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Getrennte Bindungen

Auteur: HANNAH LOVE
last update Date de publication: 2026-07-25 08:11:53

Kapitel 4

Die Trainingsgelände von Shadowpaw lagen in ständigem Zwielicht gehüllt, selbst am Mittag.

Uralte Kiefern blockierten das meiste Sonnenlicht und schufen eine Landschaft aus Schatten und Halbdunkel, die dem Rudel perfekt entsprach. Shadowpaw-Wölfe trainierten hier, um sich unbemerkt zu bewegen, lautlos zu töten, eins mit der Dunkelheit selbst zu werden. Sie waren die Späher und Attentäter der Werwolfclans, gefürchtet, respektiert und von den anderen Rudeln nie ganz vertraut.

Ragnar Strikefast stand im Zentrum des Kampfrings, seine Brust hob und senkte sich, seine Knöchel bluteten. Um ihn herum lagen drei Trainingspartner, stöhnend und diverse Verletzungen umklammernd. Er hatte stundenlang trainiert und seine Wut an jedem ausgelassen, der töricht genug war, in den Ring mit ihm zu steigen.

Es half nicht.

„Genug.“ Alpha Obsidian Nightprowls Stimme durchschnitt die Lichtung wie eine Klinge.

Die versammelten Wölfe verstummten sofort. Obsidian tauchte aus den Schatten auf, buchstäblich, seine Gestalt formte sich aus der Dunkelheit, als wäre er ein Teil des Waldes selbst gewesen. Er war groß, selbst für einen Alpha, mit schwarzem Fell, so tief, dass es das Licht zu verschlucken schien. In menschlicher Form waren seine Züge scharf und aristokratisch, seine Augen das blasse Grau des Wintereises.

Diese Augen fixierten sich mit berechnendem Interesse auf Ragnar.

„Geh mit mir“, befahl Obsidian.

Es war keine Bitte. Ragnar folgte seinem Alpha vom Trainingsgelände weg, durch den dichten Wald in Richtung des Herzens von Shadowpaws Territorium. Sie bewegten sich schweigend, Obsidians Präsenz strahlte jene Art von geduldiger Bedrohung aus, die selbst seine eigenen Rudelmitglieder nervös machte.

Schließlich erreichten sie eine kleine Lichtung, wo ein Bach schwarz von Mineralien aus den Felsen floss. Obsidian ließ sich auf einem umgestürzten Baumstamm nieder und deutete Ragnar an, sich zu setzen. Als Ragnar stehen blieb, lächelte der Alpha nur, ein Ausdruck, der seine Augen nie erreichte.

„Die Bindung deiner Gefährtin wurde letzte Nacht durchtrennt“, sagte Obsidian. Es war keine Frage, sondern eine Feststellung.

Ragnars Kiefer verkrampfte sich. „Ja, Alpha.“

„Von Marina Nightwater. Ohne deine Zustimmung, ohne Vorwarnung, ohne auch nur die Höflichkeit einer Erklärung.“ Obsidians Stimme war gesprächig, fast mitfühlend. „Das muss schwer sein.“

„Es ist eine private Angelegenheit, Alpha.“

„Nichts ist privat, wenn es die Krieger meines Rudels betrifft.“ Obsidian beugte sich leicht vor. „Du bist einer meiner Besten, Ragnar. Tödlich, effizient, loyal. Aber seit gestern bist du abgelenkt. Wütend. Du lässt deine Wut an Trainingspartnern aus, die es nicht verdient haben.“ Er hielt inne. „Das macht es zu meiner Angelegenheit.“

Ragnar zwang sich, seine geballten Fäuste zu entspannen. „Ich entschuldige mich, Alpha. Es wird nicht wieder vorkommen.“

„Ich suche keine Entschuldigungen. Ich suche Informationen.“ Obsidians blasse Augen glitzerten im schwachen Licht. „Warum würde Marina deine Bindung brechen? Was könnte eine so drastische Handlung nur motivieren?“

„Ich weiß es nicht.“ Das Eingeständnis schmeckte wie Säure. „Sie wollte es mir nicht sagen.“

