Share

2

Author: Wendy
last update publish date: 2026-08-03 02:01:06

„H… H… Hi“, stammelte Susan.

Zu sagen, dass der Mann bedrohlich ausschaute, war stark untertrieben. Er wirkte gefährlich … regelrecht einschüchternd, und seine reine Anwesenheit schrie nach Ärger. Susan machte sich immer größere Sorgen um ihren Bruder.

Der Mann nickte als Rückmeldung auf ihren Gruß und wartete einfach darauf, dass sie weitersprach.

„Ich möchte zu meinem Bruder, Samuel. Ist er da?“, fragte Susan, nachdem sie endlich ihre Sprache wiedergefunden hatte.

Einen Moment lang herrschte Stille, während der Mann sie einfach von oben bis unten musterte. Gerade als Susan zu der Überzeugung gelangte, dass sie keine Antwort bekommen würde, ertönte eine weitere Stimme, die sie nicht kannte, aus dem Inneren des Hauses: „Lass sie rein, Asher.“

Der Mann, den Susan nun als Asher kannte, trat einen Schritt zurück, damit sie eintreten konnte – obwohl Susan sich nicht mehr sicher war, ob sie das überhaupt noch wollte. Was, wenn ihr Bruder in Schwierigkeiten steckte? Was, wenn er gar nicht da drin war? Was, wenn sie ihm etwas angetan hatten? War es wirklich eine gute Idee, da hineinzugehen? Sie wäre völlig hilflos, wenn sie eintrat und mit diesen Männern – wer auch immer sie sein mochten – im Haus gefangen war. Und wer war der andere Mann, der gesprochen hatte? Was hatte so ein Kerl mit ihrem Bruder zu schaffen?

Unwillkürlich machte Susan einen Schritt rückwärts. „Könntest du deinen Bruder bitte an die Tür bitten, falls er da ist?“, fragte sie und versuchte, ihre Stimme ruhig zu halten.

Der Mann sagte immer noch nichts, aber ein Mundwinkel verzog sich zu einem spöttischen Grinsen – ganz so, als wüsste er, dass sie Angst hatte, und als gefiele ihm das auch noch. Gerade als Susan den Entschluss fasste umzukehren und die Polizei zu rufen, sobald sie ihr Auto erreichte, erschien ihr Bruder an der Tür. Samuel stellte sich neben Asher, und Susan starrte ihn mit einer Mischung aus Erleichterung und Neugier an.

„Sam“, sagte sie fast atemlos. „Ist alles in Ordnung bei dir? Ich habe versucht, dich zu erreichen!“

„Geh nach Hause, Suzy“, war alles, was Samuel erwiderte. „Ich rufe dich später an.“

Ihrem Bruder ging es gut – zumindest äußerlich, wie Susan feststellte, während sie ihn beobachtete. Aber er wirkte sichtlich angespannt. Sogar besorgt – doch es sah aus, als machte er sich mehr Sorgen um sie als um sich selbst.

„Ich muss über etwas mit dir sprechen“, beharrte sie. „Kannst du mitkommen, damit wir ein Stück spazieren gehen können … oder eine Runde fahren … oder irgendetwas?“

Sie wollte ihren Bruder einfach nur von diesen Männern wegbringen, um ungestört mit ihm zu reden. Doch ihr Plan löste sich in Luft auf, als die andere Stimme erneut von drinnen zu hören war.

„Wo hakt’s denn, Asher? Lass deine Schwester rein, Samuel.“

Samuel runzelte die Stirn, und Asher trat zur Seite. „Geh rein“, sagte er patzig zu ihr.

Doch Susan blieb stur stehen. Auf keinen Fall würde sie auf diesen Kerl hören. Stattdessen starrte sie ihren Bruder an und machte erst dann einen Schritt nach vorn, als dieser nickte und ihr damit signalisierte, dass es sicher war.

Widerstrebend betrat Susan das Wohnzimmer und erblickte sofort einen Mann, der auf dem Sofa saß. Er sah völlig anders aus als dieser Asher. Während Asher von durchschnittlicher Statur und kräftig gebaut war, konnte Susan allein an der Sitzhaltung dieses Mannes erkennen, dass er sehr groß war.

