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Kapitel 48 – Das Eindringen

Autor: Eternel
last update Data de publicação: 2026-04-01 20:49:00

Gabriel

Das Telefon vibriert.

Ein trockener Ruck auf dem Schreibtisch, der das Schweigen zerreißt, in das er sich vergraben hatte.

Zuerst sieht er nicht einmal auf das Display. Er hat keine Energie. Sein Geist ist noch ertrunken im Duft von Élise, in der glühenden Erinnerung an ihre Haut. Dann, aus Gewohnheit, aus beruflichem Reflex, der nicht sterben will, fallen seine Augen auf das Display.

DR. MENDELSON: PRIVAT

Ihm stockt das

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  • Der Schatten eines Wunders   Kapitel 48 – Das Eindringen

    GabrielDas Telefon vibriert.Ein trockener Ruck auf dem Schreibtisch, der das Schweigen zerreißt, in das er sich vergraben hatte.Zuerst sieht er nicht einmal auf das Display. Er hat keine Energie. Sein Geist ist noch ertrunken im Duft von Élise, in der glühenden Erinnerung an ihre Haut. Dann, aus Gewohnheit, aus beruflichem Reflex, der nicht sterben will, fallen seine Augen auf das Display.DR. MENDELSON: PRIVATIhm stockt das Blut.Er spürt, wie sich sein Brustkorb zusammenzieht, ein stechender Schmerz unter dem Brustbein. Der Name genügt, um eine versunkene Welt heraufzubeschwören: ein steriler Raum, Maschinen, ein zu grelles Licht und jenes Wort, das ein Urteil gewesen war, ein Deckel, der auf seine Zukunft geschweißt war: steril.Ein kurzer Atemzug durchfährt seine Kehle.Er nimmt ab.»Gabriel?«Die Stimme ist angespannt, schnell, erdrück

  • Der Schatten eines Wunders   Kapitel 47 – Das Echo

    ÉliseDer Flur ist ein Tunnel aus Blicken. Meine Schritte klingen falsch auf den Fliesen, jeder Aufprall ein Glassplitter in der plötzlichen Stille. Das Lachen ist abrupt verstummt, ersetzt durch ein tiefes Summen, ein Gemurmel von Fliegen vor dem Gewitter. Ich starre auf einen Punkt geradeaus, die Toilettentür, meinen einzigen möglichen Horizont. Ein mechanisches Lächeln trennt meine Lippen, ein Reflex der Kobra angesichts der Gefahr. Ihre Gesichter im Gegenzug sind glatte Masken, aber ihre Augen verschlingen jedes Stück meiner Haut, spüren den Riss auf, die Spur. Ich gehe vorbei. Ich spüre, wie ihre Pupillen mir folgen, schwer, an meinem Rücken haftend.Die schwere Toilettentür gibt nach, der kühle, geflieste Raum saugt mich auf. Ich schließe mich in einer Kabine ein, schiebe den Riegel mit einer trockenen Bewegung zu. Die relative Dunkelheit. Das weiße Summen des Ventilators. Und endl

  • Der Schatten eines Wunders   Kapitel 46 – Der Geschmack des Schweigens

    ÉliseDer Vormittag dehnt sich in seltsamer Langsamkeit.Die Minuten hängen aneinander, schwer und zögernd.Die Gesichter um mich herum scheinen verschwommen, wie in einem Traum, aus dem ich nicht erwachen kann.Jedes Mal, wenn er durch den Flur geht, spüre ich, wie mein Körper sich anspannt.Selbst ohne hinzusehen, weiß ich es.Ich erkenne die Art, wie sein Schatten über die Scheiben gleitet, den Rhythmus seiner Schritte, dieses leichte Rascheln des Stoffes, wenn er sich wendet.Die Gerüchte hingegen sind in vollem Gange.Geflüster, halb ersticktes Lachen.Man spricht leise, aber nicht leise genug.Ein flüsternd ausgesprochener Name, ein schnell abgebrochenes Lachen, ein unvollendeter Satz.All das webt ein Netz um mich.Ich halte den Kopf gesenkt, konzentriere mich auf Zahlen, die keinen Sinn mehr ergeben.Aber im Inneren brennt noch alles.Die Nacht, das Meer, der Wind – alles ist zurückgekehrt.Mittags, als die anderen sich anschicken, hinauszugehen, erscheint eine Nachricht auf m

