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Vier

Author: Ree
last update publish date: 2026-09-21 04:43:35

Kapitel Vier – Sie gehört mir

Selenes POV

Als ich zu Hause ankam, war der Schmerz in meinem Körper bereits abgeklungen, doch die Blutergüsse zeichneten noch immer wütende violette und blaue Flecken auf meiner Haut. Ich hatte meine Heilung absichtlich verlangsamt – es war die einzige Möglichkeit, mein Geheimnis zu bewahren.

Mein Onkel stand an der Tür, als ich hereinkam. Sein Blick glitt einmal langsam und schwer über mich, bevor sich seine Augen verengten.

„Was ist diesmal passiert?“ Seine Stimme war leise, doch sie trug das Gewicht einer Frage, die er schon viel zu oft gestellt hatte.

„Training“, antwortete ich und ging an ihm vorbei in Richtung Küche. „Es ist nichts. Ich werde bald wieder geheilt sein.“

Sein scharfes Ausatmen folgte mir.

„Selene …“

Ich wandte ihm den Rücken zu und tat so, als würde ich mich auf den Wasserkocher konzentrieren. Das metallische Klirren, als ich ihn auf den Herd stellte, war lauter als nötig und übertönte die Enttäuschung in seiner Stimme.

Wir hatten dieses Gespräch schon öfter geführt, als ich zählen konnte.

Er wusste es.

Er wusste es immer.

Aber er verstand auch, warum ich mich nie wehrte.

„Du solltest dich ausruhen“, sagte er schließlich.

Stattdessen griff ich nach dem Umschlag, den ich versteckt hatte, und legte ihn auf den Tisch.

„Die Miete. Nimm sie.“

Seine Ablehnung kam sofort, beinahe heftig.

„Nein.“

„Onkel …“

Er unterbrach mich. Seine Stimme wurde plötzlich leise und war von etwas Rohem durchzogen.

„Ich konnte deinen Vater vor seinem Tod nicht mehr sehen. Ich habe zugelassen, dass die Angst mich beherrscht. Ich habe ihn verraten … und Alpha Robert.“

Sein Blick traf meinen. Ruhig, unerschütterlich und schwer vor Reue.

„Lass mich jetzt an deiner Seite stehen. Du musst das nicht allein tragen. Ich weiß, dass du dir eingeredet hast, du müsstest für alle und zu jeder Zeit stark sein. Aber nicht bei mir. Lass mich etwas für dich tun, selbst wenn es nur so etwas Kleines ist. Lass mich die Familie sein, auf die du dich stützen kannst, so wie dein Vater es gewollt hätte.“

Meine Kehle zog sich zusammen.

Ich krümmte meine Finger zu Fäusten, damit sie nicht zitterten. Ich wollte widersprechen, ihm sagen, dass es mir gut ging.

Doch bevor ich etwas sagen konnte, vibrierte mein Handy.

Avery.

Ich stellte den Lautsprecher an.

„Hallo.“

„Wir müssen uns treffen“, drang die Stimme meines Lektors aus dem Lautsprecher. Sie klang knapp und nervös.

Ich runzelte die Stirn.

„Warum?“

„Der Verlag plant ein Fantreffen für dich.“

Ich erstarrte.

„E-ein was?“

„Du weißt schon. Leser treffen, Bücher signieren, Fragen beantworten …“

„Ich weiß, was ein Fantreffen ist“, unterbrach ich ihn scharf. „Ich frage, warum sie eines planen, obwohl ich unmissverständlich klargemacht habe, dass ich keine öffentlichen Auftritte mache.“

Avery zögerte. Die Stille zwischen uns zog sich in die Länge.

„Mir wurde nichts davon gesagt. Aber sie haben es bereits angekündigt.“

Ich schloss die Augen und atmete langsam durch die Nase ein.

„Sag es ab.“

„Sie haben es den Fans bereits mitgeteilt …“

„Ich trete nicht bei öffentlichen Veranstaltungen auf“, sagte ich mit einer Stimme so kalt wie Eis. „Das war Teil der Vereinbarung, als ich bei ihnen unterschrieben habe.“

„Ich verstehe“, sagte er vorsichtig, „aber ich kann das nicht rückgängig machen. Cara … Lass sie wissen, dass du Solone Bill bist. Sie erwarten dich.“

Wenn jemand Cela mit Solone Bill in Verbindung brachte, wäre der Schaden verheerend.

