Mag-log inKapitel Drei
Aldens POV
Sie riss ihren Arm aus meinem Griff und wich zurück, als könnte sie der Anziehungskraft zwischen uns entkommen.
Für einen Herzschlag brannte die Erinnerung an unsere Berührung in meinen Adern. Der Funke, der Schock, der von Haut zu Haut gegangen war, war noch immer da und kroch wie ein Lauffeuer unter meiner Haut.
Selenes Augen waren scharf und wachsam. Sie huschten zu meinen, als würde sie jedes Wort abwägen, bevor es ihre Lippen verließ.
„Ich weiß nicht, wovon du sprichst“, sagte sie leise. Ihre Stimme war ruhig und kontrolliert.
Lügnerin.
Ich musterte sie aufmerksam. Jede Anspannung in ihrer Haltung, jedes noch so kleine Gefühl, das ihr Gesicht verriet. In mir streifte Mole, mein Wolf, unruhig umher.
„Sie ist unsere Gefährtin“, zischte Mole und lief wie ein Raubtier in einem Käfig hin und her. „Wir dürfen keine Zeit verschwenden. Handle jetzt!“
„Noch nicht“, knurrte ich und presste den Kiefer zusammen. „Geduld, Mole. Wir bewegen uns erst, wenn ich es entscheide.“
Er knurrte frustriert.
„Du glaubst, sie wird darauf warten, dass du dich entscheidest? Sie gehört uns. Beanspruche sie, bevor es jemand anderes tut.“
Ich ignorierte ihn und richtete meinen Blick wieder auf Selene.
Ihr Geruch, wild, würzig und frisch wie Regen auf trockenen Blättern, traf mich wie ein Schlag gegen die Brust. Ihr Puls beschleunigte sich, als ich auch nur einen halben Schritt näher kam. Es war subtil, aber unmöglich zu ignorieren.
Sie versuchte, es zu verbergen, presste die Lippen fest aufeinander und spannte den Kiefer an, doch die Wahrheit sickerte durch jede Linie ihres Körpers.
Ich atmete langsam aus und sprach mit tiefer, fester Stimme.
„Du spürst es auch, nicht wahr? Das Band zwischen uns?“
Selene zuckte nicht zusammen.
Sie stritt es nicht ab.
„Ich weiß, was ich bin“, sagte sie leise. Ihre Worte waren von Resignation geprägt. „Und ich weiß, was du bist. Du würdest niemals jemanden wie mich … eine Ausgestoßene … als deine Gefährtin akzeptieren. Ich bin auf die Zurückweisung vorbereitet.“
Mole stieß ein tiefes Knurren aus meiner Brust aus. Frustriert, beinahe wütend.
Ihre Worte verdrehten etwas in mir.
Damit hatte ich nicht gerechnet.
Ich hatte erwartet, dass sie kämpfen würde, vielleicht schreien oder sich lautstark widersetzen würde. Aber nicht diese stille, ruhige Akzeptanz, als hätte sie eine Entscheidung bereits aufgegeben, die ich noch nicht einmal getroffen hatte.
„Du solltest sie bald markieren“, schnappte Mole in meinem Inneren. Seine Krallen scharrten gegen meine Rippen. „Wir können nicht länger warten.“
Ich ignorierte ihn.
Noch nicht.
Ich würde nicht zulassen, dass Instinkt und mein Wolf die Kontrolle über mich übernahmen. Nicht hier. Nicht so.
Stattdessen musterte ich sie und ließ die Stille zwischen uns länger werden, dicht und schwer.
Jeden Herzschlag, jeden flachen Atemzug prägte ich mir ein.
Ich ließ sie meine Aufmerksamkeit spüren, mein Gewicht, das Gewicht des Rudels und die unvermeidliche Verbindung zwischen uns.
„Du unterschätzt dieses Rudel“, sagte ich schließlich mit ruhiger, kontrollierter Stimme. „Wir sind nicht so kalt oder grausam, wie du glaubst.“
Sie verengte skeptisch die Augen.
„Geh zum Trainingsgelände und sieh selbst nach“, fügte ich hinzu und ließ einen Hauch von Herausforderung in meine Stimme einfließen. „Sieh, wer wir wirklich sind.“
Selene blinzelte langsam, als hätte ich gerade etwas völlig Unsinniges gesagt.
