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Der Blick des Reapers

Author: Alia Writes
last update publish date: 2026-07-01 17:45:19

Elenas Stiefel hallten auf dem kalten Steinboden, als sie dem schweigsamen Wächter durch die schwach beleuchteten Gänge der Shadow Veil Academy folgte. Ihr Herz hämmerte gegen ihre fest gebundene Brust, jeder Schritt eine Erinnerung an die zerbrechliche Lüge, die sie lebte. Die Luft wurde dicker, schwerer vom Geruch nach Schweiß, Waffenöl und etwas Metallischem, das Blut sein konnte. Sie hielt die Schultern gestrafft, den Kiefer in dem fest, was hoffentlich ein überzeugend maskuliner finsterer Blick war, doch innerlich tobte ein Sturm in ihrem Kopf.

Bleib ruhig. Tief atmen. Stimme senken. Die Bandagen gruben sich bei jedem Atemzug in ihre Rippen und drückten ihre vollen Brüste zusammen, bis sie schmerzten. Das Gefängnis hatte ihren Körper gestählt, aber es hatte die Kurven nicht ausgelöscht, die sie hier umbringen konnten. Ein einziger Fehler – ein zu langer Blick, ein unwillkürliches Keuchen – und alles wäre vorbei, bevor es begonnen hatte.

Damien Kanes Büro lag am Ende eines gesicherten Flurs, eine schwere Metalltür, bewacht von zwei bewaffneten Männern, die sie wortlos durchwinkten. Sie trat ein, und die Tür schloss sich zischend hinter ihr.

Der Raum war spartanisch, funktional und einschüchternd. Verstärkte Wände mit Waffenregalen. Ein massiver Schreibtisch aus dunklem Holz. Monitore, die Live-Bilder aus jeder Ecke der Akademie zeigten. Und hinter dem Schreibtisch lehnte Damien Kane – The Reaper – in seinem Stuhl zurück wie ein König auf einem Thron aus Schatten.

Aus der Nähe war er noch überwältigender. Mit 34 sah er aus wie ein Mann, der im Krieg geschmiedet worden war: ein riesiger Körperbau voller dichter Muskeln, Narben, die sich über seine Unterarme zogen und unter dem Kragen seines schwarzen taktischen Shirts verschwanden. Seine eisblauen Augen fixierten sie sofort, scharf und unablässig. Ein schwaches, gefährliches Lächeln umspielte seine Mundwinkel, als wüsste er bereits jedes Geheimnis, das sie trug.

„Elias Voss“, sagte er. Seine Stimme war ein tiefes, raues Grollen, das durch ihre Brust vibrierte. Er deutete auf den Stuhl gegenüber. „Setz dich.“

Elena gehorchte und hielt ihre Bewegungen bewusst steif. Sie setzte sich mit leicht gespreizten Beinen, die Ellbogen auf den Knien, so wie sie es bei Männern im Gefängnis beobachtet hatte. „Sir.“

Damien schwieg lange. Er musterte sie einfach nur. Diese Augen fuhren über ihr Gesicht, ihre Haltung, die Art, wie die weite Uniform an ihrem Körper hing. Die Stille dehnte sich aus, dick und aufgeladen. Elena zwang sich, seinem Blick standzuhalten, auch als Hitze ihren Nacken hinaufkroch.

„Du bist spät im Programm“, sagte er schließlich und beugte sich vor. Seine riesigen Hände verschränkten sich auf dem Schreibtisch. „Die meisten Rekruten kommen schon gebrochen und verzweifelt hier an. Du … du riechst nach Gefängnis und Rache.“

Elenas Magen verkrampfte sich. „Ich bin hier, um nützlich zu werden, Sir. Das ist alles.“

Ein leises, gefährliches Lachen entwich ihm. „Nützlich. Interessante Wortwahl.“ Er stand langsam auf, umrundete den Schreibtisch und ragte über ihr auf. Die Nähe war erstickend. Sein Duft – Leder, sauberer Schweiß und rohe Männlichkeit – hüllte ihre Sinne ein. „Steh auf.“

Sie erhob sich, das Herz pochend. Damien trat noch näher, drang in ihren Raum ein, bis kaum noch ein Zentimeter zwischen ihnen war. Seine Hand hob sich, packte erneut ihr Kinn wie schon in der Arena. Diesmal strich sein Daumen besitzergreifend über ihre Kieferlinie. Elenas Atem stockte, bevor sie es verhindern konnte.

