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Perspektive: Catrina
Das Wasser war eiskalt.
Catrinas Finger waren schon vor Stunden taub geworden. Sie spürte weder die rauen Borsten der Bürste noch die Kälte, die durch den dünnen Baumwollstoff ihres Kleides drang, während sie auf dem harten Marmorboden kniete. Sie schrubbte einfach weiter. Vor und zurück. Vor und zurück. Dieser gleichmäßige Rhythmus war das Einzige, das sie noch bei Verstand hielt.
Der Eimer neben ihr war inzwischen fast leer. Schmutziges, graues Wasser schwappte gegen die Plastikwände. Bald würde sie es wechseln müssen. Ihre Stiefmutter würde es bemerken, wenn sie schmutziges Wasser für die Böden benutzte. Sie bemerkte immer alles.
Nur noch ein bisschen, sagte Catrina sich selbst. Beende einfach diesen Flur, dann kannst du in die Bäckerei gehen.
Die Bäckerei. Der einzige Ort, der sich überhaupt noch wie ein Zuhause anfühlte. Der einzige Ort, an dem sie frei atmen konnte.
„Du hast eine Stelle ausgelassen.“
Die Stimme kam von hinten, scharf und kalt wie eine Klinge. Catrinas Schultern verkrampften sich. Sie drehte sich nicht um. Sie wusste es besser.
„Es tut mir leid“, flüsterte sie kaum hörbar. „Ich mache es sauber.“
Doch es war bereits zu spät.
Ein Fuß trat heftig gegen den Eimer. Kaltes Seifenwasser spritzte hoch und durchnässte Catrinas Gesicht und Brust. Keuchend riss sie die Hände hoch, um ihre Augen zu schützen. Die Seife brannte. Sie blinzelte hastig und versuchte, wieder klar zu sehen.
Ihre Stiefmutter Veronica stand über ihr. Die Arme verschränkt, die Lippen zu einem höhnischen Lächeln verzogen. Sie trug einen Seidenmorgenmantel, ihr blondes Haar war perfekt frisiert und ihre Nägel waren dunkelrot lackiert. Sie sah aus wie eine Königin. Catrina fühlte sich wie eine Ratte.
„Du bist nutzlos“, zischte Veronica. „Völlig nutzlos. Ich weiß nicht, warum ich dich überhaupt hier wohnen lasse.“
Catrina wischte sich mit zitternder Hand über die Wange. Wasser tropfte von ihrem Kinn auf den Boden, den sie gerade erst gereinigt hatte. Sie würde von vorne anfangen müssen.
„Es tut mir leid“, sagte sie erneut. Die Worte schmeckten in ihrem Mund wie Asche. Sie hatte sie so oft ausgesprochen, dass sie jede Bedeutung verloren hatten. „Ich muss in die Bäckerei. Meine Schicht beginnt um …“
„Du gehst, wenn ich es dir erlaube.“
Veronicas Hand schoss nach vorn. Sie griff nach einem Holzlöffel auf der Arbeitsfläche neben ihr, wobei Catrina sich fragte, wann sie ihn überhaupt dort hingelegt hatte, und schlug damit hart auf Catrinas Schulter.
Ein stechender Schmerz schoss durch ihren Arm. Catrina biss sich so fest auf die Lippe, dass sie Blut schmeckte. Sie würde nicht weinen. Sie würde Veronica diese Genugtuung nicht geben.
„Nachdem dein Vater und diese Frau gestorben waren, habe ich dich bei mir aufgenommen“, zischte Veronica und hob den Löffel erneut. „Du verdankst mir alles. Alles!“
Meine Mutter ist nicht gestorben, wollte Catrina schreien. Sie ist fort. Das ist ein Unterschied.
Doch sie sagte nichts.
Der Löffel traf sie erneut. Catrinas Schulter pochte vor Schmerz. Sie krümmte sich zusammen, machte sich klein und versuchte, unsichtbar zu werden. Es war eine Fähigkeit, die sie sich über die Jahre hinweg bestens angeeignet hatte.
