FAZER LOGINCarolines Sicht
Nach der Auseinandersetzung mit Knoxx fahre ich nicht nach Hause. Stattdessen fahre ich zu meinem Elternhaus, in dem ich aufgewachsen bin. Das Anwesen wirkt größer, als ich es in Erinnerung habe. Es liegt kühl und einschüchternd vor mir, umgeben von perfekt gepflegten Gärten und hohen Hecken. Die Auffahrt erstreckt sich vor mir, gesäumt von Palmen, die regungslos wie stumme Wächter dastehen.
Als ich das Haus betrete, schlägt mir sofort die Kälte entgegen. Kein Lachen, keine Wärme – nur die weitläufigen, leeren Räume, gefüllt mit wuchtigen Möbeln und einer erdrückenden Stille. Es ist das Zuhause eines Geschäftsmannes, ein Ort, der ebenso zurückhaltend und unnahbar ist wie sein Besitzer.
„Ach, die verlorene Tochter kehrt zurück“, ertönt eine Stimme aus dem Wohnzimmer.
Ich folge dem Klang und entdecke meinen Vater an seinem gewohnten Platz: in einem luxuriösen Ledersessel neben dem Kamin, während er seinen Tee trinkt. Sein Blick ist kühl und prüfend. Als er mich ansieht, wird er nicht weicher, obwohl für einen kurzen Moment eine Spur Überraschung über sein Gesicht huscht.
„Also“, sagt er mit einer Mischung aus Sarkasmus und kaum verhohlener Genugtuung in der Stimme, „hat der Mann dich endlich verlassen? Bist du hergekommen, um deine Niederlage einzugestehen?“
Ich schlucke. Mir ist klar, dass jede Rechtfertigung auf Skepsis stoßen wird.
„Dad“, erwidere ich und zwinge mich zu einem Lächeln, während ich auf ihn zugehe. „Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich hier landen würde.“
Er hebt eine Augenbraue und wartet ab. „Und?“
„Ich weiß es selbst nicht mehr …“, gestehe ich leise.
Einige Sekunden lang schweigt er, bevor er erneut das Wort ergreift. „Du hast abgenommen. Gibt dieser Mann dir überhaupt etwas zu essen?“
„Mir geht es gut, Dad“, sage ich, obwohl mir die Worte schwer über die Lippen kommen. „Ich brauchte nur … etwas Abstand.“
Er runzelt die Stirn und scheint mit meiner Antwort nicht zufrieden zu sein.
„Seit du diesen Mann geheiratet hast, kommst du kaum noch nach Hause. Ich bereue es, diesem sogenannten ‚Deal‘ zugestimmt zu haben. Ich hätte härter darum kämpfen sollen, dich in meiner Nähe zu behalten. Ich weiß bis heute nicht, warum du mich dazu gedrängt hast, geheim zu halten, dass du meine Tochter bist.“
„Dad, bitte.“ Ich senke den Blick und beiße mir auf die Unterlippe. „Ich wollte, dass es funktioniert. Aber Knoxx … er ist nicht der Mann, für den ich ihn gehalten habe.“
„Was soll das heißen?“ Seine Stimme wird schärfer, und ich merke, dass er die Veränderung in meinem Tonfall wahrnimmt.
„Er hat mich betrogen“, sage ich und zwinge mich, seinem Blick standzuhalten.
Er lacht trocken. „Natürlich hat er das. Ich habe dir gesagt, dass er nichts taugt. Aber du musstest ja unbedingt deinen eigenen Kopf durchsetzen, nicht wahr?“
Ich seufze, während sich meine Frustration immer weiter aufstaut. „Ich dachte, ich wüsste, was ich tue.“
„Ach ja?“ Er stellt seine Tasse ab, verschränkt die Hände und mustert mich kritisch. „Ich habe dir die Wahl gelassen, und du hast dich entschieden. Und jetzt sieh dir an, was du davon hast.“
Ich presse die Kiefer aufeinander. Scham und Wut vermischen sich in mir.
