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Author: Wendy
last update publish date: 2026-08-03 02:01:27

Sekunden nachdem die Männer gegangen waren, funkelte Susan ihren Bruder wütend an.

„Wer waren diese Männer?“, fragte sie, während sie ihre Stimme kaum ruhig halten konnte. „Und was machst du mit Leuten, die so aussehen?“

Samuel ging zur Haustür, schloss sie ab und drehte sich mit gerunzelter Stirn zu ihr um. „Du hättest hier nicht uneingeladen auftauchen sollen, ohne vorher anzurufen, Suzy“, sagte er und machte sich auf den Weg in die Küche. „Du hättest uns beide in Teufels Küche bringen können – besonders mit deinem vorlauten Mundwerk. Und ehrlich gesagt kann ich im Moment keinen weiteren Ärger gebrauchen.“

Fassungslos folgte ihm Susan. „Wie bitte? Ist das alles, was du dazu zu sagen hast? Wirst du meine Frage etwa nicht beantworten?“

Samuel fing an, Küchenschränke und Schubladen zu öffnen, offensichtlich ohne nach etwas Bestimmtem zu suchen, und schlug dann eine davon so fest zu, dass es schepperte. Seine Reaktionen bestätigten Susans Verdacht, und sie wusste nun mit absoluter Sicherheit, dass ihr Bruder in tiefem Ärger steckte.

„Wer waren diese Männer, Sam?“, beharrte sie. „Und was wollten sie von dir?“

Statt zu antworten, ließ sich Samuel auf einen Stuhl fallen und vergrub den Kopf in den Händen. Er sah so verzweifelt aus, und Susan konnte sich nicht erinnern, wann sie ihren Bruder das letzte Mal so aufgelöst gesehen hatte.

„Ich habe versucht, das von dir und Mama fernzuhalten“, sagte Samuel, seine Stimme von seinen Handflächen gedämpft. „Aber ich schätze, auch darin habe ich versagt.“ Er hob den Kopf und sah sie an. „Du darfst Mama nichts davon erzählen.“

„Mama was nicht erzählen? Du hast mir rein gar nichts erzählt, was genau soll ich Mama also verschweigen? Wer waren diese Männer?“

„Ein paar Kerle, denen ich Geld schulde. Verdammt viel Geld.“

Susan schluckte schwer und versuchte, ihre Emotionen im Zaum zu halten. Panik würde ihnen jetzt auch nicht weiterhelfen, aber sie konnte kaum glauben, was sie da hörte, während Samuel weiterredete.

„Ich brauchte Geld für das Auto, das ich gekauft habe, und ich habe ein paar schlechte Investitionen getätigt und ein paar … falsche Entscheidungen getroffen. Ich dachte, es würde sich auszahlen, aber das tat es nicht. Jetzt stecke ich bis zum Hals in Schulden und sie wollen ihr Geld zurück. Ich weiß absolut nicht, was ich tun soll.“

„Wie viel schuldest du ihnen?“, fragte Susan. Ihr Herz schlug so schnell, dass es sie überraschte, dass es nicht zersprang.

Samuel sah seine Schwester an. „Willst du das wirklich wissen?“

„Wie viel, Sam?“, bohrte Susan nach.

„Fünfundzwanzigtausend.“

Susan wollte schreien. „Fünfundzwanzigtausend?“, wiederholte sie entsetzt, als könnte sie ihren eigenen Ohren nicht trauen. „Wie zum Teufel sollst du so viel Geld jemals zurückzahlen?“

Sie lief in der Küche auf und ab und versuchte, all das zu verarbeiten, was in den letzten dreißig Minuten passiert war. Es ging alles so schnell, dass sie sich fragte, ob sie träumte – aber sie träumte nicht. Das hier passierte wirklich. Ihr Bruder schuldete zwei Männern fünfundzwanzig Mille, die aussahen, als würden sie über Leichen gehen, um zu bekommen, was sie wollten. Sie wollte sich das Schlimmste gar nicht ausmalen, also verschloss sie ihren Verstand gegen die finsteren Gedanken, die in ihr aufstiegen.

„Das sind Bandenmitglieder, nicht wahr?“, fragte Susan, als sie schließlich aufhörte umherzulaufen – doch die Antwort auf ihre eigene Frage kannte sie längst.

