LOGINDante war in Räumen mit Männern gewesen, die ihn töten wollten, und er hatte noch nie Angst gehabt vor einem kleinen Jungen, der ihn fragte, ob er Erbsen mag.
"Magst du?" wiederholte Luca mit enormer Geduld.
"Was mögen?"
"Erbsen." Der Junge starrte ihn von seinem Platz am Küchentisch des Farmhauses an, eine Schüssel Tomatensuppe vor sich und einen Löffel in der Faust. "Mama sagt, man muss sie essen, auch wenn sie wie kaltes Gras schmecken. Ich finde, Erbsen sind eine Lüge."
"Eine Lüge", wiederholte Dante.
"Mm hm. Eine Gemüse-Lüge. Magst du sie?"
Dante betrachtete die Frage mit der Ernsthaftigkeit, die sie verdiente. Sein Leben hatte ihn gelehrt, dass es immer besser ist, ehrlich zu antworten, wenn ein Zeuge eine direkte Frage stellt.
"Nein", sagte er. "Ich hasse sie."
Lucas ganzes Gesicht leuchtete auf, eine kleine Sonne, die über einem sehr ernsten Horizont aufging.
"Ich hab's gewusst", sagte er. "Ich hab gewusst, dass Erwachsene Erbsen auch hassen. Mama, er hasst Erbsen!"
Vom Herd aus, mit dem Rücken zu ihm, sagte Elena, ohne sich umzudrehen: "Hab ich gehört."
Sie hatte kaum gesprochen, seit sie die Hütte verlassen hatten.
Er verstand es, so wie ein Mann das Wetter versteht. Vor zwei Stunden war sie mit einem schlafenden Kind in den Armen und einem Tracker in der Faust und einem Gesicht wie ein gezücktes Messer aus der Schlafzimmertür gestürzt, und was sie ihm in elf kurzen Sätzen erzählt hatte, hatte sein Blut zu Eis werden lassen. Innerhalb einer Viertelstunde waren sie wieder in den SUVs gewesen, das kleine schwarze Gerät unter seiner Ferse auf der Veranda zerquetscht, ein Konvoi aus drei Fahrzeugen, der die Seestraße entlangraste, bevor die Scheinwerfer hinter ihnen überhaupt das Tor gefunden hatten.
Er hatte sie zum Farmhaus gebracht. Es war kein Safehouse. Niemand in seiner Organisation wusste, dass es existierte. Es hatte der Familie seiner Mutter gehört, als sie noch ein Mädchen in Vermont gewesen war, und er hatte es nie auf Papier festgehalten. Eine rote Scheune, ein weißes Holzhaus, neun Zimmer, vierzig Morgen Land, ein Keller voller eingemachter Pfirsiche. Marco war oben mit Dr. Rao und einer Flasche Grappa. Dantes eigene Männer umringten das Grundstück in der kalten grauen Morgendämmerung, still wie der Nebel.
Und Elena Vance stand in der Küche seiner toten Großmutter am Herd, rührte einen Topf Suppe für einen Jungen mit seinen Augen und weigerte sich, ihn anzusehen.
"Luca", sagte sie. "Iss deine Suppe auf. Dann kannst du nach oben gehen und zeichnen."
"Kann ich einen Lastwagen zeichnen?"
"Du kannst alles zeichnen."
"Kann ich ihn zeichnen?"
Es gab eine Pause. Sie war sehr klein.
"Frag ihn", sagte Elena, und Dante spürte, wie sein Herz etwas Schmerzhaftes und Seltsames tat.
Luca richtete seine enormen grauen Augen auf ihn. "Kann ich dich zeichnen?"
"Ich wäre geehrt", sagte Dante. Seine Stimme kam seltsam und kratzig heraus.
"Willst du ein Hund oder ein Lastwagen sein?"
"Ein Lastwagen."
"Ein großer oder ein kleiner?"
"Was denkst du?"
Luca kniff die Augen zusammen mit professioneller Einschätzung. "Ein großer. Mit einer sehr lauten Hupe."
"Das klingt ungefähr richtig."
Der Junge rutschte vom Stuhl, seine Suppe unvollendet und der Hase hinter sich an einem Ohr schleifend. Er hielt am Fuß der Treppe inne und schaute zurück.
"Du kannst da sitzen", sagte er und zeigte auf den Stuhl neben seinem, mit der Großzügigkeit eines Königs. "Aber du kannst meine Buntstifte nicht haben. Die sind blau."
Dann donnerte er die Treppe hinauf, rief Pistazie zu, er solle sich beeilen, und die Küche verfiel in eine hallende Stille.
