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Straße zum Abgrund

Author: Veronica
last update publish date: 2026-10-21 19:27:50

Veronica hatte noch nie zuvor einen sterbenden Mann gehalten, schon gar nicht den skrupellosen Milliardär, der sie noch vor wenigen Stunden in einer Suite eingesperrt hatte. Nun pulsierte Damiens Leben buchstäblich zwischen ihren nackten Handflächen. Jedes Mal, wenn der schwere SUV auf den regennassen Kurven der Klippenstraße gewaltsam ausbrach, rollte sein Kopf kraftlos gegen ihren Oberschenkel, sein Gesicht unter den vorbeiziehenden Straßenlaternen so blass wie Marmor.

Hinter ihnen hallte das Brüllen getunter Motoren und das Feuer automatischer Gewehre durch den Sturm. Arthur Vances Leute ließen nicht locker.

Veronica kieferte wütend und verengte ihren blutverschmierten Griff um den verschlüsselten Stick in ihrer Tasche. Er hat eine Kugel für mich abgefangen, dachte sie, während ihr Herz wild gegen ihre Rippen hämmerte. Ich werde nicht zulassen, dass sie uns auf dieser Straße den Rest geben.

„Halten Sie den Druck auf die Brustwunde aufrecht, Mrs. Steel!“, schrie der Wächter auf dem Beifahrersitz und lud seine taktische Pistole durch. „Wenn sein Blutdruck noch weiter fällt, schafft er es nicht mehr in den Operationssaal!“

„Ich versuche es doch!“, schrie Veronica zurück. Ihre Stimme war rau, während sie beide Handflächen flach auf die sterile Gaze drückte, die Damiens Brust bedeckte. Der weiße Stoff verfärbte sich bereits tiefrot, heiß und glitschig unter ihren Fingern.

Ein scharfes, ohrenbetäubendes RUMMS hallte wider, als der führende schwarze Pickup-Truck erneut gegen ihre hintere Stoßstange krachte. Der Aufprall schleuderte Veronica nach vorne und zwang sie, ihre Schulter gegen den vorderen Ledersitz zu stemmen, um nicht auf Damiens verwundete Brust zu fallen. Durch die regennasse Heckscheibe blendete sie helles Fernlicht und erhellte den maskierten Schützen, der sich mit einem Sturmgewehr aus dem Beifahrerfenster des Trucks lehnte und direkt auf ihre Hinterreifen zielte.

„Sie zielen auf die Aufhängung!“, bellte der Fahrer und kämpfte mit dem schweren Lenkrad, als der SUV über den nassen Asphalt schleuderte. Zu ihrer Linken ragte eine solide Wand aus dunklem Fels auf; zu ihrer Rechten befand sich nur eine niedrige Betonleitplanke, die sie von einem sechzig Meter tiefen Sturz in den tobenden, schwarzen Ozean trennte.

„Erwidern Sie das Feuer!“, befahl der Chef-Wächter. Er betätigte einen Schalter an der Mittelkonsole, woraufhin sich die kleinen, verstärkten Schießschlitze an den hinteren Beifahrertüren öffneten. Er lehnte sich zurück und feuerte eine schnelle Dreier-Salve in die Nacht.

Funken sprühten von der Motorhaube des Pickups, doch der Fahrer weicht nicht zurück. Stattdessen beschleunigte der Truck und zog direkt neben ihr Fahrzeug. Durch das dunkle Glas konnte Veronica die kalte, skrupellose Entschlossenheit von Vances angeheuerten Killern sehen. Sie waren nicht hier, um jemanden gefangenzunehmen – sie hatten den Befehl, den gepanzerten SUV über den Rand der Klippe zu drängen.

Plötzlich zertrümmerte eine schwere Salve den Außenspiegel der Fahrerseite. Eine verirrte Kugel schlug direkt durch die Türverkleidung und traf den Fahrer in die Schulter.

Der Fahrer stieß ein ersticktes Stöhnen aus. Seine Hände glitten vom Lenkrad, während sein Körper nach links sackte. Der schwere SUV riss gewaltsam in Richtung Leitplanke herum, die Reifen quietschten auf dem nassen Belag, als die Metallseite unter einem Hagel orangener Funken an der Barriere entlangschrammte.

„Fahrer wurde getroffen!“, schrie der Chef-Wächter und versuchte, seinen Sicherheitsgurt zu lösen, um über die Konsole zu greifen.

„Nein, bleiben Sie an den Waffen!“, brüllte Veronica, während ihre Überlebensinstinkte mit erschreckender Klarheit einsetzten.

Ohne den Druck auf Damiens Brust mit ihrer rechten Hand zu lockern, griff Veronica mit links über den Vordersitz und packte das lederumwickelte Lenkrad. Mit aller Kraft ihres Oberkörpers riss sie das schwere Fahrzeug nach rechts, weg vom bröckelnden Abgrund der Klippe, genau in dem Moment, als die Leitplanke nachgab und in der Dunkelheit verschwand.

„Nehmen Sie seinen Fuß vom Gas!“, bellte sie den Chef-Wächter an.

Der Wächter beugte sich hinunter, zog das Bein des verwundeten Fahrers zurück und stieg über die Mittelkonsole, um die Pedale zu übernehmen. Draußen setzte der Pickup erneut an, um sie gegen die Felswand zu quetschen.