„Interessant.“ Obsidian stand auf und begann, um die Lichtung zu wandern. „Marina Nightwater. Hybride aus Silvermoon- und Shadowpaw-Blut. Schön, talentiert und von keinem der beiden Rudel je wirklich akzeptiert. Sie lebt am Rand von Silvermoons Territorium, isoliert und allein.“ Er warf Ragnar einen Blick zu. „Außer bei dir. Du warst ihr Anker, ihre Verbindung zum Shadowpaw-Teil ihrer selbst. Diese Bindung zu brechen würde sie völlig ohne Halt zurücklassen.“

Ragnar hatte nicht so darüber nachgedacht, aber Obsidian hatte recht. Marinas gemischtes Erbe war für sie immer eine Quelle des Schmerzes gewesen. Ihr Shadowpaw-Vater war gestorben, als sie jung war, getötet in einem Grenzstreit mit Bloodfang. Ihre Silvermoon-Mutter hatte sie aufgezogen, aber das Rudel hatte ein Kind mit Dunkelheit im Blut nie vollständig akzeptiert.

Ragnar hatte diese Isolation verstanden. Auch er war ein Hybride, obwohl seine gemischten Blutlinien in Shadowpaw eher akzeptiert waren als Marinas in Silvermoon. Ihre Bindung war ebenso praktisch wie emotional gewesen, zwei Außenseiter, die Gesellschaft in ihrem geteilten Anderssein fanden.

„Es sei denn“, fuhr Obsidian in spekulativem Ton fort, „sie plant, eine neue Verbindung zu schmieden. Eine neue Bindung, die erfordert, dass sie ungebunden ist.“

Eis bildete sich in Ragnars Magen. „Was meinst du damit?“

„Die Blutmondjagd findet in zwei Tagen statt. Im Bloodfang-Territorium.“ Obsidian hörte auf zu wandern und wandte sich direkt Ragnar zu. „Es ist ihre heilige Paarungszeremonie. Ungebundene Wölfe aus allen Territorien dürfen teilnehmen.“

„Marina würde nicht…“, begann Ragnar, aber selbst während er sprach, begannen sich die Puzzleteile zusammenzufügen.

Der Zeitpunkt der Bindungstrennung. Die Heimlichkeit. Marinas Weigerung, sich zu erklären. Und am schlimmsten, das Notfall-Ratstreffen, das Alpha Thornwhisper vor drei Tagen einberufen hatte, ein Treffen, an dem Marina teilgenommen hatte.

„Sie geht zur Jagd“, sagte Ragnar langsam, während Entsetzen und Wut in seiner Brust kämpften. „Silvermoon schickt sie zu Bloodfang.“

„Als Spionin“, stimmte Obsidian zu. „Fast sicher. Die Frage ist. Was genau ist ihre Mission?“ Er nahm wieder auf dem Baumstamm Platz und wirkte viel zu zufrieden mit sich selbst. „Das Silvermoon-Rudel wurde von der Seuche dezimiert. Sie sind verzweifelt, paranoid, suchen jemanden, dem sie die Schuld geben können. Und wen könnte man besser beschuldigen als ihre aggressiven Kriegernachbarn?“

„Bloodfang hat nichts mit der Seuche zu tun“, protestierte Ragnar. „Sie haben auch Wölfe verloren. Ich habe die Berichte gesehen.“

„Berichte können gefälscht werden. Wölfe können geopfert werden, um Verdacht abzulenken.“ Obsidians Worte waren beiläufig, aber seine Augen waren scharf. „Aber du hast recht. Bloodfang steckt nicht hinter der Seuche. Das weiß ich mit Sicherheit.“

Etwas im Tonfall des Alphas ließ Ragnars Haut kribbeln. „Woher kannst du dir so sicher sein?“

„Weil ich weiß, wer verantwortlich ist.“ Obsidian stand wieder auf und ging zum schwarzen Bach. Er kniete nieder und ließ seine Finger durch das dunkle Wasser gleiten. „Sag mir, Ragnar. Was weißt du über uralte Schattenmagie? Die alten Rituale, die Blutflüche, die Techniken, die unsere Vorfahren nutzten, bevor die modernen Rudel entstanden?“

Ragnars Mund wurde trocken. „Alpha, was sagst du da?“

„Ich sage, dass die Seuche Schattenmagie ist. Raffiniert, mächtig und präzise darauf ausgelegt, unentdeckt zu bleiben.“ Obsidian zog seine Hand aus dem Wasser und beobachtete, wie die Tropfen fielen. „Ich sage, dass, wer immer sie erschaffen hat, umfassendes Wissen über verbotene Techniken, Zugang zu seltenen Zutaten und die absolute Rücksichtslosigkeit brauchte, sie an Kindern zu testen.“

Die Implikationen hingen wie Gift in der Luft. Ragnar wollte sie zurückweisen. Er wollte glauben, dass es eine andere Erklärung gab. Aber Obsidians Ausdruck zeigte keine Täuschung, nur kalte, berechnende Ehrlichkeit.

