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Kapitel 2

Author: Gabi
last update publish date: 2026-10-21 18:44:50

Carolines Sicht

Ich sitze wie erstarrt da und bin immer noch völlig erschüttert von den Worten, die Knoxx vor wenigen Augenblicken ausgesprochen hat.

„Hast du mich nicht wegen meines Geldes geheiratet?“

Die Frage wiederholt sich in meinem Kopf wie eine kaputte Schallplatte und hinterlässt einen Schmerz, den ich nicht abschütteln kann. Hat Knoxx das wirklich die ganze Zeit gedacht? Dass ich nur sein Vermögen wollte? Dass ich ihn in diese Ehe gelockt hatte? Die Last dieser Anschuldigung drückt auf mich und droht mich mit ihrer Grausamkeit zu ersticken.

„Glaubst du das wirklich?“, frage ich leise. Meine Stimme ist kaum hörbar, als ich ihn ansehe. „Dass ich dich wegen deines Geldes geheiratet habe? Dass ich dich zu dieser Ehe gezwungen habe?“

Knoxx' Gesichtsausdruck ist unergründlich. Er trägt dieselbe kalte Maske wie immer, doch in seinen Augen flackert etwas auf – etwas Dunkles, etwas Grausames. Er antwortet nicht sofort. Stattdessen nimmt er mein halbvolles Weinglas vom Tisch und trinkt langsam einen Schluck. Das Schweigen dehnt sich zwischen uns aus, schwer und unerträglich.

„Du liebst mich nicht“, sagt er schließlich. Er stellt das leere Glas ab. Das leise Klirren hallt durch den stillen Raum. Seine Stimme klingt ruhig und distanziert, als würde er eine Tatsache feststellen, anstatt mich einer derart abscheulichen Sache zu beschuldigen. „Ich weiß längst, dass du mich mit anderen Männern betrogen hast.“

Ich blinzle verwirrt und verletzt. Betrogen? Ihn? Mein Herz rast, während ich sein Gesicht absuche und verzweifelt versuche, ihn zu verstehen.

„Dich betrogen?“, flüstere ich ungläubig. „Knoxx, wovon redest du? Wie könnte ich jemals …“

Bevor ich meinen Satz beenden kann, zieht Knoxx einen Stapel Fotos aus seinem Anzug. Er blickt darauf hinunter, und sein Gesichtsausdruck verhärtet sich noch weiter. Dann wirft er sie mir ohne jede Vorwarnung entgegen. Die Fotos wirbeln durch die Luft wie ein Regenschauer, fallen wie zerbrochene Stücke unserer Ehe zu Boden und landen in chaotischer Unordnung um mich herum.

Ich gehe auf die Knie. Meine Hände zittern, als ich eines der Fotos aufhebe. Darauf bin ich beim Abendessen mit einem älteren Mann zu sehen – einem Mann mit silbergrauem Haar, einer markanten Kieferpartie und einer vornehmen Ausstrahlung. Auf dem nächsten Foto beugt sich derselbe Mann vor, um mir einen Kuss auf die Wange zu geben.

Mir sackt das Herz in die Hose.

Das ist Logan. Mein Vater.

Ich starre auf die Fotos, gleichzeitig wütend und amüsiert. Wie kann Knoxx nicht wissen, wer Logan ist? Wie kann er glauben, dass ich ihn jemals betrügen würde, noch dazu mit meinem eigenen Vater?

Ich stoße ein leises, freudloses Lachen aus.

„Knoxx, du verstehst das völlig falsch“, sage ich und versuche, es ihm zu erklären. „Dieser Mann … Ich habe dich nicht betrogen. Das würde ich niemals tun. Dieser Mann ist mein …“

Doch noch bevor ich meinen Satz beenden kann, unterbricht er mich. Seine Stimme klingt scharf und abweisend.

„Wir wissen beide, was diese Ehe wirklich ist, Caroline. Nichts weiter als eine Vereinbarung.“ Er verzieht verächtlich den Mund. Bitterkeit trieft aus jedem seiner Worte. „Ein Abkommen, das mein Großvater getroffen hat. Du musst nicht länger so tun, als wärst du eine liebende Ehefrau.“

Meine Brust zieht sich vor lauter Ungerechtigkeit zusammen. Er reduziert unsere gesamte Beziehung auf nichts weiter als ein kaltes Geschäft, einen Vertrag, bei dem keiner von uns mitreden durfte. So hätte es niemals sein sollen.

