LOGINIn einem letzten Versuch, den Tycoon mit sich in den Abgrund zu reißen, warf sich Elena nicht rückwärts. Sie gab das Geländer auf und schoss mit verzweifelter Geschwindigkeit nach vorne. Aus dem linken Ärmel ihres durchnässten Mantels tauchte ein feines Stilett aus Chirurgiestahl auf — eine verborgene Waffe mit einer schmalen, scharfen Klinge, die darauf ausgelegt war, die Gelenke einer Taktikweste zu durchdringen.Sie führte einen geraden Stoß gegen Nikolais Kehle aus, um die Geschichte in einem gemeinsamen Blutbad zu beenden.Jeder andere Mann hätte vor der Plötzlichkeit des Angriffs gezögert. Doch Nikolai Wolkow war kein gewöhnlicher Mann, und die Kälte, die durch seine Adern floss, verlieh ihm eine makellose taktische Klarheit.Mit einer fließenden Bewegung, ausgeführt mit der Präzision eines Schweizer Chronometers, neigte Nikolai seinen Torso kaum einen Zentimeter nach rechts. Er ließ die Klinge des Stiletts Millimeter von seiner Wange entfernt lediglich durch die eiskalte Luft s
Der eiskalte Wind über der Kuppel des Michaelerplatzes schien für eine Sekunde zu stocken, erstickt von der Dichte einer absoluten Stille. In über dreißig Metern Höhe, auf dem regengepeitschten Holzgerüst über den Dächern Wiens, schrumpfte die gesamte Spannung auf die Distanz zwischen zwei Blicken zusammen: eine Frau, die von der Wut ihrer eigenen Niederlage aufgezehrt wurde, und ein Mann, der soeben die letzte Kette seiner Vergangenheit abgelegt hatte.Elena Rostova verharrte an der Kante des Eisengitters, ihren halben Körper über die Schwärze des Abgrunds gelehnt. Sie erwartete Verzweiflung in Nikolais Gesicht zu sehen, erhoffte sich Schuldgefühle oder zumindest das Aufflammen jener Wut, die einst das Monster von Sankt Petersburg ausgezeichnet hatte. Sie brauchte es, dass der Eiszar litt; sie brauchte es, an der Seite von Sienna als unüberwindbarer Makel in seinen Nächten zu spuken.Doch als die aschgrauen Lichter des Platzes sich in Nikolai Wolkows Augen spiegelten, fand Elena nich
Der Sprung erfolgte ohne ein weiteres Wort. Für den Bruchteil einer Sekunde schien Elenas Gestalt im eiskalten Wind zu schweben, während der strömende Regen das letzte Licht des Michaelerplatzes auf ihrem durchnässten Mantel spiegelte. Sie hatte den Sturz in den Tod gewählt, um ein ewiges Brandmal in Nikolais Verstand einzubrennen.Doch sie hatte die Reflexe des Mannes unterschätzt, den sie zu zerstören suchte.Nikolai dachte nicht nach. Er kalkulierte nicht das Risiko, noch zögerte er eine Millisekunde. In derselben Sekunde, in der Elenas Stiefel den Kontakt zum Eisen verloren, schoss seine aufragende Gestalt nach vorne. Mit einer explosionsartigen Bewegung warf sich der Eiszar flach auf die durchnässten, rutschigen Holzplanken der Plattform, streckte seinen rechten Arm durch das Geländer und griff blind in das Schwarz der Nacht.Katsch!Sein eiserner Griff schloss sich mit zermalmender Präzision um Elenas rechtes Handgelenk.Der ruckartige Stopp riss Nikolais Schulter mit brutaler W
Der Wind über der Kuppel des Michaelerplatzes war kein bloßer Luftzug — er glich einer eisigen Klinge, die durch die Wiener Nacht schnitt. In über dreißig Metern Höhe, auf den regennassen Kiefernplanken des Restaurierungsgerüsts, fiel der eiskalte Regen in diagonalen Bahnen und peitschte gegen die Bronzestatuen und den dunklen Schiefer der Dächer. Das Dröhnen des Verkehrs auf der Ringstraße drang nur gedämpft herauf, reduziert auf ein fernes Summen. In der Luft lag ausschließlich das wilde Pfeifen des Sturms und das quälende Keuchen der beiden Kontrahenten.Elena Rostova wich zurück, bis der Absatz ihres Stiefels gegen das verrostete Eisengitter stieß, das den absoluten Rand des Abgrunds markierte.Sie war vollkommen entgleist, beraubt jener kalten Eleganz, mit der sie einst die Vorstandsetagen von New York und Colorado beherrscht hatte. Ihr Ledermantel, durchnässt und schwer von Wasser, tropfte auf die Planken. Ihr Haar, das sonst in makelloser Strenge frisiert war, hing in dunklen,
Das Messer schnitt durch den peitschenden Regen, doch Nikolais Bewegung war kein Ausweichen im Affekt — es war eine kalte, mathematische Parade. Mit einer minimalen Drehung seines Torsos ließ er die Stahlklinge harmlos durch den eiskalten Wind streichen. Bevor Elena die Waffe für einen zweiten Schlag zurückziehen konnte, schloss sich Nikolais rechte Hand wie eine hydraulische Presse um ihr Handgelenk.Ein Schrei des Schmerzes wurde vom Heulen des Sturms über dem Michaelerplatz verschlungen. Das Taktikmesser entglitt ihren tauben Fingern, krachte gegen die hölzernen Planken der Plattform und stürzte schließlich über die Kante achtzig Meter tief in die Schwärze der kaiserlichen Nacht.Elena versuchte, sich mit der Wildheit einer gefangenen Bestie aus dem Griff zu winden, schlug mit der freien Faust nach der Brust des Tycoons, doch Nikolais Halt blieb unerschütterlich. Er nutzte ihren eigenen Schwung, drehte ihren Arm auf den Rücken und drückte sie kontrolliert gegen das eiserne Geländer
Das Echo von Stahlschellen, die sich um die Handgelenke von Baron Maximilian von Brandt schlossen, hallte noch immer wider. Beraubt seiner hochmütigen Haltung und mit schmerzverzerrtem Gesicht nach der Lektion durch Nikolai, wurde der Aristokrat von Beamten der österreichischen Bundespolizei zu den monumentalen Flügeltüren geführt. Hinter ihm strömte eine Delegation Schweizer Richter und Staatsanwälte — angeführt von Dr. Adrian Vance, dem einflussreichen justiziellen Verbündeten, den Sienna aus Zürich aktiviert hatte — mit einem Arsenal internationaler Haftbefehle und Beschlagnahmeanordnungen in die Kammer.Der Zeremoniensaal, einst das unantastbare Heiligtum des mitteleuropäischen Adels, verwandelte sich innerhalb von Minuten in das Szenarium einer hochrangigen gerichtsmedizinischen und juristischen Auseinandersetzung.„Meine Herren“, verkündete Richter Vance und entfaltete vor den erstarrten Patriarchen der Sieben Meister Dossiers, die mit den Siegeln des Europäischen Gerichtshofs u