„Mach das sauber“, befahl Veronica und warf den Löffel auf die Arbeitsfläche. „Danach kannst du in deine kleine Bäckerei gehen. Aber um sechs bist du zurück. Ich bekomme Besuch, und das Haus muss makellos sein.“
Catrina nickte. Sie traute sich nicht, ihrer Stimme zu vertrauen.
Veronica starrte sie lange an. Ihre Augen waren kalt und berechnend. Dann drehte sie sich um und ging davon, während ihre Absätze über den Marmorboden klackerten.
Catrina blieb auf den Knien zurück und atmete flach und stoßweise. Ihre Schulter schmerzte. Ihre Finger waren taub. Seifenwasser lief ihr übers Gesicht wie Tränen, die sie sich weigerte zu vergießen.
Du bist nicht zerbrochen, sagte sie sich. Du bist nicht zerbrochen. Du bist nur … verbogen.
Langsam und unter Schmerzen stand sie auf. Sie nahm einen Lappen und begann, die Sauerei aufzuwischen. Das Wasser hatte sich über den Boden verteilt und war in die Ritzen zwischen den Fliesen gesickert. Sie arbeitete methodisch, während ihre Gedanken zur Bäckerei wanderten.
Zu dem warmen Duft frisch gebackenen Brotes. Zum leisen Summen der Öfen. Zu Mrs. Patterson, die sie immer anlächelte und fragte, wie es ihr ging. Zu der Frau, die sie nicht schlug. Die sie nicht anschrie.
Halte einfach diesen Tag durch, dachte Catrina. Halte einfach diesen Tag durch.
Am anderen Ende der Stadt war der Bass so laut, dass Liam Dante die Zähne vibrierten.
Er liebte es. Die Vibrationen. Das Chaos. Die Art, wie die Musik jeden Gedanken in seinem Kopf übertönte.
Er lag ausgestreckt auf einer Samtcouch im VIP-Bereich des Club Elysium. In einer Hand hielt er eine Flasche Champagner, während eine blonde Frau sich an seine Schulter schmiegte. Wie sie hieß? Stacy? Stephanie? Er konnte sich nicht erinnern. Es war ihm auch egal.
„Du bist so lustig“, kicherte sie und fuhr ihm mit den Fingern durchs Haar.
Liam grinste selbstgefällig. „Ich weiß.“
Er nahm einen langen Schluck aus der Flasche und ließ den Champagner seine Kehle hinunterbrennen. Der Club war heute Abend brechend voll. Auf der Tanzfläche drängten sich die Menschen dicht aneinander, die Lichter blitzten im Takt der Musik, und die Luft war schwer von Parfüm, Schweiß und etwas anderem. Etwas Elektrisierendem.
Das war seine Welt. Sein Königreich.
Er warf einen Stapel Geldscheine auf den Tisch. Der Kellner nahm das Geld wortlos an. Liam würdigte ihn keines Blickes. Geld bedeutete ihm nichts. Es kam und ging, genau wie alles andere in seinem Leben.
Sein Handy vibrierte in seiner Tasche.
Liam ignorierte es.
Es vibrierte erneut.
Er zog es heraus und kniff die Augen zusammen, um auf das Display zu schauen.
Dante. Sein Vater.
Liam verdrehte die Augen und schob das Handy zurück in seine Tasche.
„Wer war das?“, fragte Stephanie oder wie auch immer sie hieß und beugte sich näher zu ihm.
„Niemand“, antwortete Liam.
Das Handy vibrierte wieder. Und wieder. Und wieder.
Liam stöhnte genervt auf. Er schob die Frau beiseite und stand auf, wobei er leicht schwankte. Der Champagner wirkte stärker, als er erwartet hatte. Mit dem Handy in der Hand taumelte er in Richtung Badezimmer.
„Was?“, fuhr er den Anrufer an, als er abnahm.
„Komm nach Hause. Sofort.“ Die Stimme seines Vaters klang kalt und befehlend. Es war die Stimme, die Dante benutzte, wenn er es ernst meinte.
„Ich bin beschäftigt“, erwiderte Liam und lehnte sich gegen die Wand.
„Du bist betrunken“, entgegnete Dante. „Und du machst dich lächerlich. Komm nach Hause. Wir müssen reden.“
„Worüber?“
„Über deine Zukunft.“
Die Verbindung wurde unterbrochen.