Dante saß sehr still.
Er kannte den Namen des Jungen seit elf Stunden. Er wusste, dass er Angst vor Donner hatte und drei Stofftiere besaß und bis hundert zählen konnte, außer der Zahl siebenundfünfzig, die er aus Prinzip übersprang. Er wusste, dass er mit einem Fuß außerhalb der Decke schlief und summte, wenn er nachdachte, und jeden großen Hund Gerald nannte. Er wusste, weil Elena es ihm mit flacher, müder Stimme über das Klappern des Topfes hinweg erzählt hatte, dass sein Geburtstag der neunte April war.
Er wusste, dass sein Sohn einen Geburtstag hatte. Dass er vier davon gehabt hatte und Dante jeden einzelnen verpasst hatte.
Er dachte an seinen eigenen Vater, Enzo Corvino, einen breiten, sanft sprechenden Mann, der nie einmal die Hand gegen seine Kinder erhoben und sie nie einmal vergessen hatte lassen, was es kostete, von ihm geliebt zu werden. Enzo hatte ihm mit neun das Schießen beigebracht. Er hatte ihm mit zehn beigebracht, einen Raum zu lesen. Er hatte ihm beigebracht, dass ein Corvino nicht auf Beerdigungen weint, Verrat nicht vergisst und unter keinen Umständen um mehr bittet, als ihm gegeben wird. Mit zwölf hatte Dante neben dem Sessel seines Vaters gesessen, während Männer den Ring an seiner Hand küssten. Mit sechzehn hatte er zugesehen, wie einer dieser Männer verschwand. Er konnte sich an keine einzige Gutenachtgeschichte erinnern. Er konnte sich nicht daran erinnern, schlafend nach oben getragen worden zu sein.
Und da war ein Vierjähriger oben, der ihm eine Frage über Erbsen gestellt hatte, und er wäre für eine richtige Antwort ins Feuer gegangen.
Es war das seltsamste Gefühl der Welt. Wie ein Zimmer in seinem eigenen Haus zu finden, von dem er nie gewusst hatte, dass es da war, ein Zimmer voller Licht, mit einem Fenster, das auf ein anderes Leben blickte.
"Sag es", sagte Elena, immer noch zum Herd gewandt.
"Was sagen?"
"Was auch immer du denkst. Du sitzt da seit fünf Minuten mit diesem Gesicht. Ich höre es lieber, als zuzusehen, wie du darauf herumkaust."
Er atmete lange ein.
"Ich denke, dass ich zehn Jahre damit verbracht habe, ein Haus mit hundert verschlossenen Türen zu bauen", sagte er langsam. "Und ich wollte noch nie so sehr durch eine davon gehen."
Ihre Schultern zuckten kaum merklich. Sie legte den Löffel weg.
"Das ist nicht das, was ich erwartet habe."
"Was hast du erwartet?"
"Wut." Sie drehte sich schließlich um. Sie sah erschöpft aus. Strähnen kastanienbraunen Haares hatten sich aus ihrem Zopf gelöst und hingen gegen ihre blassen Wangen, und da war ein Rußfleck an ihrem Kiefer, wo sie ihn mit dem Handgelenk abgewischt hatte. Sie war schöner als mit einundzwanzig. Es machte ihn wütend. "Forderungen. Ein Anwalt. Ein, zwei Drohungen. Das ist der Dante Corvino, vor dem ich weggelaufen bin."
"Dieser Dante Corvino wusste nicht, dass er einen Sohn hat."
"Dieser Dante Corvino war mit jemand anderem verlobt."
Der Satz fiel zwischen sie wie ein Stein.
Er hatte gewusst, dass er kommen würde. Er hatte sich seit einer Nacht und einem Tag darauf vorbereitet, und trotzdem traf er ihn ins Brustbein. "Elena."
"Nicht." Sie hob eine Hand. "Ich will keinen Streit anfangen. Ich versuche, dir die Wahrheit zu sagen, weil Luca oben ist und ich denke, wir schulden ihm das beide. Du hast gefragt, warum ich gegangen bin. Ich sag's dir."
"Ich weiß, warum du gegangen bist. Du hast die Zeitung gesehen."
"Ich habe die Zeitung gesehen." Ihre Stimme war leise und fest. "Ich habe einen Mann gesehen, den ich seit drei Tagen kannte, der mir nichts versprach und mich an alles glauben ließ, und ich habe ein Foto von ihm im Smoking mit einer schönen Frau gesehen, die seine Frau werden sollte. Ich bin zweiunddreißig Stockwerke hinuntergelaufen und habe nicht geweint, bis ich in der Bahn war. Das war das Ende. Oder hätte es sein sollen."