„Ich bin hergekommen, weil ich Unterstützung brauche, nicht weil ich mir anhören will, dass ich einen Fehler gemacht habe.“
„Unterstützung?“ Er schnaubt verächtlich. „So funktioniert die Welt nicht, Caroline. Deine eigenen Entscheidungen haben dich hierhergebracht. Was hast du dir dabei gedacht, dich an diesen Mann zu binden?“
„Ich dachte … ich dachte, die Dinge würden sich ändern. Ich wollte, dass es funktioniert.“
Er verengt die Augen. „Mit einem Mann wie ihm soll es funktionieren? Du bist viel zu klug, um so naiv zu sein. Und trotzdem klammerst du dich an irgendeine Fantasie, anstatt ihn so zu sehen, wie er wirklich ist.“
Die anschließende Stille lastet schwer auf mir. Ich fühle mich wieder wie ein kleines Kind, das die Anerkennung eines Menschen sucht, der sie ihm niemals schenkt. Doch bevor ich antworten kann, wird seine Stimme ein wenig sanfter.
„Sag mir eines“, fordert er mich mit ruhiger, bedachter Stimme auf. „Hast du vor, bei ihm zu bleiben?“
Ich schüttle den Kopf. „Nein. Ich werde mich von ihm scheiden lassen.“
Er nickt. Sein Gesichtsausdruck bleibt unergründlich.
„Gut. Es wurde höchste Zeit, dass du die Kontrolle über dein eigenes Leben zurückgewinnst.“
Zum ersten Mal verspüre ich einen Hauch von Erleichterung.
„Danke, Dad.“
„Vergiss nur nicht“, fügt er scharf hinzu, „du bist eine Hill. Wir lassen uns von niemandem einschüchtern. Und schon gar nicht von irgendeinem Idioten, der glaubt, mit unserem Namen spielen zu können.“
Ich nicke und lasse seine Worte auf mich wirken. Was auch immer man ihm sonst vorwerfen mag, mein Vater ist ein gerissener Geschäftsmann, der seine Ziele niemals von seinen Gefühlen beeinflussen lässt. Ich weiß, dass er sich auf seine eigene Art um mich sorgt, auch wenn seine Vorstellung von Liebe stets von einer gewissen Schärfe geprägt ist.
Nachdem ich mit meinem Vater gesprochen habe, beschließe ich, mich ins Bett zu legen. Im Zimmer ist es still. Das einzige Geräusch ist das leise Ticken der Uhr an der Wand. Gerade als ich die Augen schließe, vibriert mein Handy laut auf dem Nachttisch und durchbricht die Stille.
Ich werfe einen Blick auf das Display, und als ich sehe, wer mich anruft, steigt brennende Wut in mir auf. Es ist Dolly.
Obwohl ich es besser wissen müsste, nehme ich den Anruf an.
„Du Schlampe!“, faucht sie. Ihre Stimme trieft vor Zorn. „Du musst mit Knoxx Schluss machen. Sofort!“
Ich richte mich auf. Das Blut steigt mir in den Kopf, doch ich bewahre die Ruhe.
„Warum sollte ich das tun?“
„Weil er immer noch mich liebt!“, fährt sie mich an. Die Verzweiflung ist deutlich aus ihren Worten herauszuhören. „Glaubst du wirklich, du kannst ihn mir wegnehmen? Er wird sich niemals wirklich für dich entscheiden, solange es mich gibt!“
Ich stoße ein kurzes, ungläubiges Lachen aus. „Du klingst gerade ziemlich verzweifelt, Dolly. Das ist erbärmlich.“
„Erbärmlich?“, zischt sie, und ihre Stimme wird immer angespannter. „Du verstehst das nicht! Ich werde nicht zulassen, dass du ihn mir wegnimmst. Ich werde alles tun, um euch auseinanderzubringen. Das verspreche ich dir!“
Ihre Drohungen hängen in der Luft, und ein kalter Schauer läuft mir über den Rücken.
