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Kapitel Vier

Author: Luna ink
last update Petsa ng paglalathala: 2026-07-01 06:32:11

Sylvias Perspektive 

Ich drehte mich um, um zu sehen, wer hinter mir war, doch in dem Moment blieb mein Absatz am Saum meines Kleides hängen.

Ein erschrockenes Keuchen entfuhr meinen Lippen.

Ich stolperte nach vorne und erwartete bereits den schmerzhaften Aufprall auf den Boden, doch dazu kam es nicht. Ein starker Arm legte sich um meine Taille und fing mich auf, bevor ich stürzen konnte.

Für einen kurzen Moment verlor ich mich in einem Paar dunkler Augen.

Der Mann, der mich festhielt, wirkte beinahe unwirklich.

Seine Gesichtszüge waren markant und auffallend, sein Ausdruck kühl, und doch war da etwas an ihm, das es schwer machte, den Blick abzuwenden. Unter anderen Umständen hätte ich vielleicht mehr wahrgenommen, doch im Moment war mein Kopf viel zu erschöpft, um an etwas anderes zu denken als an die Demütigung, die ich gerade erlebt hatte.

Als mir bewusst wurde, dass ich noch immer in seinen Armen war, trat ich schnell einen Schritt zurück.

„Es tut mir leid“, sagte ich leise und senkte den Blick.

Das Letzte, was ich jetzt brauchte, war, mich vor einem weiteren Fremden zu blamieren.

Er war wahrscheinlich ohnehin einer von Vincents Geschäftspartnern. Noch jemand, der das Getuschel in der Halle gehört hatte. Noch jemand, der von der Frau wusste, die glaubte, sie würde heiraten – nur um herauszufinden, dass sie gar nicht die Braut war.

Allein dieser Gedanke ließ meine Brust schmerzen.

Ich wollte nicht länger hierbleiben.

Ich war es leid zu weinen.

Es leid, angestarrt zu werden.

Es leid, das Gefühl zu haben, dass jeder auf mich herabsah.

Alles, was ich wollte, war zu gehen und herauszufinden, wie ich mein Leben wieder aufbauen konnte, das ich Vincent so töricht anvertraut hatte.

Kaum hatte ich ein paar Schritte gemacht, spürte ich, wie eine Hand sanft mein Handgelenk umfasste.

„Ich bin Vincenzo Morgan Sky.“

Ich sah zu ihm zurück.

Der Name klang nicht nach jemandem, den ich kannte.

„Es tut mir leid, falls ich Sie beleidigt habe“, sagte ich hastig. „Ich wollte wirklich keinen Ärger machen. Und ich bin nicht das, wofür diese Leute mich gehalten haben.“

Meine Stimme brach beinahe beim letzten Satz.

Das Gelächter aus der Halle hallte noch immer in meinem Kopf nach.

Die spöttischen Blicke, die Anschuldigungen und das Mitleid.

Für einen Moment fühlte es sich an, als stünde ich wieder mitten in dieser Halle.

„Ich werde jetzt gehen“, fügte ich leise hinzu.

Doch seine nächsten Worte ließen mich innehalten.

„Ich weiß, dass Sie das nicht sind.“

Ich blinzelte.

Sein Blick blieb fest auf mich gerichtet.

„Sie sind nicht das, wofür die Leute Sie halten“, sagte er ruhig. „Sie sind jemand, der der falschen Person vertraut hat und dafür den Preis bezahlen musste.“

Etwas zog sich schmerzhaft in meiner Brust zusammen.

Denn genau das war passiert.

Keine verrückte Frau.

Keine Lügnerin.

Kein Dienstmädchen, das versuchte, eine Hochzeit zu ruinieren.

Sondern einfach jemand, der den falschen Mann geliebt hatte.

Und irgendwie tat es mehr weh, das von einem Fremden zu hören, als all die Beleidigungen zusammen.

„Danke, dass Sie mir glauben“, sagte ich leise. „Ich werde jetzt gehen und mich nicht noch weiter demütigen.“

Ich drehte mich um, doch seine Stimme hielt mich erneut auf.

„Ich kann Ihnen dabei helfen.“

Ich sah ihn erstaunt an.

„Wobei helfen?“, fragte ich. „Wie genau wollen Sie mir helfen?“

Ein schwaches Lächeln erschien auf seinen Lippen.

„Ich bin der Feind des Mannes dort drinnen. Wenn Sie sich mit mir zusammentun und ihn zu Fall bringen, wäre das nicht Genugtuung?“

Einen Moment lang starrte ich ihn nur an.