"Und dann hast du herausgefunden, dass du schwanger bist."
"Sechs Wochen später." Sie schlang die Arme um sich. "Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich war einundzwanzig. Ich war allein. Mein Vater war tot. Ich dachte daran, es dir zu sagen, und dann dachte ich an die Frau auf dem Foto, und dann dachte ich daran, dass ich nicht das Geringste über die Welt wusste, in die ich gestolpert war. Aber ich habe es trotzdem getan. Ich habe angerufen."
Dante wurde ganz still.
"Du hast angerufen?"
"Die Nummer, die du mir gegeben hast. Die auf der Karte. Ich habe von einem Münztelefon am Bahnhof aus angerufen. Ich stand da fünfundvierzig Minuten mit einer Handvoll Vierteldollar und meinem Herzen im Mund, und als endlich jemand abnahm, war es eine Frau."
"Was für eine Frau?"
"Sie sagte, ihr Name sei Bianca."
Die Küche schien zu kippen.
"Sie war sehr nett", fuhr Elena fort, als wäre sie weit weg. "Das war das Schreckliche daran. Sie sagte, sie wüsste genau, wer ich sei. Sie sagte, du hättest ihr von mir erzählt. Sie sagte, es sei nichts, dass du das schon früher getan hättest, dass Männer wie du das immer tun und dass ich das Ganze vergessen und nach Hause gehen sollte. Und dann machte sie eine Pause und sagte ganz leise: Bist du schwanger?"
"Ich habe ihr nie etwas erzählt", sagte Dante. Seine eigene Stimme klang weit weg. "Ich habe Bianca nie von dir erzählt. Kein Wort."
Elenas Mund verzog sich.
"Sie sagte, wenn ihr Vater jemals herausfinden würde, dass der Corvino-Erbe ein Kind außerhalb der Allianz hat, würde er dieses Kind töten lassen, bevor es den ersten Atemzug tut. Sie sagte, sie hätte einen Plan. Sie traf mich zwei Tage später allein in einem Parkhaus und gab mir einen Umschlag mit sechzigtausend Dollar und einer Busfahrkarte. Sie sagte mir, ich solle verschwinden. Sie sagte, ich solle nie wieder anrufen."
"Elena." Er stand auf. Sein Stuhl schrammte. "Bianca Falcone ist tot."
Sie starrte ihn an.
"Sie ist vor vier Jahren gestorben", sagte er. "Ein Auto auf dem Edens Expressway. Ein geplatzter Reifen, eine Leitplanke. Ich habe die Leiche selbst identifiziert. Ich stand bei ihrer Beerdigung neben Carmine Falcone, während er in ein weißes Taschentuch weinte. Ihre Mutter liegt neben ihr begraben. Ich habe zugesehen, wie sie den Sarg hinabließen."
Elenas Lippen öffneten sich. Eine lange Weile sagte sie nichts.
"Nein", sagte sie. "Das kann nicht stimmen."
"Ich wünschte, es wäre nicht so."
"Aber sie kannte meinen Namen." Elenas Stimme brach auf. "Sie hat ihn zu mir gesagt, Dante. In dieser Garage. Elena, du musst gehen. Sie hat meine Hand gehalten. Sie war echt."
"Sie hat nie ein Wort über dich zu mir gesagt."
"Sie sagte, sie kenne dich seit Jahren. Dass ihr Freunde wärt."
"Wir waren nie Freunde." Er fuhr sich durchs Haar. Es war eine ungewohnte Geste, eine, die er seit seiner Kindheit nicht mehr gemacht hatte. "Wir waren Schachfiguren. Unsere Väter haben über Zigarren ein Geschäft gemacht, und keiner von uns wollte etwas damit zu tun haben. Die Verlobung war ein Handschlag und eine Schlagzeile. Ich habe sie nie geliebt. Ich habe sie nie berührt. Und ich habe deinen Namen nie aus ihrem Mund gehört."
"Wer war es dann?" fragte Elena. "Wenn sie tot war. Mit wem habe ich gesprochen?"
Er hatte keine Antwort.
Er dachte an die Beerdigung. Die weißen Rosen, die flache Stimme des Priesters, Carmine Falcones Schultern, die in seinem dunklen Anzug zitterten. Er dachte an den geschlossenen Sarg und die höfliche, schreckliche Regel der alten Familien, dass man die Toten nicht ansehen soll. Er hatte in der Kälte mit gefalteten Händen dagestanden und nichts als eine vage, schuldige Erleichterung empfunden, dass die Verlobung vorbei war. Jetzt gerann die Erinnerung. Hatte jemand in diese Kiste geschaut? Hatte er, der nichts traute, einfach einem Priester und ein paar tränenreichen Verwandten geglaubt, weil es bequem war, ihnen zu glauben?