Er trug Jeans und ein enges Rollkragen-Shirt, das seinen athletischen Körper betonte. Im Gegensatz zu Asher trug er keinen Männerdutt. Sein dunkles Haar war stattdessen ordentlich geschnitten und passte perfekt zu seinem gepflegten Vollbart. Er war ein attraktiver Mann, stellte Susan fest, doch selbst wenn er auf den ersten Blick nicht gruselig aussah, schaffte er es irgendwie, noch viel bedrohlicher und einschüchternder zu wirken als Asher.

Susan hielt es nicht mehr aus. Hier ging etwas Faules vor sich, und sie hatte genug von diesem unheilvollen Schweigen und der Art, wie alle sie anstarrten, als wäre sie ein zerbrechliches, hilfloses Mäuschen. Also wandte sie sich an ihren Bruder: „Was ist hier los, Sam?“, fragte sie.

Bevor Samuel ihr antworten konnte, ergriff der Mann auf dem Sofa wieder das Wort: „Ist das deine Schwester, Samuel?“, erkundigte er sich.

Es war keine Frage, die sie nicht schon öfter gehört hatte. Die beiden gehörten zu den Geschwistern, die sich kaum ähnlich sahen. Während Sam nach ihrem Vater schlug, war Susan das ebenbild ihrer Mutter. Sogar ihre Haarfarben unterschieden sich. Sam hatte braunes Haar, Susan war blond. Sie hatte oft darüber nachgedacht, es sich zu färben, hatte es aber aus irgendeinem Grund immer wieder aufgeschoben und nie in die Tat umgesetzt.

Heute jedoch, als Susan diesen Mann anstarrte, wusste sie, dass diese Frage rein gar nichts mit Ähnlichkeit oder Haarfarbe zu tun hatte. Samuel bestätigte, dass sie tatsächlich Geschwister waren, und der Blick des Mannes kehrte erneut zu Susan zurück. Nur diesmal blieb er nicht bei ihrem Gesicht hängen. Seine Augen musterten den hellblauen Blazer und den passenden Rock, den sie morgens für das Büro angezogen hatte. Hinab bis zu ihren schwarzen Stilettos. Es ärgerte sie maßlos, dass er sie so ungeniert beäugte, und da Susan noch nie ein Mensch gewesen war, der seine Gefühle verbarg, runzelte sie missbilligend die Stirn. Falls er den bösen Blick bemerkte, schien es ihn weder zu kümmern noch zu stören.

„Wie heißt du denn, Barbie?“, fragte er lässig, als sein Blick wieder in ihrem Gesicht landete.

„Ich glaube nicht, dass dich das etwas angeht“, antwortete Susan, ohne nachzudenken.

Samuel wollte gerade auf sie zukommen. „Suzy …“, begann er, doch Asher legte ihm eine Hand in den Weg und hielt ihn zurück.

Langsam, als hätte er alle Zeit der Welt, stand der Mann vom Sofa auf. Er war noch größer, als Susan vermutet hatte – und meine Güte, er wirkte noch um ein Vielfaches bedrohlicher, als er auf sie zukam. Susan hatte nun panische Angst, zwang ihre Beine jedoch stehenzubleiben, obwohl jeder Knochen in ihrem Körper ihr befahl, mehrere Schritte rückwärts zu machen.

„Suzy …“, wiederholte der Mann, als er schließlich vor ihr stand und sie weit überragte. „Das ist die Kurzform von Susan, nicht wahr?“

Diesmal fehlte Susan der Mut für eine freche oder sarkastische Antwort. Sie nickte nur und versuchte, seinem Blick standzuhalten. Als er seine Hände bewegte, zuckte sie zusammen, doch er vergrub sie lediglich in seinen Hosentaschen.

„Ein schöner Name für ein schönes Mädchen“, fügte er hinzu.

Susan wusste absolut nicht, was sie darauf antworten sollte, also schwieg sie. Ohne ein weiteres Wort an sie zu richten, wandte er sich ab und trat an Samuel heran.

„Zwei Wochen“, sagte er schlicht. „Du hast zwei Wochen Zeit.“

Und ohne ihr auch nur noch einen zweiten Blick zu würdigen, verließen die beiden Männer das Haus und ließen Susan und Samuel in einem unangenehmen Schweigen zurück.