Liam starrte auf sein Handy und presste die Kiefer fest zusammen.
Seine Zukunft. Was sollte die Zukunft schon sein? Er war fünfundzwanzig, reich, gutaussehend und frei. Er hatte keine Verantwortung. Keine Verpflichtungen. Keine Ketten, die ihn zurückhielten.
Das war doch das Problem, oder?
Er steckte das Handy in die Tasche und kehrte in den VIP-Bereich zurück. Die Frau wartete noch immer auf ihn. Doch die Nacht hatte ihren Glanz verloren. Die Musik klang hohl. Der Champagner schmeckte bitter.
„Wohin gehst du?“, rief die Frau, als er nach seiner Jacke griff.
„Nach Hause“, murmelte Liam.
Er antwortete nicht weiter.
Perspektive: Liam
Das Anwesen der Familie Dante war ein Denkmal maßloser Verschwendung.
Marmorböden. Kristalllüster. Gemälde, die mehr kosteten, als die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben verdienten. Liam war hier aufgewachsen, umgeben von Luxus, und er hasste jeden einzelnen Zentimeter dieses Hauses.
Er fand seinen Vater im Arbeitszimmer.
Dante saß in seinem Ledersessel und wirkte alt und erschöpft. Seine Haare waren schon vor Jahren grau geworden, und sein Gesicht war von Falten durchzogen, die es noch nicht gegeben hatte, als Liam ein Junge gewesen war. In der Hand hielt er ein Glas Whiskey. Die Eiswürfel klirrten leise gegen den Glasrand.
„Du bist spät dran“, sagte Dante, ohne aufzusehen.
„Ich bin doch hier“, erwiderte Liam und ließ sich auf das Sofa ihm gegenüber fallen. „Was willst du?“
Dante sah ihn endlich an. Seine Augen waren scharf und prüfend.
„Ich kann deinen Lebensstil nicht länger finanzieren.“
Liam lachte auf. „Was?“
„Du hast mich verstanden.“ Dante stellte sein Glas ab. „Die Clubs. Die Frauen. Die Autos. All das kostet Geld. Und du tust nichts, um es zu verdienen.“
„Ich bin dein Sohn“, sagte Liam. Sein selbstgefälliges Grinsen verschwand allmählich. „Das ist mein Job.“
„Nein.“ Dantes Stimme war hart. „So funktioniert das nicht. Du musst erwachsen werden, Liam. Du musst Verantwortung übernehmen.“
„Verantwortung wofür?“
„Für diese Familie. Für das Unternehmen. Für deine Zukunft.“
Liam stand auf und ballte die Hände zu Fäusten.
„Ich habe um all das nicht gebeten!“
„Niemand bittet um irgendetwas“, entgegnete Dante. „Aber wir müssen mit dem umgehen, was uns gegeben wird. Und ich habe dir alles gegeben, Liam. Alles. Und du hast es mit Füßen getreten.“
Liams Brust zog sich zusammen. Er wollte widersprechen. Er wollte wütend aus dem Zimmer stürmen. Doch er konnte es nicht. Denn tief in seinem Inneren wusste er, dass sein Vater recht hatte.
„Ich habe eine Ehe für dich arrangiert“, sagte Dante.
Die Worte trafen Liam wie ein körperlicher Schlag. Er erstarrte.
„Das ist ein Scherz.“
„Ist es nicht.“
„Du kannst mich doch nicht einfach … Ich meine, du kannst mich doch nicht einfach verheiraten!“, stammelte Liam.
„Doch“, sagte Dante ruhig. „Das kann ich. Und das werde ich auch.“
Er schob ein Foto über den Schreibtisch. Liam starrte darauf, während sein Herz schneller schlug.
Eine Frau. Jung. Hübsch. Doch in ihren Augen lag etwas. Etwas Trauriges. Etwas Zerbrochenes.
„Ihr Name ist Catrina“, sagte Dante. „Sie ist verantwortungsbewusst. Sie wird dir Halt geben.“
„Ich will keine langweilige Hausfrau“, spuckte Liam verächtlich aus.