„Du“, flüsterte Ragnar. „Du hast die Seuche geschaffen.“

„Ich habe eine strategische Schwächung unserer Rivalenrudel eingeleitet, ja.“ Obsidians Ton war sachlich, als würde er über das Wetter sprechen. „Das Shadowpaw-Rudel wurde zu lange an den Rand gedrängt, Ragnar. Wir werden gefürchtet, aber nicht respektiert. Mächtig, aber ohne Einfluss. Bloodfang, Silvermoon und Goldenridge kontrollieren die besten Territorien, die reichsten Ressourcen und die meiste politische Macht.“ Er drehte sich vollständig zu Ragnar um. „Ich bringe lediglich die Waage wieder ins Gleichgewicht.“

Ragnar trat einen Schritt zurück, sein Verstand wirbelte. „Du ermordest Kinder. Ganze Familien. Du zerstörst…“

„Ich sichere das Überleben und die Vorherrschaft unseres Rudels.“ Obsidians Stimme blieb ruhig, aber Macht strahlte von ihm aus, Alpha-Autorität, die Ragnars Wolf instinktiv unterwerfen ließ. „In fünfzig Jahren, vielleicht weniger, wären die anderen Rudel stark genug geworden, um uns vollständig auszulöschen. Wir sind der kleinste der vier großen Clans, Ragnar. Wir überleben, indem wir zu gefährlich zum Angreifen und zu nützlich zum Zerstören sind. Aber dieses Gleichgewicht ist prekär.“

„Das ist Wahnsinn“, brachte Ragnar hervor. „Die anderen Rudel werden die Wahrheit entdecken. Sie werden sich gegen uns vereinen.“

„Werden sie das?“ Obsidian lächelte. „Silvermoon verdächtigt bereits Bloodfang. Sie schicken Marina, um Alpha Silvain zu verführen und Beweise für seine Schuld zu sammeln. Wenn sie wahrheitsgemäß berichtet, dass Bloodfang unschuldig ist, wird Silvermoon Zeit und Ressourcen für eine Sackgasse verschwendet haben. Währenddessen geht die Seuche weiter. Mehr Wölfe sterben. Die Paranoia wächst. Irgendwann werden sich die Rudel gegeneinander wenden. Und wenn sie ausreichend geschwächt sind…“ Er breitete die Hände aus. „Werden wir bereitstehen, um zu beanspruchen, was schon immer uns hätte gehören sollen.“

Ragnars Wolf knurrte in ihm, wütend und entsetzt. Doch sein menschlicher Verstand erkannte die schreckliche Logik. Wenn sich die großen Rudel durch Verdacht und Krieg gegenseitig zerstörten, konnte Shadowpaw als Sieger hervorgehen. Und Obsidian war geduldig genug, um Jahrzehnte zu warten.

„Du erzählst mir das, weil…“, Ragnars Stimme verstummte, als ihm die Erkenntnis dämmerte. „Weil du willst, dass ich dir helfe.“

„Du bist einer meiner besten Krieger, und deine Bindung zu Marina verschafft dir gewisse Vorteile.“ Obsidian trat näher, seine Präsenz überwältigend. „Ich möchte, dass du ins Bloodfang-Territorium gehst. Beobachte Marinas Mission. Und wenn der Zeitpunkt richtig ist, stelle sicher, dass die Beweise, die sie entdeckt, genau dorthin zeigen, wo ich sie haben will.“

„Du willst, dass ich Bloodfang für deine Verbrechen anschwärze.“

„Ich möchte, dass du deinem Rudel und deinem Alpha dienst.“ Obsidians Ausdruck verhärtete sich. „Marina hat dich verraten, Ragnar. Sie hat eure Bindung ohne Erklärung, ohne Reue gebrochen. Sie benutzt sich selbst als Waffe gegen ein anderes Rudel und verkauft ihren Körper und ihre Loyalität an denjenigen, der das beste Angebot macht. Klingt das nach jemandem, der deinen Schutz verdient?“

Ragnar wollte widersprechen. Wollte Marina verteidigen. Aber Obsidians Worte trafen die Wunde, die seit letzter Nacht blutete. Marina hatte ihre Mission über ihn gestellt. Ihre Bindung durchtrennt, ohne auch nur zu versuchen, einen anderen Weg zu finden. Ihn wie entbehrlich behandelt.

