Drei Wochen.
Mehr brauchte es nicht, um eine Hochzeit von solchem Prunk auf die Beine zu stellen, dass sie mehr kostete, als die meisten Menschen in fünf Leben verdienen würden.
Während der leise Klang der Vorspielmusik aus den Gärten unten heraufhallte, stand ich vor dem bodentiefen Spiegel und betrachtete mein Spiegelbild in einem atemberaubenden Designerkleid.
An dem Tag, der der glücklichste im Leben einer Frau sein sollte, brachte ich nicht einmal ein schwaches Lächeln zustande. Ich bekam das Märchen, von dem jedes Mädchen träumt: ein extravaganter Veranstaltungsort, ein unbezahlbares Seidenkleid, ein Saal voller Größen der Nation, alles war perfekt, bis auf den Bräutigam.
Die Tür klickte auf, und meine Mutter trat ein. Sie sah sich im Zimmer um, seufzte leise und nahm meinen Spitzenschleier von der Frisierkommode.
„Lächle, Liebling! Heute ist dein Hochzeitstag", sagte sie und trat hinter mich. „Du willst doch in Jahren nicht in dein Hochzeitsalbum schauen und dich schmollend sehen."
Ich antwortete nicht. Ich konnte nicht.
Wie sollte ich lächeln, wenn ich nur wenige Minuten davon entfernt war, mein Leben an einen völlig Fremden zu binden, den berüchtigt skrupellosen Erben des Blackwood-Imperiums? Damian.
„Liebling, bitte, nur ein kleines Lächeln", drängte meine Mutter sanft und senkte den Schleier über mein Haar. Sie umfasste mein Gesicht mit ihren blassen Händen und betrachtete mich im Spiegel. Ihre Haut war durchscheinend, eine deutliche Erinnerung an ihre Krankheit. Sie hatte darauf bestanden, für die Zeremonie vorübergehend aus dem Krankenhaus entlassen zu werden, und die Warnungen der Ärzte mit der Frage abgetan: „Wie oft heiratet meine einzige Tochter schon?"
„Heute wird mein Baby zur Ehefrau", flüsterte sie, ihre Stimme leicht zitternd. „Und sie wird sich von ihrer allerbesten Seite zeigen, damit ihr Mann sie schätzt und gut behandelt. Nur so baust du ein gutes Zuhause auf und schenkst mir viele Enkelkinder."
Der Gedanke, ein intimes Leben mit einem Fremden zu teilen, drehte mir den Magen um, aber ich klammerte mich an ein törichtes Fünkchen Hoffnung: Vielleicht ist er gar nicht so grausam, wie die Gerüchte sagen.
Ein leises Klopfen erklang am Türrahmen. Ich zwang meine Lippen zu einem starren Lächeln, drehte mich um und bat meine Mutter, die Tür zu öffnen. Erleichterung breitete sich auf ihrem Gesicht aus, als sie das falsche Lächeln sah; sie glaubte, ich hätte mich endlich mit meinem Schicksal abgefunden.
Sie strahlte und eilte zur Tür. Es war Marcus im scharfen Smoking, der uns mitteilte, dass es Zeit sei.
Ich funkelte ihn durch die durchsichtige Spitze meines Schleiers an, bevor ich tief und beruhigend Luft holte.
Ich schaffe das.
Mein Dad wartete am Torbogen, der zum Mittelgang führte, und hielt mir seinen Arm hin.
„Dad", flüsterte ich, und meine Stimme brach. „Wir können immer noch …"
„Schatz, bitte", unterbrach mich mein Dad glatt, ohne mir in die Augen zu sehen. „Das ist für die Familie. Für deine Mutter. Das ist für uns alle."
Die schweren Flügeltüren schwangen auf, und die Musik des Einzugs schwoll an. In meinen Ohren klang sie weniger nach einem Fest als nach einem Trauermarsch.
Den Gang hinunterzuschreiten fühlte sich an, als ginge ich auf ein Erschießungskommando zu. Mit jedem Schritt in meinen Satinpumps wurde ich schwerer. Hunderte Augen wandten sich mir zu und verfolgten meine Bewegungen, während sie hinter maßgefertigten Ledermappen tuschelten.
Und dann sah ich ihn.
Am Altar stand der optisch beeindruckendste Mann, den ich je gesehen hatte. Rabenschwarzes Haar, scharfe haselnussbraune Augen und ein Kiefer, der wie aus Marmor gemeißelt wirkte. In einem maßgeschneiderten schwarzen Smoking sah er aus wie ein gefallener Engel.
Mir stockte für einen Wimpernschlag der Atem, bis ich seinen Gesichtsausdruck bemerkte.
Er wirkte zutiefst gelangweilt. Er gab sich nicht einmal Mühe, seine Verachtung zu verbergen. Die linke Hand hatte er lässig in die Hosentasche geschoben, und seine intensiven haselnussbraunen Augen verfolgten mich den Gang hinunter wie ein Raubtier, das seine Beute abschätzt.
Ich war so gefesselt von der schieren Kälte, die von ihm ausging, dass ich gar nicht merkte, dass wir die Stufen erreicht hatten.
Mein Dad legte meine Hand in seine.
