LOGINKapitel Sechs – Das Gefährtenband
Aldens POV
Mein Vater hatte nach mir rufen lassen, also folgte ich ihm durch den stillen Korridor bis in seine privaten Gemächer.
In dem Moment, in dem sich die Tür hinter uns schloss, drehte er sich zu mir um.
Ich sah die Peitsche in seiner Hand.
Ich wusste, was nun kommen würde, also bewegte ich mich nicht.
Der erste Schlag traf hart meinen Rücken.
Ich biss die Zähne zusammen und nahm ihn schweigend hin. Ein weiterer Schlag folgte.
Mein Vater sagte kein Wort, bis er zufrieden damit war, dass ich seinen Zorn über mich hatte ergehen lassen.
„Du hast das getan, ohne mir etwas zu sagen.“
Seine Stimme war leise, doch die Wut dahinter war deutlich zu spüren.
Ich richtete mich auf.
„Du hast mich nicht gefragt“, fuhr er fort. „Du hast meine Zustimmung nicht eingeholt. Du bist vor das gesamte Rudel getreten und hast die Tochter von Edwin Black zu deiner Gefährtin erklärt. Warum?“
Als er die Peitsche schließlich senkte, deutete er mir an, mich richtig hinzustellen.
„Erkläre es mir.“
Ich hielt seinem Blick stand.
Ich wusste bereits, was ihm wichtig war: Macht, Kontrolle und Expansion.
„Vater, ich weiß, dass du mehr Land und mehr Rudel unter unserer Kontrolle haben willst“, sagte ich ruhig. „Aber je größer wir werden, desto schwieriger wird es, alles zu verwalten. Unsere Grenzen sind bereits weit ausgedehnt, und unsere Krieger müssen ständig von einem Gebiet ins andere verlegt werden. Wir können nicht einfach weiter expandieren, ohne dadurch neue Probleme zu schaffen.“
Seine Augen verengten sich.
„Das Barry-Rudel ist klein und schwach“, fuhr ich fort. „Es liegt zu nah am Winder-Rudel, und sobald Caleb einen Krieg beginnt, könnte Barry leicht zu seinem Ziel werden. Wir können ihnen Schutz anbieten, bevor Caleb es tut. So werden sie unsere Verbündeten, ohne dass wir um ihr Territorium kämpfen müssen.“
Der Ausdruck meines Vaters veränderte sich leicht.
Ich fuhr fort.
„Zuerst wollte ich Selene Black ablehnen. Aber sie zu akzeptieren, kann uns auf eine andere Weise helfen. Einige Mitglieder unseres Rudels haben bereits das Gefühl, dass sie beiseitegeschoben wurden. Sie müssen sehen, dass es beim Nightfall-Rudel nicht nur um Macht geht.“
Ich machte eine kurze Pause.
„Selene kann ihnen zeigen, dass wir jemanden akzeptieren können, der einst auf der anderen Seite stand. Sie kann zu einem Grund werden, warum die Menschen uns vertrauen.“
Mein Vater beobachtete mich aufmerksam.
„Das Wichtigste ist jetzt, das Rudel für uns zu gewinnen“, sagte ich. „Selbst wenn es bedeutet, dass ich dafür mein eigenes Glück opfern muss, bin ich bereit, es zu tun.“
Mole kicherte in meinem Kopf.
Ach, komm schon, Alden. Du könntest doch kaum glücklicher darüber sein, dass Selene unsere Gefährtin ist.
Ich ignorierte ihn.
Mein Vater starrte mich einen Moment lang an, bevor sein Gesichtsausdruck weicher wurde.
„Von all meinen Kindern bist du mein Lieblingssohn.“
Ich sagte nichts.
„Wenn du irgendwann eine Wölfin findest, die du wirklich liebst, sag es mir zuerst“, fügte er hinzu. „Lass mich nicht noch einmal von der Entscheidung durch das gesamte Rudel erfahren.“
Dann wurde sein Gesichtsausdruck wieder hart.
„Aber für deinen Verrat hinter meinem Rücken hast du die Peitsche trotzdem verdient.“
Ich nickte.
„Ich verstehe.“
Er deutete auf die Tür.
„Du kannst gehen.“
Ich drehte mich um und verließ den Raum.