"Ich glaube", sagte Elena langsam, "dass dich jemand in deiner Welt schon sehr lange belogen hat."
"Ich glaube, du könntest recht haben", sagte Dante.
Die alte Küchenuhr tickte an der Wand. Irgendwo über ihnen knarrte eine Diele und eine Kinderstimme sang etwas Wortloses und schief.
Sein Telefon vibrierte in seiner Tasche.
Er ignorierte es. Es vibrierte wieder. Ein drittes Mal. Ein viertes. Schließlich, mit einem Gefühl der Beklemmung, das so dick war, dass es ihm die Kehle zuschnürte, zog er es heraus und sah auf den Bildschirm.
Eine unbekannte Nummer. Ein einzelnes Bild, keine Nachricht.
Er öffnete es.
Es war ein Foto, nachts aufgenommen, beleuchtet vom harten weißen Blitzlicht. Ein Friedhof. Ein schwarzer Eisenzaun. Ein weißer Marmor-Grabstein mit einem Namen, den er so gut kannte wie seinen eigenen, Bianca Maria Falcone, geliebte Tochter.
Die Erde vor dem Stein war aufgerissen worden.
Ein großes schwarzes Loch klaffte im Gras, und am Boden davon, im flachen Licht, lag ein Sarg mit zurückgeworfenem Deckel.
Er war leer.
Sie stand auf der Terrasse im grauen Licht vor der Morgendämmerung, als er sie fand.Das Herrenhaus lag still hinter ihnen. Unterhalb der Balustrade fiel der Rasen in einem langen, gefrorenen Schwung ab, silbern und schwarz, hinunter zum fernen Schimmer des Sees. Die Sterne begannen zu verblassen. Ein einzelner Vogel, irgendwo in den Eichen, übte die ersten Töne des Morgens.Elena stand mit dem Rücken zum Haus und dem Jadering in der geballten Faust. Sie hatte dort eine Stunde gestanden. Sie hatte aufgehört, die Kälte zu spüren.„Ich habe nicht gehört, dass du herausgekommen bist", sagte sie, ohne sich umzudrehen.„Ich wollte dir Zeit geben."„Ich habe Zeit gehabt."„Elena." Seine Stimme war leise, vorsichtig, beschwert von einer Ahnung, die sie selbst über den Stein hinweg hören konnte. „Bitte. Lass es mich erklären."„Erklären." Sie drehte sich um. Der Ring blitzte grün im Halbdunkel. „Okay. Erklär es. Fang mit dem Teil an, wo du mir vor wenigen Stunden in einem abgeschlossenen Arbe
Dante hatte vor vier Jahren eine Frau begraben, und jetzt stand diese Frau auf seiner Vortreppe im grellen Licht der Flutstrahler, die Kapuze zurückgeworfen, und ein Gewehr eines Wächters auf ihre Brust gerichtet.Er erkannte sie sofort.Das dunkle Haar war kürzer, stumpf auf Kinnlänge geschnitten, mit einem Streifen vorzeitigen Silbers an der linken Schläfe. Sie war dünner, und die elegante Haltung, die sie wie eine zweite Haut getragen hatte, war verschwunden, ersetzt durch etwas Rohes und Wachsames. Eine dünne weiße Narbe zog sich von ihrer Augenbraue bis zum Rand ihres Haaransatzes. Aber die Augen waren dieselben, groß und schwarz und unergründlich, die Augen einer Frau, die mit sechs Jahren gelernt hatte zu lächeln, wenn sie Angst hatte.„Hallo, Dante", sagte Bianca Falcone. „Ich weiß, du siehst einen Geist. Ich würde sagen, es tut mir leid, aber ich habe das vier Jahre lang geprobt und bin zu müde für Manieren."Niemand bewegte sich. Im kalten Wind summten die Flutstrahler.Nebe
