LOGINVor fünf Jahren beging Sienna Moore den größten Fehler ihres Lebens: Sie verliebte sich in Nikolai Volkov. Was für die unschuldige Praktikantin eine unvergessliche Woche voller Leidenschaft war, war für den skrupellosen russischen CEO lediglich ein flüchtiger Flirt, bevor er nach Moskau zurückkehrte. Als Sienna herausfand, dass sie schwanger war, versuchte sie ihn zu erreichen – nur um an einer Wand aus Verachtung und Drohungen zu scheitern, die das Umfeld des Magnaten errichtet hatte. Gebrochenen Herzens und völlig auf sich allein gestellt, tauchte Sienna unter, um ihre Tochter zu schützen. Heute ist Nikolai kälter und tödlicher denn je. Während einer Geschäftsreise in eine Kleinstadt, wo er ein lokales Unternehmen übernehmen will, gerät seine erstarrte Welt ins Wanken: In einem Restaurant trifft er auf ein vierjähriges Mädchen. Ein Mädchen mit demselben herausfordernden Blick und seinen unverwechselbaren eisblauen Augen. Überzeugt davon, dass Sienna ihm seinen Erben aus reiner Egoismus vorenthalten hat, entfesselt Nikolai seinen Zorn. Getrieben von seinen Millionen und einer Armee von Anwälten stellt er ihr ein knallhartes Ultimatum: Entweder ziehen sie nach seinen Regeln in seine Villa, oder er nimmt ihr das Kind für immer weg. Nikolai glaubt, sich eine fügsame Gefangene gekauft zu haben. Doch er wird schon bald erkennen, dass die süße Praktikantin von einst zu einer Löwenmutter geworden ist, die vor nichts zurückschreckt – und dass die wahre Täuschung seit Jahren in seinem eigenen Haus lauert.
View MoreSiennas Worte hingen wie Gift in der Luft des marmornen Foyers.„Und betrachten Sie ein vierjähriges Mädchen als eine Störung, Elena?“Für den Bruchteil einer Sekunde war die Stille so dicht, dass Sienna das leise Summen der Lüftung hören konnte. Sie hatte erwartet, dass die Sekretärin erblasste, dass sie zurückwich, dass die Schuldgefühle ihre perfekte Fassade bröckeln ließen. Doch Elena Rostowa war nicht die rechte Hand des Eiszaren geworden, weil sie schwach war.Elena blinzelte, rückte ihre Brille zurecht, legte den Kopf schief und nahm einen Ausdruck von eleganter, höflicher Verwirrung an.„Ich bitte um Verzeihung, Fräulein Moore“, sagte Elena mit einer professionell modulierten Stimme. „Ich fürchte, ich habe keine Ahnung, wovon Sie sprechen. Meine einzige Aufgabe ist es, Herrn Wolkows Terminkalender zu verwalten. Ich würde mich niemals in sein Privatleben einmischen, geschweige denn ein Kind so bezeichnen.“Sienna spürte, wie das Blut in ihren Adern kochte. Die schiere Dreistigk
Achtundvierzig Stunden waren vergangen seit jenem frühen Morgen, als Milas Fieber Siennas Herz fast zum Stillstand gebracht hatte. Zwei Tage, in denen die Dynamik in dem massiven grauen Steinanwesen eine subtile, aber unbestreitbare Metamorphose durchlaufen hatte.Das Fieber des Kindes war vollständig gesunken und hinterließ eine etwas blassere, aber ebenso anspruchsvolle und energetische Mila, die nun von ihrem Bett aus regierte, umringt von Bilderbüchern und Spielsachen, die Nikolai ihr persönlich gebracht hatte. Der Eiszar — ein Mann, der Termine selbst bei Naturkatastrophen nicht absagte — hatte sein gesamtes Operationszentrum in den Westflügel des Hauses verlegt. Die Konzernzentrale in Manhattan hatte er seitdem nicht mehr betreten.Und dann war da die Spannung zwischen ihm und Sienna.Nach jenem Morgengrauen in der Hauptsuite, nach den geflüsterten Geständnissen und dem Kuss, den Milas Stimme einen Millimeter vor der Vollendung unterbrochen hatte, war die Luft zwischen ihnen dic
Das Morgengrauen begann den Himmel über Upstate New York mit breiten Strichen aus sanftem Perlgrau zu durchziehen und sickerte durch die riesigen Fenster der Hauptsuite. Die Welt draußen blieb in herbstlicher Lethargie gehüllt, doch im Inneren des Raumes schein die Zeit stillzustehen.Sienna wusste nicht, wie lange sie so gesessen hatten — auf der Bettkante, die Hände über den dunklen Seidenlaken miteinander verflochten. Nikolais fester, warmer Puls unter ihren Fingern war ein rhythmischer Anker, der sie in der Realität erdete. Sie hatten die Nacht überstanden. Milas Atmung, nun tief und gleichmäßig, war das süßeste Geräusch, das Sienna in ihrem Leben gehört hatte.Langsam begann ein akutes Bewusstsein für die Intimität der Situation durch den Nebel ihrer Erschöpfung zu schneiden. Sie lag im Bett des Eiszaren und hielt die Hand des Mannes, der noch vor wenigen Stunden gedroht hatte, sie vor Gericht zu vernichten.Sienna machte eine subtile Bewegung, um ihre Hand zurückzuziehen.Nikola
Drei Uhr fünfzehn morgens. Die Stille im Wolkow-Anwesen glich nicht der Ruhe eines gewöhnlichen Zuhauses; sie war schwer, absolut — eine grabesähnliche Reglosigkeit, garantiert durch dicke Steinmauern und Panzerglas. Im Ostflügel schlief Sienna in einem Zustand ständiger Wachsamkeit. Seit sie diese Festung betreten hatte, hatten ihre Überlebensinstinkte sie daran gehindert, in einen tiefen Schlaf zu fallen, und hielten ihre Sinne scharf auf jede denkbare Gefahr gerichtet.Doch das Geräusch, das sie hochschrecken ließ, war nicht das eines Eindringlings oder der schwere Schritt von Sicherheitskräften auf dem Flur. Es war ein leises Wimmern, fast ein gebrochenes Murmeln.Sienna riss die Augen auf, ihr Herz hämmerte wild gegen ihre Rippen. Sie setzte sich in dem riesigen Bett auf und lauschte angestrengt.„Mama…“Reine, viszeral geladene Panik ergriff sie. Sienna warf die schwere Seidendecke zurück, rannte barfuß über den Dielenboden und stürmte durch die Verbindungstür in das Zimmer ihre

