„Glaubst du wirklich, du kannst mir Angst machen? Das ist lächerlich.“
„Du hältst dich für so stark, aber ich weiß genau, wie ich ihn erreichen kann. Ich werde dafür sorgen, dass er erkennt, dass er zu mir gehört“, sagt sie. Ihre Stimme zittert vor Überzeugung.
Ich schüttle den Kopf und versuche, das ungute Gefühl zu verdrängen, das langsam in mir aufsteigt.
„Viel Glück dabei, Dolly.“
„Ich warne dich, Caroline.“ Ihre Stimme klingt kalt und giftig. „Du wirst es bereuen, dich mir in den Weg gestellt zu haben.“
Dann wird die Verbindung unterbrochen.
Carolines SichtJeden Tag wächst meine Entschlossenheit. Meine mit Graphit verschmierten Finger fahren die feinen Linien des Entwurfs nach. Fast ist er fertig, aber noch nicht vollkommen.Das Motto des Wettbewerbs lautet „Himmlische Schönheit“ und ist von den Sternen, dem Universum und allem inspiriert, was jenseits davon liegt.Ich atme tief durch und lasse die Idee in meinem Kopf Gestalt annehmen.Sie ist perfekt. Ich habe mich schon immer für Astrologie und den Nachthimmel begeistert, und die Idee für meinen Entwurf steht bereits fest.Meine Skizzen sind noch grob, aber die Vision ist klar: eine Halskette, die von den Tierkreiszeichen inspiriert ist und deren kunstvolle Details die einzigartige Energie jedes einzelnen Zeichens widerspiegeln.Meine Finger bewegen sich beim Zeichnen beinahe wie von selbst. Mit jedem kleinen Detail erwecke ich den Entwurf mehr zum Leben.Im Mittelpunkt der Halskette soll ein Edelstein stehen, dessen Form dem jeweiligen Sternbild entspricht. Feine, fili
Carolines SichtIch betrete das Büro, und zwar mit dem festen Vorsatz, dass es das letzte Mal sein wird.Es ist seltsam, wie kalt es sich hier inzwischen anfühlt – kälter als sonst. Das Gebäude hatte schon immer diese steife, geschäftsmäßige Atmosphäre, aber heute ist sie beinahe unerträglich.Vielleicht liegt es daran, dass ich genau weiß, weshalb ich hier bin:Ich werde kündigen.Ich werde einen Schlussstrich ziehen – sowohl unter meinen Job als auch unter meine Ehe.Niemand weiß, dass ich Knoxx Wayne bin. Nicht meine Kollegen, nicht die Führungskräfte, niemand. Knoxx hatte darauf bestanden, unsere Ehe geheim zu halten. Er sagte, es gehe darum, niemanden zu bevorzugen und die Professionalität zu wahren. Ich redete mir ein, dass das vernünftig klang, und dass es nicht daran lag, dass er sich für mich schämte oder nicht bereit war, sich öffentlich zu mir zu bekennen. Doch tief im Inneren wusste ich es besser.Da unsere Ehe ohnehin kurz vor der Scheidung steht, scheint es nur logisch,
Carolines SichtDas Morgenlicht fällt durch die Vorhänge ins Wohnzimmer. Ich sitze auf dem Sofa und schaue fern. Nach einer Weile klingelt mein Handy. Ich muss nicht einmal hinsehen, um zu wissen, wer anruft. Trotzdem werfe ich einen Blick auf das Display.Knoxx ruft an …Mein Herz setzt keinen Schlag aus. Es zerbricht nicht. Ich fühle mich einfach nur … müde. Trotzdem nehme ich ab. Das bin ich ihm zumindest noch schuldig.„Caroline.“ Knoxx' Stimme dringt durch die Leitung. Er klingt gehetzt, beinahe atemlos.„Ich habe die Scheidungspapiere gesehen … Hör zu, es tut mir leid, dass ich den Besuch bei deinem Vater abgesagt habe. Aber mit Dolly ist etwas passiert. Sie dachte … na ja, sie dachte, sie hätte eine Fehlgeburt. Ich musste für sie da sein.“Er macht eine Pause. Er erwartet, dass ich Verständnis zeige. Er erwartet, dass ich ihm verzeihe, so wie ich es immer getan habe.Ich umklammere das Handy fester und zwinge mich, ruhig zu bleiben. Meine Stimme klingt beinahe eisig.„Knoxx, gl