„Jetzt!“, schrie Veronica, ihre Augen auf das Vorderrad des Trucks gerichtet. „Schießen Sie auf seinen Reifen!“

Der Chef-Wächter visierte das Ziel durch den Schießschlitz an und drückte dreimal ab. Der linke Vorderreifen des Pickups explodierte in Fetzen aus schwarzem Gummi. Der schwere Truck aufbäumte sich gewaltsam, seine Vorderachse knallte auf den Asphalt, bevor er sich zweimal überschlug und in einem gewaltigen Feuerball gegen die Felswand krachte.

Die Explosion erhellte den dunklen Himmel und schickte eine Hitzewelle durch die Heckscheibe des SUV, während der zweite Verfolger zu einer Vollbremsung gezwungen wurde, um dem brennenden Wrack auszuweichen.

Veronica sackte auf die Rückbank zurück, ihre Brust hob und senkte sich heftig, während sie Damiens Oberkörper näher an sich zog. Das Adrenalin, das durch ihre Adern geschossen war, wich langsam einem kalten, zitternden Schock.

Auf ihrem Schoß stieß Damien ein tiefes, raues Stöhnen aus. Seine langen Wimpern flackerten, seine dunklen, obsidianfarbenen Augen öffneten sich einen Spalt breit. Er blickte zu ihr auf – auf ihr blutverschmiertes Gesicht, ihr ruiniertes smaragdgrünes Kleid und ihre Hände, die noch immer fest auf seine Brust gepresst waren.

„Veronica...“, seine Stimme war kaum mehr als ein raues Flüstern, das durch seine Kehle schabte.

„Sprich nicht“, befahl sie leise, während eine einzelne Träne eine saubere Spur durch ihr ascheverschmiertes Gesicht zog. „Spar deine Kräfte. Wir haben es an ihnen vorbeigeschafft.“

Damiens blasse, blutverschmierte Hand bewegte sich schwach, seine Finger griffen nach oben und legten sich kraftlos um ihr Handgelenk. Seinem Griff fehlte die gewohnte, furchterregende Stärke, doch die Intensität in seinen Augen war umwerfend.

„Der Stick...“, hauchte er und hustete, als ein Blutfleck seine Lippe berührte. „Vertraue... niemandem im Haus. Nur... Dr. Evans...“

„Ich habe ihn“, flüsterte Veronica und beugte sich näher hinunter, sodass nur er es hören konnte. „Ich habe den Stick, Damien. Und jetzt bleib gefälligst am Leben.“

Der Schatten eines grimmigen Lächelns berührte seine blassen Lippen, bevor seine Augen nach hinten rollten und seine Hand von ihrem Handgelenk glitt, als er erneut völlig das Bewusstsein verlor.

Fünf Minuten später durchbrach der gepanzerte SUV die massiven eisernen Tore von Damiens privatem Anwesen hoch auf der felsigen Landzunge. Schwer bewaffnetes Sicherheitspersonal eilte die Auffahrt hinunter, schloss die Stahltore und riegelte das Gelände hinter ihnen ab.

Der SUV kam vor dem privaten medizinischen Trakt des Anwesens zum Stehen. Die Türen wurden aufgerissen, und ein Team von Ärzten in OP-Kleidung zog Damien auf eine bereitstehende Trage.

„Er hat zu viel Blut verloren! Der Druck bricht ein!“, schrie ein Arzt, während sie ihn im Sprint durch die Doppeltür rollten.

Veronica stolperte hinter ihnen her, ihre nackten Füße trafen auf den kalten Steinboden. Sie versuchte, der Trage den sterilen Korridor hinunter zu folgen, doch zwei Krankenschwestern packten sie an den Schultern und hielten sie vor den Türen des Operationssaals auf.

„Sie können da nicht rein, Mrs. Steel. Lassen Sie uns unsere Arbeit machen.“

Die schweren Doppeltüren schlugen zu, und das leuchtend rote Schild IM OP über ihnen flammte auf.

Veronica stand allein in dem stillen, sterilen Flur, ihr Körper zitterte unkontrolliert. Sie sah an ihren Händen hinab – bedeckt mit Damiens dunklem Blut – und griff in ihre Tasche, um den kleinen USB-Stick aus Metall herauszuziehen.

Bevor sie die Stille verarbeiten konnte, ertönte ihr zweites Handy schrill in ihrer kleinen Abendtasche.

Mit zitternden Fingern holte sie das Display hervor. Es war ein verschlüsselter Anruf des langjährigen Unternehmensanwalts ihres Vaters. Sie drückte das Telefon an ihr Ohr.

„Veronica? Gott sei Dank hebst du an!“, panikierte die Stimme des Anwalts über die Leitung. „Wo bist du? Arthur Vance hat vor zehn Minuten Eilanträge beim Gericht eingereicht. Er lässt deinen Vater für geschäftsunfähig erklären und friert jeden Vermögenswert ein, der mit dem Namen Hayes verbunden ist. Wenn Damien Steel nicht bis Sonnenaufgang am Leben ist, um die Gegendarstellung zu unterzeichnen, übernimmt Vance die Kontrolle über alles – einschließlich der lebenserhaltenden Maschinen deines Vaters!“

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