Damian nahm sie. Sein Griff war fest, seine Haut überraschend warm an meinen eiskalten Fingern, ein völliger Gegensatz zu seiner frostigen Haltung. Gemeinsam wandten wir uns dem Priester zu.
Die Zeremonie begann, doch die Stimme des Priesters verschwamm zu Hintergrundrauschen, einem bedeutungslosen Strom von Worten über Ehre, Hingabe und „bis dass der Tod uns scheidet".
Ich sprach mein Gelöbnis, als ich an der Reihe war. Meine Stimme blieb fest, frei von Panik. Das war der eine kleine Sieg, den ich mir gestattete: die Kontrolle über meine Würde zu behalten.
„Nimmst du, Kathrine Hayford, diesen Mann …"
„Ja", unterbrach ich leise. Ich wandte mich ihm zu, nahm seine große Hand in meine und streifte den Platinring über seinen Ringfinger. Ich war fast erschrocken darüber, wie betäubt ruhig ich war. Wenn ich zu dieser Ehe gezwungen wurde, dann würde ich die Zeremonie überstehen, ohne der Presse einen Skandal zum Zerreißen zu liefern.
„Nimmst du, Damian Blackwood, diese Frau …"
„Ja", erklärte er, und seine tiefe Stimme durchschnitt die stille Kapelle.
Er griff nach meiner linken Hand, um mir den Ring anzustecken. Als seine Finger sich um meine schlossen, hielt er meine Hand nicht nur, er drückte sie. Fest. Eine stumme, körperliche Erinnerung daran, wer hier die Kontrolle hatte.
„Hiermit erkläre ich euch zu Mann und Frau. Sie dürfen die Braut küssen."
Noch bevor der Priester den Satz beendet hatte, glitt Damians Hand von meinen Fingern zu meinem unteren Rücken.
Er riss mich nach vorn, an seine Brust gepresst, beugte sich hinunter und drückte seine Lippen auf meine.
Es war kein süßer oder romantischer Kuss; es war eine Besitzergreifung. Bevor mein Gehirn den Schock ganz erfassen konnte, löste er sich.
„Lächle", flüsterte er an mein Ohr, seine Lippen zu einem scharfen, gespielten Grinsen verzogen. „Die Kameras sehen zu."
Die Pressemeute im hinteren Teil der Kapelle geriet in Aktion.
Die Hochzeit des Jahrhunderts.
Die Vereinigung der Dynastien Hayford und Blackwood.
Der Empfang verging in einem schwindelerregenden Nebel. Ich war umgeben von Fremden in Haute Couture, die mich „Darling" nannten, ohne meinen Namen zu kennen, und die Gläser auf „eine profitable neue Ära" erhoben.
Damians Vater, das einschüchternde Familienoberhaupt der Blackwoods, klopfte Damian kräftig auf die Schulter, als wir neben der Eisskulptur standen.
„Was für ein herrlicher Tag", kicherte der alte Mann, seine Augen glitzerten vor skrupellosem Stolz. „Du hast dir die Firma gesichert und das Mädchen bekommen."
Er sprach über mich, als wäre ich ein Zuchthengst, den man bei einer Pokerpartie mit hohem Einsatz gewonnen hatte.
Auf der anderen Seite des Ballsaals entdeckte ich meinen Dad und Marcus, die sich ungezwungen unter ausländische Investoren mischten und leichter wirkten als seit Monaten. Meine Mutter war bereits von ihrer Privatpflegerin zurück in ihre Krankenhaussuite gebracht worden.
Um 23:00 Uhr pochten meine Füße, und mein Gesicht schmerzte davon, eine neutrale Fassade aufrechtzuerhalten. Vor den Türen des Veranstaltungsorts fuhr eine elegante schwarze Limousine vor, um uns abzuholen.
„Ein Hochzeitsgeschenk von Blackwood Holdings, Madam", verkündete der Chauffeur und fuhr uns an den Stadtrand, zu einem hochmodernen Glas-Penthouse mit Blick auf den See.
Das Penthouse war still, klinisch und abgeschieden.
Damian stieg aus dem privaten Aufzug und ging hinein, ohne sich umzusehen, ob ich ihm folgte. Ich eilte ihm nach, dankbar, dass ich das schwere Zeremonienkleid gegen ein schlichteres weißes Empfangskleid getauscht hatte.
Er ging die schwebende Treppe hinauf und öffnete die letzte Tür rechts. Die Hauptsuite.
Der Raum war für eine traditionelle Hochzeitsnacht geschmückt, rote Rosenblätter auf dem Parkett verstreut, duftende Kerzen warfen weiches Licht auf die Glaswände. Es sah atemberaubend aus, doch der Anblick drehte mir den Magen um.
Ich trat hinter ihm ein und prallte sofort gegen eine Wand aus purer Muskelmasse. Damian war mitten im Zimmer abrupt stehen geblieben.
Er drehte sich um und sah mit kalten, berechnenden Augen auf mich herab.
„Das Badezimmer ist gleich dort", sagte er und deutete auf eine Tür zum angrenzenden Bad. „Nimm ein Bad und mach dich bereit."
Ich runzelte die Stirn, echte Verwirrung durchbrach meine Erschöpfung. „Bereit wofür?"
Ein langsames, furchterregendes Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.
„Für unsere Hochzeitsnacht, natürlich."