„Was würdest du von mir verlangen?“, hörte Ragnar sich selbst fragen.

Triumph blitzte kurz in Obsidians Augen auf, bevor sich sein Ausdruck glättete. „Nimm an der Blutmondjagd teil. Du bist jetzt ungebunden, also hast du jedes Recht, dort zu sein. Beobachte Marina. Sieh, ob es ihr gelingt, Silvain zu verführen. Und falls ja…“ Er zog ein kleines Fläschchen aus seiner Tasche, gefüllt mit dunkler Flüssigkeit, die sich zu winden schien vor Schattenmagie. „Stelle sicher, dass Silvain genau das entdeckt, was ich will, dass er entdeckt.“

Ragnar nahm das Fläschchen mit tauben Fingern entgegen. „Was ist das?“

„Konzentrierte Seuchenessenz, veredelt, um eine bestimmte magische Signatur zu tragen.“ Obsidians Lächeln war kalt. „Pflanze es irgendwo im Bloodfang-Territorium ein. Marinas Sachen wären ideal. Lass es so aussehen, als hätte sie es mitgebracht. Wenn es entdeckt wird, wird es so wirken, als hätte Silvermoon sie nicht nur zum Spionieren, sondern auch, um die Seuche absichtlich zu verbreiten, geschickt.“

„Das wird jede Chance auf Frieden zwischen den Rudeln zerstören“, sagte Ragnar langsam.

„Das ist die Idee.“ Obsidian legte eine Hand auf Ragnars Schulter. „Silvermoon und Bloodfang werden in den Krieg ziehen. Beide werden geschwächt. Und wir werden perfekt positioniert sein, um die Scherben aufzusammeln.“ Sein Griff verstärkte sich. „Es sei denn, du hast Einwände?“

Es war als Frage formuliert, aber der Tonfall des Alphas machte deutlich, dass es nur eine akzeptable Antwort gab. Ragnar hatte gesehen, was mit Wölfen geschah, die Obsidian nicht gehorchten.

„Keine Einwände, Alpha“, sagte Ragnar, obwohl die Worte nach Verrat schmeckten.

„Gut.“ Obsidian ließ ihn los. „Es gibt noch eine Sache. Marina wird wahrscheinlich irgendwann versuchen, dich zu kontaktieren. Sie wird merken, dass sie Informationen oder Hilfe braucht, oder jemanden, dem sie zu vertrauen glaubt.“ Sein Lächeln wurde breiter. „Sei für sie verfügbar. Tu so, als würdest du ihr vergeben. Lass sie glauben, du seist bereit, bei ihrer Mission zu helfen.“

„Du willst, dass ich die Spionin bespitzle.“

„Ich möchte, dass du die Erzählung kontrollierst.“ Obsidian begann, zurück zum Rudelgelände zu gehen, und zwang Ragnar, ihm zu folgen. „Marina ist klug und einfallsreich, aber sie ist im Moment auch emotional verletzlich. Sie ist von beiden Rudeln isoliert, gebunden an eine Mission, die von ihr verlangt, jeden zu verraten, der ihr vertraut. Sie wird verzweifelt nach jeder echten Verbindung suchen.“ Er warf einen Blick zurück. „Nutze das.“

Ragnar umklammerte das Fläschchen und spürte seine widernatürliche Wärme durch das Glas. Alles, was Obsidian gesagt hatte, ergab eine verdrehte Logik. Marina hatte ihn verraten. Sie ging bereitwillig in das Territorium eines anderen Rudels, um dessen Alpha zu verführen und Beweise gegen ihn zu sammeln. Sie wählte Pflicht über Loyalität.

Warum sollte er jemanden beschützen, der ihn so leicht weggeworfen hatte?