Susan brauchte niemanden, der ihr erklärte, dass diese Kerle Ärger bedeuteten. Jeder konnte schon beim bloßen Anblick erkennen, dass man sich mit diesen Leuten besser nicht anlegte. Was hatte ihr Bruder mit solchen Männern zu schaffen, und was musste er innerhalb von zwei Wochen erledigen? Was zum Teufel war hier gerade passiert?

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • DIE SCHWANGERE MÄTRESSE DES MAFIA-BOSSES   80

    Leo erinnerte sich zum hundertsten Mal daran, warum er mit Susan zusammen war.Sie war schwanger. Sie erwartete sein Baby, und sie wollte einen Weihnachtsbaum in ihrer Wohnung haben. Das war der Grund, warum er heute hier war. Nicht, um Spaß zu haben – aber es war einfach verdammt leicht, sich in ihrer Gesellschaft zu verlieren, und er musste zugeben, dass er es über alle Maßen genoss, mit ihr durch die Stadt zu spazieren, Bäume zu kaufen und darüber zu diskutieren, wo sie was essen würden, während sie für die ganze Welt wahrscheinlich wie ein glückliches Liebespaar aussahen. Er fühlte sich bei Susan wohler, als er sollte, und er mochte sie mehr, als er sollte.Sie ruhte mehr in sich selbst als die meisten Frauen, die er je kennengelernt hatte, und ihre eigene Gelassenheit machte es auch anderen leicht, sich in ihrer Nähe wohlzufühlen. Er konnte nicht anders als zu denken: In einer anderen Zeit, an einem anderen Ort, in einer anderen Welt … in einer perfekten Welt wäre es zwischen ihn

  • DIE SCHWANGERE MÄTRESSE DES MAFIA-BOSSES   79

    Susan bemerkte Leos herablassenden Blick, als er auf das kleine Bäumchen hinabsah, vor dem sie stehen geblieben war. „Was?“, fragte sie.„Er ist einfach so … klein“, erwiderte Leo.„Was ist das nur mit euch Männern und der Baumgröße? Das ist wie so eine Art phallisches Ding. Ich verspreche dir, die Größe deines Baumes sagt absolut nichts über die Größe deiner … Manneskraft aus. Okay?“Er rollte mit den Augen und schlenderte hinüber zum nächstgrößeren Baum. „Hast du das als Kind mit deinen Eltern gemacht? Jedes Jahr einen Baum aussuchen gegangen?“„Ein paar Mal, aber da wir die meisten Feiertage auf Reisen verbracht haben, hatten wir normalerweise keinen Baum.“„Keinen Weihnachtsbaum? Wo hat der Weihnachtsmann denn die Geschenke hingelegt?“„In unsere Strümpfe. Die haben wir immer eingepackt und jedes Jahr mitgenommen, und weil alles, was wir bekamen, für den Rückflug in unseren Koffer passen musste, habe ich immer klitzekleine Geschenke bekommen.“„Mein Großvater und ich sind in den W

  • DIE SCHWANGERE MÄTRESSE DES MAFIA-BOSSES   78

    „Du brauchst mich sehr wohl, Suzy“, hielt er ihr gelassen entgegen, während seine Libido auf das Knistern sexueller Energie in der Luft reagierte, sodass er den Drang bekämpfen musste, sie sich einfach zu greifen. All die Jahre sexueller Praxis und Raffinesse, dachte er grimmig, und alles, was er tun wollte, war, sie wie ein Räuber auf den Sitz zu drücken und sie auf jede erdenkliche Weise zu nehmen, die sie zuließ. Zum allerersten Mal bei einer Frau war er vorsichtig.„Nein, brauche ich nicht!“, schrie Susan ihn in einer dieser plötzlichen Wutexplosionen an, die ihn immer wieder überrumpelten.„Susan, ich bin kein Unmensch … Du trägst mein Baby in dir— “„Du meinst das Würmchen?“, fuhr sie ihn gehässig an.Eine leichte Röte stieg in seine exotischen Wadenbeinknochen, und sein schöner Mund verengte sich. „Auf diesem Bild sah es nun mal wie ein Würmchen aus. Sollte ich etwa die Frau anlügen, die mir einmal gesagt hat, dass sie Ehrlichkeit schätzt?“Aus dem Nichts schoss Susan eine Well

