LOGINGabriel
Der Motor brummt. Ein dumpfe Vibration, die an meinen Oberschenkeln hochsteigt, sich mit dem unkontrollierbaren Zittern meiner Hände vermischt.
Ich sehe auf die Straße. Die weißen Linien werden zu hypnotischen Streifen. Klingen, die mich in zwei teilen.Ich werde Vater.
Der Gedanke explodiert, immer wieder, im hinteren Teil meines Schädels. Eine Detonation in Schleife.
Vater.Ein Wort, das ich aus meinem WörtGabrielMeine Finger pressen erneut auf die Klingel, zu fest, zu lange. Das Summen hallt im engen Treppenhaus wider, ein aggressiver Ton, der den Sturm in mir verrät.Ich stehe vor ihrer Tür.Élise.Der Name auf dem Formular. Die Adresse auf dem zerknitterten Blatt in meiner Tasche.Hier ist es. Sie ist da, hinter diesem Holz. Trägt mein Kind.Unser Kind.Meine Hand sinkt herab, schwer. Ich höre ein gedämpftes Geräusch von innen. Ein zögernder Schritt. Das Schweigen, das sich verdichtet, geladen mit all dem Unausgesprochenen.Sie weiß, dass ich es bin. Ich spüre es.Die Tür öffnet sich einen Spalt, langsam, als widerwillig. Ein Auge, dann erscheint ihr Gesicht im Türspalt. Blass. Die Züge gezeichnet von einer Müdigkeit, die ich jetzt nur zu gut erkenne. Es ist nicht mehr die Müdigkeit der Arbeit. Es ist etwas anderes.»G
GabrielDie Glastüren der Arztpraxis öffnen sich mit einem Hauch zu kalter Klimaanlagenluft. Der Geruch von Antiseptikum und Angst steigt mir in die Kehle.Eine Empfangsdame mit Plastiklächeln sieht zu mir auf.»Mein Herr, haben Sie einen Termin?«Ich bleibe nicht stehen. Ich gehe geradewegs auf das Büro zu, an das ich mich erinnere, am Ende des Flurs. Meine Schritte hallen auf dem Linoleum, jeder Aufprall ein Hammerschlag in die gedämpfte Stille.»Mein Herr! Sie können nicht …«Mendelsons Tür ist angelehnt. Ich stoße sie auf.Er ist da, hinter seinem Schreibtisch, blass, die Züge verzerrt. Er ist um zehn Jahre gealtert seit unserer letzten Begegnung, damals, als er mir mit neutraler Stimme mitteilte, dass ich niemals ein Kind haben würde.Seine Augen heben sich, voller einer Furcht, die ich erkenne. Es ist dieselbe, die in mir grollt.
GabrielDer Motor brummt. Ein dumpfe Vibration, die an meinen Oberschenkeln hochsteigt, sich mit dem unkontrollierbaren Zittern meiner Hände vermischt.Ich sehe auf die Straße. Die weißen Linien werden zu hypnotischen Streifen. Klingen, die mich in zwei teilen.Ich werde Vater.Der Gedanke explodiert, immer wieder, im hinteren Teil meines Schädels. Eine Detonation in Schleife.Vater.Ein Wort, das ich aus meinem Wörterbuch gestrichen hatte. Ein Wort, das anderen gehörte, denen, die eine Zukunft haben. Nicht dem sterilen Mann, der dazu verurteilt war, das Leben von der anderen Seite der Scheibe aus zu beobachten.Und jetzt … dieses Wort gehört mir. Es bewohnt mich. Es verschlingt mich.Aber es kam durch einen Riss zur Welt. Einen Fehler. Ein Geheimnis.Meine Finger klammern sich fester um das Ledervolk.Eine Frau, irgendwo, trägt mein Kind.Eine Unbekannte
GabrielDas Telefon vibriert.Ein trockener Ruck auf dem Schreibtisch, der das Schweigen zerreißt, in das er sich vergraben hatte.Zuerst sieht er nicht einmal auf das Display. Er hat keine Energie. Sein Geist ist noch ertrunken im Duft von Élise, in der glühenden Erinnerung an ihre Haut. Dann, aus Gewohnheit, aus beruflichem Reflex, der nicht sterben will, fallen seine Augen auf das Display.DR. MENDELSON: PRIVATIhm stockt das Blut.Er spürt, wie sich sein Brustkorb zusammenzieht, ein stechender Schmerz unter dem Brustbein. Der Name genügt, um eine versunkene Welt heraufzubeschwören: ein steriler Raum, Maschinen, ein zu grelles Licht und jenes Wort, das ein Urteil gewesen war, ein Deckel, der auf seine Zukunft geschweißt war: steril.Ein kurzer Atemzug durchfährt seine Kehle.Er nimmt ab.»Gabriel?«Die Stimme ist angespannt, schnell, erdrück
ÉliseDer Flur ist ein Tunnel aus Blicken. Meine Schritte klingen falsch auf den Fliesen, jeder Aufprall ein Glassplitter in der plötzlichen Stille. Das Lachen ist abrupt verstummt, ersetzt durch ein tiefes Summen, ein Gemurmel von Fliegen vor dem Gewitter. Ich starre auf einen Punkt geradeaus, die Toilettentür, meinen einzigen möglichen Horizont. Ein mechanisches Lächeln trennt meine Lippen, ein Reflex der Kobra angesichts der Gefahr. Ihre Gesichter im Gegenzug sind glatte Masken, aber ihre Augen verschlingen jedes Stück meiner Haut, spüren den Riss auf, die Spur. Ich gehe vorbei. Ich spüre, wie ihre Pupillen mir folgen, schwer, an meinem Rücken haftend.Die schwere Toilettentür gibt nach, der kühle, geflieste Raum saugt mich auf. Ich schließe mich in einer Kabine ein, schiebe den Riegel mit einer trockenen Bewegung zu. Die relative Dunkelheit. Das weiße Summen des Ventilators. Und endl
ÉliseDer Vormittag dehnt sich in seltsamer Langsamkeit.Die Minuten hängen aneinander, schwer und zögernd.Die Gesichter um mich herum scheinen verschwommen, wie in einem Traum, aus dem ich nicht erwachen kann.Jedes Mal, wenn er durch den Flur geht, spüre ich, wie mein Körper sich anspannt.Selbst ohne hinzusehen, weiß ich es.Ich erkenne die Art, wie sein Schatten über die Scheiben gleitet, den Rhythmus seiner Schritte, dieses leichte Rascheln des Stoffes, wenn er sich wendet.Die Gerüchte hingegen sind in vollem Gange.Geflüster, halb ersticktes Lachen.Man spricht leise, aber nicht leise genug.Ein flüsternd ausgesprochener Name, ein schnell abgebrochenes Lachen, ein unvollendeter Satz.All das webt ein Netz um mich.Ich halte den Kopf gesenkt, konzentriere mich auf Zahlen, die keinen Sinn mehr ergeben.Aber im Inneren brennt noch alles.Die Nacht, das Meer, der Wind – alles ist zurückgekehrt.Mittags, als die anderen sich anschicken, hinauszugehen, erscheint eine Nachricht auf m







