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Kapitel 7

ผู้เขียน: Ein Glücksfischchen
Klara sah zu, wie Sebastian und Charlotte die kurze Verlegenheit schnell hinter sich ließen. Schon wenig später plauderten sie mit dem Geschäftspartner, lachten miteinander und wirkten, als gehörten sie ganz selbstverständlich zusammen.

Sie passten wirklich gut zueinander …

Heimlich machte Klara ein Foto von ihnen beiden.

Als sie sich umdrehte, meldete sich der alte Schmerz wieder. Etwas bohrte sich tief in ihre Brust und breitete sich langsam aus. Selbst ihre Nase brannte vor aufsteigenden Tränen.

„Klara!“

Kurz bevor sie das Einkaufszentrum verließ, hörte sie plötzlich ihren Namen.

Sie drehte sich um und entdeckte eine Frau auf der Rolltreppe, die ihr energisch zuwinkte.

Es war Anna Schneider!

Ihre ehemalige Lehrerin von der Tanzakademie!

„Frau Schneider!“ Klara strahlte vor Überraschung.

Frau Schneider kam rasch zu ihr herüber, ergriff beide Hände und lächelte erfreut.

„Ich habe dich schon von Weitem erkannt. Und tatsächlich! Wie geht es dir? Fünf Jahre haben wir uns nicht gesehen.“

Bei diesen Worten wurde Klara schwer ums Herz.

Fünf Jahre.

Fünf Jahre, in denen sie sich selbst verloren und nichts aus sich gemacht hatte.

Sie hatte wirklich das Gefühl, Frau Schneider nicht mehr unter die Augen treten zu können.

„Hast du Zeit? Wenn du nichts vorhast, trinken wir zusammen etwa Kaffee.“

Frau Schneider hielt ihre Hand fest.

Klara hatte Zeit.

Früher hätte sie aus Scham wieder einen Schritt zurück gemacht und sich zu Hause verschlossen.

Sie hatte jede Verbindung zu ihrer alten Welt – die Welt des Tanzens – absichtlich abgeschnitten.

Aber seit sie vor einigen Tagen die alten Tanzvideos auf ihrem Handy angesehen hatte, schien ein schmaler Lichtstrahl durch die Dunkelheit ihres Lebens gefallen zu sein.

Zum ersten Mal seit Jahren wollte sie dieses Licht nicht mehr aussperren.

Sie nickte.

„Gerne, Frau Schneider.“

In ihren Augen glitzerte plötzlich Feuchtigkeit.

Gemeinsam gingen sie in ein gemütliches Café im Erdgeschoss.

„Wie geht es eigentlich den anderen?“, fragte Klara vorsichtig.

Sie war viel zu lange von dieser Welt abgeschnitten gewesen. WhatsApp-Gruppen von damals hatte sie längst gelöscht.

Frau Schneider musterte sie aufmerksam. „Willst du das wirklich wissen?“

Sie kannte Klaras Geschichte.

Damals hatte Klara überraschend auf ihren Studienplatz verzichtet. Frau Schneider hatte nachgefragt und sie später sogar einmal in Hamburg besucht.

Klara nickte entschlossen.

Und so kamen die beiden ins Plaudern.

Fünf Jahre konnten ein ganzes Leben verändern.

Einige ihrer ehemaligen Kommilitonen waren an renommierte Tanzensembles gegangen und inzwischen Solotänzer geworden. Andere hatten im Ausland studiert und bereits promoviert. Wieder andere unterrichteten inzwischen selbst und waren auf der Suche nach vielversprechenden jungen Talenten.

Jeder war seinen Weg weitergegangen und hatte etwas erreicht.

Nur sie …

Nein.

Nicht mehr.

Ab heute wollte sie neu anfangen. Sie wollte verlorene Zeit aufholen und endlich wieder nach vorn gehen. Auch ohne den Tanz konnte sie bestimmt einen neuen Platz auf einem neuen Bereich finden.

