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Kapitel 4

Autor: Gabi
last update Data de publicação: 2026-10-21 18:46:08

Carolines Sicht

Die Luft fühlt sich schwer an, als ich mich dem Café nähere. Meine Hände zittern leicht, obwohl ich sie zwinge, ruhig an meinen Seiten zu bleiben. Ich habe diesen Moment in Gedanken unzählige Male durchgespielt und mir vorgestellt, welche Worte ich sagen und wie ich die Fassung bewahren würde. Doch jetzt, da es Wirklichkeit wird, liegt ein unangenehmes Engegefühl auf meiner Brust. Ich stoße die Tür auf. Das kleine Glöckchen über mir klingelt leise, ein scharfer Kontrast zu der Schwere, die ich in meinem Inneren empfinde.

Dolly ist bereits da. Sie sitzt in einer Ecke, die Beine übereinandergeschlagen, und sieht aus, als wäre sie geradewegs einem Magazin entsprungen. Ihr Haar sitzt perfekt, ihr Make-up ist makellos, und ihre Lippen verziehen sich zu einem Lächeln, das ihre Augen nicht erreicht.

„Caroline“, sagt sie mit einer zuckersüßen Stimme, als wären wir alte Freundinnen. „Du bist pünktlich. Warum setzt du dich nicht? Wir haben viel zu besprechen.“

Ich verzichte auf jede Höflichkeitsfloskel und komme direkt zur Sache.

„Du bist zurück, und ich will wissen, warum. Was hast du vor?“

Sie lehnt sich zurück, und ihr spöttisches Grinsen wird breiter.

„Ach, Caroline“, seufzt sie, als wäre sie enttäuscht von mir, weil ich überhaupt frage. „Es geht nicht darum, was ich vorhabe. Es geht darum, was bereits geschehen ist.“

Sie macht eine kurze Pause. Ihre Augen funkeln belustigt, als würde sie diesen Moment in vollen Zügen genießen.

„Ich habe mit Knoxx geschlafen. In der Nacht, in der ich zurückgekommen bin.“

Ihre Worte treffen mich nicht wie eine Überraschung, sondern eher wie eine langsame, tiefe Wunde, die erneut aufgerissen wird. Was ich empfinde, ist kein Unglaube – vielmehr bestätigt sich etwas, das ich bereits vermutet habe, etwas, das seit Monaten zwischen uns schwelt. Trotzdem wird es erst wirklich real, als ich es laut ausgesprochen höre. Und darauf war ich nicht vorbereitet.

Ich schlucke und versuche, meine Stimme ruhig zu halten.

„In dieser Nacht? Er ist nicht nach Hause gekommen.“

Es ist keine Frage, doch sie nickt trotzdem. Ihr spöttisches Grinsen verschwindet nicht von ihren Lippen.

„Du wusstest es nicht? Das war dieselbe Nacht, in der er nicht zu dir zurückgekommen ist.“

Sie zuckt mit den Schultern, als wäre es nichts Besonderes. Als hätte ich es die ganze Zeit wissen müssen.

Ich möchte sie anschreien, doch stattdessen breitet sich eine seltsame Ruhe in mir aus. Auf eine gewisse Weise ergibt plötzlich alles einen Sinn. Die späten Nächte, die Ausreden. Wie er meine Fragen abtat und sich mir gegenüber so distanziert verhielt. Ich hatte mir eingeredet, dass es nur die Arbeit war. Der Stress. Vielleicht hatte ich sogar gehofft, dass es etwas so Unbedeutendes war, dass ich es mit genügend Mühe wieder in Ordnung bringen könnte.

Aber das hier? Das ist nichts, was man wieder in Ordnung bringen kann.

Ich presse die Kiefer aufeinander.

„Du bist also nur hierhergekommen, um mir zu erzählen, dass du mit meinem Mann geschlafen hast?“

Dolly lacht leise. Ihr Lachen klingt scharf und höhnisch.

„Oh, Caroline, es ist so viel mehr als das. Ich dachte nur, du hättest es verdient, deinen Platz zu kennen.“

Sie beugt sich vor und verengt die Augen.

„Ich habe dich gesehen, weißt du? An eurem Hochzeitstag, wie du allein in diesem Restaurant gesessen hast, während er bei mir war. Um meinen Geburtstag zu feiern.“

Ihre Worte schmerzen, obwohl sie es eigentlich nicht sollten. Ich erinnere mich nur zu gut an diesen Abend. Doch jetzt, da Dolly mir gegenübersitzt und mir das alles so beiläufig vor Augen führt, fühlt es sich wie ein grausamer Scherz an.

