Hierro, ihr Stiefbruder, über den das Personal hinter vorgehaltener Hand tuschelte.

Violas Magen zog sich zusammen. Das war er.

Er ignorierte alle anderen und blieb erst am Kopfende des Tisches neben Rafael stehen.

„Du bist spät dran“, sagte Rafael mit rauer Stimme, die vor Autorität strotzte.

„Und du atmest immer noch“, erwiderte Sebastian glatt und beiläufig, ohne jede Wärme. „Wir alle haben unsere Enttäuschungen.“

Rafael presste die Kiefer aufeinander, gab ihm aber keine scharfe Antwort.

Sebastian zog den Stuhl direkt gegenüber von Viola hervor und ließ sich schwer darauf nieder. Er stützte die Arme auf den Tisch. Er sah gelangweilt aus, als wollte er das ganze Haus mitsamt allen darin niederbrennen.

Viola hielt den Blick auf ihren Teller gerichtet. Ihr Herz raste, und sie konnte es nicht beruhigen.

„Sebastian.“ Vanessa beugte sich leicht vor und sprach mit honigsüßer Stimme. „Es ist lange her. Du siehst … gut aus.“

Sein Blick wanderte langsam über ihr Gesicht und kurz über ihr Kleid, bevor er wieder zu ihrem Gesicht zurückkehrte. Dabei verzog sich sein Mundwinkel kaum merklich, als hätte er einen unangenehmen Geruch wahrgenommen.

„Lass das“, sagte er.

Vanessa blinzelte. „Was denn?“

„Das hier.“ Er deutete mit zwei Fingern in ihre Richtung, wandte sich bereits wieder ab und zog ein silbernes Feuerzeug aus der Tasche. „Es ist peinlich, das mitanzusehen.“

Am Tisch kehrte Stille ein. Vanessas Gesicht versteifte sich, während sich ihr Hals fleckig rot färbte. Octavia presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen, aber selbst sie mischte sich nicht ein.

Dann richtete Vanessa ihren Blick auf Viola am anderen Ende des Tisches. Ihr Blick war scharf vor Demütigung, und sie suchte nach jemandem, an dem sie ihre Wut auslassen konnte.

Viola kannte diesen Blick. Für sie endete das nie gut.

„Viola“, sagte Vanessa wieder mit honigsüßer Stimme, auf jene Art, die stets den kommenden Messerstich ankündigte. „Schenk den Wein ein. Oder ist still dazusitzen alles, was du kannst?“

Ihre Mutter widersprach nicht. Sie würde sich niemals selbst Wein einschenken, solange Viola noch am Tisch saß und atmete.

Viola stand auf und griff nach der Flasche. Sie war schwerer als erwartet, und Viola musste sie mit beiden Händen halten. Als sie den Arm ausstreckte, um Rafaels Glas zu füllen, rutschte ihr Ärmel um fünf Zentimeter hoch.

Sie spürte, wie der Ärmel hochrutschte. Hastig stellte sie die Flasche ab und zog den Wollstoff wieder an seinen Platz, während ihr Gesicht vor Scham brannte.

Niemand sagte etwas. Rafael warf ihr nicht einmal einen Blick zu. Vanessas Lächeln bekam scharfe Kanten, als hätte sie etwas gewittert und es sich für später gemerkt.

„Das Mädchen ist ungeschickt“, sagte ihre Mutter in beiläufigem Ton und griff nach ihrem Glas. „Sie läuft gegen Türen.“

Am anderen Ende des Tisches hörte das silberne Feuerzeug auf, sich zu drehen.

Sebastians Blick ruhte auf Violas Handgelenk, auf der Stelle, an der der Ärmel verrutscht war. Langsam hob er die Augen zu ihrem Gesicht. Zum ersten Mal, seit er den Raum betreten hatte, sah er sie wirklich an.

Seine Augen hatten einen auffälligen, fast unwirklichen Bernsteinton. Sie waren kalt, scharf und raubtierhaft. Sein Blick glitt über ihr blasses Gesicht, verweilte einen Augenblick auf ihren nervösen Lippen und heftete sich dann auf ihre violetten Augen.

Viola erstarrte. Sie bekam keine Luft und konnte den Blick nicht abwenden. Alle anderen wandten den Blick stets von ihren Augen ab. Sebastian nicht. Sein Blick ruhte auf ihr, als hätte sie gerade sein Interesse geweckt.