Das Café war an diesem Abend ruhig. Die Stühle waren hochgestellt, und die Luft war vom Geruch frisch gebrühten Kaffees und Reinigungsmittels erfüllt. Ich war gerade dabei, die Theke abzuwischen, als das Geräusch eines Motors die Stille durchbrach – ein tiefes, teures Grollen, das nicht in diese Straße gehörte.

Ein eleganter schwarzer Wagen hielt am Straßenrand.

Noch bevor sich die Tür öffnete, spürte ich, wie sich die Atmosphäre veränderte.

Und dann stieg er aus.

Alden.

Seine Anwesenheit erfüllte den Raum wie ein Schatten, der das letzte Licht des Tages verschlang. Breite Schultern, ein zielstrebiger Gang und ein Gesichtsausdruck, der zu jemandem gehörte, der es gewohnt war, Befehle zu erteilen.

Das verblassende Zwielicht legte sich um ihn, als würde es ihn erkennen. Die Dunkelheit ließ seine Züge schärfer und ihn noch gefährlicher wirken.

Verdammt.

Er war unfair attraktiv.

Ich verdrängte den Gedanken, als er ohne zu zögern hereinkam, als würde der Ort bereits ihm gehören.

Sein Blick fand mich sofort.

„Pizza“, sagte er, als wäre es ein Befehl und keine Bitte, und setzte sich.

„Wir haben geschlossen“, erwiderte ich und verschränkte die Arme. „Und wir haben keine Pizza mehr.“

Eine Augenbraue hob sich.

„Soll ich morgen wiederkommen?“

Ich seufzte.

„Ich habe etwas für mich aufgehoben. Ich kann sie aufwärmen, wenn du sie wirklich möchtest.“

Ashen, meine Wölfin, stieß hinter der Theke ein spöttisches Schnauben aus.

„Was ist los? Hast du genug von den Gourmetgerichten deines Kochs, Alpha? Bist du etwa wegen fettiger Pizza hier?“

Ich ignorierte sie und ging nach hinten.

Doch bevor ich die Pizza in den Ofen schieben konnte, wurde die Tür aufgerissen.

„Gib mir etwas zu essen!“

Kaelen.

Ich drehte mich langsam um und bereitete mich bereits auf seine übliche Art von Ärger vor.

Doch dann fiel sein Blick auf Alden, der in der Ecke saß.

Er erstarrte.

Seine Augen wanderten zu seinem verletzten Arm – dem Arm, den Alden gebrochen hatte – und ich bemerkte den Anflug von Demütigung in seinem Gesicht.

„Ich … äh …“

Er machte einen Schritt zurück.

„Schon gut. Ich habe keinen Hunger.“

Dann drehte er sich zu meinem völligen Erstaunen um und ging.

Ich stand einen Moment lang da und blinzelte.

Was zum Teufel?

Ashen, die ohne einen Kampf zurückwich?

Das war neu.

Ich schüttelte den Gedanken ab, wärmte die Pizza fertig auf und stellte den Teller vor Alden.

Ich wollte mich gerade abwenden, als seine Stimme mich aufhielt.

„Dieses Wochenende findet meine Gefährtenzeremonie statt.“

Ich erstarrte.

Tief in meinem Herzen hatte ich gewusst, dass dieser Tag kommen könnte. Doch die Worte trafen mich wie ein Messer mitten in die Brust.

Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und sah mich mit diesem undurchschaubaren Gesichtsausdruck an.

Also war es das.

Er würde seine Zurückweisung offiziell machen – und der ganzen Welt zeigen, wo wir standen.

Der Schmerz in meiner Brust war ein alter Schmerz, eine Narbe, die erneut aufgerissen wurde.

Alex hatte mich schon einmal für die Tochter eines Alphas verlassen.

Und nun war Alden hier und brachte mich in genau dieselbe Lage.

Aber dieses Mal …

würde ich nicht zerbrechen.

Ich lächelte.

„Herzlichen Glückwunsch.“

Seine Augen verengten sich leicht, als würde ihn meine Ruhe beunruhigen.

„Bei der Zeremonie“, fuhr ich ungerührt fort, „wirst du es verkünden, nicht wahr? Du wirst es offiziell machen.“

Seine Augen wurden dunkler, und für einen kurzen Moment war sein Wolf darin zu erkennen.

„Ich werde da sein“, sagte ich schlicht.

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