„Frau Schneider, ich … ich habe Ihnen inzwischen auch etwas vorzuweisen.“

Ihre Augen brannten.

In all den Jahren hatte sie das Gefühl gehabt, die Erwartungen Frau Schneider enttäuscht zu haben.

„Da bin ich aber gespannt.“ Frau Schneider lächelte wie immer.

Klara beugte sich zu ihr hinüber und erzählte leise von ihren Plänen, zum Studium im Ausland zu gehen.

„Das ist eine fantastische Nachricht! Ich habe immer gewusst, dass du nie aufgeben wirst.“ Frau Schneider drückte ihre Hand. „Und das passt perfekt. Wir starten bald eine Welttournee. Komm doch mit. Du kannst schon einmal die fremde Umgebung kennenlernen und dich einleben.“

„Aber ich …“

Klara blickte auf ihr Bein.

Sie konnte nicht mehr tanzen. Schon normales Gehen fiel ihr schwerer als den meisten Leuten. Und ihr Masterstudium war rein theoretisch ausgerichtet.

„Kein Aber.“

Frau Schneider schnitt ihr sofort das Wort ab.

„Ohne den Unfall bist du längst Mitglied unseres Nachwuchsensembles. Diesmal kommst du eben als Unterstützung mit. Organisation, Bühne, Maske, was auch immer. Es gibt genug Aufgaben.“

Ihre Stimme ließ keinen Widerspruch zu.

Vor allem behandelte sie Klara nicht wie eine Behinderte.

Klara lächelte herzlich.

Es tat so gut, nicht als die Hinkende gesehen zu werden. Sie konnte nicht mehr tanzen. Aber sie konnte noch vieles andere.

Nicht tanzen zu können bedeutete nicht, wertlos zu sein.

In diesem Moment vibrierte Frau Schneiders Handy.

Eine Nachricht.

„Mein Mann schreibt gerade. Stört es dich, wenn er kurz dazukommt?“

„Natürlich nicht.“

Klara lächelte.

Tatsächlich war sie etwas nervös.

Nach fünf Jahren des Rückzugs fühlten sich selbst einfache Begegnungen mit Fremden ungewohnt an.

Aber irgendwann musste sie den ersten Schritt machen.

„Dann sage ich ihm Bescheid.“

Frau Schneider antwortete auf die Nachricht.

Womit Klara allerdings nicht gerechnet hatte, war, dass der Mann von Frau Schneider ausgerechnet Sebastians neuer Geschäftspartner war – derselbe Mann, den sie vor wenigen Minuten gesehen hatte.

„Er ist wegen eines Projekts hier und ich begleite ihn für ein paar Tage“, erzählte Frau Schneider. „Dass wir dabei auch noch dir begegnen, ist wirklich ein schöner Zufall …“

Während sie sprach, sah Klara bereits drei Personen auf ihren Tisch zukommen.

Herr Schneider.

Sebastian.

Und Charlotte.

Wenig später standen sie direkt vor ihr.

Klara blieb reglos sitzen und beobachtete, wie Sebastian und Charlotte abwechselnd blass wurden und wieder Farbe ins Gesicht bekamen.

„Bitte, setzen Sie sich.“ Herr Schneider lächelte freundlich. „Das ist meine Frau, Anna. Sie unterrichtet Tanz.“

Dann wandte er sich an Frau Schneider.

„Und das hier ist Herr Wolf, mein Geschäftspartner. Und seine Frau.“

Bei den letzten zwei Wörtern zitterte Sebastians Hand leicht. Charlotte versteifte sich auch. Beide blickten Klara fast gleichzeitig angespannt an.

Klara erwiderte ihre Blicke nur mit einem ruhigen Lächeln.

„Und das ist meine ehemalige Studentin“, sagte Frau Schneider stolz. „Damals galt sie als die größte Hoffnung ihres Jahrgangs, den Prix de Lausanne zu gewinnen.“

Sebastian erstarrte.

Bei dem Namen des Wettbewerbs erlosch das Licht in seinen Augen.