„Du musst mir jetzt nicht mehr die liebevolle Ehefrau vorspielen.“ Knoxx hebt eines der Fotos auf – dasjenige, auf dem Logan mir einen Kuss auf die Wange gibt – und wedelt damit vor meinem Gesicht herum, als wäre es der Beweis für meinen Verrat. Seine Augen verengen sich. Sein Blick ist kalt und berechnend. „Jetzt weiß ich, was du wirklich bevorzugst. Männer, die etwas … reifer sind, nicht wahr?“

Ich möchte schreien, etwas nach ihm werfen und ihn dazu bringen, endlich zu erkennen, wie lächerlich und verletzend sein Verhalten ist.

„Wie kannst du so etwas sagen?“, erwidere ich mit vor Frustration zitternder Stimme. „Logan Hill. Du kennst ihn. Wie kannst du nicht …“

Doch bevor ich meinen Satz beenden kann, klingelt Knoxx' Handy und durchschneidet die angespannte Stille zwischen uns. Er wirft einen Blick auf das Display, und sein Gesichtsausdruck wird auf eine Weise weicher, die ich seit Langem nicht mehr an ihm gesehen habe.

Der Name, der auf dem Bildschirm aufleuchtet?

Muss ich wirklich noch bestätigen, dass es Dolly ist?

Natürlich. Es ist immer Dolly.

Knoxx lehnt den Anruf ab und sieht wieder zu mir, doch in Gedanken ist er bereits ganz woanders. Er steht auf und nimmt seine Autoschlüssel vom Tisch.

„Ich gehe zu Dolly“, sagt er tonlos. Er ist bereits auf halbem Weg zur Tür.

Auch ich stehe auf. Mein ganzer Körper zittert vor Unglauben.

„Knoxx, heute ist unser Hochzeitstag. Dolly? Ernsthaft? Du gehst jetzt zu ihr?“

Er bleibt an der Tür stehen, den Rücken mir zugewandt. Das anschließende Schweigen ist ohrenbetäubend.

Ich spüre, wie die Wut in mir hochkocht, und bevor ich mich zurückhalten kann, schreie ich: „Hast du immer noch Gefühle für sie? Ist es das?“

Seine Hand umklammert den Türgriff fester, doch er dreht sich nicht um.

„Sie braucht mich gerade“, sagt er schlicht.

Ich mache einen Schritt auf ihn zu. Meine Stimme wird lauter, während sich die Verzweiflung in meinen Tonfall schleicht.

„Und ich nicht? Ich brauche dich auch, Knoxx. Heute ist unser dritter Hochzeitstag.“

Einen Moment lang glaube ich, dass er sich vielleicht doch noch umdrehen wird. Dass er etwas sagen wird, das all das ein wenig erträglicher macht.

Doch das tut er nicht.

Er geht schweigend und schließt die Tür hinter sich, ohne ein weiteres Wort zu sagen.

Das Echo der zufallenden Tür fühlt sich wie der letzte Schlag an. Wie das endgültige Ende jeder Hoffnung, die mir für diese Ehe noch geblieben war. Meine Hände zittern noch immer, mein Herz rast, während ich auf die leere Stelle starre, an der Knoxx vor wenigen Augenblicken noch gestanden hat.

Ich senke den Blick auf den Scheck, den er auf dem Tisch zurückgelassen hat – eine Million Dollar, als könnte Geld alles wieder in Ordnung bringen. Als wäre das alles, was ich jemals gewollt hätte.

„Scheiß drauf“, murmele ich leise vor mich hin.

Ich greife nach dem Scheck und zerreiße ihn in zwei Hälften, dann noch einmal und wieder und wieder, bis die Stücke nichts weiter als Konfetti sind, das über den Boden verstreut liegt.

Ich lasse mich nicht kaufen. Nicht dieses Mal. Niemals.

Ich marschiere zu meinem Kleiderschrank und hole das heißeste Kleid heraus, das ich besitze – ein schwarzes, eng anliegendes Kleid, das kaum etwas der Fantasie überlässt.

Wenn Knoxx glaubt, ich wäre eine geldgierige, untreue Ehefrau, dann bitte. Soll er das eben glauben.

Ich nehme mein Handy und scrolle durch meine Kontakte, bis ich die Nummer finde, die ich seit Jahren nicht mehr gewählt habe. Meine Finger schweben einen Moment lang zögernd über dem Bildschirm, doch dann drücke ich auf Senden.

Eine einzige Textnachricht.

„Ich muss meinen Mann heute Abend vergessen. Kommst du?“ 

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