Samuel nickte. „Der Große ist der Boss. Sein Name ist Leo, und du hättest wirklich nicht so pampig mit ihm reden sollen. Leo lässt sich ungern provozieren, und nach allem, was ich über ihn weiß, ist er niemand, mit dem man sich anlegen will.“

„Und trotzdem hast du dir Geld von ihm geliehen?“

„Das war vor Monaten, okay? Hör zu, ich brauchte das Geld. Es ist ja nicht so, als würde mein Job genug abwerfen, damit ich mir das leisten kann, was ich möchte. Ich habe ein paar Fehlinvestitionen gemacht und alles ist den Bach runtergegangen, aber ich schwöre dir, so sollte das eigentlich nicht laufen.“ Als Susan schwieg, seufzte er. „Schau, ich kann deine Belehrungen jetzt echt nicht gebrauchen. Woher glaubst du denn, stammte das Geld, das ich dir gegeben habe, als du mit deinen Umzugsplänen angefangen hast? Ich hatte Dinge zu erledigen und habe eine schlechte Entscheidung getroffen, okay? Ich mache mir selbst schon genug Vorwürfe, da brauche ich nicht noch mehr von dir oder sonst wem.“

Susan ignorierte seinen Ausbruch. Es stimmte zwar, dass er ihr geholfen hatte, aber sie hätte ihn niemals dazu ermutigt, wenn sie gewusst hätte, worauf er sich da einließ. „Und es musste ausgerechnet er sein?“, fragte sie.

„Ein Kumpel meinte, er könnte mir helfen und ich müsste mir keine Sorgen machen, solange ich es zurückzahle. Ich war wohl einfach zu siegessicher, dass sich meine Investition auszahlen würde.“

„Und was hast du jetzt vor, Sam? Wir haben ihn beide gehört. Du hast zwei Wochen Zeit. Was passiert, wenn du ihn bis dahin nicht bezahlen kannst? Wie soll ich so etwas bitteschön vor Mama geheim halten? Ich male mir jetzt schon das Schlimmste aus!“

„Das musst du aber!“, fiel Samuel ihr ins Wort. „Ehrlich gesagt wäre es mir tausendmal lieber gewesen, wenn du nicht mit hineingezogen worden wärst, aber du musstest ja unbedingt mit deiner neugierigen Art hier antanzen. Jetzt weißt du bescheid, aber du wirst es vor Mama geheim halten. Versprich es mir. Sofort!“

„Ich … ich kann nicht“, stammelte Susan. „Was ist, wenn dir etwas zustößt? Vielleicht können wir mit der Polizei sprechen. Du hast diese Männer doch gesehen … Es ist unmöglich, dass die nicht wegen irgendetwas polizeilich gesucht werden. Wenn wir sie anzeigen, schnappt die Polizei sie vielleicht und der ganze Spuk ist vorbei.“

„Was?!“, stieß Samuel hervor und fuhr plötzlich von seinem Stuhl hoch. Bevor Susan begriff, wie ihr geschah, packte er sie fest an den Armen und rüttelte sie kräftig. „Wag es nicht, so etwas auch nur zu denken! Hörst du mich?“, zischte er sie an. Ein Ausdruck lag in seinen Augen, der Susan verriet, dass er es todernst meinte. „Das ist das Allerschlimmste, was du tun könntest! Leo hat Verbindungen. Verbindungen, die du dir nicht mal erträumen kannst, und ich sage dir gleich: Zur Polizei zu gehen wird die Sache nur noch eine Million Mal schlimmer machen. Glaubst du etwa, er ist nicht schon aus ganz anderen Geschichten mit den Bullen davongekommen? Meinst du, deine kleine Information bedeutet denen irgendwas? Gar nichts wird sie bedeuten! Also versprich mir jetzt, Suzy, dass du niemanden anrufst und dass du unsere Mutter da nicht mit hineinziehst!“

Susan wand sich in seinem Griff. „Schön, ich verspreche es! Jetzt lass mich los, du tust mir weh!“

Als Samuel seinen Fehler bemerkte, ließ er sie augenblicklich los. „Es tut mir leid“, sagte er. „Ich weiß, dass du dir Sorgen um mich machst, aber das musst du nicht. Ich werde schon einen Weg finden.“

Susan schwieg und beobachtete ihren Bruder, wie er sich wieder auf seinen Stuhl setzte. Sie konnte sehen, dass er versuchte, die Fassung zu wahren, aber er war zu Tode besorgt – genau wie sie.

Die Polizei war also keine Option … Was nun?

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