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Kapitel 3

Author: Gabi
last update publish date: 2026-10-21 18:45:32

Carolines Sicht

„Mädchen, lass mich dich an einen schönen Ort mitnehmen“, sagt Penelope, meine beste Freundin. Ihre Stimme legt sich wie eine warme Umarmung um mich. Sie lehnt an ihrem eleganten neuen Sportwagen, ein wissendes Lächeln spielt auf ihren Lippen, als könnte sie die Maske durchschauen, die ich mit aller Kraft aufrechtzuerhalten versuche.

Ich trete aus dem Haus und versuche, all die Last hinter mir zu lassen, doch der Schmerz bleibt. Penelopes Blick fällt auf etwas in der Nähe des Vorgartens, und sie beugt sich hinunter, um es aufzuheben.

„Was ist das?“, fragt sie neugierig und hält eine zierliche schwarze Schachtel hoch, deren goldene Schrift im verblassenden Abendlicht glänzt.

Mein Magen zieht sich zusammen. Ich weiß genau, was das für eine Schachtel ist. Eine Schmuckschatulle – genau die Art, die Knoxx benutzt hatte, als er Dolly bei der Auktion die Rubinkette kaufte. Ich nehme sie Penelope ab. Meine Hände zittern, als ich sie öffne. Darin liegen zwei Diamantohrringe, wunderschön und doch kalt. Sie glänzen, aber nicht für mich.

Ich schlage die Schachtel zu. Meine Brust zieht sich zusammen.

„Die waren wahrscheinlich für Dolly“, murmele ich angewidert. Ich werfe die Schachtel in den Mülleimer neben der Tür. Das dumpfe Geräusch klingt schwerer, als es sollte.

Penelope zieht eine Augenbraue hoch, fragt aber nicht weiter. Sie kennt mich zu gut, um Fragen zu stellen, auf die ich noch keine Antwort geben kann. Stattdessen deutet sie auf ihr Auto und zwinkert mir zu.

„Komm schon. Lass uns diesen Mistkerl eine Weile vergessen.“

Wir fahren schweigend durch die Stadt. Die Lichter ziehen wie bunte Streifen an uns vorbei, verschwommene Bilder, die meine rastlosen Gedanken widerspiegeln. Jedes Neonreklameschild und jedes schimmernde Fenster wirkt wie ein flüchtiger Augenblick, eine Erinnerung an das Leben, von dem ich einst glaubte, es unter Kontrolle zu haben.

Penelope und ich erreichen unseren üblichen Zufluchtsort – meine VIP-Suite bei Hermes. Als sich die Autotüren öffnen, empfängt uns der vertraute Geruch von Leder und Parfüm und hüllt mich wie eine luxuriöse Umarmung ein. Es fühlt sich beinahe so an, als würde ich eine andere Welt betreten – eine Welt, in der alles perfekt ist und nichts von dem Chaos meines Lebens berührt wird.

Penelope reicht mir ein Glas Champagner. Ihre Augen funkeln schelmisch.

„Shopping als Therapie, Babe. Das einzige Heilmittel gegen ein gebrochenes Herz.“

Ich bringe ein Lächeln zustande, doch es ist dünn und hohl. Dieser Ort mit seinen edlen Stoffen und astronomischen Preisen hatte mir früher Trost gespendet. Ich schlenderte durch die wunderschön arrangierten Auslagen, und mein Herz schlug höher bei dem Gedanken, mir ein neues, exquisit gefertigtes Schmuckstück oder eine Designertasche zu gönnen. Dass das Personal mich wie eine Königin behandelte, hatte mir einst ein Gefühl von Stärke gegeben.

Penelope dreht sich vor einem Spiegel, während das Seidenkleid, das sie trägt, sich wie eine zweite Haut an ihre Figur schmiegt. Sie strahlt, und ihre Freude ist ansteckend.

„Das ist das Leben, Caroline. Du hier, umgeben von all diesem Luxus – das ist deine Welt. Warum versteckst du das vor Knoxx?“

Ihre Worte überraschen mich, und ich halte mitten im Trinken inne. Plötzlich fühlt sich das prickelnde Getränk schwer in meiner Hand an. Ich stelle das Glas ab und lasse meine Finger über eine Tasche aus Krokodilleder gleiten, die ich nicht einmal haben möchte.