„Wer ist das?“, fragte er schließlich mit tiefer, rauer Stimme, die wie eine Drohung den Raum erfüllte.

Er deutete nicht auf sie. Er blinzelte nicht.

„Meine jüngste Tochter“, antwortete Octavia mit vor Ärger angespannter Stimme. „Viola.“

Sebastian hob eine Augenbraue. „Ich wusste gar nicht, dass du noch eine Tochter hast.“

„Sie war schüchtern, als du noch hier warst“, sagte ihre Mutter hastig. „Sie hat niemanden kennengelernt, bevor du ausgezogen bist.“

Sebastians Mundwinkel zuckte zu einem spöttischen Lächeln, das seine Augen nicht erreichte. Er beugte sich vor und stützte die Ellbogen auf den Tisch.

„Viola“, wiederholte er leise. Er ließ ihren Namen gefährlich klingen.

Sie brachte kein Wort heraus. Ihre Hände zitterten in ihrem Schoß.

Noch eine qualvolle Sekunde hielt er ihren Blick fest, dann lehnte er sich zurück und brach den Blickkontakt ab. „Du bist ein stilles kleines Ding, nicht wahr?“, murmelte er und zog eine Zigarette aus der Tasche.

Er betätigte das silberne Feuerzeug und zündete die Zigarette an. Die kleine Flamme tanzte zwischen seinen langen, vernarbten Fingern, während er den ersten dünnen Rauchfaden ausstieß.

Viola hielt den Blick gesenkt, spürte aber trotzdem, wie sich die Stimmung am Tisch veränderte. Als sie es wagte, kurz aufzusehen, war Vanessas Lächeln vor Unglauben erstarrt, als könnte sie nicht begreifen, was gerade geschehen war. Neben Vanessa beobachtete Octavia Viola mit einem kalten, tödlichen Glitzern in den Augen.

Viola kannte diesen Blick. Sie war mit ihm aufgewachsen. Er bedeutete Bestrafung. Sie würde später dafür bezahlen, dass Sebastian sie angesehen hatte, dafür, dass sie es gewagt hatte, dort zu existieren, wo sein Blick auf sie gefallen war.

Ihr Körper begriff es vor ihrem Verstand. Ihre Schultern zuckten in einer kleinen, hilflosen Bewegung, die sie nicht unterdrücken konnte, und unter dem Tisch gruben sich ihre Nägel halbmondförmig in ihre Handflächen.

Sie zwang sich, stillzuhalten, und richtete den Blick wieder auf ihren Teller.

Das Gespräch am Tisch kam langsam und stockend wieder in Gang. Vanessa versuchte verkrampft und verzweifelt, Sebastians Aufmerksamkeit zurückzugewinnen, Rafael fragte nach den Lieferungen, und Octavia lachte über Dinge, die nicht lustig waren.

Viola starrte auf ihren Teller und versuchte vergeblich, ihren Herzschlag zu beruhigen. Sie spürte, wie schwer Sebastians Blick auf ihr lastete, während er ihre schöne Schwester völlig ignorierte und stattdessen sie, die stille und verängstigte, nicht aus den Augen ließ.

Endlich, endlich war das Abendessen vorbei. Sebastian erhob sich als Erster, und die anderen standen erst einen halben Herzschlag später auf, als stünde der ganze Raum unter seinem Kommando.

„Du bleibst dann hier?“, fragte Rafael und sah seinen Sohn an.

Sebastian knöpfte sein Jackett zu. Sein gelangweilter Blick glitt einmal über den Tisch und blieb für einen kurzen Augenblick an Viola hängen.

„Vielleicht langweilt mich dieses Haus am Ende gar nicht“, sagte er.

Dann ging er hinaus, und der Raum schien wieder aufzuatmen.

Alle am Tisch hörten einen Mann über Geschäfte reden, über irgendetwas, das einen Kartellprinzen bei Laune hielt.

Viola dagegen saß zitternd da, ihr Handgelenk pochte unter dem Wollstoff, und sie wusste mit einer Gewissheit, die ihr den Magen umdrehte, dass er nicht über Geschäfte gesprochen hatte.

Von Sebastian Hierro bemerkt zu werden, fühlte sich nicht wie ein Kompliment an.

Es fühlte sich an, als wäre sie Beute.

Expand
Next Chapter
Download

Latest chapter

More Chapters
No Comments
30 Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status