LOGINVincentEin paar Minuten zuvor„Wie konntest du mir das antun?!“Cassias Stimme hallte durch den Raum, als sie mir so heftig gegen die Brust stieß, dass ich einen Schritt zurücktaumelte. Ihre Augen waren gerötet, ihr Atem ging unregelmäßig, und ihre perfekt gestylten Haare fielen ihr inzwischen wirr ins Gesicht. Sie sah völlig am Ende aus.Zum ersten Mal hielt ich sie nicht zurück. Ich blieb einfach stehen und ließ sie ihren Gefühlen freien Lauf, denn ehrlich gesagt verstand ich, warum sie so wütend war.Vielleicht war genau das der Grund gewesen, weshalb ich gewollt hatte, dass das, was zwischen Nyelle und mir passiert war, geheim blieb.In dem Moment, als Nyelle die Sache unten vor allen offengelegt hatte, wusste ich, dass alles eskalieren würde.„Sag doch endlich etwas!“, schrie Cassia und schlug mir erneut gegen die Brust. „Warum stehst du einfach nur da, als wäre das völlig normal?“Ich fuhr mir mit einer Hand durchs Haar und wandte den Blick ab.„Cassia …“„Nein!“, fuhr sie mir
NyelleMein Herz wollte sich einfach nicht beruhigen, selbst nachdem ich wieder das Anwesen betreten hatte.Kaum war die Haustür hinter mir ins Schloss gefallen, stieß ich zitternd die Luft aus und fuhr mir mit beiden Händen durchs Haar. In meinem Kopf herrschte das reinste Chaos. Leons Worte spielten sich immer wieder in meinen Gedanken ab und ließen mich einfach nicht los.Woher wusste er von dem Wegwerfhandy?Diese eine Frage kreiste unaufhörlich in meinem Kopf.Ich lief im Wohnzimmer auf und ab und nahm die Dekorateure, die mit Kisten, Bändern und Blumenarrangements beschäftigt waren, kaum wahr. Ihre Stimmen verschmolzen zu einem bedeutungslosen Hintergrundgeräusch, während ich rastlos hin und her ging und nervös auf meinem Daumennagel herumkaute. Die Angst breitete sich langsam in meiner Brust aus.An diesem Gespräch stimmte einfach nichts. Leon hatte viel zu selbstsicher gewirkt. Als wüsste er bereits die halbe Wahrheit und wartete nur darauf, dass ich ihm die andere Hälfte verr
LeonIch ließ meinen Blick fest auf Nyelles Gesicht ruhen und achtete auf jede noch so kleine Reaktion.In dem Moment, als ich das Wegwerfhandy erwähnte, veränderte sich ihr Gesichtsausdruck. Es ging so schnell, dass die meisten Menschen es wahrscheinlich gar nicht bemerkt hätten. Aber mir entging nichts.Und das genügte mir bereits.Die Stille im Wagen zog sich zwischen uns in die Länge. Äußerlich wirkte sie ruhig, doch ihre Schultern waren nun angespannt. Eine Anspannung, die vorher nicht da gewesen war.Warum brauchte eine stumme Frau ein Wegwerfhandy?Diese Frage ließ mich nicht mehr los, seit ich davon erfahren hatte.Meine Gedanken wanderten sofort zurück zu den Ereignissen wenige Stunden zuvor.Ich hatte in meinem Arbeitszimmer gesessen und auf meinem Laptop Dokumente durchgesehen, als Cole den Raum betrat, ohne anzuklopfen. Kaum sah ich seinen Gesichtsausdruck, wusste ich bereits, dass er Neuigkeiten hatte.„Sir“, begann er vorsichtig. „Die Krankenschwester wurde erledigt.“La
NyelleKaum war ich nach draußen getreten, fiel mein Blick auf den eleganten schwarzen Wagen, der gegenüber der Villa parkte.Ein spöttisches Schnauben entfuhr mir, bevor ich es verhindern konnte.Was für eine Dreistigkeit!Nach allem, was passiert war, nach allem, was ich vermutete, dass er getan hatte, besaß er tatsächlich noch die Frechheit, vor meinem Haus zu sitzen, als wären wir alte Freunde, die sich auf einen Kaffee trafen.Einen Moment lang überlegte ich, einfach umzukehren und wieder hineinzugehen. Leider siegte meine Neugier.Was zum Teufel wollte Leon?Ich ging zum Wagen und öffnete die Beifahrertür. Kaum hatte ich mich auf den Sitz gleiten lassen, verschränkte ich die Arme vor der Brust und lehnte mich zurück, ohne mir die Mühe zu machen, meinen Unmut zu verbergen.Leon warf mir einen Seitenblick zu und schüttelte amüsiert den Kopf.„Wow. Nicht mal ein Hallo?“Ich starrte ihn ausdruckslos an.„Wir sehen uns zum ersten Mal seit jener Nacht wieder“, fuhr er fort. „Keine Beg
NyelleVincents Gesichtsausdruck war es beinahe wert, für all das Chaos zu sorgen, das ich gleich anrichten würde.Die Überraschung stand ihm so deutlich ins Gesicht geschrieben, dass ich beinahe lachen musste. Letzte Nacht hatte er mich praktisch angefleht, zu vergessen, was passiert war. Er wollte so tun, als hätte es diesen Moment nie gegeben. Er wollte alles unter den Teppich kehren und einfach weitermachen, als hätte es ihm absolut nichts bedeutet.Leider hatte ich heute nicht die geringste Lust, ihm entgegenzukommen.Schnell tippte ich eine weitere Nachricht auf meinem Handy und hielt es den beiden direkt vor die Nase.„Antworte ihr.“Cassias Blick wanderte sofort zum Bildschirm. Ihr Gesichtsausdruck wurde noch angespannter.„Sag es mir, Vincent“, verlangte sie und verschränkte die Arme fest vor der Brust. „Was ist letzte Nacht passiert?“Die Stille, die darauf folgte, war beinahe unerträglich. Vincent wirkte in die Enge getrieben. Zum ersten Mal seit langer Zeit sah Vincent Hal
NyelleDer Morgen kam viel zu schnell. Ich hatte die ganze Nacht kaum geschlafen. Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, stürmten die Erinnerungen an die vergangene Nacht auf mich ein und verwandelten meine Gefühle in einen verworrenen Knoten, der sich einfach nicht lösen wollte. Ein Teil von mir fühlte sich noch immer verletzt. Zutiefst verletzt. Vincent hatte mir direkt in die Augen gesehen und es einen Fehler genannt. Selbst jetzt, während ich wach unter meiner Decke lag, hallten diese Worte in meinem Kopf wider.Ein Fehler.Der Mann, den ich seit Jahren liebte, hatte einen der wichtigsten Momente meines Lebens auf einen Fehler reduziert. Es hätte mich wütend machen müssen. Ich hätte ihn hassen müssen. Stattdessen starrte ich mit einem dämlichen Lächeln an die Decke, das sich alle paar Minuten auf meine Lippen zu schleichen drohte.Ich hasste das. Wirklich.Denn trotz allem, trotz des Schmerzes, trotz der Zurückweisung gab es eine Wahrheit, die ich nicht leugnen konnte.Zum ersten







