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Kapitel 4

Author: Right
last update publish date: 2026-10-31 20:27:37

Kates Kopfschmerzen schienen schlimmer zu werden, als Lucas sorglos sprach.

Sie schüttelte den Kopf und wandte sich an Adrian und Sienna. „Ihr seid jetzt seit drei Jahren verheiratet. Wann werdet ihr eine Familie gründen? Ich möchte meine Enkelkinder halten."

In dem Moment, als das Thema aufkam, verschwand die entspannte Atmosphäre im Wohnzimmer. Siennas Finger umklammerten ihre Teetasse, bis ihre Knöchel blass wurden.

Es war das eine Thema, das Sienna immer verletzte, egal wie oft sie versucht hatte, das Gegenteil vorzutäuschen. Drei Jahre der Hoffnung, der monatlichen Enttäuschung, des Wachliegens neben Adrian, während er schlief, und sich fragte, was mit ihr nicht stimmte, des Lächelns durch Babypartys und Taufeinladungen. Die wohlmeinenden Fragen, die sich weniger wie Sorge und mehr wie Anschuldigungen anfühlten.

Adrians Tante – Eva, nutzte sofort die Stille aus.

Sie lehnte sich mit einem spöttischen Lächeln vor. „Sienna, du bist seit drei Jahren verheiratet und immer noch kein Kind? Was werden die Leute über die Shawn-Familie sagen?"

Ihre Augen wanderten abschätzig über Siennas Kleidung. „Wenn Adrian nicht darauf bestanden hätte, dich zu heiraten, glaubst du ehrlich, jemand aus deinem Hintergrund hätte diese Familie betreten können? Du solltest dankbar sein. Wenn du dich weigerst, Adrian Kinder zu geben, wird eine andere Frau sicherlich nicht zögern."

Eva sprach, als würde sie Ratschläge erteilen. Die Verachtung in ihrer Stimme war unmöglich zu verbergen. Eva hatte Sienna nie als Mitglied der Familie akzeptiert – nicht bei der Hochzeit, nicht bei den Familienessen, nicht in den drei Jahren. Für Eva würde Sienna immer das Mädchen sein, das nicht dazugehörte, die Außenseiterin, die irgendwie durch eine Tür geschlüpft war, die hätte geschlossen bleiben sollen.

Die Diskussion ließ Siennas Brust sich zusammenziehen. Sie hatte sich immer Kinder gewünscht. Sie hatte von ihnen geträumt, vor Adrian, lange vor der Shawn-Familie, bevor sie überhaupt verstand, was es sie kosten würde, etwas so Einfaches zu wollen. Sie hatte buchstäblich ihre Forschungskarriere aufgegeben, um Adrian zu unterstützen und ihre Ehe aufzubauen – hatte Jahre des Studiums zurückgelassen, eine Zukunft, Kollegen, die an sie geglaubt hatten. Doch jetzt schien jedes Opfer bedeutungslos. Nichts davon zählte, weil sie keinen Erben produziert hatte.

„Eva!", Adrians Stimme wurde plötzlich kalt. „Das ist das letzte Mal, dass ich dich warne. Sienna und ich werden unsere Zukunft selbst entscheiden. Du hast kein Recht, dich einzumischen."

Der Raum wurde still. Evas Lächeln stockte, dann erholte es sich. Sie sagte nichts mehr. Jemand im Raum räusperte sich. Änderte das Thema und das Gespräch ging weiter, als wäre nichts passiert.

In der Vergangenheit wäre Sienna von Adrians Verteidigung berührt gewesen und hätte seine Worte als Beweis dafür genommen, dass er sie wirklich liebte.

Aber die heutigen Worte klangen leer, als sie hohl in ihren Ohren widerhallten – ein Reflex, kein Versprechen. Eine Aufführung für den Raum, kein Schutz für sie. Sie schaute Adrian an, die Härte seines Kiefers, die Art, wie er sich bereits wieder seinem Teller zugewandt hatte, als wäre die Angelegenheit erledigt.

Auf halbem Weg durch das Bankett klingelte plötzlich Adrians Telefon.

„Entschuldigt mich alle", sagte Adrian und warf einen Blick auf den Bildschirm. „Es gibt eine Angelegenheit im Unternehmen. Ich muss mich darum kümmern."

Er wandte sich zu Sienna und milderte seinen Ausdruck. „Schatz, bitte Omas Fahrer, dich zu bringen. Ich werde so bald wie möglich zurück sein."