„Mein Vater war ein guter Mann."Elena sagte es zum leeren Arbeitszimmer, als wäre es ein Eid. Sie sagte es zu den Ledersesseln, dem Feuer, das im Kamin knisterte, dem Ölgemälde eines strengen Corvino-Vorfahren über dem Kaminsims. Sie sagte es zu Dante, der am Fenster stand, den Rücken zugewandt und die Schultern sehr gerade.„Er hat mir das Fahrradfahren beigebracht. Er hat mir beigebracht, mit einer Zeitschrift und zwei Schnürsenkeln einen Knochen zu schienen. Er hatte eine Regel, dass man die Menschen, die man liebt, niemals anlügt, und er hat sie kein einziges Mal gebrochen." Ihre Stimme zitterte, und sie hasste es. „Er hat dem Chicago Police Department achtzehn Jahre gegeben. Er hatte eine Medaille. Sie haben ihn damit begraben."„Elena."„Sag nicht Elena zu mir. Sag mir, warum mein Vater in deinem Haus steht, deinem Vater die Hand schüttelt, auf einer Fotografie mit einer Messingplatte darunter."Dante drehte sich um.Er sah müder aus als je zuvor. Das Licht des Feuers schnitt d
Der Privatjet stieg durch eine Bank grauer Wolken und brach in ein Sonnenlicht ein, das so hell und so plötzlich war, dass Luca laut aufkeuchte.„Mama! Mama, das ist die Spitze! Wir sind über dem Himmel!"„Das sind wir allerdings", sagte Elena, die Stirn an das kühle ovale Fenster gepresst, die Finger so fest ineinander verschlungen, dass sie taub geworden waren.Dante beobachtete sie von der anderen Seite des Gangs.Er war zweihundert Mal mit diesem Flugzeug geflogen. Er hatte darauf Geschäfte abgeschlossen und Drohungen ausgesprochen und einmal, denkwürdigerweise, elftausend Dollar an Marco in einer einzigen Kartenrunde verloren. Er hatte noch nie in seinem Leben von hier aus die Wolken betrachtet. Sie waren wunderschön. Eine weiße endlose Ebene unter einer harten blauen Kuppel, leuchtend wie der erste Morgen der Welt.Sein Sohn kniete in Socken auf einem Ledersitz, die Nase am Glas, und hielt einen Stoffhasen zum Fenster hoch.„Schau, Pistazie. Schau. Da kommt der Regen her."„Nein
„Es ist ein Wangenabstrich", sagte Dr. Rao zu Luca, mit der Stimme eines Mannes, der den Großteil seines Berufslebens damit verbrachte, mit Menschen zu sprechen, die extrem nervös waren. „Es ist fast wie Zähneputzen, nur dass nichts nach Minze schmeckt."„Ist es ein Spiel?"„Es ist das beste Spiel. Du machst den Mund weit auf, und ich zähle bis zehn, und dann gebe ich dir einen Aufkleber."„Was für einen Aufkleber?"„Einen Dinosaurier."„Was für einen Dinosaurier?"„Es gibt einen Stegosaurus und einen Triceratops."Luca erwog dies mit ernster Würde. „Triceratops", verkündete er. „Der Stegosaurus hat ein sehr kleines Gehirn."Elena, die im Türrahmen der sonnendurchfluteten Bauernhausstube stand und die Arme um die Taille geschlungen hatte, biss sich auf die Innenseite der Wange, um nicht zu lachen. Es überraschte sie. Sie hatte nicht gedacht, dass sie jemals wieder würde lachen können.Es war neun Uhr morgens. Der Regen war vorüber. Die Felder draußen vor den Fenstern waren silbern vom
Dante war in Räumen mit Männern gewesen, die ihn töten wollten, und er hatte noch nie Angst gehabt vor einem kleinen Jungen, der ihn fragte, ob er Erbsen mag."Magst du?" wiederholte Luca mit enormer Geduld."Was mögen?""Erbsen." Der Junge starrte ihn von seinem Platz am Küchentisch des Farmhauses an, eine Schüssel Tomatensuppe vor sich und einen Löffel in der Faust. "Mama sagt, man muss sie essen, auch wenn sie wie kaltes Gras schmecken. Ich finde, Erbsen sind eine Lüge.""Eine Lüge", wiederholte Dante."Mm hm. Eine Gemüse-Lüge. Magst du sie?"Dante betrachtete die Frage mit der Ernsthaftigkeit, die sie verdiente. Sein Leben hatte ihn gelehrt, dass es immer besser ist, ehrlich zu antworten, wenn ein Zeuge eine direkte Frage stellt."Nein", sagte er. "Ich hasse sie."Lucas ganzes Gesicht leuchtete auf, eine kleine Sonne, die über einem sehr ernsten Horizont aufging."Ich hab's gewusst", sagte er. "Ich hab gewusst, dass Erwachsene Erbsen auch hassen. Mama, er hasst Erbsen!"Vom Herd a