„Entweder du heiratest sie“, erwiderte Dante, „oder du verlierst alles. Das Geld. Die Autos. Die Clubs. Alles.“
Liam starrte auf das Foto. Catrina blickte ihm entgegen. Ihre Augen waren dunkel und leer, als hätte sie schon vor langer Zeit aufgegeben.
Er hätte wütend sein müssen. Er hätte sich gefangen fühlen müssen.
Stattdessen empfand er etwas anderes.
Neugier.
Wer war dieses Mädchen?
Was war ihr zugestoßen?
Reiß dich zusammen, sagte er sich. Sie ist niemand. Nur irgendein Mädchen, das dein Vater für dich ausgesucht hat.
„Na gut“, sagte Liam und warf das Foto zurück auf den Schreibtisch. „Ich werde sie heiraten.“
Perspektive: LiamCatrina sah auf das Foto in seiner Hand. Sie zog ihre Hand zurück.„Mein Vater hat es mir gegeben, bevor wir uns kennengelernt haben“, erklärte sie leise. „Ich wusste nicht, dass er noch ein Exemplar davon hatte.“Liam wollte weiterfragen, doch Catrina wirkte erschöpft. Er legte das Foto auf den Schreibtisch.Später saß Liam allein in seinem Arbeitszimmer. Das Foto steckte in seiner Tasche, und er fuhr mit dem Daumen über die abgenutzten Ränder. Catrinas traurige Augen gingen ihm nicht aus dem Kopf. Er erinnerte sich daran, wie gebrochen ihre Stimme geklungen hatte, als sie sagte, dass sie nicht heiraten wollte. Trotzdem hatte sie zugestimmt, weil sie keine andere Wahl sah.Er blickte aus dem Fenster. Die Stadt leuchtete unter ihm. Er wollte Catrina beschützen. Dieses Versprechen bedeutete ihm mehr als Worte. Er wollte es beweisen.Sein Handy klingelte. Eine unbekannte Nummer erschien auf dem Display. Liam nahm ab.„Liam Dante“, sagte eine kühle Frauenstimme. „Ich ha
Perspektive: LiamLiam sah auf seine Hände hinunter und schloss sie noch fester. Catrina hatte recht. Er zitterte, und es machte ihn wütend, dass sie es bemerkt hatte.„Es ist nichts“, sagte er schließlich.„Du musst mir nicht erzählen, was passiert ist“, erwiderte sie vorsichtig. „Aber tu nicht so, als wäre alles in Ordnung.“Er hob den Blick. Für einen Moment wollte er ihr die Wahrheit sagen. Dass Dante ihren Vater benutzte, um ihn zu einer Hochzeit zu zwingen. Dass er selbst nicht wusste, wie er sie aus dieser Lage herausholen sollte. Doch sobald er es aussprach, würde Catrina noch mehr Angst haben.„Bitte, geh jetzt“, sagte er.Sie zögerte. Ihr Blick glitt noch einmal über das Chaos im Büro, dann sah sie ihn an. „Wenn du reden möchtest, bin ich da.“Liam gab keine Antwort. Catrina wartete kurz, als hoffe sie auf ein anderes Wort. Als keines kam, verließ sie leise den Raum.Erst als die Tür ins Schloss fiel, atmete Liam richtig aus. Er blieb stehen und starrte auf die Stelle, an de
Perspektive: LiamLiam schloss die Tür seines Büros fest hinter sich. Dantes Worte hallten noch immer in seinem Kopf nach. Wenn er sich weigerte, Catrina zu heiraten, würde ihr Vater die notwendige Behandlung im Krankenhaus nicht länger erhalten. Sein Vater hatte eine Grenze überschritten, von der Liam gehofft hatte, dass selbst Dante sie niemals überschreiten würde.Auf dem Schreibtisch lag die Akte, die er zuvor durchgesehen hatte. Darin befand sich das Foto von Catrinas Vater. Liam nahm es in die Hand und betrachtete das müde Gesicht des Mannes. Er lag seit Jahren im Krankenhaus, während Catrina jeden Tag mit der Angst leben musste, ihn zu verlieren.„Verdammt!“Liam schleuderte die Akte von sich. Die Papiere verteilten sich auf dem Boden. Seine Hand stieß gegen die Lampe, die vom Tisch fiel und mit einem lauten Knall zerbrach. Er hielt einen Moment inne, sah auf die Scherben und atmete schwer. Dann packte er den schweren Schreibtisch und stieß ihn um. Das dumpfe Krachen erfüllte d