Kate winkte mit der Hand. „Geh nur, Adrian. Wir können uns um Sienna kümmern."

Adrian beugte sich vor und küsste ihre Stirn. „Ich werde es später wiedergutmachen."

In dem Moment, als Adrians Auto hinter der Auffahrt verschwand, verschwand Kates freundlicher Ausdruck. Kate wandte sich mit Ungeduld an Sienna.

„Nun, Adrian ist bereits gegangen", sagte Kate kühl. „Ich nehme an, du wirst auch nicht länger bleiben."

Der Raum fühlte sich plötzlich kälter an.

Eva verschränkte die Arme. Lächelte. „Sienna ist eine Erwachsene. Sicherlich kann sie ihre Beförderung selbst arrangieren."

Hitze schoss in Siennas Gesicht. Sie hatten sie wie einen Gast behandelt, in dem Moment, als Adrian weg war.

Sie erhob sich langsam von ihrem Platz. „Ich verstehe. Danke, dass ich kommen durfte."

Als Kate nickte, näherte sich der Butler und begleitete Sienna durch die Vordertüren. Der Butler blieb am Tor des Anwesens stehen, drehte sich dann sofort um und ging hinein.

Sie blieb allein an der Straße zurück.

Einen Moment später begann Regen zu fallen.

Große Regentropfen trafen ihr Haar und ihr Seidenkleid und durchnässten schnell den Stoff.

Sie holte ihr Telefon heraus und versuchte, ein Auto zu bestellen. Die Anwendung zeigte keine verfügbaren Fahrer in der Nähe.

Das Anwesen war weit vom Stadtzentrum entfernt – verborgen hinter Meilen von Straßen und eisernen Toren, die Art von Ort, die gebaut wurde, um die Welt draußen zu halten. Natürlich kam niemand. Niemand kam hierher, es sei denn, er war eingeladen worden.

Der Regen wurde bald stärker. Innerhalb von Minuten war sie völlig nass. Wasser lief von ihrem Haar und ihr Kleid klebte kalt an ihrem Körper. Sie umarmte sich selbst und versuchte, die wenige Wärme festzuhalten, die noch geblieben war, und schaute zur Straße. Nichts. Schwarzer Asphalt und der schwache Glanz des Regens unter den fernen Laternen. Ihr Telefonakku war leer – zwölf Prozent, dann elf – und es gab keinen Unterschlupf in der Nähe. Keine Bushaltestelle. Keine Markise. Kein Haus mit einem Licht an. Nur die Stille und der lange Weg vor ihr.

Zum ersten Mal an diesem Abend erlaubte sie sich, das volle Gewicht ihrer Situation zu fühlen. Nicht die Wut, die sie wie eine Rüstung getragen hatte, oder den Stolz, der ihr Kinn bei jedem Wort beim Abendessen oben gehalten hatte.

Die Wahrheit, kalt und einfach: Adrian hatte sie auf dem Anwesen ohne einen Gedanken zurückgelassen. Seine Familie hatte sie gedemütigt, sie Stück für Stück am Tisch zerbrochen, während er neben ihr saß und nichts von Bedeutung sagte. Der Mann, dem sie einst vertraut hatte – der Mann, für den sie ihre Karriere aufgegeben hatte, ihre Jugend, ihre gesamte Zukunft – bereitete heimlich vor, ihr alles zu nehmen. Die Ehe, das Zuhause und das Leben, das sie darin aufgebaut hatte.

Sie wischte den Regen von ihrem Gesicht. Öffnete den Ordner mit ihren Beweisen. Die Dokumente waren noch sicher in ihrer Hülle aufbewahrt. So war auch die Aufnahme. Sie schaute auf die Dateien, auf die Beweise, die sie leise über Wochen gesammelt hatte, während sie vorgab, die Ehefrau zu sein, die alle erwarteten.

„Sie können mir meinen Platz am Esstisch nehmen, aber sie können das hier nicht auslöschen." Murmelte sie und ließ einen tiefen Seufzer entweichen.

Gerade als sie begann zu überlegen, ob sie zur Straße gehen sollte, durchbohrten helle Scheinwerfer die Dunkelheit.

Ein weißer Bentley verlangsamte neben ihr und hielt an.

Das hintere Fenster senkte sich allmählich und enthüllte Lucas' atemberaubende Züge.

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