LOGINAIDENS PERSPEKTIVEAus irgendeinem Grund fühlte sich Avery sichtlich unwohl, während wir am Esstisch saßen und aßen. Sie warf mir immer wieder heimliche Blicke zu, während ich mich auf mein Handy konzentrierte. Obwohl mein Fokus auf dem Bildschirm lag, konnte ich sie aus dem Augenwinkel genau beobachten.„Du fängst morgen wieder mit der Uni an, richtig?“, fragte ich und lugte ein wenig zur Seite, ohne den Kopf von meinem Handy zu heben.„Ja, aber ich kann auch warten, bis die Beerdigung vorbei ist.“ Das konnte ja wohl nicht ihr Ernst sein.„Nicht nötig.“Ich nippte an meinem Kaffee und sah zu, wie sie sich den Mund mit Brot vollstopfte. Versaute Gedanken daran, ihren Mund mit etwas völlig anderem zu füllen, schossen mir augenblicklich durch den Kopf. Ihr Unbehagen schien sich nur noch weiter zu verschlimmern.„Was ist los?“, fragte ich.„Nichts.“ Es war offensichtlich etwas ganz gewaltig faul, aber sie behauptete stur das Gegenteil und fragte mich stattdessen, wie ich überhaupt dar
AVERY„Du fängst morgen wieder mit der Uni an, richtig?“, fragte Aiden, während sein Blick starr auf sein Handy gerichtet war. Drei Tage waren seit Stephans Tod vergangen. Manchmal verlor Aiden für einen kurzen Moment die Kontrolle und ließ uns—oder eher mich—einen flüchtigen Blick auf seine Sorgen, vielleicht sogar auf seinen Schmerz, erhaschen.„Ja“, erwiderte ich und schob mir noch ein Stück Brot in den Mund. Aiden hatte urplötzlich damit angefangen, seine Mahlzeiten am Esstisch einzunehmen. Anfangs hatte ich mich dabei ziemlich unwohl gefühlt und sogar mit dem Gedanken gespielt, mein Essen mit nach oben zu nehmen, aber ich kannte Aiden inzwischen—vielleicht nicht perfekt, aber gut genug, um zu wissen, dass er sich dann seinen ganz eigenen Reim darauf machen würde. Vielleicht sehnte er sich auch einfach nach Gesellschaft. „Ich könnte allerdings auch warten, bis Stephan beerdigt wurde…“„Nein. Es gibt keinen Grund zu warten. Du hast ohnehin schon das halbe Semester verpasst.“ Seine
PERSPEKTIVE DES AUTORSWie schlägt man einen Lügner am besten, wenn nicht mit seinen eigenen Waffen? Aiden schenkte dem Mann, der mit ihm im Arbeitszimmer saß, ein breites Lächeln.Sie hatten den Großteil des Tages damit verbracht, Akten durchzugehen—belastendes Material über Geschäfte und Beziehungen, einfach alles, was sie in die Finger bekommen konnten.„Ich muss schon sagen, du bist um einiges schlauer, als ich dir zugetraut habe. Wie bist du an all das hier herangekommen?“„Heimliche Arbeit, lange Geschichte. Du solltest dir Kopien davon machen und sie den Giovannis zuspielen.“ Der Vorschlag war harmlos, ja fast unschuldig, aber er entfachte ein Feuer in Aiden.„Wozu?“„Nichts für ungut, aber deine Familie und ihre liegen nun schon seit Jahrzehnten im Clinch. Das wäre die perfekte Gelegenheit, Fehden ein für alle Mal zu beenden.“„Und was glaubst du bitteschön über diese Fehde zu wissen, hm? Sie haben mir alles genommen! Alles… Und bis ich meine Rache habe, will ich keinen Frie
AVERYAus irgendeinem Grund bohrte Aiden nicht weiter nach Antworten. Ich hatte zwar versucht, mit ihm über das zu sprechen, was vorhin mit Jayden im Garten vorgefallen war, aber ein knappes „Nicht nötig“ war alles gewesen, was er dazu zu sagen hatte.Ich saß in meinem Zimmer und scrollte durch mein Handy, in der Hoffnung, Kiki online zu erwischen. Ich hatte einfach niemanden, mit dem ich reden konnte. Sydney steckte mitten in ihrer Trauer und war viel zu deprimiert, um mit irgendwem ein Wort zu wechseln, und Jayden war ein absoluter Vollidiot. Alles fühlte sich merkwürdig an. In der einen Sekunde ist noch alles in bester Ordnung, und in der nächsten bricht das blanke Chaos aus.Als ich mich schließlich dazu entschloss, schlafen zu gehen, legte ich mich flach auf den Rücken und starrte stumpf an die Decke. Ich hatte Stephan zwar nicht besonders nahegestanden, aber dennoch fiel es mir unendlich schwer zu akzeptieren, dass er nicht mehr am Leben sein sollte. Ein plötzlicher, markersch
