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Kapitel 2

作者: Unsettled Waves
Erst mit Verzögerung meldete sich ein dumpfer, anhaltender Schmerz.

Eigentlich hätte mich das nicht so mitnehmen dürfen, redete ich mir ein. Es war nur der Verrat einer Freundin, mehr nicht.

Doch wer diese Grenze – die Grenze der Freundschaft – überschritten hatte, war Lena.

An dem Tag, als wir beschlossen, gemeinsam die Schule zu wechseln, schleppte sie mich in eine Bar, um auf unsere Befreiung anzustoßen.

Gedämpftes Licht lag über uns, und ich blickte das Mädchen an, das ich seit Jahren heimlich liebte. Mir war ganz benommen zumute.

Als sie sich vorbeugte und mich küsste, wies ich sie nicht zurück.

Gefühle, die ich jahrelang unterdrückt hatte, brachen mit einem Mal ungezügelt aus mir heraus.

Ich konnte mich nicht beherrschen und platzte heraus: „Lena, was sind wir jetzt?“

Lena küsste mich erneut zärtlich auf die Lippen und sagte: „Dummerchen, was sollten wir denn sonst sein?“

Im Separee brach Jubel aus, und die Stimmung war ebenso warm wie das Kribbeln in meiner Brust.

Ich hätte nie gedacht, dass nur zwei Tage später Lena selbst meine stille Hoffnung zunichtemachen würde.

Ich lächelte, doch unaufhaltsam liefen mir die Tränen übers Gesicht.

So war auch ihre zweideutige Antwort nur ein Mittel gewesen, um mich Michael zuliebe möglichst rasch loszuwerden?

Der Wind ließ die Windspiele in meinem Zimmer klingen und trocknete meine Tränen.

Auch mein gebrochenes Herz begann langsam zu heilen.

Lena hatte sich geirrt.

Sie war nur die uneheliche Tochter der Familie Shaw, ich der einzige Erbe der Familie Chase. Wir hätten uns niemals aneinanderklammern dürfen.

Denn wir passten nicht zusammen.

Der Wechselantrag in meiner Hand war von Tränen befleckt, die Tinte war verlaufen, und das Papier sah verschmutzt aus.

Doch das spielte keine Rolle. War dieser hier verdreckt, ersetzte ich ihn eben durch einen sauberen.

Der Familie Chase fehlte es nie an Alternativen.

Ich druckte ein neues Formular aus. Doch als ich an die Zeile für die Zielschule kam, rief ich meine Mutter an.

„Mama, du hast doch mal gesagt, ich soll im Ausland zur Schule gehen – an welche dachtest du da? Ja, ich gehe allein.“

Die Windspiele im Zimmer klangen klar und angenehm, als wollten sie mit mir feiern.

Ich schloss kurz die Augen, und das Gesicht, das diesmal vor mir auftauchte, war nicht Lenas.

Eine Frau, die Lena recht ähnlich sah, aber sanfter und reizvoller wirkte, lächelte mich an – mit derselben Entschlossenheit und Ernsthaftigkeit wie vor zwei Jahren.

„Harry, früher oder später wirst du Lena aufgeben und dich für mich entscheiden.“

Damals hatte ich es für einen Scherz gehalten.

Jetzt wiederholte ich diese Worte im Stillen für mich.

Lena, ich will dich wirklich nicht mehr.

Nachdem ich den neuen Antrag ausgefüllt hatte, holte ich tief Luft und spürte, wie sich eine ruhige Gelassenheit über mich legte.

Dann klopfte es plötzlich an der Tür.

Ich war verblüfft – dieses Haus hatte immer mir allein gehört, und die einzige Person, die den Code kannte, wäre…

Ich öffnete die Tür, und tatsächlich blickte mir Lenas Gesicht entgegen.

Ihr Ton war wie immer sanft: „Harry, du bist schon lange nicht mehr zu unseren Treffen gekommen, ich habe mir Sorgen um dich gemacht.“

Ich zwang mich zu einer ruhigen Antwort: „Mir war nicht gut, deshalb lasse ich es heute aus.“

Gerade als ich sie verabschieden wollte, erblickte ich aus dem Augenwinkel eine unerwartete Gestalt.

Feige und scheinheilig wie eh und je drückte sich Michael an Lenas Seite und zuckte zusammen, als unsere Blicke sich trafen.

Lena beobachtete jede seiner Regungen und ergriff sofort seine Hand.

„Harry, du machst Michael Angst.“

Schon wieder dieses Schauspiel. Michael setzte stets diese zerbrechliche Miene auf, die mich zu einem gewalttätigen Monster machte, das ihm etwas Unverzeihliches angetan hätte.

Dabei hatte ich überhaupt nichts getan.

Meine Miene wurde kalt: „Ich habe gesagt, dass ich keine Fremden in meinem Haus haben will.“

Lena runzelte missmutig die Stirn: „Michael ist kein Fremder. Außerdem ist er gekommen, weil er sich Sorgen um dich macht.“

Bevor ich erwidern konnte, begann Michael wieder mit seinem Theater.

„Harry, es tut mir leid. Ich weiß, dass du immer auf mich herabgesehen hast, aber ich habe jeden Tag geduscht.“

Mit gekränkter Miene fügte er hinzu: „Ich hätte dein Haus nicht verschmutzt…“

Als sie das hörte, zog Lena sofort die Augenbrauen zusammen und sah mich vorwurfsvoll an: „Harry, Michael kommt nur aus armen Verhältnissen, aber er ist nicht so ein hoffnungsloser Fall, wie du glaubst.“

„Dass du ihn so behandelst, hat mich wirklich enttäuscht.“

Michael senkte schüchtern den Kopf, mit nachsichtiger, verständnisvoller Miene.

„Lena, mir geht es gut, streitet euch nicht meinetwegen mit Harry…“

Er schniefte und zwang sich zu einem gekränkten, aber tapferen Lächeln.

„Schließlich hat Harry gesagt, ihr beide seid Jugendfreunde – wie könnte ich da mithalten…“

„Was redest du denn da für einen Unsinn? Du bist doch einzigartig.“

Lena beruhigte ihn mit sanfter Stimme.

Dann wandte sie sich mir zu, ihre Miene war eisig, und sie sagte mit schwerer Stimme: „Michael fühlt sich nicht wohl. Ich bringe ihn zuerst nach Hause. Du kannst über das, was du eben getan hast, nachdenken. Vergiss nicht – du brauchst noch einen Stempel auf deinem Wechselantrag.“

Ich dachte tatsächlich ernsthaft über meine schlechte Menschenkenntnis nach.

Dann ging ich los und änderte den Code an meiner Haustür.

Der angestaute Ärger in meiner Brust ließ endlich ein wenig nach.

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