„Ich bin mit seinem Kind schwanger“, fügt sie hinzu. Ihre Stimme klingt kalt und berechnend. „Er hat dir längst gezeigt, dass du ihm nichts bedeutest, Caroline. Es ist Zeit, dass du Platz machst.“

Ich zucke nicht einmal mit der Wimper. Mein Blick wird hart, während ich sie ansehe und abzuschätzen versuche, wie viel davon wahr ist und wie viel sie nur sagt, um mir absichtlich noch mehr Schmerz zuzufügen.

„Du erwartest, dass ich dir das glaube?“

Sie greift in ihre Tasche, holt ein Blatt Papier heraus und schiebt es mit einem selbstgefälligen Grinsen über den Tisch.

„Überzeug dich selbst.“

Ich zögere einen Moment, bevor ich das Dokument aufnehme. Meine Hände zittern leicht. Es ist ein Schwangerschaftsbericht, dessen Ergebnisse alles bestätigen, was sie gesagt hat. Ich lege das Papier wieder auf den Tisch und spüre, wie sich das ganze Gewicht dieser Erkenntnis tief in meinen Knochen festsetzt.

Meine Gedanken überschlagen sich, doch ich zwinge mich, ruhig zu bleiben und die Fassung zu bewahren.

„Glaubst du, dass ich deswegen gehen werde?“, frage ich leise. Meine Stimme bleibt ruhig, obwohl sich in meinem Inneren ein Sturm zusammenbraut.

Dollys Grinsen wird breiter.

„Ich muss dich nicht dazu bringen, zu gehen, Caroline. Er hat sich bereits für mich entschieden. Du bist nur noch das letzte Hindernis.“

Ich sehe sie an. Wirklich an. Und zum ersten Mal empfinde ich eine seltsame Klarheit. Sie ist die Frau, mit der Knoxx sich eingelassen hat. Die Frau, mit der er mich betrogen hat. Doch während ich hier sitze und mir anhöre, wie sie sich mit ihrem Triumph brüstet, empfinde ich keinen Unglauben.

Ich empfinde Ekel.

Dollys höhnisches Grinsen wird noch breiter. Ihr Triumph ist unverkennbar.

„Ich bin Knoxx' erste große Liebe, Caroline. Er hat sich mit dir zufriedengegeben, weil er mich nicht haben konnte. Aber in dem Moment, als ich zurückkam, änderte sich alles. Er konnte gar nicht genug von mir bekommen, als wäre zwischen euch beiden nie etwas gewesen. Er wollte schon immer mich.“

Ich schlucke schwer. Ihre Worte treffen mich tiefer, als ich zugeben möchte.

„Aber er hat sich für mich entschieden.“

Dolly lehnt sich zurück und strahlt Zufriedenheit aus.

„Hat er sich wirklich für dich entschieden? Oder warst du damals einfach nur die beste verfügbare Option? Sobald ich zurückkam, warst du für ihn nur noch nebensächlich. Du hast es doch mit eigenen Augen gesehen, oder? An diesem Abend, eurem Hochzeitstag? Er hat mich gewählt.“

Mein Atem beschleunigt sich, als mir klar wird, wie lange ich schon versucht habe, mir einzureden, dass sich alles ändern würde. Dass Knoxx irgendwann lernen würde, mich zu lieben. Doch jetzt fühlt es sich an, als würde die Fassade Stück für schmerzhaftes Stück in sich zusammenbrechen.

Ich wusste, dass nicht alles perfekt war. Aber auf einen solchen Verrat war ich nicht vorbereitet.

Dollys Stimme reißt mich aus meinen Gedanken.

„Jetzt, da du von unserem Baby weißt“, sagt sie mit selbstgefälligem, völlig ungerührtem Ton, „musst du deine Rolle als seine Ehefrau aufgeben. Das ist nur fair.“

Ich antworte nicht.

Dolly beobachtet mich aufmerksam. Ihre Augen glänzen vor Triumph. Dann ertönt ihr Lachen, scharf und gnadenlos.

„Denk darüber nach, Caroline. Ohne dich wird er glücklich sein. Du bist für ihn nur eine Belastung – eine verfaulte Wurzel, die herausgerissen werden muss.“

Ich schweige weiterhin.

Als sie aufsteht, um zu gehen, wird ihre Stimme giftig.

„Wenn du nicht bald verschwindest, werde ich dir das Leben zur Hölle machen. “

„Du bist für Knoxx nur eine Goldgräberin, Caroline. Vergiss das nicht.“

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