Perspektive: LiamDer Morgen kam viel zu schnell.Liam stand vor dem Spiegel und knöpfte sein Hemd zu. Er hatte vielleicht drei Stunden geschlafen. Der Whiskey hatte längst aufgehört zu wirken, und zurückgeblieben waren Kopfschmerzen und ein bitterer Geschmack in seinem Mund. Dunkle Schatten lagen unter seinen Augen, seine Haut war blass, und sein Blick ließ ihn älter aussehen als fünfundzwanzig.„Du siehst schrecklich aus“, murmelte er zu seinem Spiegelbild.Er griff nach seiner Jacke und verließ das Zimmer. Als er an Catrinas Tür vorbeikam, blieb er stehen. Seine Hand schwebte kurz vor der Tür, während er darüber nachdachte, sie zu wecken.Er erinnerte sich an ihre Stimme, die gebrochen war, als sie ihm gesagt hatte, dass sie nicht heiraten wollte.Schließlich ließ er die Hand sinken. Er würde sie schlafen lassen.Er ging die Treppe hinunter und betrat das Esszimmer.Sein Vater, Dante, saß bereits am Tisch. Vor ihm lagen eine Zeitung und eine Tasse Kaffee.„Du bist früh auf“, bemerk
Perspektive: CatrinaCatrina konnte nicht schlafen.Sie lag in dem riesigen Bett, die Seidenbettwäsche umhüllte ihren Körper, während sie an die Decke starrte. Der Kronleuchter funkelte über ihr und warf seltsame Schatten durch das Zimmer. Wunderschön. Kalt. Leer.Genau wie er.Sie drehte sich auf die Seite und blickte zum Fenster. Die Lichter der Stadt glitzerten in der Ferne, winzig und unerreichbar. Sie dachte an Veronicas Haus. An das beengte Zimmer. An das Fenster, das mit Farbe verschlossen worden war. An den Geruch von Bleichmittel und Verzweiflung.Dieses Zimmer war anders. Trotzdem fühlte es sich noch immer wie ein Käfig an.Du wirst hier in Sicherheit sein.Liams Worte hallten in ihrem Kopf wider. Sie wollte ihm glauben. Sie wollte glauben, dass es auf dieser Welt jemanden gab, der freundlich sein konnte, ohne dafür etwas zurückzuverlangen.Doch sie hatte schon vor langer Zeit gelernt, dass Freundlichkeit nur ein anderes Wort für eine Falle war.Sie setzte sich auf. Die Uhr
Perspektive: CatrinaDas Auto war warm.Catrina saß auf dem Beifahrersitz, so weit wie möglich von Liam entfernt, den Körper gegen die Tür gepresst. Ihre Finger hielten noch immer die Blechdose umklammert. Ihr Herz raste weiterhin.Sie wusste nicht, was sie da tat.Sie wusste nicht, warum sie Ja gesagt hatte.Weil ich weiß, wie es ist.Seine Worte hallten in ihrem Kopf wider. Sie hatte ihn angesehen, ihn wirklich angesehen, und für einen kurzen Moment etwas erkannt. Etwas Vertrautes. Etwas Zerbrochenes.Doch jetzt, da sie neben ihm in seinem teuren Auto saß, fragte sie sich, ob sie einen Fehler gemacht hatte.„Warum hilfst du mir?“, fragte sie.Liam antwortete nicht sofort. Er behielt den Blick auf die Straße gerichtet und hielt das Lenkrad fest in den Händen. Die Lichter der Stadt huschten über sein Gesicht und ließen seine markante Kieferlinie und seine kalten Augen aufleuchten.„Ich weiß es nicht“, gab er zu.„Das ist keine Antwort.“„Es ist die einzige, die ich habe.“Catrina betr







