Mag-log inZehnReylaps SichtDer Duft von gebratenem Fleisch und köchelnden Kräutern hing schwer in der Küche und lenkte mich willkommen von der anhaltenden Angst in meinem Magen ab. Anna, die Obermagd, eine drahtige Frau mit einem Blick, dem nichts entging, hatte gerade ihre Morgenrunde beendet. Ich hielt den Kopf gesenkt und konzentrierte mich auf das rhythmische Klopfen des Hackmessers auf dem Brett.„So, jetzt mal zuhören“, durchbrach Annas Stimme das Küchengeplapper. „Reylap ist schwanger.“Stille senkte sich über den Raum. Ich spürte Dutzende Blicke auf mir, manche neugierig, manche mitfühlend, manche … weniger. Meine Wangen glühten. Ich war kaum im dritten Monat, und hätte Anna es nicht verkündet, hätte es niemand geahnt. Alpha Elliotts Befehl, hatte sie mir vorhin zugeflüstert, um sicherzustellen, dass ich nicht überarbeitet würde. Trotzdem fühlte sich die öffentliche Bekanntgabe wie ein Brandmal an.„Also keine anstrengenden Arbeiten für sie“, fuhr Anna fort und ließ ihren Blick über d
NeunElliotts SichtIch ließ das Gemurmel die Luft erfüllen, ein tiefes, bedrohliches Summen, das mir unter die Haut ging.Mein Kiefer war so verkrampft, dass ich den Schmerz bis in die Ohren spürte. Sie sprachen flüsternd, in gedämpften, grausamen Tönen, doch jedes Wort kratzte an mir. „Abtrünniger.“ „Gefahr.“ „Außenseiter.“ Alles auf sie gerichtet. Alles auf meine Gefährtin gerichtet.Schließlich platzte mir der Kragen. Meine Stimme durchdrang den Raum wie eine Peitsche und brachte das heimtückische Summen augenblicklich zum Schweigen.„Genug.“Alle Augenpaare, alt und verhärtet von den Jahren der Rudelpolitik, richteten sich auf mich. Sie sahen den Alpha, aber sie glaubten, Schwäche zu sehen. Sie glaubten, einen Welpen zu sehen, der von einem hübschen Gesicht geblendet war. Sie irrten sich.„Ihr vergesst euch selbst“, fuhr ich fort, meine Stimme nun tief, ein Grollen, das Konsequenzen verhieß. „Dies ist mein Rudel. Mein Territorium. Ich entscheide, wer bleibt. Ich entscheide, wer g
AchtReylaps SichtDas Pochen in meinem Kopf hatte sich zu einem anhaltenden Schmerz abgeschwächt, einem dumpfen Echo der Qual, die mich Stunden zuvor durchbohrt hatte. Mika saß neben mir, ihre Hand kühl und schwer auf meiner Stirn. Ihr Lächeln jedoch strahlte wie die Morgensonne.„Du hast es geschafft, Reylap“, flüsterte sie mit fast kindlicher Freude in der Stimme. „Die Verbindung ist gelöst. Vollständig.“Eine Welle der Erschöpfung überkam mich, stärker als jede Erleichterung. „Ich … ich weiß“, murmelte ich heiser. „Aber warum spüre ich immer noch diesen … Druck?“ Ich presste eine Hand auf meine Brust, genau über mein Herz, wo noch immer ein dumpfer, eingebildeter Schmerz pulsierte.Mikas Lächeln erlosch, ihre Stirn legte sich leicht in Falten. „Ah, ja. Das.“ Sie hielt inne, ihr Blick war einen Moment lang abwesend. „Es ist die alte Verbindung, Reylap. Mit Malik. Es war keine wahre Seelenverwandtschaft, das wussten wir. Aber da war trotzdem … eine Verbindung. Selbst eine falsche Ve
SiebenReylaps Sicht„Du kannst bleiben“, sagte er mit tiefer, grollender Stimme. „Hier, bei meinem Rudel. So lange du es brauchst.“Mein Blick schnellte zu ihm. Das Angebot hing schwer und unerwartet in der kalten Luft zwischen uns. Bleiben? Bei ihm? Ich kannte ihn erst seit gefühlten Sekunden, ein verschwommener Duft und plötzliche Wärme. Diese Wärme, dieser seltsame Schauer, der mich durchfuhr, als seine Hand meine berührte, machte mich nervös. Eine Seelenbindung. Hier? Jetzt? Das Universum hatte einen verdrehten Sinn für Humor und zog mir diesen Streich nur Augenblicke nach der vernichtenden, endgültigen Zurückweisung. Mein Magen verkrampfte sich, ein kalter Knoten der Angst wuchs in mir.„Bleiben?“, brachte ich flüsternd hervor. „Ich … ich kann nicht. Ich weiß nicht einmal, wo ‚hier‘ ist.“Seine Lippen verzogen sich leicht, ein Hauch von Belustigung oder vielleicht einfach nur Müdigkeit. „Du bist jetzt in meinem Revier. Im Revier des Dunklen Sturms.“Mir wich das Blut aus dem Ges
SechsReylaps SichtDas Knacken des Zweigs unter meinem Stiefel hallte in der plötzlichen Stille des Waldes wider. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, ein unregelmäßiges Trommeln gegen die zunehmende Kälte. Ich wirbelte herum und zog den zerfetzten Schal fester um meine Schultern, mein Atem stockte.Er stand da, ein Schatten zwischen den tieferen Schatten der uralten Eichen, und beobachtete mich. Ich hatte ihn nicht kommen hören. Kein Rascheln, kein Blatt, das sich bewegte. Meine Instinkte, die sonst bei der geringsten Störung Alarm schlugen, waren völlig still, bis ich es spürte – ein seltsames Summen in der Luft, ein Kribbeln auf meiner Haut. Es war keine Angst, nicht direkt, sondern etwas … Rohes. Ungezähmtes. Es war, als blickte ich in ein wildes Feuer, faszinierend und gefährlich zugleich. Mir stockte der Atem.„Zurück“, befahl er mit tiefer Stimme, die mir durch Mark und Bein ging. Es war tief, rau, wie Granit, glatt geschliffen von Jahrtausenden Wind und Regen.Mein Blick hu
Fünf Reylaps Sicht Ich rannte. Meine Lungen brannten bei jedem ungleichmäßigen Schritt, der Wald verschwamm zu einem dunklen Gewirr aus Schatten und Formen. Jeder Ast, der nach meinem Gesicht peitschte, jede Wurzel, die mich zu Fall bringen wollte, trieb mich zur Flucht an. Ich klammerte mich an die Fetzen meiner Tunika, das Einzige, was ich retten konnte. „Bitte“, flüsterte ich, ein verzweifeltes Flehen an niemanden, „lass mich einfach gehen.“ Die Luft wurde stickig, ein vertrautes Summen hallte tief in meinen Knochen wider. Es war Zeit. Schluss mit dem Verstecken. Schluss mit der Angst. Nicht so. Ich verlangsamte meinen Schritt, mein Atem ging stoßweise, und ich fand eine kleine Lichtung. Der Mond, eine schmale Sichel, die durch das Blätterdach lugte, warf einen ätherischen Schein. Ich schloss die Augen und forderte die Veränderung. Meine Muskeln verkrampften sich, dehnten sich und formten sich neu. Die Haut spannte sich, das Fell sträubte sich, die Knochen verschoben sich mit ein