„Ich verstecke nichts“, antworte ich leise, obwohl meine Stimme nicht mehr ganz überzeugt klingt. „Er kümmert sich einfach nicht genug darum, es überhaupt sehen zu wollen.“

Penelopes unbeschwerter Gesichtsausdruck verschwindet und macht echter Besorgnis Platz. Sie setzt sich neben mich. Ihre Wärme strahlt auf mich aus, während sie mein Gesicht nach Antworten absucht.

„Warum bleibst du bei ihm? Warum tust du dir das an?“

Ich starre in mein Glas und beobachte, wie die Bläschen tanzen, während die Erinnerungen in mir aufsteigen. Ich erinnere mich daran, wie kalt Knoxx' Augen heute Abend gewesen waren, wie er mich angesehen hatte, als wäre ich nichts weiter als eine lästige Unannehmlichkeit.

„Drei Jahre, Penelope. Drei Jahre lang habe ich versucht, diese Ehe zum Funktionieren zu bringen, und er liebt mich immer noch nicht. Er sieht mich nicht einmal. Ich habe ihm alles gegeben, und alles, was er tut, ist, mich von sich zu stoßen.“

Penelope beugt sich näher zu mir. Ihre Stimme wird sanfter.

„Du hast so viel mehr verdient als das, Caroline. Du bist eine starke Frau – dieser Ort ist der Beweis dafür. Warum lässt du zu, dass er dein Licht zum Erlöschen bringt?“

Ihre aufmunternden Worte rühren etwas in mir auf, doch ich bin immer noch in einem Netz aus Zweifeln gefangen. Ich atme tief durch.

„Ich dachte, er würde sich ändern. Ich dachte, die Liebe könnte ihn dazu bringen, mich endlich zu sehen.“

Penelope schüttelt den Kopf. Ihr Blick ist entschlossen.

„Liebe sollte kein Kampf sein. Du solltest nicht darum kämpfen müssen, dass jemand deinen Wert erkennt.“

Ich nicke, doch der Knoten in meinem Magen zieht sich noch fester zusammen. Die Schatten meiner Wirklichkeit wirken bedrohlich groß, selbst inmitten dieses Prunks. Ich atme zittrig aus und versuche, mich zusammenzureißen.

„Er hat mich beschuldigt, ihn betrogen zu haben. Ausgerechnet des Fremdgehens.“

Penelope klappt der Mund auf.

„Du? Mit wem?“

„Er hat ein paar Fotos von mir beim Abendessen gesehen … mit meinem Vater“, sage ich und schüttle den Kopf über die Absurdität der ganzen Sache. „Er hat nicht nachgefragt. Er hat einfach … angenommen, dass ich ihn betrüge. Er dachte, ich wäre mit irgendeinem anderen Mann zusammen. Und dann auch noch mit einem Mann mit silbergrauem Haar. Das ist doch lächerlich.“

Penelope ballt die Fäuste. Wut blitzt in ihren Augen auf.

„Er ist völlig von Sinnen. Wie kann er nicht sehen, wie treu du ihm gewesen bist? Wie viele Opfer du gebracht hast?“

„Und als wäre das nicht schon schlimm genug … Dolly ist zurück“, gestehe ich. Meine Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern. „Sie war schon immer im Hintergrund, aber jetzt ist sie … sie ist wieder hier.“

Penelopes Gesicht verfinstert sich.

„Diese hinterhältige Schlampe. Sie ist nie wirklich verschwunden, oder? Sie lauert ständig im Hintergrund und wartet auf den perfekten Moment, um zuzuschlagen.“

Sie hält inne und sieht mich dann an. Ihre Stimme wird sanfter.

„Warum hältst du immer noch an ihm fest, Caroline? Er hat dich nicht verdient.“

Ich öffne den Mund, um zu antworten, doch kein Wort kommt heraus. Bevor ich die richtigen Worte finden kann, vibriert mein Handy auf dem Tisch und lenkt meine Aufmerksamkeit auf sich. Mein Herz sinkt, als ich auf das Display blicke.

Die Nachricht ist von Dolly.

Meine Brust zieht sich zusammen, als ich das Handy entsperre. Die Angst breitet sich in meinem Magen aus. Die Nachricht trifft mich wie ein Schlag in die Magengrube. Für einen Moment steht alles still. Meine Hand zittert, während ich auf den Text starre und mein Verstand verzweifelt versucht, die Worte zu begreifen.

[ Ich bin schwanger von Knoxx. Wir müssen reden.] – Dolly

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