„Ich werde es tun“, sagte Ragnar. „Ich werde zur Jagd gehen. Ich werde Marina beobachten. Und ich werde dafür sorgen, dass die Beweise dorthin zeigen, wo du sie haben willst.“

„Ausgezeichnet.“ Obsidians Zustimmung fühlte sich an wie ein Halsband, das sich um Ragnars Kehle zuzog. „Denk daran, Ragnar. Du tust dies nicht aus Rache. Du tust dies für das Rudel. Für unser Überleben. Für unsere zukünftige Vorherrschaft.“

„Für das Rudel“, echote Ragnar hohl.

Sie traten aus dem Wald auf das Trainingsgelände. Alles wirkte normal. Krieger im Kampftraining, Späher, die Tarntechniken übten, Welpen, die lernten, ihre Schattenmagie zu beherrschen. Niemand würde vermuten, dass ihr Alpha gerade einen Völkermord gestanden und einen Komplizen rekrutiert hatte.

„Noch eine Sache“, sagte Obsidian leise, seine Stimme so gedämpft, dass nur Ragnar sie hören konnte. „Falls Marina entdeckt, was du tust, falls sie versucht, die Wahrheit aufzudecken…“ Er hielt Ragnars Blick fest. „Töte sie. Lass es wie einen Unfall aussehen, ein Opfer ihrer Mission. Aber stelle sicher, dass sie nicht enthüllen kann, was sie erfahren hat.“

Ragnars Magen verwandelte sich in Eis. „Alpha, ich…“

„Sie hat deine Bindung gebrochen, Ragnar. Sie ist für dich bereits tot.“ Obsidians Stimme war sanft, fast mitfühlend. „Ihr physisches Leben zu beenden macht die Metapher lediglich buchstäblich. Kannst du das tun?“

Könnte er Marina töten, wenn nötig? Die Frau, mit der er zwei Jahre gebunden gewesen war, die sein Bett, seine Geheimnisse, seine Einsamkeit geteilt hatte?

Er dachte an den Schmerz, als die Bindung riss. Die Demütigung ihrer Weigerung, sich zu erklären. Die Beiläufigkeit, mit der sie ihn weggeworfen hatte.

„Ja“, sagte Ragnar. „Wenn nötig, kann ich sie töten.“

„Gut.“ Obsidian klopfte ihm auf die Schulter. „Dann verstehen wir uns. Nimm an der Blutmondjagd teil. Spiele deine Rolle. Und denk daran, du dienst dem größeren Wohl unseres Rudels.“

Der Alpha ging davon und ließ Ragnar allein auf dem Trainingsgelände zurück. Wölfe um ihn herum übten die Künste des Schattens und der Stille, ohne zu wissen, dass ihr Anführer einen Plan in Gang gesetzt hatte, der die nördlichen Territorien in Blut ertränken würde.

Ragnar blickte auf das Fläschchen in seiner Hand hinab. Die Seuchenessenz wirbelte darin, dunkel und giftig. Er sollte sich weigern. Sollte es wegwerfen. Sollte Marina warnen. Sollte Obsidians Pläne aufdecken.

Aber Marina hatte ihre Bindung gebrochen. Hatte ihre Mission über ihn gestellt.

Wenn sie ihn so leicht verraten konnte, verdiente sie, was auch immer für ein Schicksal sie erwartete.

Ragnar steckte das Fläschchen ein und machte sich auf den Weg zu seinem Bau, um sich auf die Reise ins Bloodfang-Territorium vorzubereiten. Er hatte eine Blutmondjagd zu besuchen, eine ehemalige Gefährtin zu beobachten, und ein Rudel für Völkermord zu belasten.

Sein Wolf knurrte protestierend. Sein Gewissen schrie Warnungen. Nichts davon spielte eine Rolle.

Er hatte seine Wahl getroffen.

Genau wie Marina ihre getroffen hatte.

In zwei Tagen, wenn der Blutmond über dem Bloodfang-Territorium aufging, würden ihre Entscheidungen auf eine Weise zusammenprallen, die keiner von beiden sich vorstellen konnte.

Das Spiel war in Bewegung. Die Figuren rückten in Position.

Und irgendwo in den Schatten lächelte Obsidian Nightprowl und beobachtete, wie sich seine sorgfältig gelegten Pläne genau so entfalteten, wie er es beabsichtigt hatte.

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