  • Der Schatten eines Wunders   Kapitel 45 – Unter dem weißen Licht

    ÉliseAm nächsten Tag wirkt das Büro kälter als sonst.Keine wirkliche Kälte, nicht die, die man auf der Haut spürt, sondern die, die von innen kommt.Als ob der gestrige Tag eine unsichtbare Schicht auf mir zurückgelassen hätte, einen Schleier aus Salz und Schweigen.Vielleicht bin ich es, die sich verändert hat.Oder vielleicht das Licht.Dieses weiße, erbarmungslose Licht, das über die Scheiben gleitet und überall eindringt.Es wärmt nichts. Es entblößt.Ich durchquere den Flur schweigend.Jeder Schritt hallt ein wenig zu laut wider.Die Gespräche verstummen zur Hälfte, das Lachen erstirbt.Oder vielleicht bilde ich es mir ein.Vielleicht kommt alles von mir.Ich lächle, grüße, setze mich.Aber mein Körper gehorcht mir nicht mehr.Meine Bewegungen sind automatisch, hohl, als spielte ich noch immer jemand anderen.Die Tastatur klackert unter meinen Fingern, ohne dass ich die Worte wirklich sehe.Als er eintritt, muss ich nicht aufsehen.Ich spüre ihn.Ein Schauer durchzieht die Luft

  • Der Schatten eines Wunders   Kapitel 44 – Unter dem Wind des Meeres

    ÉliseDas Essen verlief in gedämpfter Ruhe.Meine Mutter sprach in kleinen Sätzen, wie um die Stille zu füllen.Meine Großmutter dagegen beobachtete, aufmerksam, als läse sie in mir, was ich nicht auszusprechen wagte.Ich stocherte auf meinem Teller herum, ohne wirklich zu essen. Der Geschmack wollte nicht mehr kommen.Die Worte auch nicht.Als ich aufstehe, um den Tisch abzuräumen, ertönt ein trockenes Geräusch: drei Schläge an der Tür.Meine Mutter fährt zusammen.»Zu dieser Stunde?«, murmelt sie.Ich gehe öffnen.Und bleibe wie erstarrt stehen.Dort, auf dem Treppenabsatz, im fahlen Licht des Flurs, steht mein Chef.Sein dunkler Mantel ist feucht, seine Augen glänzen vor einer Anspannung, die ich nie zuvor bei ihm gesehen habe.»Guten Abend, Élise. Entschuldige, dass ich so spät komme …«Seine Stimme ist leise, beherrscht.Ich stammle:»Ist alles in Ordnung?«»Ich möchte mit dir sprechen. Unter vier Augen, wenn möglich.«Hinter mir tritt meine Mutter näher, verunsichert.»Das ist d

  • Der Schatten eines Wunders   Kapitel 43 – Der Staub der Gerüchte

    ÉliseAm nächsten Tag wissen es alle.Oder tun so, als wüssten sie es nicht.Was auf dasselbe hinausläuft.Die Gesichter haben einen anderen Schimmer bekommen.Ein Nichts.Ein Schatten im Blick, ein zurückgehaltenes Lächeln, ein zu langes Schweigen.Ich spüre es, sobald ich eintrete.Die Morgen-Geräusche – die Tastaturen, das Lachen, die Begrüßungen – scheinen sich auf dieselbe falsche Note eingespielt zu haben.Alles klingt hohl.Alles klingt gegen mich.Ich stelle meine Tasche ab, schalte meinen Computer ein.Die Bewegungen sind mechanisch, aber meine Hände zittern leicht.Der Kaffee neben mir wird kalt, vergessen.Am Automaten tuscheln zwei Kolleginnen.Ich gehe hinzu: sie verstummen sofort.Einen Augenblick des Innehaltens.Dann ein Lächeln, zu schnell, zu höflich.»Du siehst müde aus, Élise. Alles in Ordnung?«»Ja, danke.«Ihre Stimmen setzen wieder ein, als ich mich umdrehe.Ein unterdrücktes Lachen.Ein Wort, das ich nicht verstehe – oder das ich nicht verstehen will.Ich atme

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