In dem Moment, in dem ich den Korridor betrat, meldete sich Mole wieder.
Das ist also deine Erklärung?
„Was ist damit?“
Du hast ihm gesagt, dass du Selene wegen des Rudels gewählt hast.
Ich ging weiter.
„Ja.“
Aber wir beide wissen, dass das nicht die ganze Wahrheit ist.
Ich sagte nichts.
Mole lachte leise.
Du hättest sie ablehnen können. Hast du aber nicht.
Ich blieb stehen.
Er hatte recht.
Es gab noch einen anderen Grund, warum ich Selene gewählt hatte.
Sie war meine Gefährtin.
Und egal, wie sehr ich versucht hatte, diese Tatsache hinter Plänen und Bündnissen zu verbergen, ich kannte die Wahrheit.
Ich wollte sie.
Ich setzte meinen Weg fort.
Alles war nach Plan gelaufen.
Mein Vater hatte meine Entscheidung akzeptiert.
Das Rudel hatte Selene akzeptiert.
Und nun wusste jeder, dass sie meine Gefährtin war.
Ich dachte, ich hätte alles unter Kontrolle.
Ich ahnte nicht, dass die Entscheidung, Selene zu wählen, schon bald die eine Entscheidung sein würde, über die ich keine Kontrolle mehr haben konnte.
Kapitel Sechs – Das GefährtenbandAldens POVMein Vater hatte nach mir rufen lassen, also folgte ich ihm durch den stillen Korridor bis in seine privaten Gemächer.In dem Moment, in dem sich die Tür hinter uns schloss, drehte er sich zu mir um.Ich sah die Peitsche in seiner Hand.Ich wusste, was nun kommen würde, also bewegte ich mich nicht.Der erste Schlag traf hart meinen Rücken.Ich biss die Zähne zusammen und nahm ihn schweigend hin. Ein weiterer Schlag folgte.Mein Vater sagte kein Wort, bis er zufrieden damit war, dass ich seinen Zorn über mich hatte ergehen lassen.„Du hast das getan, ohne mir etwas zu sagen.“Seine Stimme war leise, doch die Wut dahinter war deutlich zu spüren.Ich richtete mich auf.„Du hast mich nicht gefragt“, fuhr er fort. „Du hast meine Zustimmung nicht eingeholt. Du bist vor das gesamte Rudel getreten und hast die Tochter von Edwin Black zu deiner Gefährtin erklärt. Warum?“Als er die Peitsche schließlich senkte, deutete er mir an, mich richtig hinzust
Kapitel Fünf – Eine Wendung des SchicksalsSelenes POVIch hielt mich ganz hinten in der großen Halle auf. Meine Brust fühlte sich eng an, und mein Herz hämmerte so heftig, als könnte es jeden Moment durch meine Rippen brechen. Jeder Atemzug fühlte sich scharf an, jeder Ausatemzug war flach.Die Gefährtenzeremonie lag vor mir – eine Bühne voller Erwartungen, nach denen ich nie gefragt hatte und denen ich dennoch nicht entkommen konnte.Ich warf einen Seitenblick auf die einflussreichen Alpha-Familien, die sich in der Halle versammelt hatten. Alpha Marcus stand mit seiner üblichen strengen Haltung da, flankiert von einem weiteren Alpha und dessen Tochter.Ihre Blicke, schwer vor Urteil, schienen mich zu durchbohren und mit unsichtbaren Ketten zu belasten. Jede geflüsterte Erwartung, jeder prüfende Blick fühlte sich an, als würde er gegen meine Lunge drücken und mir langsam die Luft zum Atmen nehmen.Alden stand oben auf der Bühne. Groß, unnachgiebig, jeder Zentimeter von ihm strahlte d
Kapitel Vier – Sie gehört mirSelenes POVAls ich zu Hause ankam, war der Schmerz in meinem Körper bereits abgeklungen, doch die Blutergüsse zeichneten noch immer wütende violette und blaue Flecken auf meiner Haut. Ich hatte meine Heilung absichtlich verlangsamt – es war die einzige Möglichkeit, mein Geheimnis zu bewahren.Mein Onkel stand an der Tür, als ich hereinkam. Sein Blick glitt einmal langsam und schwer über mich, bevor sich seine Augen verengten.„Was ist diesmal passiert?“ Seine Stimme war leise, doch sie trug das Gewicht einer Frage, die er schon viel zu oft gestellt hatte.„Training“, antwortete ich und ging an ihm vorbei in Richtung Küche. „Es ist nichts. Ich werde bald wieder geheilt sein.“Sein scharfes Ausatmen folgte mir.„Selene …“Ich wandte ihm den Rücken zu und tat so, als würde ich mich auf den Wasserkocher konzentrieren. Das metallische Klirren, als ich ihn auf den Herd stellte, war lauter als nötig und übertönte die Enttäuschung in seiner Stimme.Wir hatten di