Dann zog ein sanfter Duft durch den Raum.
Rosen, vermischt mit etwas Süßem und zugleich leicht Scharfem.
Meine Schwester Mira.
Ihre Anwesenheit war ruhig und unaufdringlich, doch ich spürte sie sofort.
Ihr Blick wanderte zwischen Selene und mir hin und her. Er war schwer zu deuten, aber voller stummer Missbilligung.
Selene atmete leise aus und richtete ihre Schultern auf.
„Ich habe zu tun“, sagte sie mit ruhiger Stimme.
Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um und ging hinaus, wobei sie eine Spur von Spannung hinter sich zurückließ.
Mole knurrte leise missbilligend. Sein Knurren spiegelte meine eigene Frustration wider, während ich ihr nachsah.
Mira bemerkte es.
Sie trat näher, die Augenbrauen zusammengezogen und die Lippen aufeinandergepresst.
Ich sah sie nicht an. Mein Blick blieb auf die Tür gerichtet, auf den leeren Raum, den Selene gerade verlassen hatte.
Sie folgte meinem Blick und sagte kühl:
„Wir müssen reden. Komm in mein Büro.“
In meinem Arbeitszimmer lehnte sie sich gegen die Kante meines Schreibtisches und wickelte gedankenverloren eine Haarsträhne um ihren Finger. Ihr Blick wanderte über die Reihen von Büchern hinter mir.
„Dieses hier“, sagte sie und nahm ein in Leder gebundenes Buch aus dem Regal. „Es ist selten. Ich wollte es schon seit Ewigkeiten haben. Der Autor wird bald eine Signierstunde geben. Ich möchte es mitnehmen und signieren lassen.“
Sie lächelte hoffnungsvoll, beinahe unschuldig.
Ich schloss die Akte, die ich in der Hand hielt, und lehnte mich zurück.
„Nein.“
Sie runzelte die Stirn.
„Warum nicht? Ich bin deine Schwester.“
„Wenn du ein Autogramm möchtest“, sagte ich langsam, „kann ich das für dich arrangieren. Aber dieses Buch verlässt dieses Regal nicht.“
Ihre Augen funkelten interessiert.
„Kennst du den Autor? Cela?“
Ich sah sie nur schweigend an.
Sie stieß frustriert einen Seufzer aus.
„Schon gut, schon gut.“
Sie stellte das Buch zurück, murmelte etwas vor sich hin und stapfte aus dem Raum.
Als ich allein war, wandte ich mich dem Regal zu und zog Der vergessene Krieg heraus.
Ich blätterte durch die Seiten, bis ein Foto meine Aufmerksamkeit auf sich zog.
Die Ränder waren verbrannt, doch das Bild selbst war noch erhalten.
Selene …
Oder Solone Bill, wie sie während ihres geheimen Lebens in Verkleidung genannt worden war.
Ich fuhr mit meinem Finger über den verbrannten Rand und erinnerte mich an das Feuer vor zwei Jahren, als ich das Foto vor der vollständigen Zerstörung gerettet hatte.
Ein Riss zog sich durch das Bild. Es war schwarz und versengt, doch es hatte überlebt.
Es spielte keine Rolle, dass das Foto beschädigt war.
Ich hatte sie gefunden.
Und dieses Mal würde nichts – kein Feuer, kein Rudel, nicht einmal das Schicksal – zulassen, dass sie mir entkam.
Ich schloss meine Hand fester um das Foto. Meine Brust zog sich vor Entschlossenheit und etwas Dunklerem zusammen.
Das hier war längst keine bloße Jagd mehr.
Es ging nicht mehr nur darum, dass das Gefährtenband erwachte.
Dies war der Beginn, sie für mich zu beanspruchen.
„I… ich habe nicht …“, stotterte er mit zitternder Stimme.
Ich wirbelte ihn herum, sodass er einen Schrei ausstieß, der mir die Härchen an den Armen aufstehen ließ.
Einer seiner Freunde trat vor, als wollte er eingreifen.
Ich warf ihm einen warnenden Blick zu, und der Junge blieb augenblicklich stehen. Sein Gesicht war vor Angst kreidebleich.
„Wer hat sie noch angefasst?“, knurrte ich. Meine Stimme war tief, aber voller Bedrohung.
