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Die unmögliche Mission

Autor: HANNAH LOVE
last update Data de publicação: 2026-07-25 07:27:51

Kapitel 3

Die Projektion von Cians blutverschmiertem Gesicht hing wie ein Fluch in der Luft.

„Marina…“ Seine Stimme brach durch die Schattenmagie, schwach, aber unverkennbar echt. Seine Augen, dasselbe stürmische Grau wie ihre Mutter, suchten den leeren Raum ab, als könnte er ihre Anwesenheit spüren.

Marinas Knie gaben beinahe nach. Die Schattenmagie in ihrem Inneren wallte gewaltsam auf und drohte in einem Sturm aus Dunkelheit hervorzubrechen. Sie biss die Zähne zusammen, bis ihr Kiefer schmerzte, und zwang sie zurück. Schwäche zu zeigen würde hier alles nur schlimmer machen.

„Löst das Bild auf“, sagte sie, ihre Stimme gefährlich leise.

Älteste Moonseer winkte abweisend ab. Cians Gestalt löste sich in schwarzen Rauch auf. Die Kammer war still, bis auf das leise Knistern der Fackeln und das ferne Husten der seuchengeplagten Wölfe draußen.

„Du hast keine Wahl“, sagte Moonseer nüchtern. „Dein Bruder ist seit gestern Morgen in unserer Obhut. Versicherung, könnte man es nennen. Ragnar hat es selbst vorgeschlagen.“

Natürlich hatte er das.

Marinas Magen verkrampfte sich. Ragnar hatte immer genau gewusst, wo er die Klinge ansetzen musste. Cian war der einzige Teil ihres Lebens, den er sich niemals vollständig hatte aneignen können. Ihr kleiner Bruder, schelmisch, stur, fest entschlossen zu beschützen, war ihr einziger Anker gewesen, nachdem ihre Mutter verschwunden war. Und jetzt benutzten sie ihn als Druckmittel.

Sie hob ihren Blick zu den zwölf Ältesten, die um den Steintisch saßen. Ihre Gesichter waren Masken kalter Zweckmäßigkeit. Kein Mitleid. Kein Zögern. Nur Wölfe, die ihr sterbendes Rudel mit allen nötigen Mitteln beschützten.

„Nenne mir die vollständige Mission“, sagte Marina. Ihre Stimme klang selbst in ihren eigenen Ohren hohl.

Moonseer beugte sich vor, ihre silbernen Augen glänzten.

„Du wirst sofort ins Bloodfang-Territorium reisen. Die Blutmondjagd beginnt in drei Tagen. Du wirst dich in ihre Versammlung einschleichen, als ungebundene Frau auf der Suche nach einem neuen Rudel. Nutze jede Waffe, die du besitzt, deinen Körper, deine Schattenmagie, deine hybride Anziehungskraft, um dich Alpha Silvain zu nähern.“

Marinas Haut kroch bei der beiläufigen Art, wie die Älteste über ihren Körper als Werkzeug sprach. Derselbe Körper, den Ragnar drei Jahre lang benutzt hatte. Derselbe Körper, der noch immer vom Ritual schmerzte.

„Verführe ihn“, fuhr Moonseer fort. „Bring ihn allein dazu. Erfahre die Wahrheit. Hat Bloodfang diese Seuche geschaffen, um uns zu schwächen? Vergiften sie unsere Gewässer? Melde dich sofort per Schattenbote, sobald du es weißt.“

„Und wenn sie schuldig sind?“, fragte Marina.

„Du vergiftest Alpha Silvain. Ein langsam wirkendes Schattengift. Er stirbt innerhalb einer Woche. Du kehrst als Heldin zu uns zurück.“

Marina schluckte. „Und wenn sie unschuldig sind?“

Moonseers Lächeln war dünn und grausam. „Dann vergiftest du ihn trotzdem. Bloodfangs Stärke ist das Einzige, was zwischen uns und dem vollständigen Zusammenbruch steht. Ihr Territorium ist reich an unbeflecktem Land und Wild. Wir brauchen es. Ihren Alpha zu schwächen, schafft die Öffnung, die wir benötigen.“

Die Worte legten sich wie Eiswasser über Marina.

Sie hatte Rücksichtslosigkeit erwartet. Sie hatte nicht die vollständige Abwesenheit von Ehre erwartet.

„Also stirbt Silvain unabhängig von der Wahrheit“, sagte sie langsam, „und ich werde seine Mörderin.“

„Du wirst nützlich“, korrigierte Moonseer. „Zum ersten Mal in deinem Leben wird dein Hybridfluch Silvermoon dienen, statt es zu beflecken. Gelingt es dir, wird Cian freigelassen. Scheiterst du oder weigerst du dich…“ Sie ließ die Drohung in der Luft hängen.

Marina starrte auf die Blutflecken auf dem Steintisch. Das war es. Der Moment, den sie immer gefürchtet hatte. Silvermoon war nie ihr Zuhause gewesen. Es war ein Käfig mit hübschen Mondlichtstäben gewesen. Ragnar hatte sie nie geliebt. Der Rat hatte sie nie geschätzt. Sie war einfach eine Waffe, die sie jahrelang geschärft hatten und die sie nun endlich zu werfen bereit waren.

Ihre Schattenmagie flüsterte dunkle Vorschläge, durch die Schatten gleiten, Moonseer die Kehle durchschneiden, Cian stehlen und fliehen. Aber sie wusste es besser. Die Schutzzauber des Rates waren zu stark, und Cian würde den Preis dafür zahlen.

„Ich nehme an“, sagte sie, die Worte schmeckten nach Asche.