Kapitel DreiAldens POVSie riss ihren Arm aus meinem Griff und wich zurück, als könnte sie der Anziehungskraft zwischen uns entkommen.Für einen Herzschlag brannte die Erinnerung an unsere Berührung in meinen Adern. Der Funke, der Schock, der von Haut zu Haut gegangen war, war noch immer da und kroch wie ein Lauffeuer unter meiner Haut.Selenes Augen waren scharf und wachsam. Sie huschten zu meinen, als würde sie jedes Wort abwägen, bevor es ihre Lippen verließ.„Ich weiß nicht, wovon du sprichst“, sagte sie leise. Ihre Stimme war ruhig und kontrolliert.Lügnerin.Ich musterte sie aufmerksam. Jede Anspannung in ihrer Haltung, jedes noch so kleine Gefühl, das ihr Gesicht verriet. In mir streifte Mole, mein Wolf, unruhig umher.„Sie ist unsere Gefährtin“, zischte Mole und lief wie ein Raubtier in einem Käfig hin und her. „Wir dürfen keine Zeit verschwenden. Handle jetzt!“„Noch nicht“, knurrte ich und presste den Kiefer zusammen. „Geduld, Mole. Wir bewegen uns erst, wenn ich es entsche
Kapitel Zwei – Wofür?Selenes POVIch dachte, das Chaos wäre vorbei. Vielleicht konnte das Leben endlich wieder zu einem zerbrechlichen Anschein von Normalität zurückkehren.Ich lag falsch.Ein großer, schlanker Mann betrat das Café. Er bewegte sich mit der stillen Präzision eines Mannes, der es gewohnt war, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ich erstarrte, während mein Herz heftig in meiner Brust schlug.„Alden bedauert den Vorfall neulich“, sagte er mit tiefer, bedachter, beinahe ausdrucksloser Stimme. „Er hat Ersatz geschickt. Vorräte für das Café deines Onkels.“Die Worte hingen wie eine Warnung in der Luft.Jarek versteifte sich neben mir. Seine Finger umklammerten den Rand der Theke so fest, dass seine Knöchel weiß wurden. Ich konnte seine Anspannung spüren wie statische Elektrizität.„Er besteht darauf … dass du persönlich zum Rudelhaus kommst“, fügte der Mann hinzu. Sein Ton ließ keinen Raum für Widerspruch.Eine scharfe Anspannung ergriff den Raum und zog sich enger zusammen
Kapitel Eins – Im Café meines OnkelsSelenes POV„Beweg dich!“, fauchte Kaelen und stieß mich hart gegen die Theke. Ein stechender Schmerz schoss durch meinen Rücken, doch ich weigerte mich, auch nur zusammenzuzucken. Seine Augen waren vor Wut wild, seine Lippen zu einem grausamen höhnischen Lächeln verzogen.„Du bist eine Katastrophe! Wenn du nicht hier gewesen wärst, wäre das alles nicht passiert. Wir hätten das selbst regeln können!“Ich biss die Zähne zusammen und schwieg. Ich hatte das schon oft erlebt. Monate voller Beleidigungen, Schuldzuweisungen und der ständigen Erinnerung daran, dass ich angeblich nicht hierhergehörte. Aber heute … heute fühlte es sich schwerer an. Schmerzhafter. Schärfer.„Sag etwas!“, knurrte Kaelen und verstärkte seinen schmerzhaften Griff um meinen Arm. „Oder willst du einfach wie eine Feiglingin dastehen?“Ich öffnete den Mund, um zu antworten, doch ein plötzliches Krachen draußen ließ mich erstarren.Die Tür schlug auf, Staub wirbelte auf, und mein On