„Weich“, murmelte er fast zu sich selbst. „Viel zu weich für einen Straßenkämpfer.“

Verdammt. Sie riss ihr Kinn weg und tarnte die Bewegung als Trotz. „Ich habe Blackthorn überlebt. Das ist nicht weich.“

Damiens Augen verdunkelten sich, ein animalischer Ausdruck huschte über sein Gesicht. „Nein. Das ist es nicht.“ Er ließ sie los, trat aber nicht zurück. „Zieh dein Shirt bis zur Taille aus. Standardprozedur bei verspäteten Ankömmlingen.“

Elena erstarrte. Das war der Moment, den sie gefürchtet hatte. Ihr Verstand raste auf der Suche nach Fluchtwegen, doch es gab keine. Die Tür war verschlossen. Der Mann vor ihr konnte ihr das Genick brechen, bevor sie blinzeln konnte.

Langsam zog sie das Shirt über den Kopf und drehte ihm dabei teilweise den Rücken zu. Die Bandagen waren nun deutlich sichtbar – enge Stoffstreifen, die gnadenlos um ihre Brust gewickelt waren. Sie spürte Damiens Blick wie Feuer auf ihrer Haut.

„Umdrehen“, befahl er.

Sie gehorchte, die Arme über den Bandagen verschränkt. Damiens Miene blieb unverändert, doch etwas in seinen Augen veränderte sich. Erkennen. Hunger. Er streckte die Hand aus, seine große Hand strich über den Rand des Stoffs nahe ihrem Schlüsselbein. Die Berührung schickte einen ungewollten Funken direkt in ihren Unterleib, eine verräterische Wärme blühte zwischen ihren Schenkeln auf, trotz der Todesangst.

„Interessante Modifikation“, sagte er leise. „Die meisten Männer müssen ihre Brust nicht abbinden.“

Elenas Blut gefror. „Alte Verletzung“, log sie mit rauer Stimme. „Hält alles stabil beim Training.“

Damiens Finger verharrten einen Sekundenbruchteil zu lang, bevor er sie zurückzog. „Du steckst voller Geheimnisse, Voss. Ich kann sie an dir riechen.“ Endlich trat er zurück und gab ihr Raum, sich wieder anzuziehen. „Zieh dich an. Du trainierst mit den anderen, meldest dich aber täglich bei mir zu privaten Sessions.“

„Private Sessions?“ Die Worte waren heraus, bevor sie sie aufhalten konnte.

Sein Lächeln kehrte zurück, diesmal dunkler. „Du brauchst … besondere Aufmerksamkeit. Um zu überleben.“ Er ging zurück zu seinem Schreibtisch, doch seine Augen ließen sie keine Sekunde los. „Wegtreten. Sei um 05:00 in der Hauptarena. Und Voss? Wenn ich dich bei einer wichtigen Lüge erwische … wird die Strafe das Gefängnis wie einen Urlaub aussehen lassen.“

Elena zog ihr Shirt mit zitternden Händen wieder an und verließ das Büro so schnell, wie ihre Würde es zuließ. Kaum hatte sich die Tür geschlossen, lehnte sie sich gegen die Wand und rang nach Atem. Ihre Nippel drückten hart gegen die Bandagen, und tief in ihrem Bauch hatte sich ein schmerzhaftes Verlangen eingenistet. Was zur Hölle stimmte nicht mit ihr? Der Mann war ein Raubtier, das sie gerade bedroht hatte, und ihr Körper reagierte so?

Sie schüttelte es ab und machte sich auf den Weg zu den Rekrutenschlafsälen. Die unterirdischen Baracken waren einfach: Reihen von Etagenbetten, Gemeinschaftsduschen und Spinde. Etwa fünfzehn andere neue Rekruten richteten sich ein, alles Männer mit harten Augen und frischen Blutergüssen. Einer von ihnen, ein drahtiger Typ mit Straßenakzent, nickte ihr zu.

„Luca Moretti“, sagte er und streckte die Hand aus. „Du bist der Spätankömmling? Kane schon hinter dir her?“

„Elias Voss.“ Sie schüttelte seine Hand fest. „So etwas in der Art.“

Luca grinste. „Halt dich an mich. Die Sessions sind brutal. Die versuchen, dich schon am ersten Tag zu brechen.“

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