AIDENDie Genugtuung, die ich verspürte, während ich meine Fäuste unbarmherzig in Jaydens Gesicht rammte, war unbeschreiblich. „Es reicht, Aiden! Du bringst ihn noch um, wenn du so weitermachst!“, warnte mich Rosa.„Vielleicht ist es genau das, was er verdient!“, brüllte ich voller Zorn.„Du musst dich zusammenreißen. Ihn zu Tode zu prügeln, wird absolut nichts ändern. Es ungeschehen zu machen, dass er sie geküsst hat, wird es nicht—und es wird Stephan auch nicht wieder lebendig machen.“Die Wahrheit ist: Das war einfach mein Versuch, meine Wut rauszulassen, um wieder einen kühlen Kopf zu bekommen und klar denken zu können. Jayden hatte mir einen verdammt guten Grund geliefert, ihn in meinen persönlichen menschlichen Sandsack zu verwandeln—ein Ventil, um meinen Zorn irgendwie zu bändigen. Bedauerlicherweise lasse ich Dampf nun mal nicht mit Worten ab, sondern mit meinen Fäusten.Am Ende entschuldigte sich Jayden und traf die Entscheidung, für eine Weile ins Ausland zu gehen. Hoffent
AVERY„Was wird Aiden jetzt wohl tun?“, fragte ich mich selbst, während ich meine Knie umklammerte und unentwegt darüber nachgrübelte, was als Nächstes passieren würde. Ich fragte sich, was wohl in seinem Kopf vorging.Stunden vergingen, und noch immer gab es keine Spur von ihm. Das machte mir nur noch mehr Angst. Ich bekam allmählich Hunger und wollte unbedingt wissen, ob Jayden überhaupt noch am Leben war, um sicherzugehen, dass die Sache im Garten nicht völlig aus dem Ruder gelaufen war.Ich verließ mein Zimmer; es war zu ruhig im Haus, viel zu ruhig. Als ich mich der Treppe näherte, konnte ich gedämpfte Stimmen hören… und Weinen. Was zum Teufel war hier los?! Ich stürmte die Treppe hinunter, wobei ich immer zwei Stufen auf einmal nahm. Genau dort, mitten im Wohnzimmer, kauerte Sydney auf dem Boden und schrie sich die Seele aus dem Leib. Nein, Aiden konnte ihn doch unmöglich umgebracht haben, oder? Was hatte er getan?„Nein, Aiden, du hast ihn nicht umgebracht, oder?“, stellte i
AIDENS POVMeine unschuldige Braut hat nicht die geringste Ahnung, was ich heute Nacht mit ihr vorhabe. Ich werde sie fürs Erste in Ruhe lassen. Ein wenig Zeit mit dem Kartell zu verbringen, kann nicht schaden; es ist ein hervorragender Zeitvertreib.„Chef, Sie haben doch gerade erst geheirate
AVERYS POV„Wie ist Ihr Chef eigentlich so?“, fragte ich in den Raum hinein, ohne jemanden Bestimmtes anzusehen.Die Fahrt zum Haus meines frischgebackenen Ehemanns war still und voller Sorgen. Er saß nicht mit mir im selben Auto, was mich fragen ließ, was er wohl zu verbergen hatte. Ich wusste abs
AVERYS POVIrgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht. Die Männer in diesem Raum waren alle merkwürdig. Es würde mich nicht überraschen, wenn sie gestaltwandelnde Monster wären. Sie machten mir unheimliche Angst.„Nimm endlich meine Hand“, befahl mein Vater mit tiefer, gefährlicher Stimme.Ich sch
AVERY’S POVIch musste fliehen, das war meine Chance. Nur noch ein paar Schritte, und ich wäre frei. Ich musste es einfach nur zu Keisha schaffen. Meine Hände berührten das heiße Metall des Tors, während mein Herz vor Freude raste.Plötzlich wurde mir kaltes Metall an den Kopf gepresst. Schweißperl