Kaelen wimmerte.
„Wir … wir haben nichts getan.“
Ich verdrehte sofort sein Handgelenk.
Schmerz zeichnete sich auf seinem Gesicht ab, als er zu Boden stürzte.
Die anderen bewegten sich nicht.
Sie hatten nicht den Mut dazu.
Ich kniete mich neben ihn und hielt sein Kinn fest, sodass er mir direkt in die Augen sehen musste.
„Du bist die Treppe hinuntergefallen. Das ist alles, was passiert ist. Verstanden?“
Er nickte hektisch. Tränen traten ihm in die Augen.
„Gut“, sagte ich und erhob mich.
Ich ließ meinen Blick über die anderen Männer schweifen.
Keiner von ihnen wagte auch nur zu atmen.
Selene hatte mich nicht um Hilfe gebeten. Sie konnte sich immer selbst behaupten und sich Umständen widersetzen, die jeden anderen zerstört hätten.
Aber etwas hatte sich verändert.
Sie hatte mich bereits für sich eingenommen.
Ob sie es zugeben oder überhaupt erkennen wollte, ob sie es akzeptierte oder nicht – sie gehörte jetzt zu mir.
Und ich würde dafür sorgen, dass niemand jemals wieder den Mut aufbrachte, daran zu zweifeln.
Kapitel Sechs – Das GefährtenbandAldens POVMein Vater hatte nach mir rufen lassen, also folgte ich ihm durch den stillen Korridor bis in seine privaten Gemächer.In dem Moment, in dem sich die Tür hinter uns schloss, drehte er sich zu mir um.Ich sah die Peitsche in seiner Hand.Ich wusste, was nun kommen würde, also bewegte ich mich nicht.Der erste Schlag traf hart meinen Rücken.Ich biss die Zähne zusammen und nahm ihn schweigend hin. Ein weiterer Schlag folgte.Mein Vater sagte kein Wort, bis er zufrieden damit war, dass ich seinen Zorn über mich hatte ergehen lassen.„Du hast das getan, ohne mir etwas zu sagen.“Seine Stimme war leise, doch die Wut dahinter war deutlich zu spüren.Ich richtete mich auf.„Du hast mich nicht gefragt“, fuhr er fort. „Du hast meine Zustimmung nicht eingeholt. Du bist vor das gesamte Rudel getreten und hast die Tochter von Edwin Black zu deiner Gefährtin erklärt. Warum?“Als er die Peitsche schließlich senkte, deutete er mir an, mich richtig hinzust
Kapitel Fünf – Eine Wendung des SchicksalsSelenes POVIch hielt mich ganz hinten in der großen Halle auf. Meine Brust fühlte sich eng an, und mein Herz hämmerte so heftig, als könnte es jeden Moment durch meine Rippen brechen. Jeder Atemzug fühlte sich scharf an, jeder Ausatemzug war flach.Die Gefährtenzeremonie lag vor mir – eine Bühne voller Erwartungen, nach denen ich nie gefragt hatte und denen ich dennoch nicht entkommen konnte.Ich warf einen Seitenblick auf die einflussreichen Alpha-Familien, die sich in der Halle versammelt hatten. Alpha Marcus stand mit seiner üblichen strengen Haltung da, flankiert von einem weiteren Alpha und dessen Tochter.Ihre Blicke, schwer vor Urteil, schienen mich zu durchbohren und mit unsichtbaren Ketten zu belasten. Jede geflüsterte Erwartung, jeder prüfende Blick fühlte sich an, als würde er gegen meine Lunge drücken und mir langsam die Luft zum Atmen nehmen.Alden stand oben auf der Bühne. Groß, unnachgiebig, jeder Zentimeter von ihm strahlte d