Carolines SichtIch betrete das Büro meines Vaters. Die schwere Holztür knarrt leise, als sie sich hinter mir schließt. Der Raum wirkt kühl und einschüchternd, genau wie ich ihn in Erinnerung habe. Hohe Bücherregale säumen die Wände, und in der Mitte steht der gewaltige Schreibtisch aus Mahagoni. Mein Vater blickt nicht sofort auf. Sein Füller kratzt über das Papier, während er die Aufgabe beendet, die ihn gerade beschäftigt.Als er schließlich den Blick hebt, trifft mich sein durchdringender Blick, der mich innerhalb eines Augenblicks zu durchschauen scheint.„Na, Caroline“, sagt er und lehnt sich in seinem Stuhl zurück. „Was verschlägt dich wieder hierher? Soll ich mein bestes Porzellan herausholen, um den feinen Herrn zu bewirten, oder bist du diesmal allein gekommen?“Ich straffe die Schultern und ignoriere den Sarkasmus in seinen Worten.„Ich habe verloren“, gestehe ich. Meine Stimme bleibt ruhig, obwohl mir dieses Eingeständnis das Herz zerreißt. „Ich werde mich von ihm scheiden
Carolines SichtEs ist Samstag, und meine Hände zittern, während ich vor dem Spiegel zum hundertsten Mal mein Kleid zurechtzupfe. Heute soll sich endlich alles ändern – Knoxx wird meinen Vater zum ersten Mal treffen. Der Knoten in meinem Magen zieht sich immer fester zusammen, doch gleichzeitig verspüre ich einen Hauch von Vorfreude. Zum ersten Mal habe ich die Chance, mich zu beweisen. Nicht nur meinem Vater, sondern auch mir selbst.Ich werfe einen Blick auf mein Handy. Eine Nachricht meines Vaters ist eingegangen:[Wann kommt denn der feine Herr? Soll ich extra mein gutes Porzellan für ihn herausholen?]Der Sarkasmus in seinen Worten tut weh. Er war noch nie ein Fan von Knoxx, und sein spöttischer Ton macht deutlich, dass er noch immer nicht viel von ihm hält.Ich presse die Zähne zusammen und tippe eine Antwort.[Wir sind bald da, Dad. Bitte gib ihm einfach eine Chance.]Ich schicke die Nachricht ab und nehme mir fest vor, mich von seinen Zweifeln nicht um diesen Tag bringen zu la
Carolines SichtIch sitze im Auto, und mein Herz rast noch immer nach allem, was Knoxx mir gerade erzählt hat. Ich kann kaum glauben, was ich eben gehört habe. Und doch lässt mich der Blick, mit dem er mich angesehen hat – verzweifelt, beinahe gebrochen –, ihm glauben wollen.Aber nach allem, was zwischen uns geschehen ist, fühlt es sich an, als würde ich mich auf dünnes Eis wagen, wenn ich ihm vertraue.„Caroline, bitte“, sagt Knoxx leise und wirft mir vom Fahrersitz aus einen Blick zu.„Ich möchte nur, dass du mich verstehst. Ich wollte dir niemals wehtun.“Ich lehne den Kopf gegen die Fensterscheibe und spiele nervös mit meinem Handy. Die Erinnerung an Dollys Artikel und die Andeutungen darin verfolgt mich wie ein Schatten, den ich einfach nicht abschütteln kann.Langsam nicke ich, unsicher, was ich sagen soll. Ein Teil von mir möchte schreien und ihn fragen, warum er mir das alles nicht schon viel früher erzählt hat. Doch ein anderer Teil von mir – der Teil, der ihn noch immer lie