  • DIE SCHWANGERE MÄTRESSE DES MAFIA-BOSSES   77

    Dr. Patel wandte sich wieder dem Gerät zu und setzte ihre Untersuchung fort. „Es gibt allerdings noch eine Sache, die ich gerne besprechen würde“, sagte sie behutsam, während ihr Tonfall etwas ernster wurde. „Würden Sie bitte beide mit in mein Büro kommen?“Sie begaben sich in Dr. Patels Büro, wo die Ärztin darauf hinwies, dass es Probleme mit dem Würmchen geben könnte, die einen Kaiserschnitt erforderlich machen könnten. Leo gefiel das ganz und gar nicht.„Susan, aufgrund der Lage des Babys und einiger anderer Faktoren besteht die Möglichkeit, dass eine Entbindung per Kaiserschnitt notwendig wird“, sagte Dr. Patel.Susans Herz rutschte in die Hose. „Warum?“„Im Moment ist das noch kein Grund zur Sorge, aber Ihre Plazenta liegt derzeit sehr tief – ein Zustand, den man Placenta praevia nennt. In den meisten Fällen legt sich das im weiteren Verlauf der Schwangerschaft von selbst, aber wir werden es genau beobachten. Wir werden auch Ihren Blutdruck im Auge behalten, um sicherzustellen, d

  • DIE SCHWANGERE MÄTRESSE DES MAFIA-BOSSES   76

    „Es wird spät“, sagte Susan abrupt, während ihre Stimme kühl und distanziert klang und sie seinem Blick auswich; ihre Finger spielten mit dem Saum ihres Pullovers.Leos Stirn legte sich in Falten. Er lehnte sich zurück und musterte sie mit diesem durchdringenden Blick, der immer direkt durch sie hindurchzusehen schien. Er merkte sofort, dass etwas nicht stimmte. „Okay“, sagte er langsam, sein Tonfall ruhig, aber nachbohrend. „Was habe ich diesmal getan?“Bei seiner Frage krampfte sich ihr Herz zusammen. Die Tatsache, dass er es nicht bereits wusste, war der Beweis dafür, wie wenig er sie wirklich verstand – oder sich überhaupt darum scherte. Es zu erklären, würde nur dazu führen, dass sie sich noch alberner kam, und sie hatte nicht mehr die Kraft zu kämpfen. Das war einfach seine Art, und nichts, was sie tun oder sagen konnte, würde ihn ändern.„Nichts“, antwortete sie kurz angebunden und hielt ihre Stimme tonlos. „Habe ich gesagt, dass du etwas getan hast?“Leo kaufte ihr das keine S

  • DIE SCHWANGERE MÄTRESSE DES MAFIA-BOSSES   75

    Susan brach schließlich das Schweigen, allerdings um das Thema zu wechseln. „Es riecht fantastisch“, sagte sie und deutete auf den Topf mit kochendem Wasser, in dem die getrockneten Spaghetti garten.„Fast fertig“, antwortete Leo. Er goss die Pasta ab und schwenkte sie gekonnt mit der Soße in der Pfanne. Die Nudeln glänzten, als sie die leuchtende Mischung aus Tomaten, Knoblauch und Basilikum aufsaugten.Leo richtete die Pasta auf den Tellern an und garnierte sie mit etwas geriebenem Parmesan und einem letzten Hauch Basilikum. Er reichte ihr einen Teller, wobei sich ihre Finger kurz berührten.Susan zögerte, bevor sie ihn annahm. „Das sieht … überraschend gut aus.“„Überraschend?“, echote er und zog eine Augenbraue hoch.Sie schmunzelte. „Lass es dir nicht zu Kopf steigen.“Sie setzten sich an den kleinen Küchentisch, das Essen zwischen ihnen. Susan nahm den ersten Bissen, ihre Augen weiteten sich leicht. „Okay, ich gebe es zu. Das ist wirklich lecker.“Leo schenkte ihr ein rares, ehr

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status