Kapitel Vier – Sie gehört mirSelenes POVAls ich zu Hause ankam, war der Schmerz in meinem Körper bereits abgeklungen, doch die Blutergüsse zeichneten noch immer wütende violette und blaue Flecken auf meiner Haut. Ich hatte meine Heilung absichtlich verlangsamt – es war die einzige Möglichkeit, mein Geheimnis zu bewahren.Mein Onkel stand an der Tür, als ich hereinkam. Sein Blick glitt einmal langsam und schwer über mich, bevor sich seine Augen verengten.„Was ist diesmal passiert?“ Seine Stimme war leise, doch sie trug das Gewicht einer Frage, die er schon viel zu oft gestellt hatte.„Training“, antwortete ich und ging an ihm vorbei in Richtung Küche. „Es ist nichts. Ich werde bald wieder geheilt sein.“Sein scharfes Ausatmen folgte mir.„Selene …“Ich wandte ihm den Rücken zu und tat so, als würde ich mich auf den Wasserkocher konzentrieren. Das metallische Klirren, als ich ihn auf den Herd stellte, war lauter als nötig und übertönte die Enttäuschung in seiner Stimme.Wir hatten di
Kapitel DreiAldens POVSie riss ihren Arm aus meinem Griff und wich zurück, als könnte sie der Anziehungskraft zwischen uns entkommen.Für einen Herzschlag brannte die Erinnerung an unsere Berührung in meinen Adern. Der Funke, der Schock, der von Haut zu Haut gegangen war, war noch immer da und kroch wie ein Lauffeuer unter meiner Haut.Selenes Augen waren scharf und wachsam. Sie huschten zu meinen, als würde sie jedes Wort abwägen, bevor es ihre Lippen verließ.„Ich weiß nicht, wovon du sprichst“, sagte sie leise. Ihre Stimme war ruhig und kontrolliert.Lügnerin.Ich musterte sie aufmerksam. Jede Anspannung in ihrer Haltung, jedes noch so kleine Gefühl, das ihr Gesicht verriet. In mir streifte Mole, mein Wolf, unruhig umher.„Sie ist unsere Gefährtin“, zischte Mole und lief wie ein Raubtier in einem Käfig hin und her. „Wir dürfen keine Zeit verschwenden. Handle jetzt!“„Noch nicht“, knurrte ich und presste den Kiefer zusammen. „Geduld, Mole. Wir bewegen uns erst, wenn ich es entsche
Kapitel Zwei – Wofür?Selenes POVIch dachte, das Chaos wäre vorbei. Vielleicht konnte das Leben endlich wieder zu einem zerbrechlichen Anschein von Normalität zurückkehren.Ich lag falsch.Ein großer, schlanker Mann betrat das Café. Er bewegte sich mit der stillen Präzision eines Mannes, der es gewohnt war, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ich erstarrte, während mein Herz heftig in meiner Brust schlug.„Alden bedauert den Vorfall neulich“, sagte er mit tiefer, bedachter, beinahe ausdrucksloser Stimme. „Er hat Ersatz geschickt. Vorräte für das Café deines Onkels.“Die Worte hingen wie eine Warnung in der Luft.Jarek versteifte sich neben mir. Seine Finger umklammerten den Rand der Theke so fest, dass seine Knöchel weiß wurden. Ich konnte seine Anspannung spüren wie statische Elektrizität.„Er besteht darauf … dass du persönlich zum Rudelhaus kommst“, fügte der Mann hinzu. Sein Ton ließ keinen Raum für Widerspruch.Eine scharfe Anspannung ergriff den Raum und zog sich enger zusammen
Kapitel Eins – Im Café meines OnkelsSelenes POV„Beweg dich!“, fauchte Kaelen und stieß mich hart gegen die Theke. Ein stechender Schmerz schoss durch meinen Rücken, doch ich weigerte mich, auch nur zusammenzuzucken. Seine Augen waren vor Wut wild, seine Lippen zu einem grausamen höhnischen Lächeln verzogen.„Du bist eine Katastrophe! Wenn du nicht hier gewesen wärst, wäre das alles nicht passiert. Wir hätten das selbst regeln können!“Ich biss die Zähne zusammen und schwieg. Ich hatte das schon oft erlebt. Monate voller Beleidigungen, Schuldzuweisungen und der ständigen Erinnerung daran, dass ich angeblich nicht hierhergehörte. Aber heute … heute fühlte es sich schwerer an. Schmerzhafter. Schärfer.„Sag etwas!“, knurrte Kaelen und verstärkte seinen schmerzhaften Griff um meinen Arm. „Oder willst du einfach wie eine Feiglingin dastehen?“Ich öffnete den Mund, um zu antworten, doch ein plötzliches Krachen draußen ließ mich erstarren.Die Tür schlug auf, Staub wirbelte auf, und mein On