Dann lachte ich – nicht, weil es lustig war, sondern weil es unmöglich klang.

„Sie machen wohl Witze.“

Ich schüttelte den Kopf und sah weg.

„Selbst wenn ich Rache wollte, selbst wenn ich der Welt beweisen wollte, dass ich nicht die Frau bin, als die er mich dargestellt hat – was habe ich denn schon?“ Meine Stimme zitterte leicht. „Nichts.“

Dieses eine Wort blieb zwischen uns hängen.

„Wissen Sie, was mein größter Fehler war?“, fragte ich leise. „Ich habe mich geweigert zu akzeptieren, dass Vincent völlig außerhalb meiner Reichweite war. Ich habe immer geglaubt, Liebe würde genügen.“

Ein bitteres Lächeln legte sich auf meine Lippen.

„Es spielt keine Rolle, wie ehrlich oder fleißig ein armer Mensch ist. In dem Moment, in dem jemand Mächtiges beschließt zu lügen, glaubt ihm jeder. Wir werden zu den Lügnern. Wir werden zu den Verrückten.“

Wieder verschwammen meine Augen vor Tränen.

Ich hasste es zu weinen.

Vor allem vor einem Fremden.

Aber dieser Tag fühlte sich wie ein einziger Albtraum an, aus dem ich nicht aufwachen konnte.

„Das Schlimmste ist nicht einmal, dass er eine andere geheiratet hat.“ Ich schluckte schwer. „Es ist, dass ich monatelang alles dafür geplant habe.“

Mein Blick wanderte hinüber zum Hotel.

„Ich habe die Reservierungen gemacht. Ich habe die Blumen ausgesucht. Ich habe die Dekoration ausgewählt. Ich habe mich um jedes einzelne Detail gekümmert, weil ich dachte, ich würde meine eigene Hochzeit planen.“

Meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen.

„Und nicht ein einziges Mal ... nicht ein einziges Mal ... hat er mir die Wahrheit gesagt.“

Die Tränen liefen mir schließlich über die Wangen.

„Er hat zugesehen, wie ich mich bis zur Erschöpfung abarbeitete. Er hat zugesehen, wie ich mich auf eine Zukunft freute, die nie für mich bestimmt war. Fünf Jahre lang habe ich ihm vollkommen vertraut, und alles, was er getan hat, war, mich zum Narren zu machen.“

Ich wischte mir schnell über das Gesicht.

Weinen würde nichts ändern.

Ebenso wenig wie hier stehen zu bleiben.

„Sie können diesen Schmerz nicht verstehen“, sagte ich leise. „Jemand wie Sie hat so etwas wahrscheinlich noch nie erlebt.“

Ich trat einen Schritt zurück.

„Also danke für Ihre Sorge, aber ich habe weder das Geld noch die Macht oder die Verbindungen, die nötig wären, um gegen Vincent Sky anzutreten. Ich werde gehen, mein Leben neu aufbauen und vielleicht eines Tages stark genug sein, ihm gegenüberzutreten.“

Ich drehte mich um, um zu gehen.

Seine Hand schloss sich um meine. Die Wärme seiner Berührung ließ mich innehalten.

Als ich mich wieder zu ihm umdrehte, hatte sich sein Ausdruck verändert.

In seinen Augen lag etwas Dunkles.

„Ich habe mehr Verrat erlebt, als Sie sich vorstellen können.“

Seine Stimme war ruhig.

Diese Art von Ruhe, die gewöhnlich erst nach einem überstandenen Sturm entsteht.

„Glauben Sie, Sie sind der einzige Mensch, der den falschen Leuten vertraut hat?“

Mir stockte der Atem.

„Sie brauchen keine Ressourcen“, fuhr er fort. „Die habe ich bereits.“

Ein seltsames Gefühl breitete sich in meinem Magen aus.

Nichts an diesem Gespräch fühlte sich noch normal an.

„Und was würde mich das kosten?“, fragte ich vorsichtig.

Sein Blick hielt meinen fest.

Mehrere Sekunden lang sagte keiner von uns etwas.

Dann antwortete er schließlich:

„Sie werden mich heiraten.“

Ich blinzelte.

Mein Verstand war wie leergefegt.

„Sie bekommen Ihre Rache“, fuhr er fort, als hätte er gerade etwas völlig Vernünftiges vorgeschlagen. „Und im Gegenzug bekomme ich etwas, das ich will.“

Ich starrte ihn an.

Sicher hatte ich mich verhört.

„Was?“

Meine Stirn legte sich in Falten, während ich in seinem Gesicht nach irgendeinem Anzeichen suchte, dass er scherzte.

Doch da war keines.

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