Sein Blick wanderte nach unten, in Richtung ihres Beins.

In diesem Moment sah Klara den Schmerz, der in seinen Augen aufquoll.

Natürlich, wie könnte er nicht?

Ohne ihre damalige Verletzung hätte er sie nie geheiratet. Und Charlotte säße heute ganz selbstverständlich auf dem

Platz an seiner Seite als Frau Wolf.

„Frau Schneider, Herr Schneider, eigentlich bin ich …“

„Ah!“

Charlotte stieß plötzlich einen erschrockenen Schrei aus.

Klara verstummte.

Heißer Kaffee ergoss sich über Charlottes Hände und Kleider.

„Oh Gott, es tut mir leid. Wie peinlich.“

Hastig griff sie nach Servietten.

„Macht nichts, macht nichts.“ Frau Schneider, die von der eigentlichen Absicht nichts ahnte, reichte ihr sofort weitere Taschentücher.

Eine verschüttete Tasse Kaffee hatte Klaras Satz unterbrochen.

Aber wenn Klara darauf bestanden hätte, es auszusprechen – hätte Charlotte das etwa aufhalten können?

Sebastian sah sie flehend an. Ganz leicht schüttelte er den Kopf. Seine Lippen formten lautlos zwei Worte:

Bitte nicht.

Klara musste innerlich lachen.

Sie hatte ohnehin nicht vorgehabt, etwas zu verraten und den Satz nur absichtlich offen gelassen, um die beiden ein wenig ins Schwitzen zu bringen.

Das Nachmittagskaffee verlief danach äußerst unterschiedlich.

Während manche wie auf heißen Kohlen saßen, blieb Klara vollkommen entspannt.

Als sie ihre Tasse anhob, fiel Frau Schneiders Blick plötzlich auf ihre Hand.

„Klara, du trägst einen Ehering? Wer ist denn dein Mann?“

Die Frage schlug ein wie ein Blitz, der Sebastian und Charlotte schlagartig blass ließ.

Klara betrachtete Sebastians Hand neben seiner Tasse.

Ein spöttisches Lächeln erschien auf ihren Lippen.

Er selbst hatte seinen Ring nie getragen.

Direkt nach der Hochzeit hatte er ihn abgenommen.

Seitdem lag er vermutlich irgendwo vergessen in einer Schublade.

„Ja.“ Klaras Stimme klang völlig ausdruckslos. „Ich bin seit fünf Jahren verheiratet. Mein Mann heißt Wolf.“

„Tatsächlich?“, fragte Sebastian sofort. „Auch Wolf?“

Seine Absicht konnte nicht offensichtlicher sein:

Sprich nicht weiter.

„Ja. Auch Wolf. Er ist ebenfalls Geschäftsmann. Allerdings bewegt er sich nicht in dieselbe Größenordnung wie Herr Wolf.“

Durch den Rand ihrer Kaffeetasse sah Klara deutlich, wie Sebastian erleichtert ausatmete.

„Was für ein Zufall“, sagte Herr Schneider lachend. „Beim nächsten Mal bringen Sie Ihren Herrn Wolf einfach mit. Dann trinken wir gemeinsam Kaffee.“

Da Klara eine Studentin von Frau Schneider war, begegnete Herr Schneider auch ihr mit besonderem Respekt und sprach ebenfalls eine Einladung aus.

Sebastians Gesicht versteinerte sich wieder für eine Sekunde.

Klara fand das fast schon grotesk. In fünf Ehejahren hatte sie bei ihm nicht halb so viele Gesichtsausdrücke gesehen wie an diesem einen Nachmittag.

Lange hielt Sebastian es schließlich nicht mehr aus.

Nach einer Weile stand er auf.

„Bitte entschuldigen Sie mich. Ich habe noch einen Termin.“ Er verabschiedete sich höflich.

Gleichzeitig warf er Klara einen bedeutungsvollen Blick zu. Offensichtlich wollte er, dass sie ebenfalls verschwand, denn er traute ihr nicht zu, den Mund zu halten.

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