Moonseer nickte einmal, zufrieden. „Gut. Du brichst bei Morgengrauen auf. Deine Sachen sind bereits vorbereitet. Ein Schattenbotenbeutel. Genug Gift für einen Alpha. Und Marina…“ Die Stimme der Ältesten senkte sich. „Werde nicht sentimental. Alpha Silvain ist nicht dein Gefährte. Er ist ein Ziel. Nutze deinen Körper so, wie du ihn für Ragnar genutzt hast. Öffne deine Beine, öffne seine Geheimnisse, dann beende ihn.“

Die groben Worte trafen Marina wie eine Ohrfeige. Hitze brannte auf ihren Wangen, Scham und Wut verflochten sich ineinander.

Sie verneigte sich steif und wandte sich zum Gehen.

Als sich die schweren Türen der Großen Höhlung hinter ihr schlossen, drückte das Gewicht der Mission auf ihre Schultern. Verführen. Spionieren. Morden. Alles, um die einzige Familie zu retten, die ihr noch geblieben war.

Die Nacht war hereingebrochen, als sie ihre kleine, spärliche Unterkunft am Rand des Territoriums erreichte. Der Raum fühlte sich kälter an als sonst. Ihr Bett, dasselbe, in dem Ragnar sie unzählige Male genommen hatte, wirkte nun wie das eines Fremden. Sie konnte sich noch immer erinnern, wie er ihre Hüften von hinten gepackt hatte, tief und unerbittlich stoßend, ihren Titel statt ihres Namens grunzend. „Schatten.“ „Hybrid.“ Niemals Marina.

Sie streifte ihre blutbefleckte Tunika ab und stand vor dem gesprungenen Spiegel. Die neue Narbe auf ihrer Schulter war ein hässliches, erhabenes Brandmal dort, wo das Bindungsmal gewesen war. Ihr Körper war noch immer straff von jahrelangem Training, Kurven, die einst Ragnars seltenen Hunger geweckt hatten. Volle Brüste, schmale Taille, Hüften breit genug, um einen Alpha zur Ablenkung zu treiben. Sie fuhr mit zitternden Fingern über die Narbe und fragte sich, ob Alpha Silvain anders sein würde.

Würde er grausam sein? Sanft? Würde er sie als warmen Körper sehen oder als etwas mehr?

Sie schüttelte den Gedanken ab. Es spielte keine Rolle. Er würde so oder so sterben.

Ein leises Klopfen ertönte an ihrer Tür.

Marina erstarrte. Sie hatte niemanden gerufen. Ihre Schattenmagie flammte instinktiv auf und wand sich wie schwarzer Rauch um ihre Finger.

Sie öffnete die Tür.

Ragnar stand dort, füllte den Türrahmen mit seiner mächtigen Gestalt. Seine bernsteinfarbenen Augen glitten über ihre nackten Schultern und das dünne Nachthemd, das sie trug, verweilten auf der Wölbung ihrer Brüste, bevor sie zu ihrem Gesicht aufstiegen. Für einen Moment flackerte etwas fast wie Bedauern über seine Züge. Dann war es verschwunden.

„Du hast angenommen“, sagte er. Es war keine Frage.

Marina trat zurück und ließ ihn eintreten. Die Tür klickte hinter ihm zu.

„Sie haben Cian“, flüsterte sie.

Ragnar nickte. „Es war notwendig. Du arbeitest besser mit klarer Motivation.“

Sie lachte bitter. „Notwendig. Wie mich drei Jahre lang zu binden notwendig war? Wie mich zu ficken, wann immer du Erlösung brauchtest, notwendig war?“

Er kam näher, ragte über ihr auf. Sein Duft, Kiefer, Moschus und rohe Macht, füllte den kleinen Raum. Eine große Hand hob sich und strich eine Strähne dunklen Haares aus ihrem Gesicht. Die Berührung war fast zärtlich.

„Ich habe dir einen Zweck gegeben“, murmelte er. „Und Vergnügen, wann immer ich konnte.“

Marinas Körper verriet sie mit einem verräterischen Aufflackern von Hitze zwischen ihren Schenkeln. Alte Gewohnheiten. Alte Konditionierung.

Ragnars Stimme senkte sich weiter. „Diese Mission… Silvain ist gefährlich. Stärker, als er aussieht. Wenn du ihn lange genug überlebst, um sie zu erfüllen, dann vielleicht, wenn du zurückkehrst…“

Er beendete den Satz nicht. Er musste es nicht.

Marina blickte zu dem Mann auf, der sie zerstört hatte, und zum ersten Mal empfand sie nichts als kalte Klarheit.

„Verschwinde“, sagte sie leise.

Ragnar betrachtete sie einen langen Moment, dann wandte er sich zur Tür. Als seine Hand die Klinke berührte, hielt er inne.

„Noch etwas“, sagte er, ohne sich umzudrehen. „Der Rat weiß nicht alles über die Seuche. Sei vorsichtig, was du glaubst.“

Die Tür schloss sich hinter ihm.

Marina stand allein in der Stille, ihr Herz pochte. Sie ging zu ihrem kleinen Schreibtisch und fand einen gefalteten Zettel, der zuvor nicht dort gewesen war. Schattenbotenmagie haftete noch an dem Papier.

Sie öffnete ihn mit zitternden Fingern.

Traue der Version des Rates über die Seuche nicht.

Die Handschrift war fremd.

Marina starrte auf die Nachricht, die unmögliche Mission lastete schwerer denn je. Irgendwo dort draußen wartete Alpha Silvain von Bloodfang, ein Mann, den sie verführen, verraten und töten sollte.

Und jetzt beobachtete sie noch jemand anderes.

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